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HATESPHERE: Interview mit Peter Lyse Hansen

01.01.1970 | 01:00

Ende September letzten Jahres erschien mit „Bloodred Hatred“ der vielbeachtete und hochgelobte, zweite Longplayer der Thrash Death Metal Überflieger HATESPHERE aus Dänemark. Ganz klar, dass den Jungs bezüglich dieses Meisterwerks auf den Zahn gefühlt werden musste. Klampfer Peter Lyse Hansen stand mir zu diesem Zweck Rede und Antwort (das Interview wurde schon vergangenen September 2002 geführt, konnte leider aber aus Zeitgründen erst jetzt von mir bearbeitet werden … Schande über mich und Asche auf mein Haupt). Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren … let’s go!

Oliver: Cheers Peter. Na wie geht’s so?

Peter: Danke, mir geht’s bestens. Bin gut erholt, da ich gerade aus dem Urlaub komme (Mexiko).

Oliver: Erstmal Gratulation zur neuen Scheibe … es ist wieder einmal ein erstklassiges Album geworden. Wie sind denn die Reaktionen auf “Bloodred Hatred” so ausgefallen?

Peter: Bis jetzt waren die Reaktionen auf das Album durchweg positiver Natur. Die Leute sind der Meinung wir haben uns in die richtige Richtung entwickelt und sie stehen voll auf unsere Mucke … das ist schon eine tolle Sache. Klar, dass es auch einige Typen gibt, die das Gegenteil denken, aber das juckt mich ziemlich wenig. Die Scheibe ist einfach saustark geworden!

Oliver: Was ist bei Euch nach der Veröffentlichung von “Hatesphere” so passiert? Gibt’s da irgendetwas Interessantes zu erzählen?

Peter: Für die Scheibe haben wir einige wirklich außerordentlich gute Reviews erhalten, was uns plötzlich sehr viel Aufmerksamkeit beschert hat und man uns somit nicht als eine weitere unbedeutende Band, die gerade eine Scheibe auf den Markt geworfen hat, abgestempelt hat. Anschließend spielten wir noch einige ziemlich erfolgreiche Gigs hier bei uns in Dänemark, aber leider nicht im Ausland, wie wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Das wird sich dieses Mal jedoch mit Sicherheit ändern … es sind schon einige Shows in Planung, also haltet Eure Augen offen!
Ach ja, einen neuen Schlagzeuger haben wir ja auch noch. Sein Name ist Morten Toft Hansen und er spielt zudem bei unseren Kumpels von RAUNCHY (Dänische Metal Band). Der Typ hat uns einen komplett neuen Drumsound verpasst, worüber wir echt verdammt happy sind! Abgesehen davon ist nicht viel passiert, aber wie gesagt, das soll sich mit der neuen Scheibe ändern.

Oliver: Eure Debütscheibe wurde von der Presse mehr als positiv aufgenommen, wie Du ja eben selber gesagt hast. Habt Ihr aufgrund dessen eine Art Druck verspürt, als Ihr mit dem Songwriting zur neuen Scheibe begonnen habt?

Peter: Wenn ich ehrlich bin, ja, schon ein bisschen. Aber das hat auch sehr viel mit Druck zu tun, den wir auf uns selber ausüben. Wir wollen uns einfach steigern, noch bessere Songs schreiben und da entsteht dann schon eine gewisse Spannung. Aber als wir uns die Stücke vom neuen Album zum ersten Mal angehört haben, wussten wir, dass es da nix gibt über das wir uns Sorgen machen müssten … deshalb sind wir glücklich!

Oliver: Worin siehst Du persönlich die Unterschiede zwischen Euren beiden Scheiben? Also für mich hören sich die Vocals auf dem neuen Output wesentlich abwechslungsreicher an und die Songs an sich sind etwas langsamer, dafür hörbar brutaler ausgefallen als auf Eurer Debüt-CD. Stimmst Du mir da zu?

