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ISOLE: Interview mit Crister Ohlsson

19.05.2005 | 18:07

Den langjährigen Doomfans unter euch dürfte die schwedische Band FORLORN ein Begriff sein, die in den Neunzigern mit einigen Demos gehörig Beifall erntete. Eben diese Band hat sich mittlerweile in ISOLE umbenannt, spielte vor kurzem einen tollen Auftritt beim Doom Shall Rise III und kommt nun mit einem frischen Deal und dem hervorragenden Debüt "Forevermore" über die Ostsee. Grund genug, Gitarrist Crister Ohlsson zum Gespräch zu bitten...


Rüdiger:
Letzten Monat konnte ich euch live beim Doom Shall Rise in Göppingen bewundern und war ziemlich begeistert. Was sind eure Eindrücke von diesem Festival?

Crister:
Das DSR war so fantastisch. Es ist eines der größten Erlebnisse meines Lebens. Das Publikum war total großartig, ganz anders als hier in Schweden. Ich denke, das DSR ist sehr wichtig, es ist eine Ehre dort zu spielen. Gute Werbung für die Bands. Außerdem ist es toll, dass man auch mal kleinere Bands spielen lässt und dass keine Band in zwei aufeinander folgenden Jahren spielen darf. Wir würden gerne wieder nach Deutschland kommen und mehr Shows spielen. Außerdem gibt's noch ein paar weitere Doom-Festivals in Europa. Mal schauen, was dort geht.

Rüdiger:
Welche der anderen Bands hat dir beim DSR am besten gefallen?

Crister:
MAR DE GRISES. Keiner von uns hat sie vorher gehört, und sie spielten eine tolle Show. Großartige musikalische Leistung. Danke DSR!

Rüdiger:
Gibt's in Bälde mehr Auftritte von euch in Deutschland und Mitteleuropa?

Crister:
Das hoffen wir sehr. Wir versuchen gerade, eine Tour zusammenzustellen, aber wir haben nicht so viele Verbindungen in Europa. Aber wir werden unser Bestes geben. Es wird wohl Herbst werden, weil wir aus familiären Gründen im Sommer eine Weile Pause machen. Hier in Schweden werden wir ab und zu einen Gig spielen. Es ist leichter und billiger bei uns an Auftritte zu kommen.

Rüdiger:
"Forevermore" ist ISOLEs offizielles Debüt, aber als FORLORN seid ihr schon fast 15 Jahre aktiv...

Crister:
Nun, für diejenigen, die es noch nicht wissen: ISOLE war früher im Doom-Underground bekannt als FORLORN. Alles fing 1990 an, als zwei Freunde in Gävle, die viel CANDLEMASS und BATHORY hörten, beschlossen, dass eine Doomband keine schlechte Idee sei. Wir dachten, dass es ziemlich leicht sei, langsam zu spielen, nachdem wir erst kurz zuvor begonnen hatten unsere Instrumente zu quälen. Wir fanden einen Trommler, coverten am Anfang CANDLEMASS-Stücke und schrieben schon bald unsere erste Doomhymne. Die Jahre vergingen, einige Aufnahmen wurden gemacht, wovon allein das Demo "Waves Of Sorrow" wichtig ist und uns 1994 gute Kritiken einbrachte. Ich habe gehört, dass viele Doomster immer noch meinen, dass es gut sei. Mit der Zeit veränderte sich auch das Line-up, aber die Gründungsmitglieder, also ich und Daniel, waren immer dabei. Nun sind wir also endlich soweit, mit unserem Debütalbum und einem neuen Namen.

Rüdiger:
Wie müssen wir ISOLE denn aussprechen? Wie ein englisches oder eher wie ein romanisches Wort?

Crister:
Nein, es ist kein englisches Wort. Man sollte es eher wie im Französischen, Spanischen oder Italienischen aussprechen. Es ist vom französischen Wort "isolé" abgeleitet, doch wir entfernten das Ding über dem "e", damit es unser eigenes Wort wird. Es heißt im Prinzip das selbe wie "forlorn", aber halt in falschem Französisch.

