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IVANHOE: Interview mit Achim

13.03.2005 | 12:41

Was für ein Comeback! Nach dem Ausstieg von Andy B. Franck war es lange Zeit still um die deutsche Prog-Metal-Hoffnung geworden. Ende Februar erschien endlich der Knaller "Walk In Mindfields". Und nicht nur wegen der zahlreichen Umbesetzungen und der langen Pause der Band sind einige Fragen aufgekommen, die Achim (Gitarre) geduldig beantwortete.


Christian:
Zuerst mal Gratulation zu einer hervorragenden Comeback-CD! Ich war wirklich überrascht, obwohl ich euer letztes Album "Polarized" auch sehr schätze. Ehrlich gesagt kenne ich euch nur durch BRAINSTORM (Anm. des Autors: Andy Franck von BRAINSTORM sang früher bei IVANHOE).

Achim:
Danke, danke! Interessant, dass du die "Polarized" überhaupt gekriegt hast.

Christian:
Wie sind die bisherigen Reaktionen auf das Album?

Achim:
Ich muss sagen, zu 90 % sind die Reaktionen sehr, sehr gut, zu 70 % sogar begeisternd und euphorisch, das habe ich nicht wirklich erwartet. Natürlich gibt's auch ein paar die sagen, dass zwar ziemlich viel drin ist, aber dass das nicht wirklich rüberkommt. Ist aber wie gesagt eine kleine Minderheit. Ich fand es bisher echt überwältigend!

Christian:
Laut Homepage habt ihr ganze drei Jahre verbracht, bis die CD fertig war.

Achim:
Das war zwar völlig ungeplant, aber es kommt nicht von ungefähr. Mischa, unser neuer Sänger, ist mitgegangen, was Andy zum Beispiel nicht gemacht hat - muss ich im Nachhinein sagen. Die "Polarized"-Produktion hat damals zum Beispiel nur dreieinhalb Wochen gedauert. Mischa ist ein Mensch, mit dem kannst du Musik machen bist zum Abwinken. Du kannst dich halt mit ihm unglaublich reinsteigern, und ich hab schon sowas wie eine religiöse Einstellung zur Musik. Außerdem habe ich mir gedacht, wenn wir den Namen IVANHOE verwenden, will ich auf gar keinen Fall, dass jemand sagt, dass es schlechter als vorher sei. Ich habe die CD ja auch noch produziert. Ein anderer Grund war auch noch, dass alle sehr weit voneinander entfernt wohnen.

Christian:
Was ist denn eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Ihr wart ja relativ lange von der Bildfläche verschwunden.

Achim:
Musikalisch ist auf alle Fälle eine Menge passiert! Alle Songs für die "Walk In Mindfields" und auch für das irgendwann nächstes Jahr erscheinende Album sind bereits geschrieben. Außerdem haben wir ja mit einer Sängerin das CHARISMA-Album herausgebracht. Ich sag das ja eigentlich nur hinter vorgehaltener Hand, aber da wurde relativ schlecht von Massacre gearbeitet, besonders für den Aufwand, den sie zuvor betrieben hatten. Naja, es war aber auch eine Zeit, wo es bei den meisten Labels drunter und drüber ging, außerdem gab es ein paar Personalumsetzungen. Trotzdem hat uns die CHARISMA-Zeit eine Menge beschäftigt. Allerdings hat es die Sängerin mehr oder weniger als Experiment gesehen, was eine Zeit lang ganz witzig war. Sie ist mit Herz und Seele einfach eine Jazz-Sängerin. Ich fordere von meinen Mitmusikern außerdem eine freundschaftliche Beziehung, und mit Mischa bin ich super gut befreundet. Er verlangt einfach von dir, dass du ihn so magst, wie er ist.

Christian:
Auch musikalisch gesehen?

Achim:
Das fordere eher ich (lacht)!

