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HELHEIM: Interview mit H'grimnir

27.11.2010 | 13:48

Die außergewöhnlichen Bergener Extremmetaller zeigen uns, wie man aus einer EP etwas ganz Besonderes macht, und wie man Asgard wieder scheinen lässt. Coverkünstler, Gitarrist und Sänger H'grimnir stellt sich unseren Fragen:

Gut zwei Jahre ist es her, dass ich mich mit HELHEIMs Sänger und Bassist V'gandr unterhalten durfte, als sich die Bergener zusammen mit VULTURE INDUSTRIES und ATROX auf der Tour zu "Kaoskult" befanden. Nun steht eine neue EP an, und es ist Zeit für ein Update aus Bergen. Dieses Mal steht mir Gitarrist und Sänger Tom Korsvold alias H'grimnir Rede und Antwort - Bandkollege V'gandr befindet sich im Moment auf Tour mit GORGOROTH.


Nachdem ich H'grimnir (siehe Foto unten) zunächst einmal zur aktuellen EP "Åsgårds Fall" beglückwünsche, interessiert es mich natürlich sehr, wie es der Band seit der großartigen letzten Tour ergangen ist. Tom gibt sich begeistert und ist überzeugt, dass es für HELHEIM nie zuvor besser gelaufen sei: "Wir waren eben auf Tour mit TAAKE, VULTURE INDUSTRIES und SULPHUR, und das war ein riesiger Erfolg. Wir konnten für ein neues Publikum in Ländern spielen, die wir niemals zuvor besucht hatten, wie zum Beispiel Rumänien, Italien, Serbien und Slowenien. Alles, was im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von "Kaoskult" stand, lief gut. Sowohl das Feedback zum Album als auch die Konzerte."


Auf die Frage nach den Beweggründen dafür, zum zweiten Mal eine EP zu veröffentlichen, gibt es zwar eine kleine Korrektur bei der Zählweise, aber im Grunde ist H'grimnir mit mir einer Meinung, dass man eben ab und zu durch ein kleines Lebenszeichen klarstellen muss, dass man noch da ist, um die Wartezeit zum nächsten Album zu verkürzen: "Die "Åsgårds Fall"-EP ist an sich ja schon unsere dritte EP. Wir haben 2001 "Helsviti" aufgenommen, das 2003/2004 über Massacre Records veröffentlicht werden sollte, doch dazu ist es nie gekommen. Dann haben wir es halt als Bonus-CD der limitierten Auflage unseres 2006er-Albums "The Journeys And The Experiences Of Death" heraus gebracht. "Åsgårds Fall" wurde aus genau den beiden Gründen veröffentlicht, die du genannt hast." - Außerdem fügt er lachend hinzu: "Allerdings sind wir nicht der Meinung, dass es sich nur um ein "kleines" Lebenszeichen handelt."

Zum dreiteiligen exklusiv für diese EP aufgenommenen Titelstück und dessen Konzept gibt H'grimnir zu Protokoll, dass es sich erwartungsgemäß um eine Art Ragnarök-Szenario handle: "Es geht um den Fall Asgards und darum, wie die Menschen ihre Götter vergessen haben. Aber es ist nie zu spät, um sich zu erinnern und zu lernen: Asgard wird wieder scheinen!" - Zur musikalischen Ausrichtung und den durchaus beachtlichen Unterschieden zum Vorgängeralbum, ist er allerdings nicht zu hundert Prozent meiner Meinung: "Teil eins und zwei von 'Åsgårds Fall' sollten von Anfang an etwas anders gelagert sein. Es ist unsere Hommage an BATHORY, unsere vielleicht größte Inspirationsquelle über all die Jahre. Ich empfinde es zwar nicht als weniger dunkel, aber ich kann schon verstehen, was du damit meinst."

