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HATESPHERE: Interview mit Jacob Bredahl

01.01.1970 | 01:00

Von kaum einem Debütalbum war ich so begeistert, wie von dem vor kurzem veröffentlichten self-titled Erstling der Dänen HATESPHERE. HATESPHERE? „Wer soll das sein?“, werden sich jetzt einige Fragen. Genau, das dachte ich mir auch. Spätestens aber nach diesem Überhammer von Album, der all diejenigen mehr als frohlocken lassen wird, die auf Bands wie THE HAUNTED, CARNAL FORGE, ARCH ENEMY … abfahren, wird diesen Namen so schnell nicht mehr vergessen. Garantiert!
Was infernalistische Furzattacken mit Rob Halford-Screams zu tun haben und wie nun die Aussichten auf eine märchenhafte Karriere nach dem Erstling bei den 5 Dänen stehen, wird uns im folgenden Interview Sänger Jacob Bredahl erläutern.

Jacob: Ich glaube nicht, daß wir mit unserem Debüt einen kometenhaften Aufstieg erleben werden, aber ich würde es mir selbstverständlich wünschen. Natürlich hoffst du immer den Durchbruch zu packen, aber das ist nun mal ‘ne schwierige Sache. In dem Spiel mischen unzählige Bands mit … aber es können nun mal nicht alle bis an die Spitze kommen. Ich hoffe einfach, daß die Leute unsere Scheibe mögen (sie hoffentlich auch kaufen) und wir viele Shows spielen werden. Wir sind gut … wir haben es verdient!!!!

Oliver: Wie sind denn die Reaktionen auf euer Debütalbum bis dato? Ich kann mir vorstellen sehr gut, da die Scheibe reinhaut wie Schwein …

Jacob: Danke. Bis jetzt gab’s nur positive Resonanzen auf das Album. Wir haben schon ein paar Interviews mit Radiostationen und Mags in Schweden, Norwegen und Italien gemacht und es macht den Anschein, daß die Leute auf die Scheibe abfahren. Auch bei uns hier sind die Reaktionen als positiv zu bezeichnen. Einige Leute behaupten sogar, daß unser Kram sämtliche dänischen Metalreleases alt aussehen läßt … somit alles klar?

Oliver: Könntest du in ein paar wenigen Sätzen Eure Bandhistory zusammenfassen, da ich mir sicher bin, daß HATESPHERE noch nicht allzu bekannt sind (dies sich aber mit Sicherheit bald ändern dürfte bzw. ändern muß).

Jacob: Gegründet haben wir uns wohl so um 1994 unter dem Namen NECROSIS. Bevor ich zur Band stieß wurde ein Demo namens “Condemned Future” veröffentlicht, das allerdings ziemlich F… war. 1997 ging das zweite Demo namens “Disconnected” an den Start, für das wir doch einige gute Reviews einfahren konnten. Das Zeug darauf könnte man wohl als groovigen Death Metal bezeichnen, aber noch immer mit schnellen, sowie melodischen Parts.
Während den Jahren kamen noch diverse Demos hinzu. Dann im Jahr 1998 oder war es ’99 stieß Mikael als neuer Bassist hinzu und im gleichen Zuge landeten wir auf dem “Extremity Rising” (SERIOUS ENTERTAINMENT) Sampler, bei denen wir dann auch gleichen einen Deal unterschrieben und uns auch gleich noch in HATESPHERE umbenannten. Als es dann daran ging unser Debüt aufzunehmen, verließ uns Jan (Gitarre), der von Ziggy ersetzt wurde. Anschließend nahmen wir dann das Album mit Jacob (S.E.) auf, der allerdings in finanzielle Probleme geriet und wir so bei SCARLET landeten …. and now we are here!

Oliver: HATESPHERE waren ja nicht immer HATESPHERE, du hast es ja auch eben angesprochen. 1998 habt Ihr Euch von NECROSIS in HATESPHERE umbenannt. Warum? Was war so falsch an NECROSIS?