Christian:
Erzähl doch mal bitte schnell die Geschichte, wie ihr euren neuen Sänger überhaupt gefunden habt.

Achim:
Ich habe ihn bei den Gandersheimer Domfestspielen gesehen. Dort wurde "Jesus Christ Superstar" aufgeführt, und ich habe mich gefragt, wer den Judas spielen wird. Normal wird er ja von einem Schwarzen gespielt. Das Kuriose war, dass Jesus ein Schwarzer war und Judas sozusagen ein Weißer, Mischa nämlich. Die ursprüngliche Aufführung von dem Musical fand ich schon immer genial, deswegen war ich sehr gespannt, wie er das bringt. Er hat mich einfach vom ersten Moment an umgehauen! Wenn das normale Musicalzuhörer gewesen sind, die da zugehört haben, haben sie wirklich ein Musical der anderen Art gehört. Der Mischa hats einfach gebracht wie ein Metal-Sänger (lacht) und hat damit die Leute natürlich geschockt.
Danach haben wir uns einfach mal in einer Musikerkabine getroffen und er hat ein bisschen auf einem Klavier rumgeklimpert, vor allem DREAM THEATER-Zeugs. In dem Moment habe ich mir wirklich gedacht: "Das gibt's doch gar nicht, der kann singen und hat echt Ahnung von Musik." Er kann einfach gut aus sich herausgehen, außerdem schaut er sowieso die ganze Zeit so aus, als wäre er auf Koks. Auf alle Fälle war es ab dem Moment klar; er hat mir von ihm was vorgespielt, ich hab ihm die "Polarized" vorgespielt. Danach haben wir während der Spielzeit in Gandersheim sogar noch ein paar Demos aufgenommen, die wir Massacre vorgespielt haben, und das war eigentlich die Geschichte. Mischa ist ein absoluter Glücksfall!

Christian:
Ich hatte ja vorhin erwähnt, dass ich euch auch erst durch BRAINSTORM kennengelernt habe. Haben sich die Verkaufszahlen geändert, seitdem BRAINSTORM, besonders durch "Soul Temptation", ihren Bekanntheitsgrad vervielfacht haben?

Achim:
Das Problem ist wahrscheinlich, dass man die alten Alben im Moment gar nicht bekommt, außer bei Ebay vielleicht. Die werden wir neu auflegen und in den nächsten Wochen über die Website downloadfähig machen. Die Lizenzen sind bei uns, ich kann mir vorstellen, dass das für Massacre auch mal interessant wird. Da wird sich die nächsten Wochen einiges tun.

Christian:
Eine Frage, die du wahrscheinlich erwartet hast: Was ist jetzt genau mit Andy passiert?

Achim:
Da gab's im Hintergrund viele Sachen, die will nicht mal ich wissen. Das muss menschlich wirklich ganz niederes Level gefahren worden sein, z.B. irgendwelche Business-Kontakte, die Andy hatte, besonders nach der ICED EARTH / NEVERMORE-Tour. Da gings darum, dass wir schon über ein Major Label gesprochen hatten. Am Ende haben wir im Bandproberaum nur noch über die Business-Sachen gelabert, die Andy vorgebracht hat. Außerdem war's dann auch so, dass Andy einfach keinen Bock mehr auf Prog-Zeugs hatte.
Er wollte Richtung MEGADETH gehen. Daraufhin hat mich allerdings auch das erste SYMPHORCE-Album verwundert, nachdem ich von ihm was anderes erwartet hatte.
Ich hab nur irgendwann mal die Message bekommen, dass Lars (Ex-Drummer) sich mit Andy die Namensrechte gesichert hatte und die beiden IVANHOE weiterführen. Ich hasse es einfach mich mit irgendwelchen Rechtsanwälten auseinanderzusetzen und da um Rechte zu streiten. Ich finde es ziemlich widerlich, was da alles abgegangen ist. Mittlerweile gibt's eine Einigung mit Lars wegen dem Namensrecht, sonst hätten wir die neue CD gar nicht machen können. Mittlerweile hat Lars wohl auch eingesehen, dass da nicht alles ganz sauber gelaufen ist. Er spielt ja sogar noch zwei oder drei Songs auf dem neuen Album.

