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In der Gruppentherapie: UNLEASHED - As Yggdrasil Trembles

19.03.2010 | 23:29

Auf die Death-Metal-Veteranen ist Verlass. Mit "As Yggdrasil Trembles" legen die Schweden das unumstrittene "Album des Monats" in unserem März-Soundcheck vor. Ein Umstand, den es zu würdigen gilt.


Das ist eine Überraschung – nicht dass UNLEASHED gute Musik machen, sondern dass mir nach "Midvinterblot" noch eine weitere Platte der Schweden richtig gut gefallen würde. Aber daran sind die Herren natürlich schuld, nicht ein wechselnder Musikgeschmack meinerseits. Denn "As Yggdrasil Trembles" ist groovig, abwechslungsreich, lässt die Füße wippen und den Kopf auch. Was für mich immer das Problem am extremen Metal ist, der Gesang, ist diesmal wirklich gelungen. Immer noch alles andere als Gesäusel, aber mit genug Luft für Melodien, um nicht wie bei vielen Genrekollegen den großen Gleichmacher zu bilden. Üblicherweise muss ich bei Death-Metal-Bands die positiven Aspekte suchen, um eine ordentliche Note hinzubekommen. Bei dieser UNLEASHED-CD ist es anders herum. Hier zähle ich tatsächlich von oben herunter, was mir nicht gefällt: Da ist einmal der gelegentliche Einsatz von Blastbeats, die ich noch nie mochte und die meiner Ansicht nach einen Song nicht druckvoller machen, im Gegenteil. UNLEASHED braucht das eigentlich in keinem der Songs. Außerdem ärgere ich mich, dass die Band der Granate 'Wir kapitulieren Niemals' mit einem völlig überflüssigen Mittelteil alle Zähne zieht. Ansonsten hätte das Ding grad auf "Show No Mercy" gepasst mit seiner Punkattitüde und dem messerscharfen Riffing. Davon abgesehen: Großartig. Ich glaub, ich kauf mir jetzt mal eine Death-Metal-Platte.

Note: 9,0/10
[Frank Jaeger]


Kein Thema! Neue UNLEASHED = Brett! Ist doch klar oder? Tja, so langsam sieht´s weiß Gott so aus. Eigentlich gab es in meinen Augen noch nie eine wirklich schwache UNLEASHED-Scheiblette. Doch was seit der Quasi-Reunion ("Hell's Unleashed", 2002) abgeht, ist doch aller Ehren wert. Man meint gerade der schwedische Todestrupp wird im fortgeschrittenen Alter immer stärker. "As Yggdrasil Trembles" ist zum einem grandios, weil megafett und messerscharf produziert, und zum anderen, weil es nur wenige songwriterische Makel zu verdauen gibt. Wenn man es genau nimmt gar keine, außer dass UNLEASHED innerhalb ihres ureigenen Stils keinen Raum für Innovation und Neuerungen lassen. Mir isses ja nur Recht, da ich UNLEASHED-Fan erster Stunde bin und dementsprechend nix anderes von ihnen hören will. Andererseits gibt es natürlich das eine oder andere bekannte Riff, das man gar schon mehrfach gehört hat und das manch Meckerfratz zum Boykottgrund erklären wird. Fuck off! UNLEASHED verfeinern ihre Roots seit ihrem Bestehen und die Hitdichte wird zumindest in meinen Lauschern von Album zu Album größer. Demnach ist es relativ schwachsinnig, bestimmte Songs herauszupicken. "As Yggdrasil Trembles" klingt homogen und wie aus einem Guss. Ich allerdings finde die groovenden UNLEASHED am stärksten, da meiner Meinung nach abseits der todesmetallischen Szene-Trademarks, kaum eine andere Death-Metal-Band einen solchen Groove an den Tag legt. Das macht UNLEASHED unverkennbar, in Verbindung mit Johnnys einzigartigem Gesang. Hier also mein Abzug in der B-Note: Weniger Blasts (lasst sie einfach weg...) wären zumindest für mich mehr gewesen. Ansonsten bärenstarke Scheibe, die dem Denkmal UNLEASHED endgültig Konturen verleiht.

Note: 9,0/10

[Alex Straka]


Von UNLEASHED habe ich nichts anderes als dieses Brett erwartet! Hier passt einfach alles – ausgeklügelte Kompositionen, die richtige Portion Härte und auch die Produktion ist angebracht, kommt "As Yggdrasil Trembles" doch rau und etwas roh aus den Boxen. Die Schweden machen mal wieder deutlich, warum sie seit Jahrzehnten eine Bank im Death Metal sind und untermauern diese Position ihrem Status entsprechend. Sie passen sich an nichts an, sondern ziehen allen Trends zum Trotz erfrischend ehrlich und bodenständig ihr Ding durch. Mit zwölf Songs kommt die Platte auch noch auf eine amtliche Spielzeit, was in diesen Tagen leider immer seltener der Fall ist. Und dabei gibt es noch nicht mal einen Hänger oder Lückenfüller. UNLEASHED können es schnell, langsam, im Midtempo und finden dabei für jedes Lied noch das passende Gitarrensolo. Auch das gelungene Cover sei erwähnt: Das UNLEASHED-Logo wirkt wie Spinnenweben in der Krone des abgebildeten Baumes (Yggdrasil), in dem Ketten, Skelettknochen und ein grimmiges Gesicht schimmern. "As Yggdrasil Trembles" überzeugt sowohl songschreiberisch, als auch in der Umsetzung und der Produktion. Death Metal Victory!

