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HAUNTED, THE: Interview mit Peter Dolving

01.01.1970 | 01:00

Mit ihren mittlerweile vier Studioalben haben sich THE HAUNTED als feste Größe in der Thrash-Szene etabliert. Das 1998 erschienene, selbst betitelte Debüt war seit langem mal wieder eine Veröffentlichung, die frischen Wind in die Thrash-Szene brachte. Mit den beiden folgenden Alben "Made Me Do It" und "One Kill Wonder" räumte man in Schweden zwar zwei Grammys ab und hatte große Erfolge in England und den USA, doch fehlte meiner Meinung nach etwas die Spontaneität des Debüts. Mit dem neuen Album "rEVOLVEr" kehrte Sänger Peter Dolving, der auf der ersten Scheibe zu hören war, wieder zur Band zurück. Wie man sich fühlt, wenn man nach fünf Jahren wieder zu einer Band zurückkommt und was es sonst noch Neues gibt, dazu gab er am frühen Sonntag mittag (11:30 Uhr) etwas müde, aber bereitwillig Auskunft.

Chris:
Hi Peter, ganz zu Anfang erst mal zu dir. Wie kommt es, dass du wieder bei THE HAUNTED bist?

Peter:
Tja... sie haben mich einfach gefragt *gäääähn*...

Chris:
Oh, da ist noch jemand müde...

Peter:
Oh ja, sehr ... ähm, ja ... gegen Ende der letzten Tour im Sommer teilte Marco (Aro, der Peter nach dem Debüt ersetzte - d. Verf.) mit, dass er die Band nach der Tour verlassen werde. Er würde die anstehenden Konzerte auf jeden Fall noch machen, aber danach wäre Schluss. Im ersten Moment wussten sie nicht, was sie machen sollten. Auf einigen Festivals im letzten Sommer spielten wir gemeinsam mit unseren Bands und sie fragten mich, ob ich nicht bei einigen Songs als Gastsänger mitmachen wollte, zusammen mit Marco ... klar ...*gääääähn*. War klasse und hat einen Riesenspaß gemacht.
Der Grund, weshalb ich damals ausgestiegen bin, war der, dass ich die ganze Zeit extrem viel um die Ohren hatte. Die Pause hat mir echt gut getan. Ich hatte Zeit mein Leben neu zu sortieren. Vorher war das einfach nicht möglich. Irgendwie habe ich da zu viel durcheinander gehabt, gar nicht richtig gelebt. Einer meiner Freunde ist mittlerweile Manager von THE HAUNTED, aber das hatte ich irgendwie nicht mitbekommen (lacht). Er hatte mich irgendwann auch mal gefragt, ob ich nicht wieder Lust hätte bei THE HAUNTED einzusteigen. Klar, hab ich gesagt, das würde ich sofort machen, aber ich glaubte nicht, dass es möglich sei. Wenn man bei so einer Band aussteigt, geht man nicht einfach zurück. Ich hatte zwar immer Kontakt zu den Jungs, aber ich hätte nie gedacht, dass sie mich jemals wieder fragen würden. Naja, am nächsten Tag hat Jensen (guitar) bei mir angerufen und mich gefragt.

Chris:
Du bist nach der ersten CD ausgestiegen. War es schwer, nach sechs Jahren wieder in die Band zu kommen? Hat sich das Bandfeeling verändert oder die Arbeitsweise?

Peter:
Oh, ja. Es läuft jetzt auf jeden Fall besser. Es sind halt sechs Jahre vergangen. Jeder wird erwachsener und weiß, was er will. Man wird ehrlicher und offener. Sie hatten auch nicht verlangt, dass ich sofort zusage. Die Band gab mir eine Woche Zeit. Bei der ersten Probe dauerte es auch eine Stunde, bis man so die erste Scheu wieder ablegt hatte. Wir haben über Jahre hinweg keine Musik mehr zusammen gemacht, aber wir hatten wieder richtig Spaß.

Chris:
Was hast du die letzten Jahre gemacht? Nur versucht den Kopf frei zu bekommen oder hast du auch weiterhin Musik gemacht?

Peter:
Hauptsächlich habe ich versucht wieder zu leben (lacht). Ich habe natürlich auch die ganze Zeit in Bands gespielt, aber da habe ich alles mögliche ausprobiert, zum Beispiel Rock, Folk-Rock, Reggae. Ich habe zwei Reggae-Alben aufgenommen, drei Blues-Rock-Alben, teils mit Country-Einflüssen. Hier und da habe ich ein paar Gastauftritte auf anderen CDs gehabt und auch drei CDs für andere Bands produziert.

