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HELLOWEEN: Interview mit Michael Weikath

15.01.2010 | 11:16

"Unarmed" ist alles andere als eine übliche Kollektion der größten Hits. HELLOWEEN präsentieren ihre bekanntesten Song im komplett neuen, völlig unmetallischen Gewand. Swing, Pop, Funk, alles war erlaubt. Das Echo der Fanbase ist darauf natürlich sehr gespalten. Wir trafen Michael "Weiki" Weikath im Berliner Novotel und er erzählte, wie es dazu gekommen ist.

"Als wir uns darüber Gedanken gemacht haben, was wir zu unserem 25-jährigen Jubiläum machen wollen, war eigentlich gleich klar, dass wir etwas wirklich anderes machen wollen. Die typischen Sachen wie ein Unplugged-Album, Neuaufnahmen von alten Sachen mit Deris oder die Zusammenarbeit mit einem Orchester kamen für uns von Beginn an nicht in Frage. Das haben entweder schon viele andere Bands gemacht oder der Fan kann es - im Fall "Deris singt Kiske/Hansen" - live erleben. Wir wollten noch einen Schritt weiter gehen und etwas machen, was vorher so noch nicht gemacht wurde. Und so haben wir uns dann Profis wie den Andreas Becker (Gitarrist bei Peter Maffay - PK) oder den Matthias Ulmer (Pianist - PK) dazu geholt und so ist dann "Unarmed" mit der Vorgabe entstanden, dass wir die Songs komplett auseinander nehmen und in ein gänzlich unmetallisches Gewand stecken. So hat der Matthias Ulmer zum Beispiel dafür gesorgt, dass 'Fallen To Pieces' auf dem Album gelandet ist, weil er uns mit seiner Lounge-Version absolut überzeugt hat. Das finden wir schon richtig geil. Und warum sollten wie zum Jubiläum nicht etwas veröffentlichen, das wir auch richtig geil finden?" Dass das Feedback darauf gespalten ausfallen würde, war der Band durchaus klar. Wie bösartig es teilweise ist, erstaunt Weiki aber schon. "Ja, natürlich haben wir damit gerechnet, dass nicht jeder diese Versionen gut finden würden, dass es aber so viele Kommentare gibt, die deutlich unter der Gürtellinie sind, hat mich doch etwas überrascht. Eine Unplugged-Scheibe wird akzeptiert, aber wenn wir noch einen Schritt weiter gehen und uns auch noch deutlich noch mehr Mühe machen, wird über uns hergezogen. Aber natürlich dürfen die Leute das Scheiße finden, sie haben ja ein Recht auf ihre Meinung und ich will über die Leute auch nichts sagen. Klar sollte aber auch sein, dass dies jetzt nicht den zukünftigen Stil von HELLOWEEN definiert, sondern wir natürlich weiter Metalalben aufnehmen wreden." Auf eine Bühnen werden es die "Unarmed"-Versionen aber tendenziell nicht schaffen. "Ich hätte zwar schon Bock 'Dr. Stein' in der neuen Version mal live zu spielen, aber das werden wir wohl nicht machen, außer die Fans wollen es unbedingt. Pläne in diese Richtung gibt es aber absolut nicht." (Mittlerweile gibt es aber einige bestätigte Termine in Kaufhäusern, wo die Kürbisse einige Songs im entsprechenden Gewand präsentieren werden - PK)

Zurückblickend gibt es auch diverse Entscheidungen, die Weiki gerne ändern würde. "Ja, da gab es diese Anwältin, die unbedingt wollte, dass wir einen Passus aus dem Vertrag nehmen, wo die Beteiligung an Einnahmen aus Singles geregelt wurde, mit der Begründung, dass eine Heavy-Metal-Band doch eh keine Singles verkaufen würde. Ich wollte das nicht, aber es ist dann doch dazu gekommen. Ein paar Monate später hatten wir den Singlehit 'Dr. Stein' und haben dafür keinen Pfennig gesehen. Das würde heute sicher nicht mehr passieren. Und vielleicht hätte ich dem Labeltypen in den Hintern treten sollen, der sich über 12.000 verkaufte Einheiten von 'Perfect Gentleman' gefreut hat, dann aber keine Einheiten mehr nachpressen lassen wollte. Aber ich bin ja gegen Gewalt." Sehr lobenswert.

Die Insolvenz ihres Labels Steamhammer hat die Band auch nur peripher tangiert. "Am meisten hat unser Manager darunter gelitten, da er das ganze Vertragswerk neu aufsetzen und die anderen Angebote prüfen musste. Aber letztendlich hat uns die Sony überzeugt, so dass wir bei Steamhammer (Sony ist bei SPV/Steamhammer eingestiegen - PK) geblieben sind." Dennoch blickt natürlich auch ein Weiki mit etwas Sorge in die Zukunft. "Klar, wir müssen bei jedem Album immer unser Bestes geben und hoffen, dass es noch verkauft wird und wir gute Tourneen spielen können. Aber vielleicht verkaufen wir ja auch einfach 30 Millionen Alben von "Unarmed" an Nicht-Heavy-Metal-Fans und sind dann alle Sorgen los. Ansonsten sehe ich für die Zukunft der Musikbranche doch eher schwarz."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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