ICED EARTH: Interview mit Jon Schaffer

01.01.1970 | 01:00

Schon am frühen Nachmittag vor dem Gig in Köln begrüßte mich ein sichtlich entspannter Jon Schaffer zum lockeren Plausch über die zu erwartende Show, die "Dark Genesis"-Box, DEMONS & WIZARDS und einiges anderes mehr. Aber nun lest selbst.

Peter:
Ihr seid jetzt seit ca. einer Woche auf Tour. Wie läuft es bislang?

Jon:
Ja, das ist die sechste Show heute. Es läuft hervorragend. Jede Show ist ausverkauft.

Peter:
Dann müsst ihr das nächste Mal wohl größere Hallen buchen.

Jon:
Ja, das ist definitiv der nächste Schritt, den wir gehen müssen.

Peter:
Was können wir denn heute Abend überhaupt erwarten?

Jon:
Als Matt, unser Manager und ich uns letzten Sommer Gedanken gemacht zu unserer nächsten Tour gemacht haben, wollten wir etwas ganz besonderes machen, woran man sich auch in ein paar Jahren erinnern wird. Und wir sind jetzt auf einem Level angekommen, wo wir den nächsten Schritt machen mussten. Drum haben wir an eine Show gedacht, die unsere bisherigen Alben umfassend aufzeigt. Mit verschiedenen Bühnen, verschiedenen Outfits und extrem lange. Und so kommt heute zuerst das 'kalte' Material von den ersten drei Alben, dann ein Set mit "Dark Saga" und "Something Wicked.." und als letztes die "Horrorshow". Das wird cool.

Peter:
Dies ist ja eine sehr spezielle Show. Mehr als 2,5 Stunden lang, deckt die ganze Bandhistory ab. Können wir davon auch eine DVD oder ähnliches erwarten?

Jon:
Nein, ich denke nicht. Das macht im Augenblick nicht wirklich Sinn. Einfach deshalb weil das Business so läuft wie es läuft. Der Markt dafür ist derzeit noch so klein und wenn ich so was mache, dann möchte ich immer den richtigen Weg nehmen. Es soll immer das beste Ergebnis sein, das man rausholen kann. Ich denke, die Verkäufe in dem Markt sind noch nicht so gut als das die Plattenfirma schon so viel Geld da investieren will. Aber wir filmen natürlich einige Shows, um sie in den Archiven zu haben. Und vielleicht verwenden wir es später dann mal für eine solche Veröffentlichung.

Peter:
Habt ihr vorher ein spezielles Trainingsprogramm gemacht, um 2,5 Stunden fit zu sein?

Jon:
Wir spielen sogar bis zu drei Stunden und mehr, wenn es die Curfew erlaubt. Wir haben insgesamt 7 Songs auf der Streichliste, aber das Minimum sind immer 2,5 Stunden. Dabei dauern die Umbaupausen ca. 10 Minuten, um die neuen Backdrops aufzuhängen etc.
Aber nein, wir machen da kein spezielles Training. Dafür bin ich auch viel zu beschäftigt mit dem ganzen Businesskram, dem Schreiben an der neuen DEMONS & WIZARDS Scheibe etc. Ich denke, wir sind so oder so in einer guten Verfassung, auch wenn wir in 1-2 Wochen sicherlich noch fitter sind. Ich denke eh, dass man für die Kondition auf der Bühne nicht so viel tun kann. Klar, man kann joggen und so was, aber wenn man abends auf der Bühne unter Adrenalin steht, dann ist das einfach eine ganze andere Geschichte.

Peter:
Und das Adrenalin puscht einen dann durch den Set?

Jon:
Ja, genau. Aber es ist wirklich hart. In einigen Locations ist es zudem extrem heiß. Bei der dritten Stage sind wir dann quasi tot.

Peter:
Ich nehme an, dass es gestern in Bochum mal wieder so war.

Jon:
Ja, das war schon ziemlich heiß, aber die schlimmste Show in der Hinsicht war ein Gig in Holland. Da konnten wir uns am Ende kaum noch auf den Beinen halten und sind dann nach der Show Backstage einfach umgefallen so fertig waren wir. (lacht)

Peter:
Wird man euch denn auf Festivals in diesem Sommer sehen?

Jon:
Nein, definitiv nicht. Zum einen sind wir gerade auf Tour, dann ist da noch das DEMONS & WIZARDS-Album etc. Außerdem ist es auch nicht gut für eine Band so überpräsent zu sein. Irgendwann haben die Leute dann keine Lust mehr auf deine Show und so ein Festivalauftritt sollte dann doch etwas besonderes sein. Was macht es schon für einen Sinn eine Band zweimal im Jahr live zu sehen? (na ja, ich sehe manche Bands 2x in einer Woche ;-) – d. Verf.) Da konzentrieren wir uns lieber auf andere Märkte wie die USA. Da arbeiten wir jetzt seit vier Jahren dran und es fängt langsam an zu wachsen. Und das müssen wir jetzt natürlich weiter pushen, um den Metal dort auch wieder zurück zu bringen.

