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ISOLATION: Interview mit Johannes Schmid, Albert Röhl

08.12.2008 | 18:10

Eine Korrespondenz mit ISOLATION aus Lübeck zu ihrer gleichnamigen, (nicht nur) stilistisch äußerst interessanten Debüt-Compilation, zur Tonkunst & -produktion, zu Labelfragen und zum BM-Umfeld allgemein.

Eike:
Wie lange gibt es euch schon als Band?

Johannes:
Wir haben uns 2004 gegründet. Allerdings haben wir das erste Jahr nur vereinzelt geprobt.

Eike:
Wart ihr davor, oder seid ihr noch in anderen Musikprojekten involviert? Wie seid ihr jeweils dazu gekommen, Musik zu machen, und mit welcher Motivation?

Johannes:
Ja, waren wir, allerdings war darunter nichts, was ISOLATION direkt beeinflusst hätte, oder sich damit vergleichen ließe. Die Bands, in denen wir vorher gespielt haben, ließen uns auf jeden Fall nicht so richtig die Möglichkeit, genau das zu machen, was wir wollten. Das war nicht zuletzt einer der Gründe, weshalb wir ISOLATION gegründet haben. Insgesamt, denke ich, ist es einfach ein natürliches Bedürfnis sich auszudrücken und selbst zu verwirklichen.

Eike:
Die Stücke des Albums "Isolation" erschienen bereits zuvor. Wie viel Zeit lag zwischen der Entstehung der einzelnen Stücke? Gab es für euch wichtige Einschnitte in dieser Zeit?

Johannes:
Die Stücke wurden jeweils auf dem "A Prayer For The World To End"- und "Hier am Ende der Welt"-Demo veröffentlicht, zwischen den beiden Demos lag in etwa ein halbes Jahr. Ich denke, der größte Unterschied war, dass unser damaliger Bassist Karl nur auf den "A Prayer..."-Tracks zu hören ist und auf "Hier am Ende..." ich selbst den Bass eingespielt habe. Aber wirkliche Einschnitte gab es eigentlich nicht.

Eike:
Eure mit "Isolation" zuletzt erschienene Musik ist nicht gerade einfach zu klassifizieren, was sie für mich als Hörer interessant, als Rezensent aber sprachlich schwer zu fassen macht. In meiner Rezension unterstellte ich euch Berührungsflächen zu den Genres Düsterrock, Gothic, Drone und Doom. Könnt ihr das nachvollziehen?

Johannes:
Klar! Es wundert mich auf der anderen Seite eher, wenn uns unterstellt wird, 08/15-Depressive-Black-Metal zu sein. Wir haben uns da stilistisch nie so festgelegt und uns bewusst auch Berührungen mit anderen Genres offen gehalten, sofern es der Atmosphäre dienlich ist.

Eike:
Sind euch mögliche benennbare Einflüsse aus diesen Bereichen bewusst? Habt ihr euch beispielsweise schon einmal mit Gothic-Bands der ersten Stunde beschäftigt, pflegt persönlichen Kontakt zur Drone-Szene, oder hört selbst gerne im Dark-Rock- oder Doom-Bereich verortbare Bands?

Johannes:
Ja, auf jeden Fall. Bei Gothic-Bands der ersten Stunde weiß ich leider gerade nicht so richtig, was darunter fällt, und ich will mich hier auch nicht blamieren. Ich mag SISTERS OF MERCY und FIELDS OF THE NEPHILIM. Alle Doom-Bands, die mir gefallen, zu erwähnen, ist dabei noch ein weitaus schwierigeres Unterfangen. Aber von BLACK SABBATH bis WORMPHLEGM gibt es eine Menge Gruppen, die ich sehr verehre. Drone ist jetzt nicht unbedingt eine meiner besonderen Leidenschaften, aber auch da habe ich ein paar Sachen. Bei den anderen sieht das alles ähnlich aus. In wie weit uns das alles direkt beeinflusst, kann man immer schwer sagen, aber grundsätzlich sind wir von unserem persönlichen Musikgeschmack auf jeden Fall sehr offen.

