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IMPALED NAZARENE: Interview mit Mika Luttinen

01.01.1970 | 01:00

Ende letzten Jahres kam für mich "DIE" Überraschung in Sachen "Hard Stuff"-Mucke auf den Markt ? IMPALED NAZARENE's "Absence Of War Doesn't Mean Peace". Grund genug um Sänger und Szene-Kultfigur Mika Luttinen auf den Zahn zu fühlen.

Oliver: Ehrlichgesagt war ich nie ein großer IMPALED Fan, aber das könnte sich nach diesem Album für immer ändern. Was glaubst Du, tun sich mit dem neuen Album neuen Fanschichten für Euch auf, die früher einfach Probleme mit dem noisy Zeugs hatten oder bleibt doch alles beim wie es war?

Mika: Das ist bereits passiert ? wir haben bis dato verdammt viel positives Feedback von Leuten bekommen, die unseren alten Kram überhaupt nicht ab konnten. Hoffentlich hält dieser Trend an, aber man weiß ja nie!

Oliver: Wie waren die Reaktionen auf "Absence Of War ?" sonst so?

Mika: Außer in Finnland, waren die Reaktionen auf das Album wirklich exzellent. Die Presse hier hält es für eine "Mediocore Veröffentlichung" (Mika, wenn Du mir jetzt noch erklärst was eine Mediocore Veröffentlichung" ist, dann wäre ich echt glücklich ? Anm. d. Red.). Was das Feedback der Fans angeht, so scheint es, als ob die meisten auf die Scheibe abfahren würden. Natürlich gibt es auch Leute, für die nur "Rapture" und "Latex Cult" zählen und die hassen die neue CD natürlich bis aufs Blut. Aber um ehrlich zu sein, ich habe solche Reaktionen erwartet.

Oliver: Meiner Meinung nach ist das Coverartwork der neuen Scheibe die perfekte Umsetzung des Albumtitels. Siest Du das ähnlich? Übrigens, wem gehört dieser mehr als ansehnliche Körper?

Mika: 100 %, das Albumcover kickt einfach nur ass. Der Körper gehört einer sehr guten Freundin von uns, eine wirklich nette Person.

Oliver: Jede Band hat ihre eigene Art Songs zu komponieren. Wie muss ich mir die Entstehung eines IMPALED NAZARENE Songs vorstellen?

Mika: Das ist bei uns ein sehr, sehr langweiliger Vorgang. Wir schreiben die Songs nicht gemeinsam, sondern jeder erarbeitet seine Ideen zu hause. Das ganze dauert dann auch noch dementsprechend lang ? ich für meinen Teil schaffe es vielleicht jedes halbe Jahr einmal ein "Jackpot Riff" aus dem Ärmel zu schütteln.

Oliver: Laß uns mal über die Zeit sprechen, in der Du in Belgien gelebt hast. Wie hast Du es damals auf die Reihe bekommen mit der Band zu proben, Songs zu schreiben und das alles, während die anderen Jungs in Finnland lebten?

Mika: Lass uns lieber nicht darüber sprechen, da ich noch immer dabei bin, alles zu vergessen was mit meiner Zeit in Belgien zu tun hatte. Naja, wir haben uns halt gegenseitig Tapes geschickt und ich bin mindestens alle 3 Monate mal nach Finnland gefahren.

Oliver: Warst Du eigentlich schon zurück in Finnland als das neue Material entstand? Wenn ja, wie war es direkt beim Songwriting mitzuwirken, vergliechen mit den Zeiten als Du noch in Belgien gelebt hast?

Mika: Der Unterschied war wie Tag und Nacht. Und ja, ich habe bereits wieder im Norden gelebt, als wir mit dem Songwriting fürs neue Album anfingen. Wir haben geprobt wie die Wahnsinnigen, im Prinzip den ganzen Sommer über täglich und das hört man auch auf dem Album. Wir wurden viel tighter im Zusammenspiel als in der Vergangenheit und es ist mittlerweile auch wieder ein richtig geiles Gefühl als Band unterwegs zu sein ... zumal wir alle in der selben Stadt (Helsinki) leben.