Das Artwork zur neuen EP hat Tom selbst erstellt und es hat natürlich einen Bezug zum Titelstück: "Ja, das ist richtig. Das Cover zeigt wie Odin und seine Brüder Vili und Ve Asgard nach dem Fall wieder an seinen richtigen Platz rücken." - Es sind jedoch nicht nur die Artworks seiner eigenen Band für die der Norweger seine graphischen Talente einsetzt: "Ich hatte schon einige Covers für Helheim erstellt und arbeitete gerade am Artwork für "Yersinia Pestis", als ich im Jahre 2002 die Firma Coverart gründete. Wobei Letzteres das mit Abstand schlechteste Cover ist, das ich je gemacht habe. Vielleicht deswegen, weil ich es gemacht habe als ich im Bett lag und Tabletten einnehmen musste, während ich mich von einem dreifachen Fußbruch erholte." gegründet habe. - Lachend fügt er hinzu, dass die anderen Jungs das Cover wohl nur durchgewunken hätten, weil sie Angst hatten, seine Gefühle zu verletzten. Doch auch andere Bands zeigten bald Interesse an Toms Arbeit: "Bald kamen dann Anfragen von Bands wie TAAKE, HADES ALMIGHTY, AETERNUS und vielen mehr. Auch von Labels, die Hilfe im Bereich Grafikdesign brauchten. Heute liefere ich vor allem Logos, Coverartwork, Poster, Flyer, Merchandise und auch Backdrops. Wenn einer von euren Lesern dieses Jahr IMMORTAL in Wacken gesehen haben sollte: Deren Backdrop wurde natürlich von Coverart erstellt." - Bei seiner Arbeit verlässt sich Tom im Übrigen nicht auf die Vorzüge der Elektronik: "Was die Arbeitstechniken angeht, benutze ich lieber so weit wie irgendwie möglich meine eigenen Hände, anstatt alles zu "Photoshoppen". Zumindest kombiniere ich beides. Für Teile des Artworks zu "Asgards Fall" habe ich Seiten ausgedruckt und dann die Grafiken per Hand überarbeitet, um dem ganzen eine persönliche Note zu verleihen. Erst dann wird es wieder eingescannt. Das betrifft zum Beispiel die Lyrics, die auf diese Art und Weise bearbeitet worden sind."

Doch nicht nur im graphischen Bereich arbeiten die HELHEIM-Jungs mit anderen Bands und Künstlern zusammen, sondern auch musikalisch. Dass mit TAAKEs Hoest, Gunnar Emmerhoff und PV, sowie der Hornistin Trine Mjanger einige hochkarätige Gastmusiker an Bord geholt werden konnten, wertet die EP durchaus auf und H'grimnir ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden: "Hoest steuert seinen Gesang zu 'Dualitet Og Ulver' bei. Außerdem wird man ihn auch auf dem Videoclip zu diesem Stück sehen können. Gunnar Emmerhoff singt im letzten Teil von 'Åsgårds Fall 1' und auf 'Åsgårds Fall 2', während PV dem Mittelstück und den Backing Vocals am Ende von 'Åsgårds Fall 1' seine Stimme leiht, sowie den "Chören" bei 'Åsgårds Fall 2'." - Zur Beteiligung Gunnar Emmerhoffs kam es über HELHEIMs neuestes Bandmitglied Noralf: "EMMERHOFF & THE MELANCHOLY BABIES könnte man als Alternative-Rock/Country-Band bezeichnen. So in der Art von 16 HORSEPOWER. Wir brauchten einige melancholische Gesangspassagen für 'The Fall Of Asgard', also fragte unser Leadgitarrist Noralf, der mit Gunnar Emmerhoff befreundet ist, bei diesem nach, ob er mitmachen könnte. Wir ließen seine Zügel dann ziemlich locker, und das Ergebnis wurde besser als wir das erwartet hätten."