Albert:
Richtig, ich beschränke mich da auch nicht. Wenn es sich gut oder richtig anfühlt, kann da fast kommen was will.

Eike:
Welche Band(s) und Musiker und welche ihrer Werke haben euch besonders beeindrucken können?

Johannes:
"Besonders beeindrucken" ist natürlich ein sehr dehnbarer Begriff, und jeder setzt da die Maßstäbe anders. Es gibt eine Menge erstklassiger Metal-Musik, aber wenn man die meisten Bands daraus mit Phänomenen wie den BEATLES vergleichen würde, wäre das ziemlich unangemessen. Wirklich schwer beeindruckt haben mich Bands/Musiker wie LEONARD COHEN, JOY DIVISION, BURZUM, ISIS, BLACK SABBATH, PORTISHEAD, THE BEATLES, ULVER, BJÖRK, MASSIVE ATTACK, MONO und natürlich auch viele weitere...

Albert:
Alben, die mich beeindruckt haben, sind zum einen die neuen Werke von MAYHEM. Auch ULVER - egal, ob alt oder neu -, AHAB und Genrefremdes wie MONO oder TRENTEMØLLER kann ich dazu zählen.

Eike:
Seid ihr, auch jenseits der Musik, an bestimmten Kunstformen besonders interessiert?

Johannes:
Interessiert schon, aber dem gehe ich persönlich jetzt nicht ausgiebiger nach, und das gleiche gilt für den Rest, glaube ich, auch.

Eike:
Könntet ihr euch vorstellen, auch einmal Werke anderer Künstler in eurer Musik aufzugreifen, oder steht ihr lieber ganz für euch alleine?

Johannes:
Ich könnte es mir schon vorstellen, z. B. ein Gedicht oder ein Gemälde zu vertonen. Das wäre sicherlich ein sehr interessantes Unterfangen. Allerdings haben wir bisher immer so viele eigene Ideen gehabt, dass wir für ein derartiges Projekt gar keine Zeit gehabt hätten. Aber wir sind sowohl selbst als auch als Band noch jung, also vielleicht eines schönen Tages einmal...

Eike:
Ist der leicht verwaschene Klang eures Albums ein bewusst eingesetztes Stilmittel, oder hättet ihr einzelne Instrumente klanglich lieber noch deutlicher herausgestellt?

Johannes:
Es passt auf den bisherigen Aufnahmen so ganz gut, finde ich. In meinen Ohren unterstützt es die von der Musik transportierten Gefühle. Allerdings war das jetzt keine rein bewusste Entscheidung. Für zukünftige Aufnahmen werden wir sicherlich einen klareren Sound anstreben.

Eike:
[Ich finde übrigens auch, dass dieser leicht verwaschene Klang gut zum Album passt.] Kommen wir für einen Moment noch einmal von der Musik weg und zu den Texten: Was mir auffiel, ist, dass die Lieder auf "Isolation", obwohl sie ja zeitungleich erstveröffentlicht wurden, verwandte Themen behandeln; und auch, dass diese Themen scheinbar programmatisch um das Feld Isolation kreisen. Zusammen mit dem Album- und Bandnamen drängt sich mir da die Frage auf, ob es euch von Anfang an darum ging, dieses Themenfeld künstlerisch konsequent zu erforschen?

Johannes:
Es gibt kein textliches Konzept. Alle Lyrics entstanden intuitiv und ohne besondere Vorgaben. Sie drücken gewisse Gefühle aus, und diese waren eben über einen längeren Zeitpunkt in meiner Psyche präsent, Kalkül steckt jedenfalls keines dahinter.