Oliver: Vor kurzem habe ich eine Interview mit Dir gelesen, in dem Du Dich ziemlich angepisst über einige Dinge geäußert hast ? Religion, Belgien, Alkoholpreise in Finnland, die Musikbranche, Deine Ex-Frau, Ex-Freundinnen ? bist Du ein Pessimist, eine negativ eingestellte Persönlichkeit oder wie siehst Du Dich selbst?

Mika: Ich bin ein totaler Zyniker. All die Jahre im Musikbiz haben mich so zynisch gemacht. Du kannst in dem Geschäft niemandem trauen. Irgendwann fängst Du halt an die Motive, die Motivation der Leute in der Szene zu hinterfragen. Eine "Bordsteinschwalbe" hat mir mal gesagt, nachdem sie hörte, dass ich Musiker bin "Musiker sind schlimmer dran, als wir Nuten" ? tja, recht hat sie!

Oliver: Welche Mucke hörst Du Dir privat so an?

Mika: Zur Zeit höre ich die neuen Scheiben von KREATOR und ENTOMBED an, sowie das MOTÖRHEAD live DVD-Box-Set. Starker Stoff, muss ich zugeben.

Oliver: Angenommen, du könntest für einen Tag in die Rolle einer anderen Person schlüpfen. Wer wäre diese Person und warum?

Mika: Ich wäre gern eine Frau die ihre Tage hat. Dann würde ich endlich verstehen, warum sie gerade in der Zeit so außer Rand und Band sind.

Oliver: Du giltst ja in Fachkreisen als Alk-Experte. Was ist Deine bevorzugte Biermarke und welcher Nation sollte es Deiner Meinung nach am besten verboten werden Bier zu brauen?

Mika: In dieser Hinsicht bin ich patriotisch. Finnisches KARHU LAGER ist der beste Stoff auf diesem Planeten. Die schlimmsten Biere die ich so kenne kommen entweder aus Ost-Deutschland oder den USA (Ami-Bier ist einfach nur verwässerte Pisse). Aber mal ehrlich, ich glaube nicht, dass ich unbedingt als Alk-Experte durchgehe, da hat wohl jemand etwas übertrieben. Zudem, seit ich wieder in Finnland lebe habe ich meine Konsum doch drastisch reduziert. Die wilden Zeiten sind so ziemlich vorbei.

Oliver: Wie gehst Du mit Kritik um? Habt ihr schon einmal Probleme mit der Presse wegen eines negativen Reviews usw. gehabt?

Mika: "Absence Of War ?" ist inzwischen unsere siebte Scheibe und wir sind es so langsam gewohnt mit Scheiße beworfen zu werden. Und ehrlichgesagt, ich glaube schlecht Kritik ist gar nicht so übel ? sie hilft einem noch härter an sich zu arbeiten. Wenn ein Review schlecht ist und darin ist genau festgemacht warum und wieso, dann lese ich diese Kritik wirklich mit Interesse. Wenn es aber nur platt und plump rüberkommt, ohne jegliche Begründung, juckt es mich nicht sonderlich.

Oliver: Was hältst Du von MP3 Tauschbörsen und dem Internet im Allgemeinen?

Mika: Ich habe mit dem Zeug überhaupt nix am Hut es sei denn es geht um Kommunikation via Internet. Zudem bin ich nicht gerade davon begeistert, dass es die ganzen Musikklamotten umsonst im Netz zu holen gibt, schließlich und endlich verlieren wir dadurch Kohle. Tja und die ganzen Gerüchte die sich per Internet wie ein Buschfeuer verbreiten sind ebenfalls nicht mein Ding.

Oliver: Welche 3 Dinge würdest Du nicht mit auf einen verlassene Insel mitnehmen?

Mika: Ex-Frau, Ex-Freundin und eine Bibel.

Oliver: Stimmt es, daß Du von altem Powermetal Zeugs der Marke RUNNING WILD beeinflußt bist? Worauf fährst Du bei diesen Bands ab und gibt es auch irgendwelche aktuellen Bands, die Dir zusagen?