Jacob: Dafür gab es zwei Gründe: erstens waren wir der Meinung, daß der Name NECROSIS nicht zu einer Band unserer Stilrichtung paßt und zweitens gibt bzw. gab es bereits eine Band mit dem Namen NECROSIS in den USA.

Oliver: O.k. dann laß uns mal ein paar Wörtchen über euer Debüt verlieren. Der DAD Cover-Song “Ill Will” geht ja recht spaßig mit einigen Furzattacken, sowie Rob Halford-ähnlichen Screams los. Ist das die weniger ernste Seite von HATESPHERE, im Vergleich zum doch recht heftigen und ultrabrutalen Rest?

Jacob: Yeah, ich denke auch, daß dies die spaßige Seite der Band ist. Die Sache mit den Fart-Attacks resultiert aus der Zusammenarbeit mit Producer Jacob Hansen. Seiner Meinung nach sind “anale Ausgasungen” das Lustigste überhaupt auf der Welt – das gleiche denken wir mittlerweile auch. Es ist einfach so, daß Du nach einer Weile Aufenthalt im Studio einfach ein paar weniger ernste Dinge machen mußt. Was die Tatsache angeht, daß wir uns für einen alten DAD Track als Coversong entschieden haben, so liegt das daran, daß wir das Stück schon immer als Zugabe in unserem Live-Set hatten und wir einfach dachten es mal cool wäre das Teil auf Konserve zu hören. Übrigens, die Halford Screams am Anfang stammen von Ziggy, unserem Klampfer.

Oliver: Warum habt Ihr eigentlich Bass- und Drum-Tracks seperat vom Rest in einem anderen Studio aufgenommen?

Jacob: Unser Schlagzeuger war zu dem Zeitpunkt sehr mit seinem Studium beschäftigt. Somit war es für ihn leichter hier in Aarhus aufzunehmen, anstatt jeden Tag 4 Stunden hin und her zu fahren … das war der Grund.

Oliver: Obligatorische Frage: worum geht es in euren Lyrics?

Jacob: Blood, Murder, Satan, Hate & Aggressions! (Aha, sehr interessant und aufschlußreich; war wohl auch ´ne obligatorische Antwort – Anm. d. Red.)

Oliver: Wie seit ihr eigentlich zu SCARLET gekommen und wie seit ihr mit deren Arbeit für euch zufrieden? Was glaubst du, ist SCARLET in der Lage die Band in die Höhen des Biz zu katapultieren in die sie es verdient hätte zu gelangen? Ich für meinen Teil bezweifle das … sorry!

Jacob: Wie vorher erwähnt, hatten wir ja schon ein Label vor SCARLET namens SERIOUS ENTERTAINMENT, aber Jacob Hansen (Label Boss) kam in finanzielle Schwierigkeiten und war somit nicht in der Lage die Scheibe zu veröffentlichen. Das Album war zu dem Zeitpunkt schon fertiggestellt und somit gingen wir mit dem fertigen Endprodukt auch hausieren, auf der
Suche nach einem neuen Label. Eigentlich war es dann auch Jacob, der uns auf SCARLET aufmerksam machte. Als diese die Scheibe gehört hatten, mußten sie uns einfach signen.
Bis jetzt jedenfalls sind wir mit deren Arbeit zufrienden und ich hoffe mal, daß sie es schaffen werden uns bis zum Maximum zu pushen.

Oliver: Nach eurem zweiten Demo habt ihr ziemlich viele Vertragsangebote erhalten, von denen ihr aber kein einziges unterschrieben habt.
Angeblich weil ihr noch auf der Suche nach eurem Stil wart … hört sich seltsam für mich an.

Jacob: Eigentlich waren die Angebote nicht sonderlich gut. So entschieden wir uns zu warten, um zu sehen ob noch was besseres nachkommt.

Oliver: Wie ist eigentlich die Szene in Dänemark für Musik wie ihr sie spielt?