Christian:
Kommen wir doch mal zum aktuellen Songmaterial. Ich halte im Moment '...Or Crime' für den stärksten Song, wechselt aber auch ständig, muss ich sagen.

Achim:
Du weißt schon, dass auf der Promo ein Bug drauf ist? Die Reihenfolge ist falsch.

Christian:
Ich hab mir die CD original geholt.

Achim:
Ach so! Auf alle Fälle ist jeder auf den Bug reingefallen, auch ein paar Radiosender. Naja, '...Or Crime' ist der Song, auf den viele Leute den meisten Bock drauf haben. Es scheint wirklich der Höhepunkt der Scheibe zu sein. Ist auch für mich ein sehr herausragender Song, auch textlich. Der Text handelt vom Bezug Hitler – Bush, da für mich da kein großer Unterschied existiert. Im Endeffekt war das Thema allerdings zu heiß, da wir da eigentlich ein Video zu machen wollten. Dann ist es doch ein Video zu 'Walk In Mindfields' geworden. '...Or Crime' wird bestimmt auch live geil umgesetzt werden.

Christian:
Wo wir beim Thema wären: Welche alten Songs werdet ihr einstudieren, habt ihr überhaupt Bock auf die alten Songs?

Achim:
Das auf jeden Fall. Die Interpretationen von Mischa werden zwar zum Teil sehr eigen sein, aber wir werden schon einige Sachen spielen. Wir hatten nicht so viel Zeit, die alten Sachen einzuproben. Immerhin müssen wir uns sozusagen selbst covern. Der Anspruch ist hoch, und ich möchte nichts Halbgares machen. Im Laufe des Jahres werden wir auf Tour kommen, da wird man es dann sehen.

Christian:
Wie sieht's mit Festivals aus?

Achim:
In diesem Jahr ist nichts mehr zu machen. Wir suchen im Moment eine Bookingagentur, durch viele schlechte Erfahrungen ist im Moment guter Rat teuer. Ich will jetzt einfach keine Fehler machen.

Christian:
Eine spezielle Frage hab ich noch: Euer Name ist ja eher truemetallisch (Anm. des Autors: Achim lacht sich tot). Wieso habt ihr keinen progressiveren Namen gewählt?

Achim:
Ich habe neulich eine Mail von dem Menschen bekommen, der damals, 1986, für den Namen verantwortlich war. Wir waren jung und wussten noch nicht so richtig Bescheid. Wir haben einfach geprobt, er kam vorbei, und er hat einfach den Namen vorgeschlagen. Der hat damals einfach gut geklungen. Mittlerweile sieht man, dass der Name gut hängen bleibt. Früher war ich schon eher auf Kriegsfuß mit dem Namen! METALLICA oder IRON MAIDEN sind ja auch berühmt geworden (lacht). Was soll der Name METALLICA eigentlich sein?

Christian:
Das war angeblich mal ein Zeitschriftenname, den die Jungs übernommen haben.

Achim:
Na, da weiß man wenigstens, wo er herkommt (lacht wieder).

Christian:
Von meiner Seite wäre es das dann, ein paar abschließende Worte?

Achim:
Ich bedanke mich bei allen, die uns wirklich unterstützen wollen und bei denen, die Musik nicht als Industrieprodukt sehen, sondern so wie ich: als Geschenk. Außerdem danke an die Leute, die heutzutage immer noch CDs kaufen. In diesem Zusammenhang übrigens ein Lob an unsere Cover- und Bookletdesigner. Sie haben eine Spitzenarbeit geleistet.

Redakteur:
Christian Hubert

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