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ICED EARTH: Interview mit Jon Schaffer

01.01.1970 | 01:00

Auf kaum eine andere Platte wartet die Gemeinde der Metal Fans wohl so sehnsüchtig wie auf „Horror Show“, schließlich sind ICED EARTH nicht erst seit „Something Wicked This Way Comes“ und dem bärenstarken Livealbum „Alive In Athens“ ein Garant für Power Metal erster Güteklasse. Wenn man dann die Chance hat, mit Bandchef und Hauptsongwriter Jon Schaffer zu sprechen, ist es natürlich klar, das man diese nutzt. Schade nur, dass am Ende etwas die Zeit fehlte, ich hatte noch ein, zwei Fragen mehr, aber das Wesentliche ist natürlich enthalten. Lest also was Jon zu sagen hat.

Herbert: Lass uns über das neue Album sprechen. Wo siehst du Unterschiede zu „Something Wicked This Way Comes“? Ist „Horror Show“ eine musikalische Fortführung dieses Albums?

Jon: Nein, nicht wirklich. Es unterscheidet sich doch um einiges vom letzten Album. Die CD ist viel heavier, es ist auch düsterer, es gibt mehr schnellere Sachen und nur eine Ballade. Das hat sowohl mit meinem Zustand während des Schreibens als auch mit dem Thema, mit dem ich mich befasst habe, zu tun. Wenn du über Monster schreibst, z.B. Jack The Ripper, denkst du nicht daran, eine Ballade zu schreiben. Das Album ist eine Rückkehr zu den ersten Alben, mit dem Unterschied, dass ich jetzt bessere Songs schreibe, bessere Melodien und Arrangements.

Herbert: In den ersten Reaktionen, die ich gehört habe, sagten die Leute, dass die neue Scheibe nach BLIND GUARDIAN klingt.

Jon: Ich kann das nicht verstehen. Einige Leute behaupten das von „Dracula“, weil der Song schnell ist und im Refrain ein Chor auftaucht. Aber abgesehen davon, klingt der Song nicht nach BLIND GUARDIAN. Das ist eine oberflächliche Interpretation. Das soll keine Beleidigung sein, ich liebe die Jungs, aber ich kann beim besten Willen keine Einflüsse von ihnen entdecken.

Herbert: Als du angefangen hast, die Texte zu schreiben, wolltest du erst die Trilogie vom letzten Album fortsetzen..

Jon: Ich habe mich dafür entschieden, das gesamte Konzept zurückzustellen. Dies ist unser letztes Album für Century Media und ich hatte nicht das Gefühl, dass es richtig wäre, das Konzept jetzt zu verwenden. Wir wollen dann ein Comic veröffentlichen , vielleicht sogar die gesamte Geschichte und mehr. Ich glaube auch nicht, dass, wenn wir einen neuen Vertrag unterschreiben, das „Something Wicked“ Konzept als erste Platte veröffentlichen. Ich kenne das Potenzial der Story und sie muss angemessen veröffentlicht werden. Wenn wir einen neuen Deal unterzeichnen, will ich erst sehen, wie die Leute bei unserer Plattenfirma arbeiten und wie unser Verhältnis zu ihnen aussieht. Dann werden wir über diese Konzept mit der Firma sprechen, über den Stellenwert und die Promotion des Albums. Das Album muss angemessen veröffentlicht werden. Immer wenn ich ein Konzeptalbum aufgenommen habe, z.B. auch die Adaption von Spawn, bekam das Album nie die nötige Aufmerksamkeit. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht alles für „Horror Show“ gegeben habe. „Horror Show“ ist ein verdammt gutes Album.

Herbert: Was kannst du über die Texte erzählen?

