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KARKADAN: Interview mit Robby Beyer

01.01.1970 | 01:00

Die schwäbischen Black-Metaller KARKADAN konnten mit ihrem vorzüglichen 1999-iger Output "Black Eternal Reflections" ziemlich überzeugen. Und auch wenn das schon eine Weile her ist, bekam ich vor ein paar Tagen Bandleader und Vocalakrobat Robby Beyer ans Telefon. Mit der Zeit wurde das angenehme Gespräch immer witziger. Doch lest selbst.

Georg:
KARKADAN dürfte einigen unserer Leser noch kein Begriff sein, erzähl doch erstmal etwas über euch.

Robby:
Wir haben im September 1997 angefangen. Eigentlich wollten wir eine richtige Black-Metal-Band machen. Da hatten wir auch eine ganz andere Besetzung. Aber mit der Zeit hat sich die Zusammensetzung der Mitglieder dahin entwickelt, daß ziemlich viel Heavy Metal beigemischt wurde. Und 1998 ging es dann los mit Auftritten.

Georg:
Das klingt fast so, als ob du es schade findest, daß ihr keine "richtige" Black Metal Band seid.

Robby:
[lacht] Nö, eigentlich nicht. Ich habe ja noch ein Projekt, bei dem ich richtigen Black Metal spielen kann. Und ich mag klassischen Heavy Metal genauso.

Georg:
Also, Black Metal von den Texten oder von der Spielart her?

Robby:
Nun, es muß ja auch zusammenpassen. Aber inzwischen gibt es ja auch beim Black Metal von den Texten her so viele verschiedene Richtungen. Das ist ziemlich facettenreich, so daß man gar nicht mehr so genau sagen kann, was jetzt von den Texten her richtiger Black Metal ist.

Georg:
Nun, von der Tradition her verstehe ich darunter satanische bzw. okkulte Texte. Man denke nur an VENOM und andere.

Robby:
Ja, früher fiel das ja alles auch noch unter Death Metal.

Georg:
Mit "Eternal Black Reflektions" konntet ihr ja für Aufsehen sorgen, weil es zwar Black Metal, aber doch, wie du schon sagtest, kein richtiger Black Metal ist. Wie bist du mit den Reaktionen zufrieden?

Robby:
Wir waren über das positive Feedback total überrascht. Das waren ja die ersten Songs, die wir aufgenommen haben und eigentlich auch die ersten Lieder, die wir geschrieben haben. Ursprünglich war es auch nur als Demo gedacht. Aber nachdem die Leute es so gut fanden, haben wir es als Album herausgebracht. Gut, während der Aufnahmen hat sich schon gezeigt, daß die Aufnahmen recht gut klingen und daß es recht gut werden könnte. Aber so im Nachhinein sind wir auch nicht mehr so ganz mit dem Output zufrieden. Wobei ich denke, daß das ja normal ist.

Georg:
Ich denke der Hauptkritikpunkt war ja das Cover.

Robby:
Ja, wobei wir inzwischen ja ein Re-Release haben, bei dem wir ein neues Cover genommen haben, weil das erste doch ziemlich kitschig war. Damals mußte es halt schnell gehen, weil wir bei den Aufnahmen doch recht lange gebraucht haben. Es sollte ja fertig werden, so daß wir eben das Cover genommen haben.

Georg:
Hast du beide Cover selbst gemacht?

Robby:
Nein, das erste hat eine Bekannte von uns "geairbrushed". Und beim zweiten stammt ein Teil von einem Italiener und den Rest habe ich vervollständigt. Aber in Zukunft werd ich das wohl alles selbst in die Hand nehmen. Dann hab ich das alles unter Kontrolle und ich denk', daß das dann auch passt.

Georg:
Das heißt, du bist der kleine Joey De Maio von KARKADAN?

Robby:
Nein, eigentlich nicht wirklich. Jeder hat bei uns seinen Aufgabenbereich und kann da auch machen was er will. Ich mach halt das Management und das Artwork, weil mir das auch liegt. Musikalisch gesehen hat jeder gleiches Mitspracherecht. Wir schreiben die Songs auch als Band und nicht nur ein einzelner.

