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LETZTE INSTANZ: Interview mit Muttis Stolz

20.03.2005 | 09:49

Das letzte Jahr war ein unruhiges Jahr für unsere Freunde aus Dresden. Zahlreiche Festivalauftritte, eine erste Live-CD/DVD markierten die positiven Highlights für die LETZTE INSTANZ. Und wie es so häufig ist, gerade wenn man denkt, es geht steil bergauf, treten unerwartete Wendungen auf. In unserem Beispiel schrumpfte die Besetzung auf ein Minimum und gipfelte im überraschenden Ausstieg von Frontmann, Sänger und Entertainer Robin. Diese endlose Berg- und Talfahrt hat aber vor wenigen Wochen ein Ende gefunden, denn die INSTANZler können einen neuen Frontmann vorweisen, der amüsanterweise auf den Namen Holly hört. Es gab also ausreichend Gesprächsstoff und Geiger Muttis Stolz unterzog sich der Knute meiner schier endlosen Fragenlawine, mit der ich zuerst die vergangenen Geschehnisse aufrollen wollte.


Holger:
Moin moin aus Hamburg. Erstmal herzlichen Dank für deine Zeit. Zu Beginn ein paar Fragen zum Thema Robin. Hoffe, das nervt noch nicht zu sehr. Wann hat Robin euch mitgeteilt, dass er euch verlassen will?

Muttis Stolz:
Weihnachten 2003 per eMail.

Holger:
Was waren seine Beweggründe?

Muttis Stolz:
Sein musikalischer Geschmack hat sich vom Rock weg entwickelt. Sein Steckenpferd war von jeher Liedermachermusik und Chanson. Diese musikalische Leidenschaft hat im Laufe des letzten Jahres immer mehr die Überhand gewonnen.

Holger:
Warum gab es keine Abschiedstour?

Muttis Stolz:
Robin wollte keine Abschiedstour geben, da er den Zuschauern nicht ehrlich hätte gegenüber treten können. Er hätte das typische LETZTE-INSTANZ-Live-Feeling nicht mehr glaubwürdig vermitteln können.

Holger:
Haben FX (bs.) und Tin Whistle (gt.) LETZTE INSTANZ verlassen, weil sie der Ansicht waren, dass es für die Band ohne Robin keine Perspektive geben würde?

Muttis Stolz:
Nein, denn hier waren persönliche Gründe ausschlaggebend, die sich bereits auf der letzten Tour heraus kristallisierten. Beide wollten mehr Zeit für ihre Familie und ihren Job aufbringen, was sich mit dem Aufwand, den die INSTANZ betrieben hat, nicht vereinbaren liess.

Holger:
Weißt du, was die drei jetzt treiben?

Muttis Stolz:
Robin studiert Soziologie und hat sich einem neuen musikalischen Projekt gewidmet. Tin wird Ende des Jahres Vater und hat die Musik an den Nagel gehängt. FX kümmert sich um seine Bookingagentur und spielt gelegentlichen bei kleineren Projekten mit.

Holger:
Robin wollte sich doch mehr der Schauspielerei widmen? Oder gar der Zauberkunst?

Muttis Stolz:
So weit ich weiß, ist die Schauspielerei noch in Planung und wir werden rechtzeitig davon erfahren, aber bisher gibt's keine festen Projekte oder gar Termine.

Holger:
Gab es Gedanken die Band komplett aufzulösen?

Muttis Stolz:
Die Gedanken gab es, aber eben auch die Stimmung: Jetzt erst recht!

Holger:
Hätten dann einzelne Musiker gemeinsam ein anderes Projekt gestartet?

Muttis Stolz:
Vielleicht, aber das stand nie ernsthaft zur Debatte.

Holger:
Wie seid ihr auf den/die Neuen gestoßen ?

Muttis Stolz:
Ein befreundeter Produzent aus Berlin kannte Holly aus seiner Stammkneipe, da Holly dort ab und an kleinere unplugged-Konzerte mit seiner alten Band COMUVNICS gab.
Er fand seine Stimme passend und hat ihn uns empfohlen. Da Hollys Band gerade in der Auflösung begriffen war, interessierte er sich für die INSTANZ und wir trafen uns zu einer ersten Probe, wo es denn auch gleich funkte.
Mit den COMUVNICS hat Holly drei CDs herausgebracht und über 200 Konzerte gespielt. Studio- und Bühnenerfahrung sind also garantiert. Ihre Musik kann man wohl am besten mit "Emocore" beschreiben. Darüber hinaus ist Holly als Dichter für Kinderbücher tätig.
Michael Ende, der neue Bassist, war ein alter Studienkollege unseres Gitarristen.

Holger:
Einige Texte – 'Jeden Morgen', ' Kopfkino' – haben recht persönliche Themen zum Inhalt. Wird es nicht schwer für den neuen Sänger sich in Robins Gefühlswelt zu versetzen?

Muttis Stolz:
Natürlich ist es keine leichte Aufgabe diese Texte zu interpretieren, aber ein Opernsänger der Gustav Mahlers "Kindertotenlieder" singt, muss ebenfalls eine ähnliche Aufgabe meistern. Es ist also im Musikbereich Gang und Gebe fremde Texte zu singen und auch Holly wird dies gelingen.

Holger:
Was war es für dich damals für ein Gefühl als du in das Bandgefüge aufgenommen wurdest? Familie oder homoerogene Männer-WG? ;-)

Muttis Stolz:
Ich wurde nicht aufgenommen, sondern bin hinzugetreten. Es ist wie, wenn du neue Freunde kennen lernst – eine Gang sozusagen.