Zu den altbewährten kurzen Interludien, deren Titel stets aus dem Bandnamen "Helheim" und einer fortlaufenden Nummer bestehen, sowie zu den gemurmelten Versen in 'Helheim 7' erhalte ich von einem (hoffentlich) scherzenden H'grimnir eine eher kryptische Antwort: "Die Worte sind streng geheim!" - "Nein, aber die Worte sind nicht wichtig. Sie sind einfach da, um die Stimmung herüber zu bringen. Das ist eine Art abstrakter Gebrauch der Stimme. Die Helheim-Teile sind normalerweise nicht dafür komponiert, sich in eine spezielle Szene oder in die Stimmung eines bestimmten Stückes einzufügen. Wir verfolgen damit vielmehr ein Konzept: Wenn wir den neunten Teil erreicht haben, dann werden wir nichts mehr veröffentlichen und HELHEIM auflösen, wegen einer tiefgründigen und langen (und logischen) Erklärung über die neun Welten und neuen Ebenen der nordischen Mythologie."

Müssen wir uns also Sorgen machen? Ich hoffe nicht, und H'grimnirs Lachen lässt dann doch darauf schließen, dass uns HELHEIM noch eine Weile erhalten bleiben. Wäre ja auch schade drum, oder nicht? Schauen wir also in die Zukunft und fragen H'grimnir, ob das auf der EP enthaltene 'Dualitet Og Ulver' stilistisch einen Fingerzeig in Richtung des kommenden Albums "Heiðenðomr Ok Motgangr" gibt. Hierzu lässt sich der Gitarrist jedoch nicht zu tief in die Karten schauen, sondern belässt es bei der knappen Auskunft, dass das neue Album schlicht die konsequente Fortsetzung von "Kaoskult" sei. Zu konzeptionellen Fragen ist er dafür ein wenig auskunftsfreudiger: "Die Lyrics sind von der Völuspa und somit von der nordischen Mythologie inspiriert. Bei 'Dualitet Og Ulver' handelt es sich darum, dass zwei Wölfe Sól (die Sonne) und Máni (den Mond) jagen, um sie im Ragnarök letztlich zu verschlingen. Hinter "Heiðenðomr Ok Motgangr" steht insgesamt allerdings kein Konzept."

Dass eine EP exklusives Material enthalten muss, ist für H'grimnir indes völlig selbstverständlich: "Die 'Åsgårds Fall'-Stücke haben wir ja jetzt bereits auf der EP/MCD veröffentlicht, also macht es keinen Sinn, diese Stücke auch nochmal auf das Album zu packen. "Heiðenðomr Ok Motgangr" wird aus acht neuen Stücken und einer längeren Version von 'Dualitet Og Ulver' bestehen. Die Version des Stückes, die jetzt auf der EP enthalten ist, ist eine Bearbeitung für den Videoclip." - Auch die Neueinspielung des Klassikers hat etwas Exklusives, präsentiert sie das alte Stück insbesondere den neueren Fans doch in einer vertrauten Version: "Wir haben eine neue Version zu 'Jernskogen' gemacht, weil wir einfach neugierig darauf waren, wie es in einem zeitgemäßen, aktualisierten Klanggewand klingen würde. Diese 2010er-Version ist im Endeffekt so, wie wir das Stück heute live spielen. Ohne Keyboard und mit einigen neuen Arrangements bei den Leadgitarren."

Das Interview neigt sich dem Ende zu, und da ich die eben abgelaufene Tour leider verpasst habe, wird es wohl eine Weile dauern, bis ich HELHEIM wieder auf deutschen Bühnen sehen kann, aber dafür kommt ja erst einmal die EP und dann in nicht allzu ferner Zukunft auch das neue Studioalbum: "Wir haben vor, es im Februar 2011 zu veröffentlichen. Wie ich ja schon gesagt habe, waren wir gerade auf Tour mit VULTURE INDUSTRIES, also werden wir nicht so bald wieder auf Tour gehen. Aber vielleicht so gegen Herbst des kommenden Jahres.", sagt Tom und fügt lachend hinzu: "Dann natürlich wieder mit VULTURE INDUSTRIES ... wer weiß?"

Nun, das wäre doch was, oder nicht? Einstweilen wünsche ich euch viel Vergnügen mit der wirklich toll geratenen neuen EP und dem hoffentlich genauso großartigen kommenden Album!

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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