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IN SOLITUDE: Interview mit Henrik Palm

07.03.2014 | 18:52

"Ich habe überhaupt keine Verbindung zu dieser Metal-Welt mehr und fühle mich hier wie ein UFO". Henrik Palm (IN SOLITUDE) stoßen einige Aspekte der Metal-Szene sauer auf.

Im Zuge ihrer Tour im Vorprogramm von BEHEMOTH und CRADLE OF FILTH sprachen wir mit dem IN SOLITUDE-Gitarristen Henrik Palm über "Sister", die Metal-Szene, Musik aus Schweden und Erwartungen von der Tour.


"Sister" ist eine meiner großen positiven Entdeckungen des Jahres 2013, doch nicht alle sind mit diesem Album so zufrieden. In unserem Soundcheck wurde vielfach bemängelt, dass im Vergleich zu "The World. The Flesh. The Devil." der Metal verschwunden und die Faust abhanden gekommen wäre. POWERMETAL.de scheint aber in seiner Sicht eine Ausnahme zu sein, denn laut Henrik waren die Kritken zu neunzig Prozent positiv und er zeigt sich im Großen und Ganzen sehr überrascht und überwältigt von den Reaktionen auf "Sister". Und auf die kritisierte Stiländerung angesprochen erklärt Hedrik, dass "wir vorher überhaupt nichts wirklich geplant haben. "Sister" ist das Ergebnis unseres Gefühls, das, was wir musikalisch als richtig empfinden. Wir haben nicht geplant, Stile zu mischen oder irgendwelche neuen darkwavigen oder post-rockigen Einflüsse einzubringen, oder auf irgend eine Art "erwachsen" zu werden. Nein, wir wollten nur Songs schreiben, die aus uns heraus kommen, die wir alle mögen und die man mit uns in Verbindung bringt. Wir wollten wir selbst sein."


Dennoch räumt Henrik ein, dass man sich in der heutigen Heavy-Metal-Szene etwas unwohl fühlt. Sie sei "zu sehr auf Traditionen gebaut. Die Leute dort wollen eben immer ihre festen Referenzen, auf die sie sich verlassen können. Es muss halt nach MERCYFUL FATE oder IRON MAIDEN klingen. Klar, sind wir auch ein Teil der Szene, aber wir denken nicht wie sie. Man denkt dort sehr engstirnig. Ich denke auch, dass das, zumindest in Europa, auch eher ein soziales Ding ist, es geht um das sich Treffen und miteinander abhängen, aber gar nicht so sehr um die Musik. Alte Leute treffen sich und erinnern sich an alte Zeiten. Doch wir von IN SOLITUDE leben im Jetzt". Und doch erklärt Henrik mir seine Verbundenheit zu den Metal-Bands aus der Verhangenheit, "weil diese nämlich damals auch eher vorausschauend waren und in ihrer Gegenwart gelebt haben. Damals wurden nämlich Bands toll gefunden, wenn sie möglichst wenig mit Vergangenem am Hut hatten und neue, radikale Sounds erzeugt haben, was Neues gemacht haben. In der heutigen Metalszene ist aber nur gut, was wie damals klingt. Und damit komme ich gar nicht klar."


Ich komme dafür wunderbar mit "Sister" klar, es ist pure Musik, eigen wie sie nur sein kann und ich denke beim Hören immer, ein dunkler Geist spricht zu mir. "Pentagramme auf die Wiesen des englischen Garten pinseln" schrieb ich in meinem Review. Ich frage Henrik, ob die Musik von IN SOLITUDE etwas Okkultes oder Spirituelles hat, doch das ist eher nicht der Fall. "Alle Gefühle auf "Sister" sind realitätsbasiert. Es geht um das Leben, um Leute, Freunde, Familie. Dinge, die man fühlt, wenn man mit anderen zusammen ist. Und im Besonderen um den Aspekt, dass diese Dinge vergänglich sind und irgendwann ein Ende haben. "Sister" ist aber nicht pessimistisch. Es geht eher um Liebe, jedoch in erster Linie unter dem Aspekt, dass diese vergänglich ist. Zudem ist "Sister" für uns eine Art Therpie, eine Vorbereitung auf die Dinge, die vielleicht kommen werden."
Es ist also nichts antikosmisches oder sonstwie rituelles bei IN SOLITUDE. Sehr gut.

IN SOLITUDE kommt ja aus Schweden und ich bin immer wieder verblüfft über die Vielfalt wirklich hochkarätiger Bands aus diesem Land. Ich frage, ob es dafür eine Erklärung gibt. "Möglichwerweise, weil Schweden ein sehr säkularisiertes Land ist. Die Leute hängen mehr zusammen. In viele Bands spielen ja dieselben Leute. Und Schweden ist ein Land, in dem Kultur viel bedeutet. Die Leute können hier viel mehr das tun, was sie wollen, als anderswo und werden dabei gefördert. Auf Schulen kann man zum Beispiel Gitarre lernen. Und man wird schon von klein auf so erzogen und ermuntert, das zu tun, was einem Spaß macht. Mann muss es dann aber auch tun, und versuchen sein eigenes Ding draus zu machen. Und in Schweden gründet man eine Band eher nicht aus dem Grund, eine Karriere zu machen, sondern aus einem spirituelleren Grund, nämlich um Kunst zu machen. Und vor allem aber für sich selber."





Auf die Karriere angesprochen frage ich, was IN SOLITUDE auf die große Tour mit BEHEMOTH und CRADLE OF FILTH gebracht hat und was Henrik davon erwartet. "Wir passen da eigentlich überhaupt nicht rein, aber es war ein guter Deal", sagt er und grinst. "Und auf eine Art sind sind wir auch extremer als die beiden anderen Bands, weil wir das tun, was wir tun. Zumindest sind wir ehrlicher und realer, weil wir kein Theater und keine Masken benötigen. Das wirkt auf mich leblos. Ich habe überhaupt keine Verbindung zu dieser Metal-Welt und fühle mich hier wie ein UFO. Aber vielleicht ist das ja auch unsere Stärke und unsere Chance in diesem Package. Wir sind auf jeden Fall mehr Punk Rock und vielleicht kommt das ja bei den Leuten an".

Ich wünsche Henrik und IN SOLITUDE viel Glück!

Redakteur:
Thomas Becker

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