In der Gruppentherapie: ILLDISPOSED - "To Those Who Walk Behind Us"

26.08.2009 | 08:02

Schwedischer Death Metal aus Dänemark? Das alleine würde unserem Soundcheck-Zweiten "To Those Who Walk Behind Us" von ILLDISPOSED nicht gerecht.

Bald zwanzig Jahre hat das dänische Death-Metal-Quintett auf dem Buckel und trotz stets hervorragender Alben haben sich die Jungs um Frontmann Bo Summer noch immer nicht den Ruf erspielt, den sie eigentlich längst verdient hätten. Manchen gelten sie dennoch als beste Elchtod-Kombo, die nicht aus Schweden kommt, und der Vergleich ist gar nicht so verkehrt. Ihr Death Metal ist straight und eingängig, kommt ohne allzu technisches Geriffe und Gebreake aus, und er ist melodisch. Die Riffs glänzen mit tollen Hooks, die Leads zitieren auch mal Göteborg und die NWoBHM, dabei ist der Sound aber stets wuchtig und knarzig wie die berühmten Panzerketten. Ja, in Århus ist bekannt, womit sich Death-Metal-Traditionalisten begeistern lassen. Genau das gelingt den fünf Fußballfans aus dem Norden nämlich mit so ziemlich allen Songs des neuen Albums, wobei vor allem der leadorientierte Opener 'Blood On Your Parade', das dynamische 'Come And Get Me' mit seinem gigantischen Refrain, das getragen und kompromisslos voran walzende Titelstück sowie der überragende, komplett in Dänisch gehaltene Rausschmeißer 'Nu Gik Det Lige Så Godt' alles wegfegen, was sich in den Weg stellt. Eine tolle Scheibe, die mir definitiv als eines der bisher besten Death-Metal-Alben des Jahres gelten mag.

Note: 9,0/10
[Rüdiger Stehle]

Das Death-Metal-Genre ist schon vielschichtig, das muss ich als Liebhaber klaren Gesangs zugeben. War die neue Scheibe der Dänen für mich zuerst Etwas, was ich hören musste, stellte sich schnell Freude ein. Nein, natürlich nicht über die Growls, obwohl auch die nicht so extrem sind, dass sie mir die Begeisterung an dem Album verleiden könnten. Statt dessen begann ich, den Groove zu schätzen, der fast allen Kompositionen auf "To Those Who Walk Behind Us" zugrunde liegt. Anstatt auf Brutalität und viele Noten zu setzen, geben ILLDISPOSED ihren Songs ausreichend Freiraum, quasi Luft zum atmen, was diese unterstützt durch die fetten Riffs nutzen, um sich im Ohr festzusetzen. Natürlich gibt es auch gelegentlich zügiges Futter wie in 'Just Come And Get Me' oder 'This Unschedueled Moment', aber die eigentlichen Stars sind Midtemposongs wie der großartige Opener, das coole 'Seeking Truth – Telling Lies', das IN FLAMES-artige 'For The Record' und 'If All The World', das mich ein wenig an den frühen Gitarrensound PARADISE LOSTs erinnert. Natürlich könnte das Ganze mit anderem Gesang noch gewinnen, aber ILLDISPOSED haben sich auch so in mein Herz gespielt. Da hüpfen die Pølser!

Note: 7,5/10

[Frank Jaeger]