Holger:
Ich nehme an, dass die neuen Mitglieder ausschließlich nach ihrem Aussehen eingestellt werden und mindestens über einen (besser wohl mehrere) Bart und/oder bunte Haare verfügen sollten, richtig? Eine echte Herausforderung für eine Dame...

Muttis Stolz:
Da uns eh optisch keiner mehr toppen kann, lassen wir die visuelle Komponente außen vor.

Holger:
Wer von euch hat Klassik studiert?

Muttis Stolz:
Der Gitarrist.

Holger:
Wie seid ihr auf die Idee mit der Bach-Adaption gekommen?

Muttis Stolz:
Holly D. ist mit dem Veranstalter des Leipziger Clubs befreundet, der ein alternatives Programm zu dem jährlichen Bachfestival veranstalten wollte. Da die INSTANZ musikalisch sehr flexibel ist und schon öfter mit klassischer Musik experimentiert hat, kam der Veranstalter auf die Idee Holly darauf hin anzusprechen. "Das O" hat das ganze dann musikalisch in die Hände genommen und voilà!

Holger:
Gibt es da Pläne für eine Studioaufnahme?

Muttis Stolz:
Nein, denn wir haben das doch ganz passabel auf eine DVD gepresst.

Holger:
Wie lange war die Vorbereitungszeit?

Muttis Stolz:
Zwei Wochenenden und viel Üben zu Hause.

Holger:
Kann es sein, dass einigen von euch der selbst auferlegte Dresscode etwas zu steif war? ;-)
Gerade hier klingt es an manchen Ecken (Olli) ganz schön metallern. Gab es Anregungen bei Metalbands wie z.B. MEKONG DELTA, die ja gerne Mussorgsky adaptierten? Oder gab es Inspiration bei WALTARI?

Muttis Stolz:
Das hast du ganz gut herausgehört. Natürlich hört man sich andere Bands an, die diesen Spagat bereits vollzogen haben.

Holger:
Wie schwer war eigentlich die Auswahl der Tracklist des Livealbums?

Muttis Stolz:
Es kamen die Lieder auf die DVD, bei denen live die beste Stimmung war.

Holger:
Da ihr nichts mehr von der "Brachialromantik" spielt, könnte man nun vermuten, mit dem neuen Sänger kämen keinen Nummern von Robin mehr ins Repertoire. Widerlegen sie jetzt!

Muttis Stolz:
Wir widerlegen!

Holger:
Mit eurem Stil setzt ihr euch ja ganz bewusst zwischen alle Stühle. Für Metaller seid ihr nicht heftig genug, für Gothics zu freundlich und für Mittelalterfreaks zu modern. Trotzdem mag euch jeder. Was ist das Geheimrezept?

Muttis Stolz:
Charme, Charme, Charme – Fleiß, Fleiß, Fleiß und ein hohes musikalisches Niveau.

Holger:
Ihr habt auf dem Summer Breeze gespielt. Impressionen...

Muttis Stolz:
Schön war es, auch wenn es ab 13 Uhr auf dem Gelände leider kein Entrinnen vor lauter Musik gab.

Holger:
Wie wohl fühlt ihr euch vor Metallern zu spielen?

Muttis Stolz:
Gut, denn auch Metaller haben hübsche Freundinnen. Außerdem haben wir ja auch einige heftige Passagen im Programm.

Holger:
Logische Frage: Wie und vor allem wann wird es weiter gehen?

Muttis Stolz:
Wir arbeiten momentan fleißig an neuen Songs und an der Umsetzung ausgewählter alter Stücke. Im Sommer werden wir auf ein paar Festivals im deutschsprachigen Raum zu sehen sein, u. a. auf dem "Woodstage Spezial" in Dresden mit MARILYN MANSON und OOMPH! und werden uns dann im Herbst in's Studio verziehen, um das kommende Album in Angriff zu nehmen. Ob wir vorher noch eine Tour spielen werden, wissen wir allerdings noch nicht genau.

Holger:
Warum gab es kein klassisches Instrumentalalbum zur Überbrückung? APOCALYPTICA, ick hör dir trappsen...

Muttis Stolz:
Wir hören selbst privat gern Musik mit Gesang. Uns würde etwas fehlen. Ein Überbrückungsalbum kam auch nicht in Frage, da wir ungern halbe Sachen machen. Es kann sonst schnell passieren, dass sich die Fans verkackeiert fühlen.

Holger:
Man könnte auch Gäste ins Studio holen (die natürlich gar nichts kosten).
Spinnen wir diesen Gedanken doch mal zu Ende: Welche zehn SängerInnen würdet ihr gern mit auf einem Album haben?

Muttis Stolz:
Michael Jackson, Till Lindemann, Ice T, Britney Spears, Robbie Williams...

Holger:
Holly D. hat beim letzten Interview über seine Jugendsünden in Bezug auf Metalscheiben gebeichtet. It's your turn now... ;-)


Muttis Stolz:
Milli Vanilli, Modern Talking, Whitney Houston.

Holger:
Herzlichen Dank für die schöne Musik und so. ;-)

Muttis Stolz:
Bitte schön! Auf Grund der Anzahl der Fragen, sind meine Antworten etwas knapper ausgefallen als sonst. Aber bekanntlich liegt ja in der Kürze die Würze.

Redakteur:
Holger Andrae

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