Peter: Was die Vocals angeht stimme ich Dir zu. Jacob hat sich wirklich weiterentwickelt und probiert auf „Bloodred Hatred“ mit seiner „Stimme“ ein paar neue Dinge aus. Was die Geschwindigkeit der Stücke betrifft denke ich aber, dass wir eher schneller und intensiver geworden sind als langsamer. Ebenso sind die Songs kürzer ausgefallen und das alles funktioniert doch recht gut zusammen. In jedem Fall hast Du recht was Brutalität und Abwechslung angeht, da wurden doch einige neue Sachen ausprobiert und hinzugenommen. Alles in allem ist „Bloodred Hatred“ aber garantiert extremer ausgefallen als unsere Debütscheibe … die melodischen Parts sind noch melodischer geworden und das heftige Zeuge noch brutaler und schneller. Ich bin mit dem Ergebnis jedenfalls mehr als zufrieden und hoffe mal, dass viel Fans das ähnlich sehen.

Oliver: „HATESPERHE … das fehlende Glied zwischen ARCH ENEMY und THE HAUNTED“. Fühlt Ihr Euch mit dieser Aussage, die im aktuellen Bandinfo zu finden ist, auch wohl?

Peter: Ich fühle mich in dem Sinn von der Aussage sehr geschmeichelt, als dass beide Bands wirklich großartig sind und man uns im gleichen Atemzug mit ihnen nennt. Zudem, die Leute die auf eine der beiden Bands abfahren, werden auch unseren Sound mögen. Andererseits muss man sich aber auch vor Augen halten, dass wir unseren eigenen Sound haben und nicht als simples Plagiat abgestempelt werden wollen, wenn man einen Vergleich wie diesen hört. Diese Gefahr besteht immer, aber ich hoffe, dass sich die Fans unsere Scheiben ohne Vorurteile anhören und dann auch feststellen werden, dass wir wesentlich mehr zu bieten haben.

Oliver: Das neue Album wurde zusammen mit Tommy Hansen in den JAILHOUSE STUDIOS aufgenommen. Verglichen mit der ersten Produktion, was hat sich verändert, was ist gleich geblieben? Mit Sicherheit habt Ihr dieses Mal den Bass und das Schlagzeug im selben Studio aufgenommen wie den Rest … oder?

Peter: Oh ja, hahaha! Beim letzten Mal war es einfach eine organisatorische Angelegenheit, warum wir in zwei verschiedenen Studios aufgenommen haben. Bei der neuen Scheibe wollten wir allerdings eine relaxtere Atmosphäre und jeglichen Stress vermeiden, deshalb haben wir uns das JAILHOUSE und Tommy ausgesucht. Zudem haben einige von uns schon davor mit ihm zusammengearbeitet und waren mit seiner Arbeit immer sehr zufrieden. Tommy besitzt noch ein kleineres Studio direkt neben dem JAILHOUSE. Dort haben wir den Bass und die Solos eingespielt, während Morten zur gleichen Zeit mit den Drums beschäftigt war. Diese Arbeitsweise war ungemein entspannt und hat uns sehr viel Zeit eingespart, die wir wiederum für diverse Experimente verwenden konnten. Tommy hatte zudem die ein oder andere gute Idee, wie wir was spielen sollten und das hat die Songs dann noch zusätzlich aufgewertet. Das Intro stammt übrigens komplett aus seiner Feder … wirklich großartig!

Oliver: Auf der neuen Scheibe gibt es einen Song, der sich “Hell Is Here” nennt. Ist mit “Here” das Leben auf der Erde gemeint?

Peter: Ja, irgendwie schon. Zudem ist der Song auch eine Art Bandhymne die besagt, überall wo wir sind und wo wir spielen – All Hell Breaks Loose! Ziemlich easy wenn ich so darüber nachdenke … haha!

Oliver: Besteht eine Beziehung zwischen Cover und Titel beim neuen Album … mir blieb sie zumindest irgendwie verborgen!?

Peter: Das Cover und der Titel sollen hauptsächlich unsere Musik widerspiegeln. Unsere Musik ist brutal (aber trotzdem melodisch), dreckig und reißt dich beim Anhören einfach auseinander. Das Cover ist rot, wegen der engen Beziehung zu Blut (das Blut das fließt, nachdem du unsere Musik gehört hast und in zwei Stücke zerrissen wurdest). Die Scheibe heißt „Bloodred Hatred“, das Cover ist sehr düster, erschreckend und blutig und wenn man genau darüber nachdenkt ist die Verbindung zwischen beiden Komponenten eigentlich eindeutig.