Jon: Der Album Opener „Wolf“ basiert auf dem Universal Film. Für den Chorus haben wir sogar eine Stelle aus dem Film verwendet. Der nächste Song „Damien“ ist mein Favorit auf dem Album, es ist der düsterste und heavieste Track, den ich je geschrieben habe. Die Omen Trilogie gehören zu meinen Lieblings Horrorfilmen und die Lyrics basieren auf dem Leben von Damien, der Geburt und Leben des Antichristen. Das dritte Stück ist „Jack“. Ich habe die Musik, Matt hat den Text geschrieben. Der Text ist ziemlich einfach zu verstehen und es gibt auch keine versteckten Botschaften. Dann kommt „Ghost Of Freedom“, die einzige Ballade auf dem Album. Ich bin sehr stolz auf den Song, denn er ist allen Veteranen gewidmet, die für die demokratische Idee gekämpft haben und gestorben sind. Der nächste Song müsste „Jekyll & Hyde“ sein. Dieser Track basiert auf der Geschichte von Robert Louis Stevenson. Matt hat hierfür wieder die Lyrics geschrieben. Dann kommt „Dragon’s Child“, das von dem Film Creature From The Black Lagoon beeinflusst ist. Wir haben aber eine andere Sichtweise verwendet, denn der Film ist zwar cool, hat uns nicht sehr inspiriert. Wir haben die Kreatur in einen altertümlichen Drachen verwandelt, der wie ein Gott angebetet wurde. Wir haben „Transylvia“ gecovert. Der Song wird nicht auf der normalen CD enthalten sein, sondern auf der Bonus CD. Der Song passt einfach perfekt zum Thema des Albums. „Transylvia“ ist nicht mein Lieblingssong von IRON MAIDEN, aber das Lied ist cool und es hat Spass gemacht, den Song zu spielen. Für „Frankenstein“ habe ich den Text und die Musik geschrieben. Der Text bezieht sich auf das Buch von Mary Shelley. Ich vertrete im Lied den Standpunkt, dass das Monster das Opfer ist, nicht der Doktor oder die Leute um ihn herum. Der Doktor ist das Monster, weil er es erweckt. Der Song handelt von der Besessenheit des Doktors, wie Gott zu sein. Ich singe die Leadstimme im Chorus und zwar nicht so wie sonst. Wenn ich sonst singe, sind das Thrash Vocals, diesmal klinge ich sehr tief und monoton, aber das passte zur Stimmung. Dann kommt „Dracula“, dass viele Leute zu lieben scheinen. Einige haben auch gesagt, dass der Song wie BLIND GUARDIAN klingt. Ich glaube, der Grund warum die Leute das sagen, hängt mit dem Chorus zusammen. Normalerweise singen ich und Matt im Chorus. Dadurch haben wir unseren eigenen Sound, aber es hört sich nicht an, als wenn eine große Gruppe singen würde. Ich habe ein paar Backgroundsänger für den Anfang von „Damien“ engagiert, damit es nach einem großen Chor klingt. Dann habe ich gesagt, o.k., lasst uns den Chorus von „Dracula“ aufnehmen. Das gibt dem Chorus dieses Volumen. So etwas haben wir vorher nie gemacht, wir hatten nie eine große Gruppe von Leuten, die einen Chorus gesungen haben. Und das hören die Leute. Sogar bei DEMONS & WIZARDS, wo ja nur Hansi alleine gesungen hat, wurde seine Stimme bei jedem großen Chorus viel kräftiger. BLIND GUARDIAN machen das sehr häufig, sie haben diese großen, voluminösen Refrains mit vielen Backgroundsängern. Vielleicht war es der Einfluss von DEMONS & WIZARDS und der Zusammenarbeit mit Hansi. Aber bei „Dracula“ passte es einfach perfekt, als sechs oder sieben Leute den Chorus sangen.

Herbert: Basieren die Texte von „Dracula“ auf dem Buch oder auf irgendwelchen Filmen?

Jon: Die Texte basieren natürlich auf dem Buch, Bram Stoker’s Dracula, aber ich liebe den Film von Francis Ford Coppola, vor allem den Anfang. Das Konzept des Anfangs habe ich auch für den Song verwendet. An Phantom Of The Opera bzw. „The Phantom Opera Ghost“, der natürlich auf dem Phantom der Oper basiert, wollte ich anders herangehen, vor allem im Bezug auf die Stimmen. Es sollte mehr wie ein Musical klingen, wobei Matt die Rolle des Phantoms und die Gastsängerin den Part von Christine übernimmt. Es ist eine Story über Besessenheit, eine heftige Liebesgeschichte, die mit Mord endet. Aber ich habe meine eigene Idee der Geschichte geschrieben, weil ich mehrere Filme gesehen habe, die alle voneinander abweichen. Es gibt so viele verschiedene Deutungen darüber was das Phantom ist, woher er kommt, seine Wurzeln etc.

