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ISOLE: Interview mit Henrik Lindenmo

14.03.2008 | 11:01

ISOLE haben für mich mit ihrem neuen Werk ein absolutes Sahnescheibchen in der Kategorie episch-melodischem Doom abgeliefert, so dass ein Interview völlig außer Frage stand.

Basser Henrik Lindenmo stellte sich meinen Fragen und wischte mein Vorurteil eines wortkargen Einzelgängers mit der Länge einiger Antworten rasch vom Tisch. On we march ...



_Holger:_
Ich denke, wir beginnen mit den frühen Anfängen der Band. Ihr seid unter dem Banner FORLORN gestartet. Was hat euch dazu bewogen, diesen Namen zu wählen? Warum habt ihr euch dann später für ISOLE entschieden?

_Henrik:_
Stimmt, Daniel und Crister haben FORLORN 1990 gegründet und CANDLEMASS- und BATHORY-Songs gecovert. Ach, und natürlich auch welche von IRON MAIDEN. Wie konnte ich die nur vergessen. (lacht) 1991 wurde das erste Demo eingespielt und bis 1994 hatten wir dann sogar bereits drei Demos veröffentlicht. Ich bin 1995 hinzugekommen. Als wir im Jahr darauf begannen neue Songs aufzunehmen, bekamen wir Probleme mit unserem Sänger, so dass wir beinahe aufhörten zu proben. Bis ins Jahr 2001 komponierten wir fleißig weiter, nahmen aber nichts mehr auf. Erst 2004 traten dann I Hate Records an uns heran und wollten ein Album von uns. Wir änderten dann den Namen, da es zu viele Bands gab, die genau so hießen. Unser alter Gitarrist Per Sandgren schlug dann ISOLE vor, was das Gleiche in Französisch bedeutet. Obendrein scheint es in Italienisch auch noch "Insel" zu bedeuten. Passt irgendwie.

_Holger:_
Da vielen Leuten die Demos sicherlich nicht bekannt sein werden, wäre es schön, wenn du mal ein wenig über sie berichtest. Vielleicht habt ihr euren Sound und Stil ja heimlich geändert in der Zwischenzeit?

_Henrik:_
Nun, wir haben unseren Stil natürlich nicht besonders stark verändert seitdem die Demos aufgenommen wurden. Einige der alten Songs sind ja sogar auf den offiziellen Alben gelandet. Fast alle Nummern von "Forevermore" stammen aus der Zeit von 1992 bis 1997. Außerdem ist 'Life?' von "Throne Of Void" eine neue Version des Titelsongs unseres Demos "Vivere Non Necesse Est". Auch auf dem aktuellen Werk steht übrigens mit 'Imprisioned In Sorrow' ein alter Song aus dem Jahre 1996. Daran kann man gut absehen, dass wir uns nicht wirklich stark verändert haben.

_Holger:_
Wo wir schon von alten Alben reden. Bislang ist euer Kram bei I Hate Records erschienen, nun seid ihr bei Napalm. Was waren die Gründe für den Wechsel?

_Henrik:_
Wir haben zwei Alben und eine 7" bei I Hate veröffentlicht und dachten eigentlich, dass auch das nächste Werk bei ihnen erscheinen würde. Allerdings trudelten Anfang 2007 sehr gute Angebote von größeren Labeln bei uns ein und Napalm Records machten einfach das Beste. Bislang haben wir es auch nicht bereut.

_Holger:_
Etwas irritiert habe ich die Vergleiche mit SOLITUDE AETURNUS gelesen, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, da ich eure Musik ziemlich eigenständig finde. Gut, ich höre SOLSTICE, BATHORY, CANDLEMASS und OPETH an einigen Stellen heraus, aber irgendwie kombiniert ihr das alles sehr originell. Wo siehst du die Einflüsse und was sagst du zu dem SOLITUDE AETURNUS-Vergleich?