Mika: Mich beeinflusst der Kram auf jeden Fall, aber nicht die anderen Bandmitglieder. Das ist einfach die Musik mit der ich groß geworden bin und die ich auch heute noch anhöre. Es ist schlicht guter Metal, das ist alles. Wen ich heutzutage überhaupt nicht ausstehen kann sind HELLOWEEN, die sich zu irgendwelchen christlichen Pseudoposern entwickelt haben. Aber ich stehe noch immer auf RUNNING WILD, außer auf deren letzte Scheibe. Powermetal, wie z.B. von STRATOVARIOUS oder RHAPSODY läuft mir auch ganz gut rein, allerdings nicht deren "schwüle" Balladen.

Oliver: Ihr seit mittlerweile 10 Jahre am Start. Bist Du zufrieden mit dem was Du in Deiner bisherigen Kariere erreicht hast?

Mika: Eigentlich sind es ja schon 11 Jahre. Oh ja, ich bin verdammt stolz auf das was wir erreicht haben, vor allem wenn man bedenkt was für verdammte Gammler wir doch eigentlich sind. Trotzdem gibt es noch sehr viele Dinge die wir tun wollen. Wir haben z. B. noch nie eine komplette US-Tour durchgezogen oder haben noch nie in Süd-Amerika und Süd-Afrika gespielt.

Oliver: An welchem Punkt siehst Du IMPALED NAZARENE in 10 Jahren?

Mika: Hopefully, still raising hell!

Oliver: Ich hab gehört, Du bist ein ziemlicher Porno-Freak. Hast Du irgendwelche speziellen Präferenzen und könntst Du Dir vorstellen in einem dieser Filme mitzuspielen?

Mika: Ich stehe auf Analsex Filme mit blonden Mädels, aber in solchen Filmen mitspielen ... nein, eher weniger. Ich glaube nicht, dass ich es vor der Kamera bringen würde.

Oliver: Was hältst Du von Online-Mags vergliechen mit herkömmlichen gedruckten Metalmagazinen?

Mika: Ich glaube nicht, dass Du Deinen Computer mit auf Klo nehmen kannst, während Du Deinem Geschäft nachgehst oder etwa doch? Beide Formen haben ihre Vorteile, aber ich bevorzuge die gedruckte Version. Ich bin halt ein Old-School Metalhead!

Oliver: Wie hast Du den 11. September erlebt? Was war Dein erster Gedanke, als Du davon hörtest?

Mika: An dem Tag bin ich um 20 Uhr aufgewacht (ich war davor beim Arbeiten und hatte Frühschicht) und auf meinem Handy war eine Message von unser Soundmann "Schalt Deinen Fernseher an!". Das hab ich dann gemacht und sah wie das WTC in Flamen stand und in sich zusammen fiel. Ich konnte es einfach nicht begreifen. Ein paar Jahre zuvor stand ich noch selber dort oben. Ich dachte, das wäre ein Ausschnitt bzw. Werbung für "INDEPENDENCE DAY 2" oder so was. Anschließend hab ich mit unserem Bassisten telefoniert und ihm ebenfalls gesagt, er solle seine Kiste einschalten und auch er konnte es nicht fassen was er dort zu sehen bekam. Es war einfach nur schrecklich. Man sollte den mittleren Osten ein für alle mal mit Kernwaffen bombardieren.

Oliver: Eine etwas makabere Frage kurz vor dem Ende: angenommen Du wärst tot, hättest aber davor die Möglichkeit gehabt, Deine eigene Todesanzeige zu verfassen, wie würde diese lauten?

Mika: Hier ruht eine langweilige tote Fotze!

Oliver: Was steht für Euch in nächster Zeit so an? Wie steht's mit 'ner Tour?

Mika: Wir versuchen auf einige große Festivals mit drauf zu kommen. Zudem haben wir in nächster Zeit einige Gigs in Italien, England, Portugal und Russland. Wahrscheinlich kommt dann noch Ende Februar eine 7" mit dem Titel "Fuck Off And Die" an den Start, mit einem eigenen Song und dem "Fuck Off And Die" Cover von entweder VOIVOD oder den BROKEN BONES.

Oliver: O.k. das wär's. Danke fürs Interview. Du hast das letzte Wort.

Mika: Drink beer and be free!

Redakteur:
Oliver Kast

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