Herbert: Ihr habt auch einen ägyptischen Song auf dem Album?

Jon: Ja, den ich hätte ich beinahe vergessen. Er heißt „Im-Ho-Tep (Pharaoh’s Curse)“ und er basiert auf der Mumie, dem Film von Universal. Matt hat den Text dafür geschrieben, der sich sehr eng an den Film anlehnt.

Herbert: Hat das Cover wieder Travis Smith gemacht?

Jon: Ja, Danny Mikki und Travis Smith. Travis hat das Cover koloriert.

Herbert: Wirst du weiterhin mit ihm zusammenarbeiten?

Jon: Ja, definitiv. Danny ist ohne Zweifel der beste Tuschezeichner der Comicindustrie. Er zeichnet auch sehr gut, aber bekannt ist er für seine Tuschezeichnungen. Er hat die Zeichnungen und die Tuschezeichnungen gemacht, die Struktur des Coverartworks. Er ist der Genius hinter dem Artwork. Travis scannt dann seine Sachen in den Computer ein und koloriert sie. Travis ist auch sehr gut, aber die künstlerische Arbeit, also ein Blatt Papier mit Zeichnungen zu füllen, das macht Danny.

Herbert: Also werdet ihr weiterhin gezeichnet Bilder verwenden, keine Fotos oder ähnliches?

Jon: Ich will nicht sagen, dass wir es immer machen werden, aber ich interessiere mich sehr für Comics und Comic Kunst. Es ergibt sehr coole Albumcover, sehr coole T-Shirts und es hebt uns von allen anderen ab.

Herbert: Habt ihr irgendwas in der Produktion geändert?

Jon: Ja, denn alles was wir im Morrisound aufgenommen haben waren das Schlagzeug und 50 Prozent der Rhythmusgitarren. Den Rest haben wir in meinem eigenen Studio in meinem Haus aufgenommen. Gemixt haben wir es dann im Morrisound. Diese Produktion unterscheidet sich doch stark von der letzten. Ich bin mit dem Resultat aber zufrieden. Man steht auch nicht so unter Druck, ansonsten bezahlen wir 150 Dollar die Stunde. Als Geschäftsmann denke ich immer an die Zeit und wieviel es kostet, etwas aufzunehmen. Als wir in unserem Haus aufgenommen haben, war das viel angenehmer. Wir konnten Pausen einlegen, wann immer wir wollten. Das heißt aber nicht, das wir oft rumgehangen haben, wir haben hart gearbeitet und viele Stunden damit verbracht, die CD aufzunehmen. Es ist aber sehr viel angenehmer, im eigenen Haus zu sein. Ich denke, wir werden das in der Zukunft genauso machen, vielleicht nehmen wir sogar das Schlagzeug dann hier auf.

Herbert: Warst du denn mit der Produktion von „Something Wicked This Way Comes“ nicht zufrieden?

Jon: Doch, aber das neue Album klingt viel besser. Es hat auch nichts mit Zufriedenheit zu tun, dass wir die neue Platte in meinem Haus aufnehmen, es ist entspannter und angenehmer und wir müssen nicht für einen Monat nach Florida. Ich hasse Florida. Ich hab da dreizehn Jahre gelebt und das hat mir gereicht.

Herbert: Aber besteht nicht die Gefahr, wenn ihr in deinem Haus aufnimmt, dass ihr Zeit verliert, weil ihr keinen Druck habt?

Jon: Fuck no, man. Wir haben vierzehn Stunden am Tag an der CD gearbeitet. Wenn wir einen Plan aufstellen, müssen wir den auch erfüllen und können nicht rumtrödeln. Das könnte ich auch nie machen. Wir arbeiten immer hart.

Herbert: Ihr habt einen Line-Up Wechsel. Steve DiGiorgio hat die Band verlassen.