Mit ILLDISPOSED und ihrem neuen Album "For Those Who Walk Behind Us" habe ich einiges an Anlaufschwierigkeiten gehabt. Der erste Durchlauf hinterließ bei mir quasi keine Spuren. Das mag vor allem daran liegen, dass die ersten beiden Nummern unglücklich gewählt sind. 'Blood On Your Parade' und 'For The Record' empfinde ich immer noch als schwerfällig. Dazu kommt, dass mich der verzerrte Gesang nie komplett gefangen nimmt. Davon aber abgesehen, gibt es hier einige echte Leckerlis zu entdecken. Gerade die Groove-Granaten 'To Those Who Walk Behind Me' und 'If All The World' gehen nach einigen Durchläufen direkt in Mark und Bein. Und die Coverversion des FINE YOUNG CANNIBALS-Popklassikers 'Johnny' darf ebenfalls als gelungen gewertet werden. Dass die Dänen am Ende noch mal das Original einsamplen, ist durchaus clever. Vorher erkennt man den Song nämlich kaum. Das macht unterm Strich ein knapp gutes Album, welches mir mit einem greifenderen Gesang noch deutlich besser gefallen würde.

Note: 7,0/10

[Peter Kubaschk]

Ob der Albumtitel Größen- oder Verfolgungswahn ausdrückt, ist unklar. Mit "To Those Who Walk Behind Us" sind ILLDISPOSED aber sowohl für hartnäckige Stalker als auch für monumentale, an das Fußvolk gerichtete Statements gut aufgestellt. Der Death-Metal-Hit 'To Those Who Walk Behind Me' muss erst mal zur Seite gekickt werden. Reizvoller BOLT THROWER-Groove, keineswegs unmaßgebliches Minimal-Riffing und schmutzige Todesmelodien aus Schweden – das ist nach wie vor alles, was das Quintett antreibt. Und dass es in dieser Hinsicht auch nicht mit sich diskutieren lässt, führt zu der für Zaungäste deutlichen Erkennbarkeit der Verwandtschaft der Songs. Manches würde nicht vermisst werden, wenn es in der Probehöhle irgendwo zwischen den Bierdosen verschwunden wäre; der Rest der Sippe ist schließlich auch noch da. Wer weiterhin üben muss, wie man breitbeinig stehend am coolsten rüberkommt, findet darunter brauchbare Trainingssounds wie 'For The Record', 'Just Come And Get Me', 'Seeking Truth – Telling Lies', 'This Unscheduled Moment' oder 'If All The World ...'. Die Entwicklungsresistenz der Asi-Dänen blockiert den Songwritingverlauf letztlich immer noch nicht, was nach fast zwanzig Jahren Bandgeschichte als Beweis für Klasse zu werten ist. Andere sind nach so einem langen Zeitraum bereits als ihre eigene Karikatur in die Unwichtigkeit eingetaucht, nachdem sie zwei Comebacks an die Wand gefahren haben.

Note: 7,5/10
[Oliver Schneider]

 

Wie bereits angemerkt, braucht "To Those Who Walk Behind Us" ein bisschen, bevor die Scheibe so richtig in Fahrt kommt. 'Just Come And Get Me' und 'Seeking Truth - Telling Lies' sind dann die Schädelspalter, mit denen es den Dänen-Deathern erstmalig gelingt, sich ins Hirn einzugraben. ILLDISPOSED machen weder Experimente noch Gefangene - auf diesem Album regiert purer, brutaler Death Metal jenseits von Hyperblastbeats und sonstigem Geschwindigkeitsfanatismus. Die Songs ziehen ihre Brachialität aus brutal stampfenden Gitarren, dem blutigen Gegurgel von Fronter Bo Summer und dem höllischen Groove der größtenteils im Midtempo-Bereich angesiedelten Death-Metal-Walzen. Leider bleibt nach dem Genuss des Albums nicht sonderlich viel hängen, dazu hätte es einfach mehr Material von der Qualität des Beinahe-Titeltracks 'To Those Who Walk Behind Me', des finalen 'Nu Gik Det Lige Så Godt' und der beiden oben genannten Stücke gebraucht. Auch gesanglich ist da noch ein bisschen Luft nach oben, dennoch ist den Dänen mit diesem groben Klotz ein ordentliches Album gelungen, das in der Szene gut angenommen werden dürfte. Zur Speerspitze des Genres ist es aber trotz allem noch ein gutes Stück.

Note: 7,0/10
[Stephan Voigtländer]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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