Chris:
Ist auf jeden Fall ein ganzer Haufen...

Peter:
Oh ja, es hat aber viel Spaß gemacht. Ein viel beschäftigter Typ halt. Auf jeden Fall hatte ich genug zu tun und habe mein Leben wieder richtig gut in den Griff bekommen.

Chris:
Hättest du jemals gedacht, dass THE HAUNTED so erfolgreich werden und mit dem Debüt so einschlagen würden?

Peter:
Ja, natürlich! (lacht)

Chris:
Hast du da eine Eingebung gehabt?

Peter:
Nein, im Ernst. Ich liebe diese Band. Das hat mir den Ausstieg auch so schwer gemacht. Die Reaktionen auf das erste Album waren überwältigend, aber wenn ich nicht hätte durchdrehen wollen, musste ich die Band verlassen. Bei mir ging es drunter und drüber, aber das habe ich ja schon erzählt.

Chris:
THE HAUNTED haben in Schweden zweimal einen Grammy gewonnen, und das, obwohl in Schweden die Szene ja noch einige sehr erfolgreiche Bands hat. Sind THE HAUNTED in Schweden so angesagt? In Deutschland ist es eher üblich, dass von international erfolgreichen deutschen Bands keiner was wissen will.

Peter:
Den größten Erfolg haben THE HAUNTED in England und den USA. Aber in Schweden spielen wir auch in ausverkauften Läden, doch die Medien haben hier eine Weile gebraucht, bis sie gemerkt haben, dass diese Art von Musik wieder populär ist. Metal ist definitiv wieder im Kommen, so wie er es seit Mitte der Achtziger nicht mehr war.

Chris:
Die erste THE HAUNTED war zumindest in meinem Bekanntenkreis eine Initialzündung sich wieder für Thrash Metal zu interessieren. Seit Anfang der Neunziger gab es fast nichts mehr in dieser Richtung. INVOCATOR waren auch nur auf ihrer ersten Scheibe richtig flott, sonst gab es an neuen Bands nicht viel...

Peter:
Naja, wir haben uns nie direkt als Thrash-Metal-Band gesehen. Eigentlich machen wir nur Metal. Ich weiß, dass uns viele Leute als Thrash-Band bezeichnen. Wir mögen Thrash auch auf jeden Fall, aber genauso wie Death, Hardcore, NWOBHM ... Metal eben. Egal, ob es deutscher Speed Metal oder was weiß ich ist ... Hauptsache Metal!

Chris:
Kommen wir nun zur neuen CD. Das Erste, was mir aufgefallen ist, war der Sound. Die Scheibe klingt wesentlich fetter und direkter als die vorherigen. War das so beabsichtigt oder hat sich das im Studio so ergeben?

Peter:
Diesmal sind wir mit dem Vorsatz ins Studio gegangen den Sound möglichst einfach zu halten. Also wirklich nur zwei Gitarren, Drums und Bass. Den Gesang haben wir nur an einigen Stellen bei den Refrains gedoppelt.

Chris:
Really back to basic?

Peter:
Really back to basic! Wir haben versucht möglichst an den Livesound ranzukommen. Ich denke, das hat geklappt und wir sind sehr froh darüber. Wir haben die Energie wirklich ganz gut im Studio einfangen können. Es klingt viel dynamischer ... *gäääähn* ... (war spät gestern, was? - d. Verf.)

Chris:
Hast du jemals Probleme mit deiner Stimme bekommen? Du hast einen nicht gerade harmlosen Gesangsstil. Ziehst du die Gesangsaufnahmen an einem Stück durch und gehst dann mitsamt Stimme in Reha oder machst du viele Pausen?

Peter:
Nein, ich hatte wirklich noch nie Probleme. Wenn ich mal erkältet bin, muss ich mich einfach etwas länger und vorsichtiger aufwärmen.

Chris:
Hattest du Unterricht, zumindest bezüglich Atemtechnik?

Peter:
Ja, natürlich, sonst bekommt man auf Dauer Probleme (lacht). Weißt du, mir macht Singen sehr viel Spaß, also passe ich auch auf meine Stimme auf.

Chris:
Ihr habt jetzt auch etwas mehr mit melodischen Parts gearbeitet. Kam das automatisch oder war es geplant? Haben dich die anderen Jungs dazu gedrängt?