Jon: Naja, in seinem Sinn war er nie in der Band. Ich war damit einverstanden, dass er auf der Platte spielt. Die ganze Sache wäre nicht passiert, wenn er mir nicht erzählt hätte, dass er mit der Band tourt. Ich brauche Steve DiGiorgio nicht. Ich habe mit ihm diskutiert, wir haben uns lange über Ehre und Loyalität unterhalten und er hat mir das erzählt, was sich hören wollte und ich habe es ihm geglaubt. Und vor einigen Wochen bekamen mein Manager und ich von seinem sogenannten Manager ein Fax. Ich meine, er hatte keinen Manager, als wir alles besprochen haben, ich denke, es ist ein Freund von ihm, der sich als Manager aufspielt. Das Fax sagte, dass Steve DiGiorgio die Tour nicht spielen kann, weil er sich vorher verpflichtet hat, bei Plattenaufnahmen mitzuwirken. Wenn das so war, hätte er es mir am Anfang erzählen sollen, denn ich habe ihm erklärt, was wir machen und wann wir touren. Und er war angetan, er hat sogar gesagt, dass dies die Band ist, in der er immer sein wollte, weil er auch ein Power Metal Fan ist. Es ist natürlich keine schöne Auseinandersetzung und gewöhnt bin ich es auch nicht.

Herbert: Als ich gehört habe, dass Steve DiGiorgio James MacDonough ersetzt, konnte ich das nicht glauben, weil James auf Tour ja auch immer sehr engagiert war..

Jon: Das ist deine Meinung. Ihr seht nur die Oberfläche, ihr wißt nicht, was in der Band passiert. Wenn James seinen Job gemacht hätte und sich zusammen gerissen hätte, wäre er immer noch in der Band. Ihr seht die Band von außen und sprecht über Dinge, von denen ihr keine Ahnung habt. Wenn jeder die gleiche Persönlichkeit und Einstellung wie Matt hätte, wäre jedes Ex-Mitglied noch in der Band.

Herbert: Also ist James nicht mehr in der Band, weil er nicht die richtige Einstellung hatte, nicht alles für ICED EARTH gegeben hat?

Jon: Nein, er war sehr loyal zur Band, aber er hat ein paar dumme Fehler gemacht. Das ist aber nichts was dich oder sonst jemanden angeht, das ist meine Sache. Die Leute sollten sich nur darum kümmern, ob sie die Band und die Musik mögen, nicht um die Sachen in der Band. James hat Fehler gemacht. Ich habe mit ihm gesprochen und ihn ein paar mal gewarnt, aber er hat weiterhin Mist gebaut. Er hat eine große Lektion bekommen. James hat von der Steve DiGiorgio Sache ein paar Tage, nachdem es passierte, erfahren und hat mir eine E-Mail geschickt. Er hat sich für die Vergangenheit entschuldigt und hat mich gebeten, ihm eine zweite Chance zu geben. Ich habe ihm daraufhin gesagt, er soll mich anrufen und wir sprechen dann darüber. Wir haben dann eine Stunde lang gesprochen und ich gebe ihm ein zweite Chance, in dem ich ihn mit auf Tour nehme. Aber ich habe ihm auch gesagt, dass er keine Zukunft in der Band hat, wenn der gleiche Mist wie vorher wieder passiert. Es hängt alles von seinem Verhalten ab. Wie gesagt, er hat seine Lektion gelernt, denn ICED EARTH war der wichtigste Teil seines Lebens. Er hat aber Dinge gemacht, die mich Geld und Nerven gekostet haben. Aber da geht niemanden was an, ich will auch seine Reputation nicht kaputtmachen, er ist ein guter Kerl und er bekommt eine zweite Chance. Ich habe Brent (Smedley, Ex-Drummer von ICED EARTH-Anm. d. Red.) drei Chancen gegeben. Drei Strikes und du bist raus. Es gibt aber einen Punkt, wo die Leute sich selbst helfen müssen. Brent hatte schwere Depressionen, aber ich mochte ihn, deshalb hat er auch drei Chancen bekommen. Normalerweise mache ich so was nicht. Ich habe gemerkt, dass er Probleme hatte, die er nicht kontrollieren konnte. Wenn man diese schweren geistigen Probleme hat, sollte man aber nicht Drogen mißbrauchen. Und es kam zu einem Punkt, wo es nicht mehr weiter ging. Er hat mich beim „Something Wicked“ Album im Stich gelassen, usw.