Eike:
Der Schwerpunkt scheint mir in den Texten, die ja alle einen gewissen Weltschmerz beschreiben, weniger in der Beschreibung der durchlittenen Außenwelt als in der empfundenen Innenwelt zu liegen. Die beschriebene Isolation scheint eher ein gewählter oder doch zumindest von innen her erfolgender Rückzug als ein von außen aufgezwängter Ausschluss zu sein. Seht ihr das ähnlich?

Johannes:
Du triffst es damit eigentlich schon ziemlich gut. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Eike:
Wie kamt ihr zu euren Texten? Entspringen sie überwiegend dem eigenen Empfinden; oder habt ihr beim Schreiben versucht, euch in fremde Gefühls- und Gedankenwelten hineinzuversetzen?

Johannes:
Ich habe beim Schreiben keine genaue Vorstellung gehabt, sondern einfach geschrieben. Die Gedanken- und Gefühlswelt ist schon meine eigene. Allerdings sollte man nicht alles wörtlich nehmen oder zu autobiographisch sehen.

Eike:
Es gibt da zwei Textzeilen in 'The Nameless And The Unnamable', die mir wie eine Tür mit noch mehr dahinter erscheinen, die ich aber allerhöchstens einen Spalt breit zu öffnen vermag: Zum einen ist das "The unmatched beauty of insanity kept me alive", zum anderen "I live in fear of what I once called myself". Mögt ihr diese Zeilen ein Stück weit erläutern?

Johannes:
Nein, tut mir leid. Ich möchte da nicht näher drauf eingehen und ich finde auch nicht zuletzt, dass dem Hörer immer ein Interpretationsspielraum gelassen werden sollte!

Eike:
Was war der Grund dafür, im Text dieses Stückes vom Deutschen ins Englische zu wechseln?

Johannes:
Es gab keinen besonderen Grund, die Worte waren in der jeweiligen Sprache einfach gehalt- und klangvoller.

Eike:
Könnt ihr euch heute mit euren Texten nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich identifizieren? Und ist das überhaupt eine wichtige Frage für euch?

Johannes:
Schwierig. Auf der einen Seite kann ich mich damit auf jeden Fall identifizieren, aber es macht auf der anderen dabei auch nur einen Teil meiner Persönlichkeit aus. Es sind Gefühle, die ich künstlerisch verarbeite, aber sie definieren mich dabei nicht als Mensch.

Eike:
Wie wichtig sind euch die Texte, wenn ihr Musik von anderen Bands hört? Gibt es da Unterschiede?

Johannes:
Kommt auf die Band an. Gerade im Black Metal gibt es sehr viele schlechte und/oder langweilige Texte, dennoch erreicht die Musik bei mir etwas. Ich glaube, das kann man einfach nicht verallgemeinern.

Eike:
Auch wenn ihr selbst andere Texte schreibt, interessiert mich, wie ihr die Verstrickungen zwischen Politik und Black Metal beurteilt.

Johannes:
Keine leichte Frage. Manchmal finde ich es schon erschreckend, wie wenig man sich der ganzen Thematik entziehen kann, wenn man sich im Untergrund umsieht. Gerade im Ausland sind faschistoide Anwandlungen eigentlich gang und gäbe im Black Metal. Dabei geht es mir jetzt gar nicht darum, ob man das jetzt unterstützen will, oder nicht - manchmal frage ich mich schon, was ich hier eigentlich mache, wenn ich ständig Tauschangebote voller NSBM-Titel bekomme.

Gleichzeitig nervt diese elendige Hexenjagd seitens der Mainstream-Metal-Presse und der linksextremen Gegenseite genauso ohne Ende. Es ist immer wieder erschreckend, wie wenige (handfeste!) Beweise manche Leute brauchen, um eine Band mit dem "NS"-Stigma meinen brandmarken zu müssen. Ich finde, diese ganzen Idioten, die meinen, jeden der von Patriotismus oder Nationalromantik auch nur redet, gleich "Nazi" nennen zu müssen, entehren damit nur all diejenigen, die Opfer der wirklichen Nationalsozialisten geworden sind, indem sie den Begriff völlig aushöhlen und ihn seiner historischen Bedeutung berauben. Genauso ist es natürlich lachhaft, wenn sich irgendwelche verblendeten BM-Kinder selbst "NS" betiteln und dabei aus Ländern stammen, deren Bevölkerung in der Ideologie Adolf Hitlers als minderwertig angesehen wurden.