_Henrik:_
Ich höre auch kaum SOLITUDE AETURNUS in unserer Musik, aber mit denen werden wir schon immer gern verglichen. Wir alle sind große Fans von denen, aber wir klingen nicht danach. Früher vielleicht mal ein wenig, aber heute nicht mehr. Klar, man hört Einflüsse heraus und CANDLEMASS und BATHORY zählen sicher dazu. Aber OPETH? Die sind doch viel komplexer als wir es sind. Und weniger Doom. (lacht) Ich finde, man kann auf dem neuen Album sogar unsere CELTIC FROST- und POSSESSED-Vorlieben erkennen.

_Holger:_
Und wie steht es mit THE 3RD AND THE MORTAL? Die höre ich nämlich auch noch durch.

_Henrik:_
Unser Gitarrist Crister mag diese Band sehr gerne, so dass dies wohl seine Schuld ist. (lacht) Ich habe von denen noch gar nichts gehört, aber Crister nervt mich schon lange, dass ich dies mal ändern solle. Es ist wohl an der Zeit.

_Holger:_
Wenn man sich das Cover anschaut, die Musik genießt und die Texte liest, kommt man unweigerlich zu dem Ergebnis, dass ihr den Doom Metal wirklich lebt. Für viele ist ja gerade Doom mehr als nur ein Subgenre, sondern vielmehr ein Lebensgefühl. Wie seht ihr das?

_Henrik:_
Hm, ich weiß nicht, ob wir wirklich so einen Lebensstil verfolgen. ISOLE nehmen allerdings sehr viel Platz in unserem Leben ein. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass wir an ISOLE arbeiten. Sei es bei den Proben, mit Interviews oder beim Komponieren.

_Holger:_
Wie steht ihr denn zu den Subgenres "Funeral Doom", "Drone" und "Sludge", also Bands wie MAR DE GRISES oder SUNN O))). Ist das für euch noch Doom Metal oder geht das so gar nicht unter einen Hut?

_Henrik:_
Natürlich ist das Doom. Ich bin zwar selbst kein großer Freund dieser speziellen Spielarten, aber Doom ist doch sehr facettenreich. Ich mag besonders die groovige Variante. Solche Bands wie CATHEDRAL oder GRAND MAGUS. Aber auch traditionelle Sachen wie CANDLEMASS. Unser Sänger Daniel steht aber sehr auf die ganz extremen Sachen. Da bin ich wohl zu soft für.

_Holger:_
Wenn ich mir die Texte anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass es dir in erster Linie darum geht, eine spezielle Atmosphäre zu erzeugen. Ein bisschen mit HP Lovecraft vergleichbar. Hat er eventuell sogar Einfluss auf deine Texte?

_Henrik:_
Der Eindruck mit der Stimmung stimmt natürlich. Ich schreibe gern etwas abstrakt. Aber Lovecraft habe ich in den letzten zehn Jahren nicht mehr gelesen. Meine Vorbilder sind da eher Fenriz (DARKTHRONE) und Tom Warrior (CELTIC FROST).

_Holger:_
Darauf wäre ich nun nicht gekommen. Auf einen Text würde ich gern noch etwas detaillierter eingehen, da er mir – im Gegensatz zu den anderen – sehr persönlich erscheint: 'Imprisioned By Sorrow'.

_Henrik_
Den Text hat Daniel vor Jahren geschrieben. Eine langjährige Beziehung war gerade in die Brüche gegangen und entsprechend fühlte er sich damals.

_Holger:_
Verstehe. 'From Clouded Skies' und 'By Blood' hingegen klingen eher nach dunklen Gedichten.

_Henrik:_
In 'From Clouded Skies' geht es um die erste Nacht nach dem Abwurf der Bombe über Hiroshima. Ich habe eine Dokumentation zu dem Thema auf Discovery gesehen und musste daraufhin einfach etwas darüber schreiben. 'By Blood' hingegen hatte ich ursprünglich für meine Black-Metal-Band MORANNON verfasst. Da es aber so gut zu der Musik passte, wurde es zu einem ISOLE-Song. Eine kleine Hommage an BATHORY. Blood, Fire, Death!