Herbert: Aber mit eurem neuen Drummer Richard Christy habt ihr keine Probleme? Ich frage, weil er ja auch in mehreren Bands spielt.

Jon: Nein, er ist großartig und er gibt auch alles für die Band. Er weiß auch, dass seine Zukunft bei ICED EARTH und seine Chancen bei uns wahrscheinlich größer sind als bei jemand anderem. Ich bezahle ihn auch besser als jeder andere. Es ist ein ordentlicher Deal. Ich habe auch keine Probleme damit, wenn er noch irgend etwas anderes macht, es muss nur mit unserem Terminplan zusammen passen. Richard weiß das und er ist wirklich engagiert dabei. Ich denke, ich werde mit ihm lange zusammenspielen. Hansi und ich werden ihn auch bei DEMONS & WIZARDS einbinden.

Herbert: Lass uns über eure geplante Tour sprechen. Hast du irgendwelche Bands im Sinn, mit denen du gerne touren würdest?

Jon: Die Tour startet im August. Wir touren durch die Staaten, dann Mexiko, Südamerika und Europa. Und alles in einem Rutsch, wir werden also drei Monate auf Tour sein. Die Bands mit denen wir gerne touren würden, wären MAIDEN, OZZY, METALLICA, MEGADETH. Wenn wir durch die Saaten als Support einer großen Band spielen könnten, wäre das großartig, das würde uns sehr viel Aufmerksamkeit bescheren. Aber auf diesem Level und mit dieser Plattenfirma ist das fast unmöglich. Das ist einer der Gründe, warum dass die letzte Platte für Century Media ist. Wir wollen endlich mit den ganz großen Bands spielen und das Potenzial von ICED EARTH voll ausschöpfen.

Herbert: Für den Support eurer Tour habt ihr keinen speziellen Wunsch?

Jon: In den Staaten haben wir darüber gesprochen, mit AMORPHIS zu touren und in Bezug auf Europa haben wir Kontakt mit JAG PANZER aufgenommen. Ich würde gerne mit den Jungs touren, ich weiß aber nicht, ob das klappt, weil sie alle feste Jobs haben. Das war meine erste Wahl, weil wir gute Freunde sind und sie auch musikalisch zu uns passen. Ich habe zur Zeit eine ganze Anzahl CDs, die ich mir anhöre, um Supportbands für Europa zu finden. Mein erste Wahl sind aber JAG PANZER und wir geben ihnen wohl noch eine weitere Woche, um sich zu entscheiden.

Herbert: Was denkst über euren Wacken Auftritt letztes Jahr. Ich hatte den Eindruck, dass es kein normaler Gig war. Ihr habt zwei Cover gespielt und auch Songs, die ihr sonst nicht spielt. War das ein besondere Auftritt für dich?

Jon: Das ist fast ein Jahr her, ich versuche mich gerade, daran zu erinnern. Wir wollten den Fans etwas besonderes bieten, weil unsere letzten Auftritte noch nicht so lange zurücklagen. Normalerweise haben wir nur unseren typischen Set gespielt und neue Songs hinzugefügt, deshalb wollten wir etwas besonderes machen. Die Reaktion der Fans war großartig, aber die Show war für mich ein Alptraum. Ich musste vorher ins Krankenhaus und hatte die Operation meines Nackens. Dazu kamen noch meine Scheidung, so dass ich unter großem nervlichen Druck stand. Ich kam nach Wacken und hoffte nur, dass der Gig großartig wird, weil das damals das einzig positive war, auf das ich mich freute. Wir kamen auf die Bühne und alles lief schief, das Equipment funktionierte nicht, der Sound auf der Bühne war beschissen und die Pyros explodierten nicht zum richtigen Zeitpunkt. Für mich war es kein gelungener Gig, aber den Fans hat er gefallen.

Herbert: Wie entwickelst du deinen originellen Gitarrenstil?