Leider ist auch hier das gleiche Fazit zu ziehen, wie bei so vielen anderen Themen auch: Wenn die Menschen sich mit (historischen) Fakten auseinandersetzen würden, anstatt irgendwelche Parolen nachzubrüllen, bevor sie ihren Mund aufmachen, würde sich ein Großteil von selber lösen.

Eike:
Seht ihr es als problematisch an, wenn (die extremsten Formen politischer Aufrufe einmal außen vorgelassen) in Musiktexten Menschen nach Gruppenzugehörigkeit diskriminiert und ihnen aufgrund dessen pauschal bestimme Eigenschaften unterstellt werden?

Johannes:
Ich sehe das auf jeden Fall als ziemlich minderbemittelt weil oberflächlich an. Und mal ehrlich: Jemand, der meint, irgendwelche profunden politischen Weisheiten aus drei Strophen plus Refrain zu ziehen, ist doch nur zu bemitleiden - ganz egal, ob da jetzt "Opa war Sturmführer...", "Deutschland muss sterben" oder "Kill The Christians" gesungen wird.

Eike:
Seht ihr insbesondere NSBM und/oder rassistische Vorurteile bzw. Ideologien als Problem insbesonders (auch) der Black-Metal-Szene?

Johannes:
Natürlich! Wer das verleugnen will, ist entweder blind oder auf anderen Ebenen motiviert. Sowohl der ernsthafte NSBM als auch die übermotivierten Politisch-Korrekten sind ein Problem. Leider schaukeln sie sich immer wieder gegenseitig hoch. Ich fürchte, dass durch völlig aberwitzige Unterstellungen seitens der Antifaschisten viele Black-Metal-Fans gerade erst politisiert werden und dann immer weiter abstumpfen.

Eike:
Haltet ihr es für sinnvoll bzw. überhaupt machbar, zwischen der NSBM- und der allgemeinen Black-Metal-Szene mehr oder weniger klar zu unterscheiden? Oder gibt es dafür aus eurer Sicht eine zu große Grauzone?

Johannes:
Das Problem dabei ist, dass eine Menge Leute folgendermaßen da rangehen: "Black Metal soll möglichst böse und menschenverachtend sein, und der Nationalsozialismus erfüllt diese Kriterien mit Bravour. Oder, um es einfacher auszudrücken: Auschwitz war richtig geil, weil da Menschen getötet wurden und Menschen finden wir doof." Jaja, is richtig...

Ganz abgesehen davon, dass ich es für eine Tatsache halte, dass die meisten Menschen, die derartiges äußern, ihres Lebtages nicht mehr froh werden würden, wenn sie den Horror eines Konzentrationslagers tatsächlich erleben würden, ist so eine Einstellung doch einfach nur kindisch. Wer BM so verbissen sieht, sollte sich vielleicht ein Leben zulegen, mehr ficken oder erwachsen werden - am Besten alles in Kombination.

Hinzu kommt die Tatsache, dass es den Leuten scheinbar egal ist, dass die Argumentation, dass BM und NS zusammengehören, weil beides so böse ist, folgendes völlig außer Acht lässt: Diejenigen Rechtsradikalen, die sich politisch ernst nehmen und nicht bloß bösere Musik hören wollen als der Rest, sehen NS ganz sicher nicht als etwas Böses an, sondern sind davon überzeugt, dass sie damit eine bessere Welt erschaffen. Und das Streben nach einer besseren Welt, in der arische Kinder friedlich mit arischen Kaninchen durch den deutschen Wald tanzen können ohne von bösen Untermenschen aufgefressen zu werden, kann man ja eigentlich nicht wirklich als böse oder menschenverachtend ansehen.