_Holger:_
Und worum dreht es sich in 'Aska'? Ist das einfach nur die Übersetzung für "Asche"?

_Henrik:_
Ja, stimmt. Vor einiger Zeit kam ich auf den Gedanken, dass es ganz cool wäre, wenn wir etwas Schwedisch mit verwenden würden. Die englische Übersetzung wäre in etwa: "Slowly the pain disperses. An ending without mourning to a life of boredom. The fire that gave life is now extinct and all that remain is Ashes..."

_Holger:_
Vielen Dank für die Übersetzung. Nachdem wir die Texte nun beleuchtet haben, würde ich gern noch mal auf die Musik eingehen. Was mich völlig fasziniert, ist die Vielseitigkeit mit der ihr zu Werke geht. Es gibt recht viele unverzerrte Momente. Kann man da folkloristische Einflüsse nachhören?

_Henrik:_
Wir wollten versuchen, möglichst dynamisch auf dem Album zu klingen und haben daher viel mit unterschiedlichen Stimmungen und Tempi gearbeitet. Klar gibt es Folk-Elemente bei uns und wir würden diese in Zukunft auch gern stärker in unsere Musik einbinden.

_Holger:_
Schön zu hören, ich mag das gerne. Wenn ihr so zurück schaut, seid ihr zufrieden mit dem, was ihr bislang erreicht habt? Es scheint ja auch so als würde euer Stil euch ein wenig limitieren, oder?

_Henrik:_
Relativ zufrieden, würde ich sagen. Allerdings hatten wir immer Probleme, Auftritte zu bekommen. Ich hoffe, dass sich das jetzt ändert, denn ich denke, wir sind eine gute Liveband. Außerdem lieben wir es, live zu spielen. Aber auch neues Material aufzunehmen. Wir haben gerade begonnen, an neuen Songs zu arbeiten. Ich bin jetzt schon ganz heiß darauf, sie einem Publikum vorzustellen. Was die Limitierung angeht, kann ich dir nicht zustimmen, da unsere Musik sehr viele verschiedene Seiten hat und sehr variabel klingt. Da ist alles drin, vom langsamen Doom bis zum aggressiven Thrash-Riffing.

_Holger:_
Ich hatte das auch eher auf mögliches Hörerpotenzial bezogen, nicht auf die Vielseitigkeit eurer Sounds. Doom ist aber nun mal eine Spartenmusik innerhalb einer Sparte. Und da wären wir auch gleich beim nächsten Thema: Was denkst du über die so genannte Doom-Community? Fühlst du dich dieser kleinen Gemeinde zugehörig?

_Henrik:_
Bis zu einem gewissen Grad sicherlich. Gerade wenn man live spielt, trifft man viele coole Leute und Bands aus der Szene. Aber ich sitze nicht den ganzen Tag zu Hause vor dem Internet und kommuniziere mit anderen Dommstern. Vielleicht täte ich es, wenn ich mehr Zeit hätte. Habe ich aber leider nicht.

_Holger:_
Verstehe. Jetzt sag mir doch abschließend bitte noch, wer in deiner ultimativen Allstar-Doomband spielen müsste. Und die Antwort "BLACK SABBATH" zählt nicht.

_Henrik:_
Natürlich müssen Tony Iommi und Leif Edling dabei sein. Und dann entweder Messiah Marcolin oder Rob Lowe. Ich finde, er klingt großartig auf dem neuen CANDLEMASS-Album.

_Holger:_
Dem kann ich nur zustimmen. Möchtest du noch etwas loswerden?

_Henrik:_
Vielen Dank für das tolle Interview und die Unterstützung. Hoffe, wir sehen uns bald auf einem Konzert!

_Holger:_
Das hoffe ich doch auch!

Redakteur:
Holger Andrae

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