Oliver: Geht es in Euren Texten nach wie vor um “Blood, Murder, Satan, Hate & Aggressions” wie mir Jacob im letzten Interview erzählte oder hat sich auf diesem Sektor bei der neuen Scheibe was getan?

Peter: Da hat sich seit dem letzten Mal nicht viel geändert. Allgemein sind die Lyrics wohl etwas besser geschrieben und nicht ganz so leicht zu durchschauen. Wir hatten bei „Bloodred Hatred“ nämlich einige Leute, die die Texte für uns geschrieben haben und das war mit Sicherheit keine schlechte Idee … haha. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, wir wären gute Texteschreiber!!!

Oliver: Wenn Du Eure aktuelle Scheibe einem bestimmten Film bzw. Filmgenre als Soundtrack zuordnen müsstet, wohin würdest Du das Album stecken?

Peter: Ein Ballerfilm mit unzähligen Verfolgungsjagden, wo jemandem der Schädel in einer düsteren Straße eines beschissenen Viertels von den Schultern geblasen wird. Ja, das würde wohl ziemlich gut passen! Vielleicht auch „From Dusk Till Dawn“ oder so was in der Art …

Oliver: Seit Ihr mit der Arbeit von Scarlet nach wie vor zufrieden? Beim letzten Mal hat mir Jacob erzählt, er hofft, dass Scarlet Euch bin an die Grenzen des Erreichbaren bringt … seit Ihr auf dem Weg diese zu erreichen?

Peter: Ich könnte ohne Problem noch etwas mehr ertragen … haha! Wenn sie uns auf eine Tour packen und noch mehr Interviews rankarren würden, wäre ich der letzte der sich darüber aufregen würde. Aber mal ehrlich, Scarlet machen einen großartigen Job und sie stehen voll hinter unserer Mucke und das ist schließlich was zählt!

Oliver: HATESPHERE ist ein ziemlich negativer Name. Seid Ihr Jungs negative, frustrierte, hasserfüllte und pessimistische Typen? Wenn Ihr nicht diese Art von Musik machen würdet, könntest Du Dir vorstellen LOVESPHERE zu heißen? Worauf ich hinaus will ist, habt Ihr diesen Namen nur aufgrund Eures Musikstils gewählt … so nach dem Motto, brutale Musik, braucht auch einen brutalen und aggressiven Bandnamen?

Peter: Genau! Wir wollten damals einen coolen aber gleichzeitig auch brutalen Bandnamen, der nicht unbedingt allzu typisch ist und den haben wir glaube ich auch gefunden. Und was uns als Personen angeht, so wir sind sicherlich keine bösartigen Typen oder ähnliches (wenn man Metal spielt müsste man das eigentlich sein, oder!?), aber die Gefühlsmerkmale die Du ansprichst trägt doch schließlich jeder einzelne in sich, wenn auch nur für ein paar Sekunden an ganz bestimmten Tagen. Aber sie sind da und deshalb ist es uns wichtig, dass wir uns auf diese Art und Weise ausdrücken können. Und dann ist da auch noch die simple Tatsache, dass wir die Musik und deren spezielle Atmosphäre einfach lieben …

Oliver: Lass uns doch mal über das Thema „Tattoos“ sprechen, da ich mir sicher bin, einige von Euch sind selbst mit Haut und Haaren diesem „Hobby“ verfallen. Früher war es so, dass nur die „harten“ Jungs welche hatten, heutzutage ist das allerdings eine totale Modegeschichte … sprichwörtlich jeder hat eins. Was hältst Du von dieser Entwicklung? Ist es inzwischen „cooler“ überhaupt nicht tätowiert zu sein?

