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INDUKTI: Interview mit Ewa Jablonska

23.07.2009 | 10:22

INDUKTI haben etwas überraschend den Soundcheck im Juli gewonnen. Überraschend deshalb, weil der Sound der Band alles andere als gewöhnlich ist. Düsterer Metal trifft auf unkonventionelle Songstrukturen, instrumentalen Wahnsinn und verschiedene Gastvokalisten. Nix für schwache Nerven. Audiothrill der Extraklasse. Wir sprachen mit Violinistin Ewa Jablonska.

Peter:
POWERMETAL.de hat gerade den monatlichen Soundcheck eingeführt. Nachdem RIVERSIDE im letzten Monat gewonnen haben, seid ihr der zweite Gewinner. Was ist so besonders an der polnischen Prog-Szene?

Ewa:
Wow! Das sind tolle Nachrichten. Wir fühlen uns sehr geehrt und freuen uns riesig. Vielleicht ist einfach was im Wasser hier in Polen. :) Nun, die polnische Prog-Szene ist halt die Alternative zum Mainstream. Es ist schwer zu promoten und daher sind die Musiker mit echter Leidenschaft dabei. Und vielleicht liegt es daran, dass die Bands, die den Durchbruch schaffen, dann originell und interessant sind.

Peter:
So weit ich weiß, schreibt ihr eure Songs als reine Instrumentale. Nach welchen Kriterien sucht ihr dann die Sänger aus?

Ewa:
Tatsächlich bestimmen wir vorher, welche Songs mit Gesang sein sollen. Als wir diesmal darüber nachgedacht haben, welche Songs mit Sänger sein würden, standen zwei sofort fest und wir wussten auch schon, wer sie singen musste. Es gab da keine Alternativen. Den dritten Sänger trafen wir einige Monate später.

Peter:
Was mich zu meiner nächsten Frage führt. Wie seid ihr denn mit Nils Frykdahl (SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM), Maciej Taff (ROOTWATER) und Michael Luginbuehl (PRISMA) in Kontakt gekommen?

Ewa:
ROOTWATER kennen wir schon sehr lange. Wir haben einst mal den Proberaum geteilt und wussten daher, welch ein Talent Maciej ist. Nils haben wir im Jahr 2007 kennengelernt, als wir die Ehre hatten SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM in Warschau zu supporten. Ich bin seitdem ein großer Fan der Band und habe Nils dann für 'Tusan Homichi Tuvota' vorgeschlagen. Er mochte unsere Musik sehr und als wir ihn gefragt haben, hat er sofort zugesagt.  Mit Micha ist es etwas anders gelaufen. Wir haben vom PRISMA-Manager das Angebot bekommen, mit ihnen zu spielen. Also haben wir uns mit der Musik der Jungs beschäftigt und sie sich entsprechend mit unserer Musik. Dann haben wir angefangen eMails zu schreiben, uns über unser neues Album zu unterhalten und haben dabei erwähnt, dass wir noch Gastsänger suchen. Michael hat sich dann selbst vorgeschlagen und wir haben dann entschieden, es zu versuchen. Es war ein Volltreffer. Das Lustigste an der Sache ist, dass wir Michael das erste Mal persönlich kennengelernt haben, als der Song schon fertig war, ein paar Stunden vor unserer ersten gemeinsamen Show. Wir haben ihn dann mit Michael im Soundcheck geprobt und auf der Tour auch ein paar Mal mit ihm zusammen gespielt.


Peter:

Nehmt ihr Einfluss auf die Texte oder haben die Jungs die absolute Freiheit, was die Texte betrifft?

Ewa:
Nein, wir nehmen keinen Einfluss auf ihre Lyrics. Wir schauen einfach nach wirklichen Künstlern, Sängern mit einer eigenen Geschichte, einem eigenen Stil. Einem Sil, der zu unserer Vision passt. Und das funktioniert. Sie bekommen von uns fertige Instrumentalversionen der Songs und wir bekommen von ihnen Versionen mit Vocallines. Wir lieben es, den Song dann das erste Mal mit Gesang zu hören. Es ist, als würden wir ihn neu entdecken.

Peter:
Spielt ihr die Songs mit Gesang denn live?

Ewa:
Abgesehen von der Geschichte mit Michael nicht, nein. Wir sind eine instrumentale Band und wir komponieren instrumentale Songs. Auf der anderen Seite ist es natürlich immer eine sehr interessante Erfahrung mit guten Sängern zu arbeiten und wir verschließen uns dem nicht.