Rüdiger:
Hatte der Namenswechsel mit einer norwegischen Band namens FORLORN zu tun?

Crister:
Ja. Wir änderten den Namen, weil wir nicht mit der norwegischen Black-Metal-Band verwechselt werden wollten. Außerdem symbolisiert es den Neuanfang der Band, nachdem FORLORN jahrelang auf Eis gelegen hatte, weil Daniel und ich kein Line-up beieinander hatten.

Rüdiger:
Gibt es die Demoaufnahmen von FORLORN noch zu kaufen, falls neue ISOLE-Fans sich dafür interessieren sollten?

Crister:
Ja, wir haben eine Zusammenstellung alter Demos auf einer CD-R mit Farbcover gemacht. Die heißt "Autumn Promos" und ist auf unserer Homepage erhältlich.

Rüdiger:
Wird es irgendwann eine offizielle Wiederveröffentlichung dieser Aufnahmen über euer Label geben?

Crister:
Nein, das glaube ich nicht. Das FORLORN-Material, mit dem wir noch immer zufrieden sind, übernehmen wir für ISOLE.

Rüdiger:
Einige der Songs auf "Forevermore" sind ja Neuaufnahmen von Demostücken. Wird es das auf zukünftigen Alben auch geben?

Crister:
Das ist richtig, wir haben ein paar Oldies of dem Debüt, und das werden wir auch weiter so handhaben. Die FORLORN-Songs, die wir wirklich gut finden, werden wir neu aufnehmen. Wir würden nie etwas veröffentlichen, mit dem wir nicht voll zufrieden sind. Einige Stücke verdienen einfach eine anständige Veröffentlichung. All das wird unter dem Namen ISOLE geschehen.

Rüdiger:
Warum hat es so lange gedauert mit dem ersten Studioalbum?

Crister:
Hauptgrund für die Verzögerung waren die langjährigen Probleme mit dem Line-up, die nun endlich gelöst sind. Außerdem spielte es auch eine gewisse Rolle, dass wir alle etliche Projekte hatten, mit denen wir auf den Durchbruch warteten. Aber keiner wollte FORLORN unter Vertrag nehmen und so vergingen die Jahre. Mit dem Komponieren haben wir keine Probleme. Wir haben Tonnen von Material, also hat es damit überhaupt nichts zu tun. Aber wir nehmen uns die Zeit, die Songs wachsen zu lassen. Meiner Meinung nach muss man wirklich zufrieden sein, bevor man eine Komposition veröffentlichen kann.

Rüdiger:
Du hast die Nebenprojekte erwähnt. Da hätten wir unter anderem WINDWALKER, WITHERED BEAUTY, FEBRUARI 93 und EREB ALTOR, von denen WITHERED BEAUTY wohl am bekanntesten ist. Stell uns die Gruppen doch kurz vor!

Crister:
Okay, fangen wir mit WINDWALKER an: Es handelt sich um Daniel von ISOLE und unser ehemaliges Mitglied Per. WINDWALKER ist ein Projekt mit vielen Bezugspunkten, von Pop bis Black Metal, das aber wahrscheinlich nicht mehr existiert.
FEBRUARI 93 ist progressiv und oft mit weichen, klaren Gitarren, das viel mit Dynamik arbeitet. Ich würde es als eine Art Pop-Metal beschreiben, das einen Anflug schwedischer Folklore enthält. Wir sind zwei Leute, Daniel und ich.
EREB ALTOR ist epischer Viking Doom aus dem kalten Norden mit Crister und Daniel.
WITHERED BEAUTY spielen rauen Death Metal und sind letztendlich die einzig wirklich relevante Band neben ISOLE. Mit Henka, Jonas und Daniel spielen dort drei ISOLE-Mitglieder. Außerdem gibt es noch weitere Projekte, da wir auch jene Musik in uns ausdrücken wollen, die nicht zu ISOLE oder WITHERED BEAUTY passt.