Peter: Das hängt von der Person ab. Wenn diese mit dem Tattoo was Wichtiges / Ernsthaftes verbindet, ist das eine wirklich geile Sache. Andererseits, sich irgendein Band oder chinesisches Zeichen verpassen zu lassen nur weil es gerade „cool“ ist, ist für mich einfach nur „uncool“. Ich persönlich bin ein großer Tattoo-Fan, habe auch selbst einige hinter denen ich auch voll stehe … bei mir haben alle etwas mit Metal zu tun! Vielleicht siehst Du ja auch mal die Tattoos meiner beiden Bandkollegen Jacob und Mikael auf Tour, die haben wirklich so einiges auf ihrem Körper. Aber wie bei so vielen Sachen, können einmal losgetretene Trends alles ruinieren. Sie dir doch nur die ganze Nu-Metal Chose an …

Oliver: Angenommen, Du hättest nur noch 24 Stunden zu leben, was würdest Du in der verbliebenen Zeit machen?

Peter: Ganz der metalischen Natur entsprechend: fressen, ficken, scheißen und saufen bis ich umfalle (ziemlich machohaft und Manowar-mäßig oder!?). Wenn mich allerdings meine Freundin so etwas fragen würde, wäre die Antwort natürlich: ich würde mich noch einmal mit allen Freunden und Familienmitgliedern treffen und abschließend ein romantisches Abendessen mit ihr verbringen … haha! Das sind die zwei Welten …

Oliver: Gibt es eine Frage die Du gerne einmal in einem Interview gestellt bekommen möchtest? Wenn ja welche und wie sieht die Antwort dazu aus?

Peter: Wärst Du gerne einen Tag lang Homer Simpson? Die Antwort wäre … Ja, natürlich!

Oliver: Wo siehst Du HATESPHERE in 10 Jahren?

Peter: Hoffentlich haben wir uns zu dem Zeitpunkt einen Namen gemacht und sind eine bekannte Größe im Biz. Zudem hoffe ich, dass wir dann um viele großartige Erinnerungen an Touren, Konzerte und erstklassige Alben reicher sind, die wir in all den Jahren erleben durften. Aber da man die Zukunft nun mal nicht vorhersagen kann wird man sehen was passiert!

Oliver: Thema “Frauen”: wurdest Du schon jemals von einer Frau vor die Wahl gestellt: sie oder Band / Musik?

Peter: Nein, und da bin ich auch verdammt froh drüber. Ich wäre sicher nicht in der Lage zu wählen. Es muss in meinem Leben für all diese Dinge einen Platz geben und dass sollte meine Freundin auch verstehen … anderenfalls hätte sie keinen glücklichen Mann! Jenes würde sie wiederum unglücklich machen. Ich zumindest bin mir sicher, dass es mich ziemlich belasten würde, wenn meine Freundin total frustriert wäre, nur weil ich ihr etwas verboten hätte, das sie gerne getan hätte.

Oliver: Kommen wir kurz vor knapp noch zu einer eher makaberen Frage: angenommen Du wärst tot, hättest aber davor noch die Möglichkeit gehabt, Deinen eigenen Nachruf zu verfassen. Was hättest Du geschrieben?

Peter: Ein ehrenhafter Mann und der erste Präsident, der forderte, dass Heavy Metal überall und zu allen Zeiten gespielt wird, der erste Präsident, der jeden dazu brachte Krawatten beim Sex zu tragen …

Oliver: Wie sieht’s mit Tourplänen und dergleichen aus? Habt Ihr irgend eigentlich auf irgendeinem größeren Festival in diesem Jahr gespielt?

Peter: Nein, wir haben auf keinem Festival gespielt und das ist schon irgendwie eine Schande. Ich bin mir sicher, wir würden jeden kräftig in die vier Buchstaben treten und deshalb hoffe ich, dass im kommenden Jahr etwas mehr passiert. Was eine Tour angeht, so ist derzeit was in Planung. Andererseits, erklärt eurem örtlichen Konzertveranstalter, dass er einen Gig mit uns machen muss … wir wären dabei!

Oliver: O.k. das wär’s. Danke Peter für das Interview. Du hast das letzte Wort …

Peter: Danke Dir fürs Interview. Es hat wirklich Spaß gemacht, Deine Fragen zu beantworten. An alle anderen, die HATESPHERE noch nicht abgecheckt haben … haltet Euch ran! Ich hoffe Ihr bleibt dem Metal auch die kommenden Jahre treu. Das wär’s von meiner Seite und vergesst nicht uns auf www.hatesphere.com und www.scarletrecords.it zu besuchen!

Grüße

Peter / HATESPHERE




Redakteur:
Oliver Kast

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