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In der Gruppentherapie: UNDERTOW - Don't Pray To The Ashes

05.03.2010 | 08:05

Stilistisch offene Band trifft auf stilistisch offene Redaktion. Mit Erfolg. UNDERTOW legen mit "Don't Pray To The Ashes..." ein variables Album im Spannungsfeld von Thrash, Core, Doom und Sludge daher, das eigentlich jedem Metalhead gefallen dürfte.


UNDERTOW ist eine Band, die man im Februar-Soundcheck nicht unbedingt auf dem Treppchen erwarten durfte - ließ man doch solch namhafte Konkurrenz wie FEAR FACTORY, JON OLIVA'S PAIN, DARK TRANQUILLITY, FINNTROLL, GAMMA RAY und RAGE hinter sich. Es muss also irgendwas dran sein an "Don't Pray To The Ashes...". Ein wesentlicher Pluspunkt ist auf jeden Fall die äußerst ansprechende Vermischung verschiedener Stilarten aus dem großen Metal-Topf. Dieses Thrash-Core-Doom-MeloDeath-Sludge-Monstrum mit solch mitreißenden Songs und zudem sauber produziert macht einfach eine Menge Spaß. Die Schwaben hauen schön griffige und manchmal derbe Riffs raus und haben dazu eine Melodieführung in petto, der es an Eingängigkeit nicht mangelt. Obendrauf noch eine ordentliche Sangesleistung gepackt, die zwar durch keine besondere, charakteristische Note aufhorchen lässt, aber gut zu den Songs passt - viel mehr ist es gar nicht, womit "Don't Pray To The Ashes..." zu gefallen weiß. Und doch zaubern UNDERTOW aus diesen Zutaten ein ziemlich gelungenes Scheibchen, das durchaus aus der Masse an Veröffentlichungen im Hartwurstsektor hervorstechen kann. Allerdings wird das praktizierte Rezept nahezu bis zum Erbrechen wiederholt, da hätte etwas mehr Ideenreichtum den Hörgenuss noch steigern können. Mehr gibt es aber nicht auszusetzen, da keiner der neun Songs im Niveau abfällt, sodass der Rundling einen homogenen und kompakten Eindruck hinterlässt.

Note: 8,0/10
[Stephan Voigtländer]


Von UNDERTOW habe ich mich bislang aufgrund der ständig angebrachten CROWBAR-Vergleiche immer ferngehalten. Um so überraschter bin ich von "Don't Pray To The Ashes...", das mit einem schlüssigen Stilmix aus Thrash, Sludge, Doom und irgendeinem Core daher kommt. Gerade der Gesang von Joschi ist angenehm roh und ungezügelt. Das sind echte Emotionen, die hier transportiert wrden. Vor allem in den melodischeren Momenten wie bei 'Smoke Garden' (Killer!), 'Beyond Dreaming' oder dem Beginn von 'File Under Unexpected' ist dies der Fall. Doch auch die harten Nummern wie 'Drenched In Gasoline' (mit sehr schönem Hiddentrack) und 'The Bitter Taste' sind absolut gelungen. Die Gitarren braten, die düstere Aggressivität ist greifbar. So mag man das. Und die CROWBAR-Vergleiche? Nun, die sind sicher stellenweise passend, aber UNDERTOW liefern letztlich ein extrem eigenständiges und sehr variables Metalalbum ab, für das man kein Namedropping benötigt, um es zu verkaufen.

Note: 8,5/10

[Peter Kubaschk]


