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HAMMERFALL: Interview mit Oscar Dronjak

10.05.2020 | 13:26

Vor der "Dominion"-Show in Leipzig am 12.02.2020 stand uns Bandgründer und Hauptsongschreiber Oscar Dronjak von HAMMERFALL Rede und Antwort.

Gesprochen wurde über die aktuelle Tour sowie die Scheibe "Dominion", doch auch über die frühe Zeit von HAMMERFALL konnte ich Oscar einige interessante Anekdoten entlocken.

Ihr befindet euch gerade auf Tour mit BATTLE BEAST und SERIOUS BLACK, was meiner Meinung nach ein mehr als gelungenes Package ist. Habt ihr euch diese beiden Bands selbst ausgesucht oder wurde das vom Label so festgelegt?

Ja, wir suchen die Supports immer selbst aus. Wir setzen uns zusammen und diskutieren verschiedene Möglichkeiten. Unsere Intention ist ein möglichst gutes Package zusammenzustellen, von dem wir denken, dass es unseren Fans ebenso gut gefällt wie uns. Wir wollten diesmal eine jüngere Band wie BATTLE BEAST, die es zwar schon eine ganze Weile gibt, aber die in den letzten Jahren mehr und mehr Aufmerksamkeit erhält. Für uns war das die perfekte Wahl.

Zuerst hat mich das etwas verwirrt, da BATTLE BEAST ja bei Nuclear Blast unter Vertrag steht, ihr aber mittlerweile bei Napalm Records seid.

Das hat für uns noch nie einen Unterschied gemacht, da wir wie gesagt immer selbst entscheiden, mit welchen Bands wir touren möchten. Das Label unterbreitet uns natürlich Vorschläge, letztendlich liegt aber die finale Entscheidung bei uns.

Ihr habt ja vor Kurzem sogar ein Video zusammen mit Noora von BATTLE BEAST veröffentlicht. Wie ist es denn dazu gekommen?

Es war Joacims Idee. Wir hatten den Song geschrieben und waren recht schnell der Meinung, dass er als Duett mit einer Frau wunderbar funktionieren würde, aber wir haben diese Idee für das Album noch nicht umgesetzt. Auf "Dominion" wird dieser Song von Joacim alleine gesungen. Als wir wussten, dass BATTLE BEAST uns auf der Tour begleitet, kam uns die Idee zu dem Video. Nicht nur weil sie mit uns zusammen touren, sondern weil Noora eine wirklich kraftvolle Stimme hat und gesanglich sehr gut mit Joacim harmoniert. Zum Glück war sie von der Idee ebenso begeistert wie wir und hat sofort zugesagt.

Werdet ihr den Song auch gemeinsam performen auf der Tour?

Natürlich, wir haben Noora gefragt, ob sie das machen würde und sie war sofort einverstanden. Wir sind sehr glücklich darüber, denn als Duett funktioniert der Song tatsächlich noch besser als die Album-Version.

"Dominion" ist das mittlerweile elfte Studioalbum von HAMMERFALL. Wie schafft ihr es, nach all den Jahren, immer noch großartige Songs zu schreiben ohne euch selbst zu wiederholen?

Das hat sich seit "Built To Last", dem Vorgänger von "Dominion", sehr verändert. Vorher hatten wir vor den Aufnahmen zu jedem Album immer sechs bis acht Monate Songwriting-Phase, in denen wir auch tatsächlich nichts anderes gemacht haben. Diesen Luxus hat man mittlerweile nicht mehr, da man viel mehr tourt und somit ist es naheliegend, auch das Songwriting bestenfalls in dieser Zeit mit unterzubringen. Ich habe mindestens 50% des Materials für "Dominion" oder sogar mehr unterwegs geschrieben, den Rest dann daheim in meinem Studio. Für mich war das anfangs eine massive Umstellung, bei "Dominion" hat das Ganze aber bereits viel besser funktioniert. Ich denke, dass ich so die Eindrücke und Gefühle von unseren Liveshows wesentlich besser in die Songs einfließen lassen kann, als wenn ich alles daheim im Studio schreiben würde. Ich arbeite mittlerweile auch an mehreren Songs gleichzeitig, von einigen hat man nur ein Riff, welches man später weiter ausarbeitet, andere sind hingegen schon relativ weit fortgeschritten. In der Summe schreibe ich jetzt sogar mehr Songs für ein Album als früher. Die nicht direkt verwendeten erscheinen dann als Bonustrack oder sind auf dem nächsten Album enthalten. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem ich jederzeit meine Ideen festhalte und zu gegebener Zeit damit weiterarbeite.