Rüdiger:
Wie setzt ihr bei so vielen Projekten die Prioritäten?

Crister:
Nun, wie gesagt, es gibt zwei Bands, die Priorität haben, und diese beiden Bands sind die einzigen, die live auftreten: WITHERED BEAUTY und ISOLE. Wir sind der Meinung, dass wir beide Bands gleichzeitig durchziehen können, da sie sehr unterschiedliche musikalische Bereiche abdecken.

Rüdiger:
Das Booklet sieht ja recht schön aus. Wer hat es gemacht und wofür steht es?

Crister:
Wir haben das Booklet selbst entworfen, mit ein wenig Hilfe von Ola von unserem Label. Wir wollten ein dunkles Layout mit schönen Farben, und das Symbol soll das Wort "forevermore" repräsentieren, aber ich weiß nicht, ob wir damit Erfolg hatten.

Rüdiger:
Womit beschäftigen sich eure Lyrics?

Crister:
Sie handeln vor allem von der Liebe, der verlorenen Liebe im speziellen, und von Leben und Tod. Die musikalische Seite ist uns jedoch viel wichtiger als die lyrische.

Rüdiger:
Beim DSR hattet ihr euren neuen Drummer Jonas Lindström dabei. So kann sich Daniel als zweiter Gitarrist mehr auf seinen Gesang konzentrieren, stimmt's?

Crister:
Ja, ein Leadsänger sollte nicht hinter dem Schlagzeug sitzen, also haben wir Jonas engagiert und sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist jetzt festes Mitglied von ISOLE und uns sehr willkommen. Er ist ein toller Schlagzeuger!

Rüdiger:
Was eure Einflüsse angeht, werden oft CANDLEMASS und BATHORY genannt. Erstere sind recht offensichtlich, aber nicht zu dominant, und manchmal muss ich auch an Quorthon denken, wenn ich den Titelsong eures Albums anhöre.

Crister:
Ich glaube nicht, dass uns Quorthons Musik uns stark beeinflusst hat. Natürlich haben wir sehr viel BATHORY gehört, und alles was wir hören, beeinflusst uns auch, aber es ist kein Haupteinfluss. Das Titelstück sollte ursprünglich eigentlich ein Popsong sein und es ist von der traurig klingenden schwedischen Popband KENT beeinflusst. Aber letzten Endes wurde es dann doch wieder eine großartige Doomhymne.

Rüdiger:
Ich selbst bin ja riesiger Fan von BATHORY und auch von Quorthons Soloalben. Sein Tod hat mich dementsprechend schockiert. Ging es euch ähnlich?

Crister:
Ja. Wir waren gerade beim Sweden Rock Festival als uns die Nachricht ereilte. Das war dann ein echter Trauerabend um den Kassettenrekorder. Sein Tod ist ein großer Verlust. Wir sind mit seiner Musik aufgewachsen. All hails to Quorthon!

Rüdiger:
Wenn wir mit den Einflüssen weitermachen, gibt es sonst noch einen Haupteinfluss für ISOLE, der noch nicht genannt wurde?

Crister:
Unser Hauptkomponist Daniel hat eine Menge Death Metal in seinen Adern, und etwas davon färbt auch auf die Band ab. Wir hören alle Arten von Musik und so beeinflusst uns auch alles. Meine eigenen Haupteinflüsse sind: THIRD AND THE MORTAL, LANDBERK und ANATHEMA.

Rüdiger:
Sie sind zwar sicher kein Einfluss von ISOLE, aber irgendwie werdet ihr auch mit der färingischen Band TÝR verglichen. Ihr klingt zwar schon unterschiedlich, dürftet aber eine ähnliche Fanschicht ansprechen, oder?

Crister:
Tut mir leid, aber die hab ich noch nicht gehört. Aber ich werde jetzt sicher versuchen, an eines ihrer Alben zu kommen.