Jon: Hmm das ist einfach die Art, wie ich spiele. Steve Harris ist mein größter Einfluß, vielleicht kommt es daher. Ich liebe seinen Rhythmusstil, seinen Songwritingstil und unbewußt hat er mich bestimmt beeinflußt. Es war auf keinen Fall ein anderer Gitarrenspieler, ich kümmere mich nicht um die Gitarre. Für mich ist sie ein Instrument, um Songs zu schreiben. Heb ich gesagt, ich kümmere mich nicht um die Gitarre? Natürlich mache ich das, aber ich wollte nie ein Guitarhero oder ein Rockstar sein, ich bin Songwriter. Das ist der ganze Zweck von ICED EARTH, deshalb habe ich so lange für die Band gekämpft. Ich bin ein Künstler und möchte meine Songs veröffentlichen. Die Band könnte auch sonstwie heißen, ich würde trotzdem mein Ding durchziehen. Ich kann nicht sagen, woher mein Stil kommt oder wie er sich entwickelt hat. Viele Leute denken auch, ich übe ständig mit einem Metronom, aber das stimmt nicht.

Herbert: Wie wichtig ist das Internet für ICED EARTH?

Jon: Es hat uns den Staaten geholfen, da sogar mehr als anderswo, aber was es wirklich gebracht hat, weiß ich nicht. Es gibt sehr viel Müll im Internet und viele glauben all dem. Es ist sehr gefährlich, wenn Leute sich ins Internet vertiefen und meine, dies oder das sei wahr, weil es im Internet steht. Natürlich ist das Internet ein Weg, um Informationen zu bekommen, aber sie sind nicht immer wahr. Ich checke nur meine E-Mails, ich habe keine Lust, im Internet zu surfen oder Bands abzuzocken, indem ich Napster benutze und CDs brenne. Für Business und Kommunikation ist das Internet großartig, aber sonst? Ich habe wichtigere Dinge zu tun, als vor einem Computer zu sitzen und rumzuspielen. Dafür habe ich auch gar keine Zeit und wenn ich Zeit hätte, würde mich das Internet nicht interessieren.

Herbert: Wie siehst du die Metal Szene heutzutage, vor allem die Power Metal Szene mit all den unzähligen Bands, die von HELLOWEEN beeinflußt sind? In den letzten drei Jahren hatte Power Metal ein großes Comeback, ist das positiv oder negativ, mit all den Plattenfirmen, die gleich klingende Bands signen und einen Overkill kreieren?

Jon: Das machen die Firmen immer, also ist das nichts neues. Und wenn das eine Explosion sein soll, ist das nichts, verglichen mit den alten Tagen. Ich kümmere mich auch nicht um andere Bands, alles was mich interessiert, sind ICED EARTH. Wir haben keine Explosion wie damals, als MAIDEN und PRIEST auftauchten, nicht mal annähernd. Aber wie gesagt, es interessiert mich nicht. Wenn all die Bands HELLOWEEN kopieren, ist das deren Problem, ich schenke dieser Sache keine Aufmerksamkeit. Aber das gab es alles ja schon mal, nimm nur das Grunge Ding. Es gab ein paar Bands, die richtig groß wurden und plötzlich klang jeder wie NIRVANA oder PEARL JAM. Und mit dem härteren Kram ist es genauso. Jetzt gibt es viele Bands, die wie KORN oder LIMP BIZKIT klingen und all diese Bands werden gesignt. Das ist typischer Plattenfirmen Bullshit. Deshalb interessiert mich all das nicht. Wenn ich darüber nachdenken würde, wie dumm und langweilig das Business sein kann, würde ich noch verrückter werden als ich schon bin. Ich glaube, dass es nicht gut für die Szene ist, es bringt kaum was. Es gibt halt einen großen Unterschied zwischen dem, was jetzt passiert und 1980. Es ist auch traurig, weil heutzutage es eine große Sache ist, wenn du hier 40 oder 50.000 Alben verkaufst. Das sind nicht sehr viele Platten. Ich hoffe, dass es nochmal eine Explosion gibt und dass wir dann ganz vorne mit dabei sind. Ich glaube, dass wird in den Staaten passieren. In den nächsten Jahren wird sich in den Staaten viel verändern, wobei ich nicht weiß, ob es nochmal so wird wie in den Achtzigern. Wir verkaufen in den Staaten schon so viele Scheiben wie in Deutschland und mit „Horror Show“ wird die USA von den Verkäufen her wohl unser größter Markt. Und je mehr Leute wir erreichen, desto größer werden wir. Das Problem ist auch, dass es nur ein Handvoll originelle Bands gibt. Du musst individuell sein, du musst eine Persönlichkeit haben und dass muss sich in der Musik widerspiegeln. Wenn du nur eine andere Band kopierst, funktioniert das nicht und es hilft der Szene in keinster Weise. Ich sage immer noch, dass ICED EARTH, BLIND GUARDIAN und DEMONS & WIZARDS die besten und originellsten Bands sind. Wir brauchen ein paar andere Bands, die individuell sind und die richtige Einstellung haben. Wie die Unterschiede zwischen DEF LEPPARD, PRIEST oder MAIDEN. Diese gesamte Bewegung aus England, die die Welt erobert hat. So etwas haben wir jetzt nicht und das ist schlecht. Und es dein Job, dir viele verschiedene Bands anzuhören. Du bekommst dadurch viel mehr mit, als ich je werde, weil ich kaum CDs kaufe und die Plattenfirmen mir auch nicht Massen an CDs schicken, ich bin ja kein Journalist. Wenn ich mir CDs anhöre, dann von Bands, die uns supporten wollen. So sehe ich, was in der Szene abgeht.