Das Resultat ist jedenfalls mehr als hörenswert. "Dominion" wurde ja nicht nur von den Fans wunderbar aufgenommen, sondern ebenso von der Fachpresse. Es findet sich sogar in mancher Jahresbestenliste von 2019 wieder.

Ja, es wurde tatsächlich sehr gut angenommen. Wir haben versucht, etwas anders vorzugehen als in der Vergangenheit. Jedes Album von HAMMERFALL besteht sozusagen aus den gleichen Zutaten, aber diesmal haben wir versucht das Rezept etwas zu verändern. Also etwas mehr hiervon, dafür etwas weniger davon und vielleicht einige extra Zutaten. Wir möchten, dass sich unsere Alben voneinander unterscheiden, es aber trotzdem noch nach HAMMERFALL klingt. Mit "Dominion" sind wir selbst sehr zufrieden und freuen uns natürlich, wenn das unsere Fans und die Fachpresse ebenso sehen.

Welches HAMMERFALL-Album siehst du selbst als das Beste?

Puh, es immer schwierig seine eigenen Songs oder Alben zu bewerten (lacht), aber spontan würde ich sagen, zwei der drei besten HAMMERFALL-Alben sind "Dominion" und "No Sacrifice, No Victory". Beim dritten bin ich mir nicht sicher, unser Debüt war mit Sicherheit sehr wichtig.

Die meisten Musiker nennen immer das aktuelle Album als das Beste...

Ja, das stimmt (lacht). Ich bin da keine Ausnahme. Ich meine, man arbeitet so lange und hart an einem Album, und die Eindrücke davon sind eben noch am frischesten, so dass man automatisch denkt, dass es das bisher beste ist. Ob dem tatsächlich so ist, kann man eigentlich erst nach einigen Jahren sagen. Wenn die Scheibe den "Test of Time" bestanden hat, dann kann man eigentlich erst von einem Top-Album sprechen. Im Falle von "Dominion" bin ich jedenfalls sehr zuversichtlich, was das angeht (lacht).

In deutschen Musikmagazinen kann man immer wieder lesen, dass HAMMERFALL damals der "Retter des klassischen Heavy Metal/Power Metal" war. Seht ihr das als Band ebenso?

Es ist natürlich eine wirkliche Ehre, wenn so etwas über dich gesagt wird und vielleicht ist auch was Wahres dran. Sicher haben wir dazu beigetragen, dieses Genre wieder etwas relevanter zu machen, denn Mitte der 90er Jahre gab es in diesem Bereich nicht besonders viele Veröffentlichungen. Das war auch genau der Grund, warum wir angefangen haben, diese Musik zu machen. Wir liebten diese Musik, und wenn es niemand anders macht und gute Alben in diesem Genre veröffentlicht, dann mussten wir das eben selbst tun (lacht).

Auf jeden Fall hat HAMMERFALL damals auch eine ganze Menge an jungen Bands beeinflusst, so dass sich dieses Genre bald wieder größerer Beliebtheit erfreuen konnte.

Wenn du zurück ins Jahr 1995/96 schaust, da gab es nicht viele Bands in diesem Genre. Es gab GAMMA RAY, HELLOWEEN, STRATOVARIUS, von denen ich allerdings erst einige Jahre später erfahren habe. MANOWAR würde ich ebenfalls dazu zählen. Viel mehr gab es damals nicht an wirklich aktiven Bands, die auch Alben veröffentlichten. Dann kamen wir und füllten diese Lücke. In Schweden hat es lustigerweise etwas länger gedauert, bis wir Aufmerksamkeit bekamen, denn diese Musik war damals in Schweden alles andere als populär. Viele größere Bands haben in dieser Zeit auch mehr Wert auf den Rhythmus gelegt als auf die Melodien. Diese Lücke haben wir gefüllt, was sicher auch ein Grund dafür war, dass HAMMERFALL so schnell Erfolg hatte. Die Zeit war einfach reif für mehr Melodien (lacht). Lustigerweise werden wir nur sehr selten von schwedischen Bands als Einfluss genannt, denn HAMMERFALL galt lange, lange Zeit als uncool in Schweden.

Ich kenne viele Leute, die jünger sind als ich, aber damals durch HAMMERFALL zum Heavy Metal gekommen sind.

Das ist eine Sache, die mich wirklich sehr stolz macht.

Heutzutage sind es wohl eher Bands wie SABATON, durch welche junge Leute an den Heavy Metal herangeführt werden...