Peter:
Nachdem die PRIEST-Tour ja gecancelt wurde, wie sehen eure Tourpläne drüben jetzt aus? Werdet Ihr als Headliner durch kleinere Clubs ziehen oder sucht ihr einen Support-Slot für eine größere Band?

Jon:
Wir werden eine Headlinershow in Clubs spielen. Möglicherweise mit IN FLAMES, JAG PANZER oder ANNIHILATOR. Das wird so im April los gehen.

Peter:
Wie ist denn euer Status in den Staaten zur Zeit?

Jon:
Von der "Horror Show" haben wir bislang etwa 50.000 Kopien verkauft und ich denke, dass es bis Mitte des Jahres etwa 60.000 sind. Und das ist schon eine großartige Zahl für eine Undergroundband. Aber es ist halt hart dort Fuß zu fassen, weil die Magazine etc. nur den Trendkram spielen und der Metal überhaupt nicht supported wird. Aber auch in den USA gibt es eine große Zahl loyaler Metalfans und es ist ein großer Markt für uns. Man muss nur zu den Leuten kommen, weil sie sonst die Band nicht entdecken können.

Peter:
Und in Südamerika und Japan habt ihr ja schon einen ähnlichen Status wie hier in Deutschland, oder?

Jon:
Nun, unsere größten Verkäufe haben wir mittlerweile in den Staaten, dann kommt Deutschland. Japan dürfte an vierter oder fünfter Stelle liegen. In Griechenland sind wir sehr groß. Dort haben wir 10.000 Einheiten in vier oder fünf Tagen verkauft, was "Horror Show" zum am schnellsten veredelten Hardrockalbum aller Zeiten in Griechenland macht. Das haben nicht mal MAIDEN oder METALLICA geschafft. Das ist schon cool.

Peter:
Ihr habt Ende letzten Jahres die "Dark Genesis"-Box veröffentlicht. War das Deine Idee?

Jon:
Nein, das war die Idee der Plattenfirma. Aber ich war natürlich involviert, nachdem sie sich für so etwas entschieden haben, damit es auch so gut wie möglich werden konnte. Mit dem Ergebnis bin ich auch sehr zufrieden. Die Verpackung und das Artwork sind wirklich hervorragend geworden. Klar, ich verstehe die Leute, die sagen 'ich hab die Alben doch schon alle'. Tja, dann sollen sie es nicht kaufen, denn es ist ja niemand gezwungen sich diese Box zu kaufen. Diese Box ist für Leute, die so was mögen und möglicherweise die ersten Alben von uns noch nicht besitzen.

Peter:
Na ja, aber ich hab als langjähriger Fan schon alle Alben und möchte das Tribute-Album ja trotzdem haben.

Jon:
Es wird separat veröffentlicht. Ich weiß jetzt nicht genau wann, aber ich glaube schon im März. Das war eine Sache, die ich definitiv wollte, denn die Leute sollen ja nicht so viel Geld nur für das Tribute-Album ausgeben. Um die Verzögerung kam ich aber nicht vorbei, damit für das Boxset der Markt größer ist. (Soll heißen, die Fans, die sich jetzt schon wegen dem Tribute die Box geholt haben, sind die Dummen! – d. Verf.)

Peter:
Ich vermisse METALLICA auf dem Tribute-Album. Ich hatte sie neben MAIDEN, PRIEST und AC/DC immer als Haupteinfluss von Euch gesehen.

Jon:
Nun, METALLICA sind wesentlich später als die anderen Bands wie MAIDEN oder AC/DC in meinem Leben aufgetaucht. Da waren meine Einflüsse eigentlich schon geprägt. Es ist eher so, dass METALLICA und wir ähnliche Einflüsse haben. Wir haben etwa das gleiche Alter, haben die selben Sachen gehört, als wir jung waren. Klar haben METALLICA uns noch etwas beeinflusst, aber nicht so viel. Es sind doch viel mehr MAIDEN, PRIEST, SABBATH. Halt die Bands, die Du auf dem Tribute-Album auch findest. Wir hatten überlegt "Trapped Under Ice" mit drauf zu packen, schon wegen dem Titel. Haben diese Idee aber wieder verworfen. Meine Einflüsse prägten mich als ich noch richtig jung war. Als METALLICA auftauchten, war ich schon 15 oder 16 Jahre alt. Da hab ich aber schon meine eigenen Songs geschrieben. Sicher, ich hatte da schon einen ähnlichen Gitarrensound im Kopf. Aber letztlich ist mein Haupteinfluss Steve Harris. Der ist eigentlich für alles verantwortlich.