Eike:
Wart bzw. seid ihr euch bewusst, dass Eisenwald Tonschmiede im labeleigenen Shop einige Bands führt, die teils aktiv der NSBM-Szene angehören, teils zumindest lose mit ihr verbandelt sind/waren, und die teils auch selbst Texte mit zumindest rassistischen Untertönen geschrieben haben, in denen Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit verächtlich gemacht wurden?

Johannes:
Sagen wir einfach so, es ist mir wichtiger, dass ich mich mit Nico bei dem Thema persönlich verstehe, als jede Band in seinem Shop zu überprüfen. Insgesamt findet man doch kaum ein Untergrundlabel mit BM-Ausrichtung, das nur politisch korrekte Bands führt, und ich finde auch nicht, dass man ständig andere Leute bevormunden muss. Ich habe meine Einstellung, und ich lassen anderen ihre.

Eike:
Sind euch diese Musiker bekannt?

Johannes:
Du hast mir folgende Bands genannt: BEHEXEN, BESATT, EWIGES REICH, GEIMHRE, GRAVELAND, NARGAROTH, URGEHAL, VRANKENVORDE, WYRD. Jene sind mir eigentlich auch fast alle zumindest ein Begriff. Bei Bands wie GRAVELAND und augenscheinlich auch GEIMHRE (kannte ich bisher gar nicht) braucht man sicherlich gar nicht erst zu diskutieren, auch wenn erstere natürlich einen gewissen Status haben.

Dass Bands wie BESATT oder WYRD sich in Interviews tolerant gegenüber Faschismus zeigen, ist in meinen Augen dämlich, aber gleichzeitig gehört das zur Meinungsfreiheit.

Wenn es wie bei BEHEXEN, EWIGES REICH etc. darum geht, dass sie mit rechten Bands Splits haben, finde ich das schon grenzwertig, aber es muss auch nichts heißen. Solche Konstrukte à la "Ja, die sind rechts, weil die haben ja mal ein Konzert gespielt mit denen und denen, und die hatten 'ne Split mit der und der Band, und der Bruder von deren Bassisten hat sich auf 'nem Festival mal mit jemandem unterhalten, der ein BURZUM-Shirt an hatte" sind auf jeden Fall völlig albern. Gleiches gilt für Labels. Man sollte da auf jeden Fall im Einzelfall etwas genauer hinsehen und sich zu allererst mit der Band selber auseinander setzen.

NARGAROTH ist ohne Frage ein Fall für sich, und eine Diskussion über diese Band will ich gar nicht erst anfangen. Dass aber VRANKENVORDE rechts sein sollen, nur weil sie mit RIGER befreundet sind, finde ich ganz schön weit hergeholt.

Eike:
Wie steht ihr dazu, dass der Web-Shop eures Labels all diese Bands führt?

Johannes:
Es gibt Schlimmeres. Ich würde ihnen sicherlich nicht hinterher weinen, aber unter'm Strich gibt es einfach andere Dinge, die für mich zählen. Aber um mal eines klarzustellen: Du hast hier Eisenwald-Bands angekreidet, die auch von zahlreichen größeren Firmen vertrieben werden. WYRD und BESATT findest du auch bei Twilight, URGEHAL und BEHEXEN sogar bei Nuclear Blast. Würdest du Nuclear Blast und Twilight dann auch NSBM-Affinität unterstellen? Genauso werden mit einigen dieser Bands auch in der Kiosk-Metal-Presse laufend Interviews geführt und ihre Platten rezensiert. Sind das jetzt auch alles Nazis? Du solltest da wirklich nicht mit zweierlei Maß messen, nur weil Eisenwald als Label im Verhältnis der marktwirtschaftlichen Relevanz kleiner ist und einen deutschen Namen hat!