Rüdiger:
Zurück zu CANDLEMASS. Was hältst du einige Wochen nach dem Release vom neuen Album?

Crister:
Ich finde die neue CANDLEMASS gut, aber nicht überragend. Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich eben enorm hohe Erwartungen hatte und ein altmodisches CANDLEMASS-Album wollte. Ich finde es ein bisschen zu schnell, und mir fehlt das epische Feeling.

Rüdiger:
Was hältst du von CANDLEMASS als Liveband?

Crister:
Wir haben CANDLEMASS oft live gesehen, sie kommen ja auch aus Schweden. Alles was ich sagen kann, ist, dass sie eine der besten Livebands aller Zeiten sind. Sie sind so fähig und einfach überwältigend.

Rüdiger:
Würdet ihr gerne mal mit ihnen auf Tour gehen?

Crister:
Damit würde ein Traum wahr werden. Nur einen Gig mit diesem Monster zu spielen. CANDLEMASS sind die größte Doomband aller Zeiten, und irgendwie denke ich, dass sie Doom Metal erst erschaffen haben. Ich weiß, es gab schon vorher Bands, die als Doom angesehen werden, aber trotzdem...

Rüdiger:
Mit COUNT RAVEN ist eine weitere schwedische Doomlegende zurückgekehrt. Was hast du für Erwartungen bezüglich deren Rückkehr?

Crister:
Ganz ehrlich, ich bin kein allzu großer Fan von COUNT RAVEN, aber das neue Album werde ich sicher trotzdem kaufen. Sie sind eine Legende! Meine Erwartungen sind aber nicht allzu hoch, ich hoffe sie überraschen mich... im positiven Sinne natürlich!

Rüdiger:
Zwei weitere Comebacks, über die ich gerne deine Meinung wüsste... zuerst MORGANA LEFAY.

Crister:
Ich mag das erste Album von MORGANA LEFAY, aber ich wusste nicht, dass die weg waren. Hatten sie sich nicht nur aus rechtlichen Gründen für ein paar Jahre in LEFAY umbenannt?

Rüdiger:
Zunächst schon, aber dann lösten sie sich kurzfristig ganz auf, und nun sind sie unter altem Namen zurück. Zur zweiten Reunion: JUDAS PRIEST. Was hältst du von ihrem Versuch einen Doomsong zu schreiben?

Crister:
Ich mag den Song 'Lochness', und ich mag JUDAS PRIEST, HALFORD ist wirklich gut, wenn er ein wenig tiefer singt. Aber ich glaube nicht, dass es ein Doomsong ist, eher echter Heavy Metal! Der Unterschied ist allerdings recht gering.

Rüdiger:
Was sind für dich die vielversprechendsten jungen Bands und besten Debüts in der Doomszene?

Crister:
Ich muss sagen: DOOMSHINE und WORLD BELOW. Ich habe das neue WORLD BELOW-Album noch nicht, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Der Sologitarrist sagte, er würde mir ein Exemplar bringen. DOOMSHINE ist exzellent!

Rüdiger:
Was sind die nächsten Pläne für ISOLE?

Crister:
Wie bereits gesagt, gönnen wir uns zunächst eine kleine Verschnaufpause über den Sommer aus familiären Gründen. Aber wir werden neue Songs proben. Das Material für ein zweites Album haben wir auch schon zusammen und ich glaube, es wird ein bisschen heavier werden. Außerdem wollen wir uns das nächste Mal im Studio mehr Zeit nehmen.

Rüdiger:
So, danke für das Gespräch. Das war ja ein ganzer Haufen von Fragen, und ich werde dich jetzt wieder in Ruhe lassen... Gibt's noch was, das du hinzufügen möchtest?

Crister:
Sollte es nach all den Fragen noch was geben? Nun gut, ich grüße alle, die uns in Göppingen gesehen haben und meine Bandkameraden! An alle die "Forevermore" noch nicht gehört haben: Hört einfach mal rein, ihr werdet es nicht bereuen!

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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