Georg:
Zwei Jahre sind ins Land gegangen. Wenn ihr am Ball bleiben wollt, wird ja so langsam ein neues Album fällig. Hat sich denn ein Label gemeldet?

Robby:
Über zwei Jahre sogar. Wir haben uns logischerweise bei Labels beworben. Ist ja klar. Aber irgendwie gab es da keine positiven Rückmeldungen. Und jetzt mach ich das halt über mein eigenes kleines Label.
Die letzten zwei Jahre hatten wir ständig Besetzungswechsel. Zuerst ist der Drummer ausgestiegen, dann einer der Gitarristen. Und der Keyboarder hat uns auch verlassen. So haben wir mehr Zeit damit verbracht, neue Leute einzulernen als Songs zu schreiben. Jetzt sind wir wieder soweit, daß wir anfangen können, neues Material zu schreiben. Und ich denke, wir werden gegen Ende des Jahres ein neues Album präsentieren können. Im Sommer kommt noch eine 10-Zoll-Vinyl-Scheibe raus. Keyboarder haben wir keinen mehr, aber bei uns stimmt die Chemie in der Band, so daß wir auch nicht noch jemanden hinzunehmen wollen. Viele Köche verderben den Brei.

Georg:
Die Lyrics stammen alle von dir?

Robby:
Ja, ich bin der Meinung, daß ich hinter den Texten stehen muß, daß ich eine Verbindung zu ihnen haben muß, um sie auch richtig rüberbringen zu können.

Georg:
Welche Inspirationen verarbeitest du da?

Robby:
Es hat sich inzwischen zu spirituelleren Themen hinentwickelt. Aber was mich eigentlich immer fasziniert, ist seelischer Schmerz. Das ist eines der Hauptthemen und wird es wohl auch immer bleiben.

Georg:
Bist du dann auch so ein depressiver/düsterer Mensch?

Robby:
Nö, kann man so nicht generalisieren. Jeder der mich kennt weiß, daß ich schlecht oder gut drauf sein kann. Daß ich Party feiern kann oder auch mal nur vor mich hin siniere, weil ich es brauche. Und gerade in diesen Momenten entstehen viele der Texte.

Georg:
Welche Bedeutung hat dann Black Metal von den Texten her für dich?

Robby:
Dazu muß ich sagen, daß ich KARKADAN absolut nicht als Black-Metal-Band sehe. Black Metal an sich ist für mich eine absolute Gegenbewegung gegen alles was gerade passiert. Wenn man im Alltag lebt und sich umschaut, da kommt ein absoluter Hass in einem auf. Daher kommt auch die misanthropische Einstellung.

Georg:
Misanthropisch? Ich dachte eher die von Aleister Crowley und anderen inspirierte okkulte Einstellung?

Robby:
Ich denke mittlerweile gibt es da mehrere Richtungen in die es tendiert. Aber wenn man es richtig nimmt, ist ja Satanismus, so wie er ursprünglich war, absolut menschenverachtend und das ist ja Misanthropie.
Wenn ich durch die Straßen laufe und die vielen leeren Gesichter sehe, da bekomme ich einfach das Kotzen.
Wenn man es richtig nimmt, hätte es mich auch nicht gestört, wenn ich in New York gewesen wäre und bei dem Anschlag umgekommen wäre. Es entwickelt sich derzeit alles darauf hin, daß die menschliche Rasse untergeht.
Das ist meine Einstellung, meine Lebenseinstellung. Aber das hat an sich nichts mit der Band zu tun.

Georg:
Das heißt das Bild von dem "großen bösen Robby und seinen vier kleinen Jüngelchen" stimmt auch in der Realität?

Robby:
[Robby muß hier erstmal etwas länger lachen] Würd ich jetzt nicht so sagen. Kein Kommentar. [lacht weiter] Das ist ja mal ne scheiß Frage. So viel Sarkasmus. [lacht weiter] Wenn die anderen auch meinen, sie müßten auf der Bühne ihre Sonnenbrille tragen. [lacht immer noch] Damit zieh ich unseren Gitarristen heute noch auf, weil er auf dem Summer Breeze mit Sonnenbrille auf die Bühne ging.