Hinzukommt noch, dass man als kleines Label auch gar nicht die zeitlichen Kapazitäten hat, zu jeder CD, die neu reinkommt, erstmal Internetrecherche zu betreiben, wenn an der CD selbst nichts Anstößiges ist.

Abschließend kann ich dazu nur sagen, dass Eisenwald definitiv kein rechtes, geschweige denn überhaupt politisch motiviertes Label ist, und nur das zählt in dieser Hinsicht für mich. Ich habe zu dem Thema meine Meinung, die ich ja hier auch ausführlich mitgeteilt habe, aber ich lege keinen Wert darauf, damit irgendwen zu missionieren. Leute, die ständig nur anderen erzählen wollen, was richtig und was falsch ist, nerven.

Eike:
Danke für die ausführliche Auskunft. Kommen wir nun wieder zurück zu eurem Werk. Wie entstand das Coverartwork zu "Isolation"? Worauf kam es euch dabei an?

Johannes:
Die Photos sind alle auf dem alten Industriegelände entstanden, auf dem auch unser Proberaum gelegen ist. Es sollte eine kühle und verlassene Atmosphäre bieten, und da war die Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegend.

Eike:
Inwieweit wart ihr bei der Entscheidung zur Herausgabe einer Limited Edition, und bei deren künstlerischer Gestaltung, involviert?

Johannes:
Die Idee kam von Nico (Eisenwald), wir haben die Gestaltung aber gemeinsam durchgesprochen. In erster Linie waren und sind wir dabei froh, überhaupt die Möglichkeit zu haben, so eine aufwendige Sonderedition zu haben. Mit der Umsetzung sind wir dabei natürlich ebenso glücklich!

Eike:
Ist die Option, Plattenhüllen, Booklets, (T-Shirts? etc.) ins Gesamtkunstwerk ISOLATION miteinbeziehen zu können, wichtig für euch?

Johannes:
Klar, das ist in meinen Augen der Bestfall. Allerdings ist es auch schwer, bei allem gleichzeitig künstlerisch geschickt zu agieren. Ich finde es aber immer wichtig ein Gesamtwerk anzustreben. Es muss einfach alles zusammenpassen. Gerade in Zeiten, wo man sich auch alles runterladen kann, wenn man "nur die Musik" will, sollte man gerade da etwas mehr Arbeit hineinstecken.

Eike:
Fallen euch Alben ein, bei denen ihr gerne bereit wart, etwas mehr Geld in ein aufwändigeres Artwork zu investieren?

Johannes:
Viele Post-Rock-LPs sind wirklich schön aufgemacht, z.B. MONOs "Are You There". Oder "Lateralus" von TOOL, das mir erst vor kurzem von einem Freund empfohlen wurde. Die PAYSAGE D'HIVER-Digibooks sind aber auch wirklich schön. Es gibt da eine Menge guter Sachen. Auch viele Untergrundproduktion auf CD-R z. B. von Cuckold Productions aus Italien, um nur mal ein Beispiel zu geben.

Eike:
Ihr habt irgendwann ein neues Bandlogo geschaffen. Was waren Ursachen und Anlass dazu?

Johannes:
Das alte Logo gefiel uns zwar noch, aber es sah einfach zu aggressiv und bösartig für unsere heutige Musik aus. Man würde einfach etwas anderes erwarten, wenn man nur das Logo sieht. Das neue Logo ist wesentlich schlichter und springt einen nicht so an.

Eike:
Gemeinhin gibt es ja die Vorstellung von verschiedenen zyklischen Stadien des Band-Daseins: Schreibprozess, Üben, Studioaufnahme, Abmischen, Auftritte/Tournee, und dann wieder von vorne. Habt ihr eine solche Routine entwickelt, oder hat es eurer Meinung nach wenig Sinn, das klar trennen zu wollen? Gibt es bestimmte Abläufe daraus, die euch besonders viel Freude machen, oder auf die ihr von eurem Selbstverständnis her besonderen Wert legt?