Jacob: Die Szene in Dänemark ist mit Sicherheit nicht die beste der Welt. Wie du weißt ist unser Heimatland ein sehr kleiner Staat, von daher ist es schon mal ‘ne schwierige Ausgangssituation. Die Radios spielen keinen Metal. Dort bekommst du nur das Übliche, wie Pop und Discos Sounds serviert und wenn du Glück hast ab und an mal etwas Rock. Aber es gibt dort sehr viele Bands, schlechte wie gute. Die meisten davon kommen aber nicht aus ihrem Proberaum heraus. Ganz im Gegensatz zu uns hier in Aarhus, wo es Bands wie ILLDISPOSED, EXMORTEM, HUMAN ERUPT und EMBITTERED gibt, die alle durch die Bank als sehr gut zu bezeichnen sind (Da hat der gute aber eine noch bessere Band ganz vergessen … seine eigene nämlich – Anm. d. Red.)

Oliver: Wie steht’s mit ‘ner Tour in Europa?

Jacob: Wir hoffen darauf! Wir hätten die Möglichkeit gehabt 2 Wochen mit IMMOLATION im März zu touren, aber es hat nicht geklappt. Wenn die Scheibe auf dem Markt ist, müssen wir einfach eine Tour spielen, um auf das Teil aufmerksam zu machen. Vielleicht klappen ja ein paar Sommer-Festivals … ich weiß es nicht. Ich denke, das ist Sache von SCARLET und unserem Management “INTROMENTAL” diese Dinge für uns zu fixen. Das beste wäre wohl als Support-Act für eine größere Band auf Tour zu gehen, damit man auch die Gewissheit hat, vor ein paar Leuten zu spielen. Der Name HATESPHERE ist einfach nicht bekannt genug … noch nicht!

Und zum Abschluß noch der übliche Fragenkatalog!

Oliver: Was hältst du von Napster, MP3 Files und dem Internet im Allgemeinen?

Jacob: Eigentlich kann ich über das Net nicht viel sagen. Ich benutze es zwar, aber naja … Über dieses Thema zu reden kann sehr schnell ins politische abdriften und ich möchte nicht über Politik reden. Was Napster angeht … Vorteile für die einen, Nachteile für die anderen!

Oliver: Welche 3 Dinge würdest du nicht mit auf eine einsame Insel mitnehemen?

Jacob: Tough one. Den Make-Up Koffer meiner Freundin, meine Rechnungen …. Mundgeruch …. äähhhh …… keine Ahnung was ich sagen soll!

Oliver: Hättest du die Möglichkeit für einen Tag eine andere Person zu sein, wer wäre diese Person und warum?

Jacob: Ron Jeremy! He’s my man. Es muß cool sein rumzuschwallen, häßlich, fett und haarig zu sein, gleichzeitig aber viel Kohle dafür einzustecken. Das würde ich gern mal ausprobieren.

Oliver: Wie geht ihr mit Kritik um und habt ihr jemals in irgend einer Form Probleme mit der Presse gehabt?

Jacob: Wir können mit Kritik umgehen, selbstverständlich.
Aber bis jetzt war jeder sehr freundlich zu uns, da unser Album überall gut angekommen ist. O.k. ich hab bis dato noch nicht allzu viele Interviews gemacht und Reviews gab’s auch sehr wenige … so let’s see!

Oliver: Wie stehst du zum Thema Online Mags im Vergleich zu den herkömmlichen Printmedien?

Jacob: Ich persönlich bevorzuge die Gedruckten. Es ist einfach angenehmer etwas in der Hand zu halten; etwas das man fühlen kann (ich rede nicht von meinem Schwanz, falls mich hier jemand mißverstanden haben sollte). Es ist einfach eine coole Sache zum Zeitungshändler “seines Vertrauens” zu gehen, sich dort die neuste Ausgabe von was auch immer zu kaufen, heimzugehen und sich das Teil bei ‘ner Tasse Kaffee oder ‘nem Bier zu Gemüte zu führen. Das ist einfach geil! Das gute an Online Mags dagegen ist, daß sie nix kosten. So ist es nun mal.

Danke fürs Interview!

Redakteur:
Oliver Kast

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