Georg:
Wo wir gerade beim Summer Breeze sind. War das euer größter Tag im Bandleben?

Robby:
Das ist schon etwas, was wir uns gutschreiben können. Aber so wichtig war es für mich persönlich nicht. So Clubkonzerte bringen für einen als Musiker schon eine andere Atmosphäre rüber. Da fühlt man sich schon wohler als auf einer großen Bühne vor 500 Leuten wenn der Platz trotzdem total leer ist. Das ist mir ein kleiner Club mit 200 Leuten, der voll ist, doch etwas lieber.

Georg:
Und was war dann dein schönstes Erlebnis?

Robby:
Das ist noch gar nicht so lang her. Das war, als wir in Slowenien gespielt haben. Die Leute kannten uns überhaupt nicht und sind total ausgerastet. Das war total genial.

Georg:
Du hast vorhin dein Label angesprochen. Wird das ein One-Band-Label?

Robby:
Nein, eigentlich nicht. Ich bring da demnächst eine Split-7-Zoll von diversen Black-Metal-Bands heraus. Dann kommt noch eine Compilation. Aber ich möchte auch kein großes Label draus machen. Das ist ein Hobby für mich. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf KARKADAN. Solange es kein anderes Label gibt, habe ich so die Möglichkeit, uns so gut es geht zu unterstützen. Mit einem Label (auch einem eigenen) hat man einfach bessere Chancen mit großen Vertrieben / Mailordern. Ansonsten werden wir sehen, was es bringt. Aber warum soll ich es auch nicht als Label machen, wenn ich die Arbeit sowieso mache?

Georg:
Du scheinst ein recht vielseitig begabter Mensch zu sein. Musiker, Designer, Manager ...

Robby:
Begabt vielleicht nicht. Eher ein Idealist, der da jede Minute seiner Freizeit rein investiert. Leider bleibt dann des öfteren keine Zeit für andere Sachen mehr übrig.


Georg:
Womit beschäftigst du dich sonst noch?

Robby:
Eigentlich studier ich Informatik. Aber ansonsten ist Musik das wichtigste in meinem Leben. Nebenher mach ich auch noch Webdesign und Webprogrammierung. Also unsere Homepage und noch einige andere.

Georg:
Welchen drei Leuten würdest du als Misanthroph gerne in die Fresse hauen?

Robby:
[Hier kriegt Robby wieder einen längeren Lachanfall] Erstmal dir, für die Frage. Und die anderen zwei Namen möchte ich nicht nennen. [Beiderseitiges lang anhaltendes Gelächter] Geht's jetzt noch?

Georg:
Sorry, ich kann grad nicht mehr [und wieder lachen beide weiter]. Okay, ich denke ich hab jetzt eh jede Menge Tipparbeit. Von daher würde ich dich hier um dein Requiem bitten.

Robby:
[lacht] Ich werd zwar sterben, aber heute hab ich´s noch nicht vor. [lacht weiter]
Ich denke, ich werd ja den einen oder anderen, der das hier liest, auf einem Konzert von uns sehen und da können wir ja mal ein Bierchen trinken. Ansonsten könnt ihr ja auch auf unsere Homepage http://www.karkadan.de gehen.

Georg:
Das heißt, du wirst jetzt mit jedem Fan, der auf dich zukommt einen Kolben ziehen?

Robby:
[lacht] Ja, wenn er zahlt. [prustet los]

Georg:
Du bist ein echter Schwabe!

Robby:
[lacht weiter] Ich bin gar kein Schwabe, ich bin Sachse. Das ist noch ne Ecke schlimmer. Ich leb nur in Schwaben.

Georg:
Da hast du dich sprachlich ganz schön angepasst, man hört es gar nicht.

Robby:
Nun, das passiert halt. Ich wohn' ja schon zehn Jahre hier.

Georg:
Okay, vielen Dank für das Interview.

Redakteur:
Georg Weihrauch

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