Note: 10/10
[Pia-Kim Schaper]

UNLEASHED sind zurück. Stark, wie es sich für echte Wikinger und Krieger gehört. Fetzige Riffs, knackige Breaks und ein perfekt aufgelegter Johnny Hedlund macht das Album zu einem großen Spaß. UNLEASHED untermauern hiermit definitiv ihre Vormachststellung als Urgestein und alles überrollender Panzer des Nordens. Doch... kann es das gewesen sein? Panzer, Spaß, Panzerspaß? Wo bleibt die göttliche Atmosphäre des Debuts "Where No Life Dwells"? Wo bleibt das epische, das brutale, das Album, das den Fan während des Hörens in sich hineinzieht und bis zum Ende der Platte nicht mehr loslässt? Man, wo bleibt das Gefühl, das ich hatte, als ich mit "Across The Open Sea" in meinem dunklen Zimmer saß und mit den Kämpfern Schlachten, Not, Siege, Tod, Scharmützel, Niedergang, Verderben und Valhalla erlebt habe? All das fehlt mir. "As Yggdrasil Trembles" ist eine tolle Party-Platte, doch die Ur-UNLEASHED-Atmosphäre kommt nur sehr selten auf. Doch gerade der Titeltrack stellt da eine positive Ausnahme dar und versöhnt mich etwas. Nichtsdestotrotz, ich werde auch die UNLEASHED des Jahres 2010 häufiger auflegen. Aber das Gefühl der alten Platten werde ich wohl immer vermissen - deswegen kann es auch keine Höchstwertung geben.

Note: 8,0/10
[Julian Rohrer]


Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mich bislang kaum mit UNLEASHED beschäftigt habe. Meine Death-Metal-Welt enthielt immer nur BOLT THROWER und DEATH. Ein Fehler, wie "As Yggdrasil Trembles" mit Nachdruck klar macht. Denn das hier ist hymnischer Todesmetall aus dem Lehrbuch. Vor allem das alles überragende Triumvirat aus 'So It Begins', 'As Yggdrasil Trembles' und 'Wir kapitulieren niemals' sind mitreißende, mit grandiosen Gitarrenharmonien versehene Mitgröhlhymnen par excellence. Da sitzt man die Matte schüttelnd und die Faust reckend vor dem Computer und versucht mit Hedlund'scher Tiefe 'Battalions of the world, are you ready?!' oder 'Was andere sagen, ist uns scheißegal' zu singen. Eine Einstellung, die man UNLEASHED wohl mehr abnimmt als so ziemlich jeder anderen Band. Ganz klar, UNLEASHED haben bei mir soeben eine neue Baustelle in meiner CD-Sammlung entstehen lassen. Klasse Album.

Note: 8,5/10

[Peter Kubaschk]

UNLEASHED stehen bei mir schon länger auf dem Testplan. Soll heißen, dass ich sie immer sehr gut finde, wenn ich sie mal auf einem Festival sehe oder bei einem Bekannten höre, selbst aber nichts von den Kollegen im Regal stehen habe. Nun fällt der Weltenbaum mit seinem Geäst in meine Wohnstube und belegt nachhaltig, dass ich diesen Test schnellsten in die Tat umsetzen muss. Die sympathischen Jungs um Johnny Hedlund machen auf diesem Album (fast) alles richtig. Diese Aussage aus dem Mund eines plüschigen Prog-Metal-Weicheies, wie ich es bin, wird dem beinharten Schwedentod-Hörer eventuell ein paar Sorgenfalten auf die Stirn zaubern. Aber keine Sorge, UNLEASHED blasen noch immer orkanartige Songgebilde aus den Boxen. Warum ich das jetzt total toll finde? Wo andere Bands dieses Genres einfach nur unglaublich böse, schnell oder hart klingen wollen, würzen die Schweden ihre Musik mit der richtigen Mischung aus treffsicheren Riffs, die sofort(!) zünden und jede Faust zum Ballen bringen. Dazu addiert sich der superbe Gesang von Mister Hedlund, der klar verständlich allein aufgrund seiner Tiefe furchterregend tönt. Da tropft Herzblut aus den Mundwinkeln. Ein Umstand, der so ergreifend ist, dass man einfach mitbrüllen muss. Obendrein verfügen alle Nummern über Refrains für die andere mehrere Ohrlappen geben würden. Da mutiert sogar ein geblasteter Seelenfänger wie 'Chief Enherjar' zur Luftgitarrenorgie im Haus Proghead. Und wenn die Jungs kurzzeitig bösartig schleppend werden wie im vernichtenden 'Far Beyond Hell', weiß man, wo der Frosch die Locken hat. Ach, ich vergaß zu erwähnen, dass man mit 'Wir kapitulieren niemals' mal eben die Hymne des Jahres abgeliefert hat. "Was andere sagen, ist uns scheißegal …" Ein Heidenspaß.

9,0/10 Punkte

[Holgär Andrae]

Redakteur:
Peter Kubaschk
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