Johannes:
Also bisher war es eigentlich immer so, dass wir Songs geschrieben haben, diese aufgenommen und dann irgendwann als Demo veröffentlicht haben. Das waren immer so um die drei Tracks, wobei sich die Musik der Demos eigentlich auch immer weiterentwickelt hat. Im Moment schreiben wir an unserem "richtigen" Debüt-Album und sind sehr gespannt, wie homogen das Material wird. Schließlich waren wir es bisher gewohnt, immer auf eine Spanne von 15 bis 20 Minuten zu komponieren und dann zu veröffentlichen.

Albert:
Ich finde es besonders wichtig, sich für das Schreiben eines Songs viel Zeit zu nehmen, ihn quasi reifen zu lassen. Dann kann es auch gut passieren, dass man nach mehreren Monaten merkt, dass ein Song wie er bereits fertig ist, einfach nicht mehr gut ist, und ihn total verwirft.
Andererseits sind schon Songs innerhalb einer halben Stunde entstanden, die wir danach nie wieder verändert haben.

Eike:
Wie wichtig war es euch ursprünglich überhaupt, eure Musik nach draußen zu bringen? Und hat sich daran mit der Zeit etwas geändert?

Johannes:
Am Anfang war es uns völlig unwichtig. Wir dachten in erster Linie, wir nehmen mal einfach auf und gucken was passiert. Heute wissen wir natürlich, dass wenn wir etwas aufnehmen und dann veröffentlichen wollen, wir die Möglichkeit haben, das über ein Label zu machen. Die Ansprüche, die man für sich selbst an eine Veröffentlichung stellt, steigen damit auf jeden Fall. Aber das ist auch nur ein natürlicher Prozess.

Eike:
Habt ihr auf Tour anhaltende Kontakte zu anderen Bands geknüpft, oder haben sich diese mit der Zeit wieder verloren?

Johannes:
Vereinzelt gab es noch Kontakte, aber es sind keine wirklichen Freundschaften entstanden.

Eike:
Wie seht ihr die Musiker- und die Konzertbesucher-Szene in eurem Umfeld? Wie ist ihr Verhältnis zueinander?

Johannes:
Konzerte gibt es hier leider nicht besonders viele. Norddeutschland ist kein wirklich gutes Pflaster für Untergrundkonzerte. Mit der Musiker-Szene haben wir nur sporadisch Kontakt. Die meisten Bands aus unserer Gegend sagen mir nicht so wirklich zu, und ich muss es nicht haben, sich gegenseitig ständig zu sagen, wie toll man irgendjemandes Band findet, nur weil man aus der gleichen Stadt kommt und/oder befreundet ist.

Eike:
Wie ergaben sich jeweils die Kontakte zu euren Labels?

Johannes:
Ganz verschieden eigentlich. Mit Tour de Garde und Ruin Productions bin ich über private Trades in Kontakt gekommen. Noel von Those Opposed Records haben wir auf der Minitour letzten Sommer kennen gelernt und Nico von Eisenwald habe ich im Prinzip über meine Freundin kennen gelernt. Wir hatten hier mal ein Konzert veranstaltet, und sie kannte Nico und hatte ihn gefragt, ob er einen Stand machen wolle. Irgendwann, so ein halbes Jahr später, hat er dann Interesse an uns bekundet, was zu dem Zeitpunkt ziemlich unerwartet kam. Aber wir haben uns natürlich gefreut.

Eike:
Eure ersten drei Veröffentlichungen erschienen jeweils - nach anfänglichem Eigenvertrieb per CD-R - auf Kassette. Was für einen Unterschied macht für euch die Art des Tonträgers?