Peter:
Wie funktionieren INDUKTI überhaupt auf der Bühne? Und gibt es schon Tourpläne? Eine "Polish Prog Invasion" mit RIVERSIDE beispielsweise...

Ewa:
Ja, Konzerte mit RIVERSIDE würden einige Leute freuen. Danach werden wir immer mal wieder gefragt. Da gab es mal Pläne, aber es hat dann zeitlich nicht gepasst. Anyway, für dieses Jahr sind bisher nur ein paar Dates in Polen geplant, aber das kann sich mit dem Release von "Idmen" schon noch ändern. So wie in 2007, wo wir viele Auftritte auf vielen Festivals hatten. Das war großartig.

Peter:
Eure Einflüsse kommen aus einer enormen Bandbreite von Stilen und Bands. Ich höre TOOL, Jazz, Klassik & Metal heraus. Ist das das Ergebnis der fünf Individuen innerhalb der Band?

Ewa:
Ja, absolut. Fünf Bandmitglieder, fünf Komponisten. Vieles geschieht, wenn wir gerade mitten im Komponieren sind. Wir versuchen immer, uns keine Grenezn zu setzen, indem wir nur eine bestimmte Art von Musik spielen. Und wir wissen vorher nie, wie es endet, denn die meisten Songs entstehen durch Improvisation.

Peter:
Haben euch Reisen speziell bei den World-Music-Parts beeinflusst?

Ewa:
Wir haben schon in sehr verschiedenen Ländern von Mexiko bis Norwegen gespielt und überall haben sie unsere Musik gemocht. Das hat uns überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber unsere Musik basiert mehr auf Emotionen, inspirierenden Momenten im Leben. Es waren daher nicht die Reisen, die eine große Inspiration für uns waren. Außer vielleicht die Reisen in unserem Kopf.


Peter:
Ihr benutzt Geige, Trompete & Hackbrett auf eurem Album. Wer hatte die Idee diese Instrumente mit dem doch sehr düsteren, schweren Sound zu verbinden? Und welche anderen Instrumente könntest du dir auf einem INDUKTI-Album vorstellen?

Ewa:
Die Geige war ja schon immer Teil von INDUKTI. Vielleicht sogar noch länger. Und sonst haben wir einfach beim Komponieren das Gefühl, dass an einer bestimmten Stelle ein bestimmtes Instrument toll klingen würden. Wir laden dann Musiker ein und warten, was passiert. In den meisten Fällen improvisieren sie einfach und wir nehmen es auf. Wir haben wirklich großes Glück so tolle Musiker zu treffen. Vorstellen kann ich mir grundsätzlich jedes Instrument. The sky is the limit! Wir haben gerade auch über eine Drehleier nachgedacht.

Peter:
Kommen wir zum Business. SPV, einer der größten Musikvertriebe Deutschlands, die auch der Vertrieb von eurem Label sind, haben Insolvenz angemeldet. Welchen Einfluss hat das kurz- und mittelfristig auf eure Karriere? Und welche Folgen siehst du für die Musikindustrie im Allgemeinen?

Ewa:
Nun, bisher haben wir keine Folgen zu spüren bekommen. Es gibt nichts, was uns irgendwie Sorge bereitet hätte. Aber die Karriere von INDUKTI ist sowieso nicht von finanziellen Dingen abhängig. Wir machen Musik nicht des Geldes wegen - es ist unsere Leidenschaft. Die Reaktionen der Hörer sind uns wichtiger als Geld.
Ich denke, in der Zukunft tendiert es mehr und mehr zum Verkauf von MP3s. Die Leute sehen mittlerweile nicht mehr ein, warum sie ein Album als CD kaufen sollen. Deshalb wollen wir weiterhin so viel wie möglich live spielen, um die größtmögliche Anzahl an Menschen mit unserer Musik zu erreichen.

Peter:
Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, dass heute mehr Leute eure Musik kennen als es vor 15 Jahren möglich gewesen wäre, aber ihr dennoch weniger Alben verkauft als ihr es damals vielleicht geschafft hättet?

Ewa:

Das ist schwer zu sagen. Es ist unser zweites Album, so dass wir da keine wirklichen Vergleichsmöglichkeiten haben. Aber ja, durch das Internet kann man mehr und mehr Menschen erreichen. So etwas wie euer Soundcheck ist dabei auch sehr hilfreich. :)

Peter:
Das ist ein gutes Schlusswort. Falls du noch was loswerden willst, nur zu...

Ewa:
Ich möchte alle Leser von POWERMETAL.de grüßen und sie einladen, sich "Idmen" anzuhören. Stay indukted! :)

Redakteur:
Peter Kubaschk

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