Peter:
Nach "Something Wicked..." haben einige Kritiker gesagt, dies sei eine Kopie von "The Dark Saga" ....

Jon:
Das ist totaler Quatsch!

Peter:
....die selben Leute beschweren sich dann darüber, dass "Horrorshow" nicht mehr wie ICED EARTH klingt. Was denkst Du über solche Typen?

Jon:
Über solche Leute denke ich nicht nach. Die meisten Kritiker waren nie wirklich im Musiker, drum interessiert mich ihre Meinung auch nicht. In erster Linie mache ich die Musik für mich. Wenn der Rest der Welt es mag, ist es großartig, wenn nicht, dann können sie mich mal. Das ist mir egal, wirklich. Ich bin nicht hier, um den Leuten in den Arsch zu kriechen. Wenn die Leute mögen, was ich und die Band machen, dann ist das großartig. Wir können sicher auch ohne gewisse Leute leben, denn es gibt ja genug, die uns sehen wollen. Von daher ist es mir egal, was Kritiker sagen, denn letztlich sind Meinungen wie Arschlöcher: Jeder hat eins, aber die meisten stinken.

Peter:
Themenwechsel: Wie steht es mit einem zweiten DEMONS & WIZARDS-Album?

Jon:
Wir sind gerade beim Songwriting.

Peter:
Und wie weit seid ihr schon? Wann kann man mit einem Album rechnen?

Jon:
Ich habe bis jetzt fünf Songs geschrieben, aber die hat Hansi (Kürsch, BLIND GUARDIAN – d. Verf.) noch gar nicht gehört. Er wird aber wahrscheinlich im Juli für ein paar Wochen zu mir kommen, damit wir gemeinsam an dem Album arbeiten können. Wir werden es wohl so gegen Ende des Jahres aufnehmen, aber das ist natürlich abhängig von der Zeit, die ich und Hansi aufbringen können.

Peter:
Und was hältst Du von Online-Magazinen?

Jon:
Ich schenke Ihnen nicht so viel Beachtung, weil ich dafür einfach keine Zeit habe. Dafür bin ich viel zu beschäftigt. Ich nutze das Internet für den ganzen Businesskram, für mehr reicht es da nicht. Zudem wird im Internet auch so viel Bullshit erzählt, so viele unwahre Gerüchte gibt es dort, dass es für mich eigentlich nur Zeitverschwendung ist, dort rumzusurfen. Ich meine, ich bin jetzt nicht komplett dagegen, denn die Magazine machen ja auch gute Arbeit und es sind nicht alles nur Lügner und so, aber ich schenke ihnen halt nicht wirklich Aufmerksamkeit. Es ist halt so, dass ich ein sehr viel beschäftigter Mensch bin, und wenn ich mal Freizeit habe, nutze ich sie sicher nicht, um vor einem Computer zu sitzen. Meine Freizeit ist durch den ganzen Businesskram und die Musik sowieso schon auf ein Minimum reduziert. Die anderen in der Band haben Freizeit, ich habe die nicht. Und wenn, dann halt nicht vor dem PC.

Peter:
Da Du auch aus Florida kommst, nehme ich an Du kanntest Chuck Schuldiner (kürzlich an Krebs verstorbener DEATH-Mastermind – d. Verf.).

Jon:
Ja, sicher.

Peter:
Wie hast Du seinen Tod aufgenommen?

Jon:
Das ist natürlich eine tragische Sache. Was soll man groß zu sagen, es ist einfache eine harte Geschichte. Unser Drummer Richard war ein sehr guter Freund von Chuck. Sie haben ein paar Jahre zusammen gespielt. Von daher war es für ihn natürlich besonders hart, aber so ist leider das Leben.

Peter:
Hier erzählt man sich auch, dass er nicht operiert wurde, weil er nicht versichert war. Ist das tatsächlich so in den Staaten?

Jon:
Nein, so ist es nicht. Wenn es um Leben oder Tod geht, muss man dich operieren. Sicher, wenn man zu einem privaten Krankenhaus geht, haben sie das recht dich abzuweisen. Doch ein öffentliches Krankenhaus, muss Dich behandeln. Ist man z.B. in einem schweren Autounfall verwickelt und nahe am Tod, muss dich jedes Hospital natürlich behandeln. Ist es jedoch etwas, wo es nicht so dringend ist, kann halt ein privates Spital dich abweisen, wenn Du keine Versicherung hast. Aber irgend jemand behandelt dich immer. Da siehst Du was dabei rauskommt, wenn Leute über irgendwas reden, wovon sie keine Ahnung haben. Ich selbst hatte vor 6-7 Jahren ja auch keine Krankenversicherung, aber war div. Male im Krankenhaus wg. diverser gebrochener Knochen. Man muss halt nur die Rechnung bezahlen.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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