Johannes:
Ich finde es eigentlich immer schön, eine Veröffentlichung auf verschiedenen Formaten zu haben. Ich hoffe, dass in Zukunft auch irgendwann ISOLATION-Vinyl hinzukommt. Mich interessieren irgendwelche Grabenkämpfe, ob CD-R oder MC, nicht die Bohne. Letzten Endes zählt meiner Meinung nach nicht das Format, sondern wie viel Aufwand man in eine Veröffentlichung steckt.

Eike:
Wie steht ihr zum privaten Tapetrading? Was haltet ihr vom CD-Brennen?

Johannes:
Es gibt so viel gute Musik - man kann sich nicht immer gleich alles kaufen. Allerdings ist es mir persönlich wichtig, Alben, die mir gefallen, auch original zu besitzen.

Eike:
Was denkt ihr über MP3 (sowohl als Tonformat, als auch als neuem Musikmarkt und als Mittel des schnelleren Datentauschs über das Internet)?

Johannes:
Hierbei gilt im Prinzip das gleiche, wie bei letzterer Frage. Um eine Band oder eine Veröffentlichung anzutesten, ist MP3 oder auch Myspace klasse, aber wenn einem die Musik gefällt, sollte man auch bereit sein, Geld dafür auszugeben! Ich habe ansonsten keinerlei Problem damit, dass über das Internet auch Untergrund-Kram jedem zugänglich ist. Ich sehe das eigentlich in erster Linie positiv.

Eike:
Was treibt ihr, wenn ihr euch nicht gerade mit dem Musizieren beschäftigt?

Johannes:
Ich studiere und betreibe ein kleines Label namens Choirs Of Delusion. Albert hat gerade seine Ausbildung abgeschlossen und beginnt gleich im Anschluss eine andere.

Albert:
In den letzten drei Jahren war ich mit einer ziemlich zeitaufwändigen und kräftezehrenden Ausbildung beschäftigt. Da blieb wenig Zeit, die ich anderen Hobbys widmen konnte. In diesem Oktober habe ich eine neue Ausbildung begonnen, in der ich hoffentlich mehr Zeit und Energie übrig haben werde.

Eike:
Wie kam es dazu, dass eure EP "Hier am Ende der Welt" in Zweierbesetzung eingespielt wurde?

Johannes:
Karl war damals für längere Zeit reisen. Ursprünglich wollten wir die Songs auch nur so für uns aufnehmen, aber am Ende waren wir mit dem Ergebnis so zufrieden, dass wir es veröffentlichen wollten.

Eike:
Habt ihr die Titel, die sich auch auf "Isolation" wiederfinden, dafür neu eingespielt?

Johannes:
Nein. Um es noch mal deutlich zu sagen: "Isolation" war nie als Debüt-Album gemeint! Es handelt sich um eine Zusammenstellung der letzten beiden Demos. Eigentlich sollte es eine "Hier am Ende der Welt"-MCD werden, aber da Nico die Stücke des zweiten Demos ebenfalls gerne veröffentlichen wollte, haben wir entschieden, das Ganze als Compilation zu gestalten und ihr einen eigenen Namen zu geben.

Eike:
Wie weit sind die Stücke nach "Isolation" gediehen, und wisst ihr schon, wann man euch wieder live zu hören bekommt?

Johannes:
Wir haben seitdem bereits eine Split-CD mit AUSTERE aufgenommen, die dieser Tage bei Those Opposed Records erschienen ist. Des Weiteren haben wir einen neuen Bassisten. Im Moment arbeiten wir an neuem Material, das bereits wesentlich ausgereifter und eigenständiger klingt. Wir arbeiten dabei darauf hin unser eigentliches Debüt-Album zu schreiben. Da wir uns ganz darauf konzentrieren wollen, wird es erstmal keine weiteren Konzerte geben.

Eike:
Vielen Dank für das Interview, und weiterhin viel Freude und Erfolg mit eurer Musik!

Johannes:
Ebenfalls Danke für deine Fragen und die Unterstützung in Form dieses Interviews. Alles Gute!

Redakteur:
Eike Schmitz

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