Peter:
Das hat sich so ergeben. Wir haben beim Proben viel ausprobiert, bis wir damit zufrieden waren. Jeder kam mit seinen Ideen: "Probiere es doch mal so oder so...". Normalerweise sind sie eigentlich immer sehr begeistert von meinen Ideen, wenn nicht, dann sagen sie es mir und wir versuchen zusammen etwas zu finden. Wir versuchen da mittlerweile sehr offen zu sein. Das zieht sich aber durch das gesamte Songwriting. Wir legen vorher nicht fest: "Dieser Song hat jetzt so oder so zu sein!". Das ist mehr, wie wenn du eine Skulptur modellierst. Du hast zwar etwas im Kopf, aber das Ergebnis kennst du nicht. Du änderst mal hier etwas, dann wieder da ... so lange, bis du damit zufrieden bist.

Chris:
Ihr habt euch mittlerweile auch auf ein sehr simples Artwork eingefahren.

Peter:
Das kam ganz automatisch. Ich denke, so hat es auch zu sein. Wenn du unsere Musik hörst, einfach geradeaus, dann sollte das Artwork auch so sein, oder? Das ist wichtig für die Identität. Es gibt ein geschlossenes Bild. Genau wie die Band mittlerweile. Es ist nicht nur eine Gruppe von fünf Musikern, es ist mehr. Es fühlt sich gut an zusammen Musik zu machen.

Chris:
Ihr werdet bestimmt oft gefragt, alte Sachen von AT THE GATES zu spielen, oder? Nervt das irgendwann?

Peter:
Anders (Björler) hat gestern gesagt, als es AT THE GATES noch gab, hat sich niemand wirklich für sie interessiert. Erst als sie sich aufgelöst hatten, sind sie zu dieser einflussreichen Band geworden. Natürlich werden wir oft nach Stücken von ihnen gefragt, aber die meisten Leute sind zu jung um AT THE GATES live gesehen zu haben. Hier und da haben wir auch schon ein oder zwei Stücke gespielt, aber die sind nicht fest im Programm. Das passiert ein- oder zweimal auf der ganzen Tour, man kann also bestimmt nicht von einer Reunion sprechen.

Chris:
Du hast also keine Probleme damit ständig danach gefragt zu werden?

Peter:
Nein, natürlich nicht. Wir haben mit THE HAUNTED ja auch genügend starkes Material, so dass wir keine Angst haben müssen, dass die Leute nur kommen, weil wir hin und wieder mal was von AT THE GATES spielen.

Chris:
Wie findest du es, wenn viele Musiker Nebenprojekte haben? Jeder zweite Musiker spielt in zwei Bands oder sogar mehr.

Peter:
Das ist schon okay. Bei uns spielen Jensen (guitar) und ich noch in anderen Bands. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn man auch an anderen Stilrichtungen Interesse hat. Man kann da viel ausprobieren und auch einige Ideen antesten, bevor man sie bei seiner Hauptband anbringt. THE HAUNTED ist definitiv bei allen die Hauptband, da gibt es keine Diskussion. Ich sehe das als eine Art Spielwiese, wo man Ideen probiert und auch seinen Horizont erweitern kann. Man lernt auch mal anders an die Musik heranzugehen.

Chris:
Was sind eure Pläne für die nächste Zeit? Wie sieht es mit Tourplänen aus? In Deutschland wart ihr zwar schon zweimal unterwegs, aber so richtig groß angelegt waren die beiden Besuche nicht.

Peter:
Wir hatten noch nicht wirklich viele Angebote aus Deutschland, deshalb sind die beiden Tourneen so kurz ausgefallen. In ein paar Tagen werden wir in Berlin auf der Popkomm spielen. Das wird auf jeden Fall sehr interessant. Danach werden wir mit DAMAGEPLAN und SHADOWS FALL in den USA unterwegs sein. Wird bestimmt lustig. Die Jungs sollen echt in Ordnung sein.

Chris:
Das war es dann auch schon. Willst du noch etwas loswerden?

Peter:
Support your local scene!

Chris:
Aber sicher...

Peter:
...aber auch auf Konzerte gehen. Das ist wichtig!

Chris:
Recht hat er!

(Dieses Interview entstand unter Mithilfe von Holger 'Abandoned' Ziegler)

Redakteur:
Chris Staubach

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