Herbert: Vor ein paar Jahren hast du gesagt, dass ihr das Geld, was ihr in Europa verdient, dazu benutzt, in den USA größer zu werden. Gab es schon Resultate, werdet ihr nur in kleinen Schritten größer oder..

Jon: Es sind definitiv kleine Schritte. Wir müssen mal eine gute Tour spielen, wo wir die Fans einer anderen Band überzeugen können. Z.B. haben MEGADETH mit ihrem letzten Album eine Million CDs verkauft. Wenn wir so eine Band supporten könnten, würden wir endlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Aber so wie es jetzt ist, immer nur Headliner in der USA, wo wir vor 300 bis 500 Leuten spielen, zumindest war es auf der Tour zum letzten Album so, ich hoffe es wird dieses Mal mehr. Das Problem ist nur, dass du vor Leuten spielst, die dich schon kennen. Es gibt zwar immer ein paar Leute, die dich nicht kennen und die Fans überzeugen ihre Freunde, aber das ist ein langsamer Prozeß und das ist so verdammt frustrierend. Wir bewegen uns in einem bestimmten Umfeld und jetzt müssen wir endlich mal für die Bands eröffnen, die wirklich Fans ziehen und plötzlich würden die Leute uns bemerken. Unser größtes Problem ist nämlich, dass die Leute uns nicht kennen. Es gibt mindestens eine Million engagierter Metalheads in den Staaten, aber wie sollen wir sie erreichen? Es funktioniert halt nicht wie in Europa. In den USA bestimmt das Radio alles, MTV ist sehr wichtig, die gesamten Medien werden vom Geld kontrolliert. Talent spielt dort keine Rolle, das ist nicht fair, aber so ist das Leben.

Herbert: Ihr werdet also definitiv eure Plattenfirma wechseln, denn um in den USA größer zu werden braucht man ja fast immer eine Major Plattenfirma.

Jon: Das denke ich nicht. Wir brauchen eine Firma, die an die Band glaubt und bereit ist, auch Geld auszugeben und Risiken einzugehen. Wenn wir einen neuen Vertrag unterzeichnen, müssen wir das dann festlegen. Ich bin zur Zeit nicht daran interessiert, zu einem Major zu wechseln, das wäre ein Fehler. Damit will ich nicht sagen, dass wir nie zu einem Major wechseln, aber wenn wir das tun, will ich eine große Fanbase haben. Um zu zeigen, was wir schon erreicht haben und was wir brauchen. Majors können sehr gefährlich sein und du musst vorsichtig sein, wenn du mit ihnen zusammenarbeitest. Aber es gibt auch Indies, die sehr gut arbeiten, wir werden sehen, was die Zukunft bringt.



Redakteur:
Herbert Chwalek

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