Nein, es nicht mein durchaus ausgeprägter schwäbischer Lokalpatriotismus, der UNDERTOW bei mir so gut abschneiden lässt, sondern in der Tat allein das musikalische Schaffen der Ellwanger, das auf ihrem sechten Album "Don't Pray To The Ashes..." wirklich auf ganzer Linie überzeugt und dem ebenfalls großartigen Vorgänger "Milgram" alle Ehre macht. Steigt das Trio mit dem wuchtigen Opener 'The Bitter Taste' und 'Art Of Failing' jeweils noch flott und thrashig ein, so wird auch öfters das Tempo ein wenig heraus genommen. Die Band widmet sich dann ihren Wurzeln in Form Sludge-lastiger Heaviness, wobei das Core-Element natürlich vorhanden ist, aber durch Joschis angenehme und melodische Art zu shouten und zu singen, nie zu aufdringlich wird. So ist beispielsweise 'Still Waiting' eine wahnsinnig gefühlvolle Doom-Core-Halbballade, die Ihresgleichen sucht. Mal schimmert eine leicht kommerzielle Ader durch, wie etwa beim sehr eingängigen 'Threedouble Chime'. Doch auch das ist nur eine Facette, eines in sich stimmigen Konzepts, das UNDERTOW zu einer der ganz wenigen Bands macht, die es schaffen auf unaufgesetzte und glaubwürdige Art und Weise eine schlüssige Synthese aus Heavy Metal, Sludge und Hardcore zu bauen. Genau hier besticht "Don't Pray To The Ashes..." durch und durch mit tollen Melodien, unvergesslichen Hooks und spürbarem emotionalem Tiefgang, wie wir ihn nur selten finden. Wäre das Business gerecht, dann hätten wir hier ein zukünftiges Referenzwerk vor uns!

Note: 9,0/10
[Rüdiger Stehle]

Die Jungs hatte ich diesen Monat so gar nicht auf dem Schirm. Erst als das Album immer wieder lief und ich mich dabei ertappte, wie ich es beinahe täglich durch die Boxen schallen ließ, wurde mir klar, dass es sich hier um ein völlig unerwartetes Kleinod handelte. Oder wie die Band selbst sagen würde 'File Under Unexpected', so heißt nämlich eines meiner Lieblingslieder auf "Don’t Pray To The Ashes...". Der Song ist ein Paradebeispiel, wie die Band Hardcore, Alternative und gelegentlich auch Sludge zu einer sehr schmissigen Melange vermengen, die auch besonders durch die Stärke des Sängers Joschi zu einer äußerst aufregenden Sache wird. Denn dieser findet sich in klaren und geshouteten Passagen gleichermaßen wohl und macht die Actionmucke der Schwaben sowohl mitsing- als auch mitbangkompatibel, so wie im tollen Opener 'The Bitter Taste'. Zwar wird das einmal erfolgreich angewandte System im Laufe des Albums kaum verändert, sondern hauptsächlich das Tempo geschickt variiert, aber das bedeutet im Umkehrschluss wohl auch, dass das ganze Album ziemlich klasse ist. Nervig ist allerdings mal wieder das Ende, denn was soll bloß die über fünfminütige Pause, bevor die Band den letzten Song intoniert? Ich habe die ersten Male den Song glatt verpasst gehabt.

Note: 8,0/10

[Frank Jaeger]

Musikalisch ähnlich gelagert wie die Berliner Groove-Armada MORBID MIND haben die Schwaben UNDERTOW mit ihrem aktuellen Werk “Don't Pray To The Ashes...“ einen starken Release eingetütet, der nachdrücklich und modern rockt. Durchgehend mit Feuer und guten Ideen sind sie unterwegs, die auf unserem Medaillen-Treppchen platzierten Bronze-Gewinner unseres Februar-Soundchecks. Mit dem einfallsreich arrangierten 'Threedouble Chime' haben UNDERTOW einen kleineren Hit am Start, der mich nicht mehr loslässt – ebensowenig wie die zügige riffende Dampfwalze 'Art Of Falling' und das in seiner Inszenierung ähnlich gelagerte 'File Under Expected'. Und auch in phasenweise ruhigeren Momenten wie bei der Halbballade 'Beyond Fallen' machen UNDERTOW alles richtig. Besonders erwähnenswert sind zudem die kraftvollen und ausdrucksstarken Gesangslinien von Frontmann Joschi, der dem ganzen Liedgut einen feinen Touch verleiht. Alles in allem ist "Don't Pray The Ashes...“ eine dicke Empfehlung wert, zumal auch der Sound dieser VÖ als sehr gelungen zu bezeichnen ist. Nur knapp rutschen die Jungens an acht Punkten in meiner persönlichen Wertung vorbei – was euch aber dennoch dazu ermutigen sollte, dieser tollen Scheibe eure Aufmerksamkeit zu schenken.

Note: 7,5/10
[Martin Loga]

Redakteur:
Peter Kubaschk
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