Ja, der Erfolg von SABATON ist unglaublich und ich freue mich sehr für die Jungs. Wir kennen uns glaube ich seit 2009 oder so, als wir das erste Mal gemeinsam auf Tour waren. Damals hat SABATON uns supportet. Letztes Jahr sind wir beispielsweise gemeinsam durch die USA getourt, da haben wir SABATON supportet. Wir verstehen uns aber echt super mit den Jungs und gönnen ihnen den Erfolg.

In früheren Tagen warst du noch in einigen anderen Bands aktiv, welche beispielsweise Melodic Death oder Death Metal spielten. Könntest du dir vorstellen, auch heute noch solche Musik zu machen?

Vorstellen kann ich es mir natürlich, aber ich finde heute einfach keine Zeit dafür. Ich habe ja kaum genug Zeit für HAMMERFALL (lacht). Zudem habe ich jetzt eine Familie, mit der ich natürlich auch gerne möglichst viel Zeit verbringe, wenn ich zuhause bin. Wäre ich alleine, würde ich eventuell die Zeit finden, um weitere Bands neben HAMMERFALL zu haben. Mit CEREMONIAL OATH haben wir damals 1993 das Album "The Book Of Truth" veröffentlicht, welches eines der früheren Alben im Göteborg-Death-Metal-Stil, der später zum Melodic Death wurde, ist. Zwanzig Jahre später, also 2013, haben wir gedacht, dass es cool wäre, eine kleine Tour zu machen, auf der wir dieses Album zum Besten geben. Es hat viel Spaß gemacht, deshalb denke ich, dass es in diese Richtung gehen wird, sollte ich erneut etwas neben HAMMERFALL machen. Die Schwierigkeit ist aber immer, alle Leute unter einen Hut zu bringen, weil jeder immer irgendwie beschäftigt ist. Ein weit verbreitetes Problem in dieser Zeit.

In der Anfangszeit war HAMMERFALL für die meisten Mitglieder ja sogar die Nebenband...

Ja, das stimmt. Als ich die Band 1993 gründete, hatte ich bereits den Namen und eine grobe Vorstellung, in welche Richtung die Musik gehen sollte. Mir fehlten andere Leute, die mir dabei helfen konnten, diese Visionen umzusetzen. Daher habe einige meiner Freunde rekrutiert, die damals bereits in Bands wie IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY spielten und auch sehr beschäftigt waren. Ich selbst spielte ja ebenfalls noch in einer Death-Metal-Band. Wir hätten auch nie für möglich gehalten, dass HAMMERFALL jemals die Band sein würde, von der wir leben können. Denn wie gesagt, diese Art von Musik war damals alles andere als populär in Schweden. Aber wir gaben unser Bestes, schrieben gute Songs und irgendwann wurde das Ganze zum Selbstläufer. Ein wesentlicher Aspekt für unseren Erfolg war sicher auch die Tatsache, dass wir einfach selbst Spaß an dieser Musik hatten und es liebten, sie zu spielen.

Habt ihr für die Konzerte in den USA das gleiche Package am Start?

Nein, interessanterweise begleitet uns BEAST IN BLACK auf der Tour durch die Vereinigten Staaten im September und Oktober (grinst). Es wird ebenso spaßig werden, denn beides sind wunderbare Bands. Wir haben BEAST IN BLACK in den letzten Jahren öfters auf Festivals getroffen und kurz gequatscht. Dabei hat sich herausgestellt, dass das ebenso nette Leute sind und wir sicher viel Spaß zusammen auf Tour haben werden.

Habt ihr für die Shows dieser Tour noch einige Überraschungen auf Lager für die Fans?

Auf jeden Fall. Über das Duett mit Noora haben wir ja bereits gesprochen, aber wir haben denke ich auch unsere Liveshow auf ein neues Level gebracht. Klar, es gibt einige Songs, die wir unbedingt spielen müssen, beispielsweise 'Hearts On Fire', das erwarten unsere Fans einfach. Dann haben wir glaube ich sieben Songs im Programm, welche wir auch auf der letzten Tour gespielt haben sowie die eine oder andere Überraschung. Einige Songs haben wir entweder noch nie live gespielt oder schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wir möchten eben nicht auf jeder Tour die gleiche Setliste spielen, sondern unseren Fans auch etwas Abwechslung bieten. Unsere Show ist auch etwas länger als sonst, ich denke so circa 1 Stunde 45 Minuten. Und es ist von jedem Album mindestens ein Song dabei. Außerdem haben wir auf dieser Tour die bisher größte Bühne, die wir jemals hatten. Unsere Fans sollten auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen und einen aufregenden Abend erleben.

Davon gehe ich doch aus. Lieber Oscar, vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die heutige Show sowie die restliche Tour.

Redakteur:
Hermann Wunner

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