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LEVEL FIELDS: Ein Interview mit Marco Ahrens

02.12.2014 | 15:44

POVERTY'S NO CRIME trifft NON FICTION.

Bei LEVEL FIELDS handelt es sich um ein spannendes, neues Projekt von Marco Ahrens, dem Gitarristen der deutschen Progband POVERTY'S NO CRIME. Wem das noch nicht spannend genug ist, dem sei gesagt, das kein Geringerer als Alan Tecchio (HADES, WATCHTOWER, NON FICTION etc.) die Songs eingesungen hat. Auch wenn es die Musik bisher lediglich als digitale Downloads gibt, stand bei dieser Besetzung eine größere Vorstellung außer Frage. So lest denn, was Marco zu berichten hat.


Wie kam der Kontakt zu Alan Tecchio zustande?

Das ist in der Tat eine lustige Geschichte. Ich hatte dieses Lied fertig ('Enough'), in dem ich einige NON FICTION-Einflüsse verarbeitet hatte und von dem ich der Meinung war, dass es nicht so recht zu POVERTY'S NO CRIME passte. Eines Abends (kurz vor dem HOA 2013) war ich mit meinem Bruder und einem guten Freund in Oldenburg unterwegs und nach einigen Bieren erzählte ich meinem Bruder, dass eigentlich Alan Tecchio das Lied singen müsse, aber das sei ja wohl unmöglich. Seine Antwort im Stile von Walter Sobchak aus Big Lebowski: "Du brauchst Tecchio? Ich besorg dir Tecchio! Is' mein Facebook-Kumpel." So ging es dann weiter. "...mehr als "Nein" sagen kann er ja nicht!" Am nächsten Tag rief mich dann mein Bruder an. Er habe ihm das Lied geschickt (ich war bis dahin noch nicht bei Facebook). Alan sei interessiert und wir sollten mal Kontakt aufnehmen. Das hab ich dann gemacht und war natürlich sehr aufgeregt, denn wir sprechen hier nicht über irgendwen, sondern Alan Tecchio.

Wie und wann ist die Idee zu LEVEL FIELDS entstanden
?

Das war sozusagen ein schleichender Prozess. Ursprünglich wollte ich nur 'Enough' von Alan einsingen lassen. Das war auch nicht ganz umsonst, aber das war mir die Sache wert. So etwas hat man für die "Ewigkeit". Mir war auch noch nicht klar, wie und wann ich den Song veröffentlichen wollte. Ich habe auch versucht, das Lied selber zu mischen und zu mastern. Das ist aber wirklich eine Kunst für sich. Deswegen hab ich Alan gefragt, ob er jemanden kennt, der das günstig übernimmt. Er schlug Jon Ciorciari vor, der auch AUTUMN HOUR gemischt hat. So nahm das Ganze dann professionelle Züge an. Ich habe Alan dann noch ein zweites Lied geschickt. Er meinte zwar, er habe keine Zeit dafür, da er gerade an der Solo-Scheibe von Mike LePond arbeite, aber er könne es sich ja einmal anhören. Daraus ist dann 'Disowned' entstanden. Ab diesem Zeitpunkt war dann klar, dass mehr daraus werden könnte. Wir haben uns dann Gedanken über einen Namen gemacht und das hat wirklich ewig gedauert. Jeder nur denkbare Name ist vergeben und durch eine Internetseite dokumentiert. Jemand sagte aus Spaß: "Nennt euch doch Fifty:Fifty, ein Deutscher, ein Amerikaner." Selbst so ein Name, der natürlich nie in Frage kam, war vergeben. Alan kam dann mit Level Playing Fields, woraus dann LEVEL FIELDS wurde. Ein Freund von mir, der früher schon sämtliche Logos zeichnen konnte (z.B. das komplette Cover der ersten WATCHTOWER-EP), entwarf dann das LEVEL FIELDS-Logo. Ohne Geld dafür zu verlangen. Auch das gibt es noch.

Hattest Du beim Komponieren einen bestimmten Sänger im Hinterkopf?

Im Unterbewusstsein hatte ich das wohl. Ich hab die Lieder in Cubase nämlich unter R.T.L. eingeordnet, wobei R.T.L. für Reason To Live steht, einem NON FICTION-Song. Ich hatte die Idee, sollte ich mal ein anderes Projekt als POVERTY'S NO CRIME haben, es Reason To Live zu nennen.

Wolltest Du ursprünglich gar nur instrumental arbeiten?


Nein, das hatte ich nie im Sinn. Dass am Ende Alan Tecchio die Lieder singt, hätte ich aber auch nie für möglich gehalten. Letztendlich ist es der Gesang, der Riffs zu Songs macht.

Wie muss man sich Eure Zusammenarbeit konkret vorstellen? Du schreibst die Musik und schickst sie ihm?

Ja, so ist es. Das Netz bietet eben auch viele Vorteile. Ich arrangiere und schreibe die Musik zu Hause an meinem Rechner und schicke sie zu Alan. Manchmal ändern wir noch etwas, damit es mit dem Gesang besser passt. In einem Proberaum würde so etwas natürlich besser funktionieren, aber das ist eben unrealistisch. Aber die Möglichkeit zu haben, mit Alan zusammen Musik zu kreieren, ist einfach großartig und so nur durch das Internet möglich. Stell dir vor wir müssten uns noch Kassetten hin und her schicken.

Die Texte und Textideen stammen alle von Alan? (inklusive des kleinen "Poverty No Crime"-Wortspiels?)

Ja, alle Texte stammen von Alan. Da misch ich mich auch gar nicht ein. Ich war schon immer ein großer Fan seiner Texte, besonders seiner Wortspiele. Manchmal gehen unsere Ansichten ein wenig auseinander, das ist aber dem kulturellen Unterschied zwischen einem Amerikaner und einem Deutschen geschuldet. Musikalisch und menschlich sind wir aber auf einer Linie (sofern man das bei so einer "Fernbeziehung" sagen kann, persönlich getroffen haben wir uns leider noch nie).

Die Musik ist aktuell "nur" digital verfügbar. Das ist natürlich völlig untrue. Für die völlig altmodischen Nerds unter uns: Erkläre doch mal bitte, wie das konkret abläuft. Was "verdient" der Künstler beim Erwerb eines Downloads? Wie gut verkaufen sich Eure Songs aktuell? Kann man sagen, dass es geographische Schwerpunkte für diese Musik gibt?

Das ist wahr. Der Metal hat ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein. Das habe ich auf eindrucksvolle Weise auf dem K.I.T. 2013 gelernt. Durch das Verteilen von Underground-kompatiblen, durch den Kopierer gejagten schwarz-weißen Flyern bin ich mit einigen Leuten ins Gespräch gekommen. "Ahh, Alan Tecchio, geil! Gibt es das auch auf CD, oder besser noch Vinyl? Dann würd ich das sofort kaufen. Nur als Download? Nee, so'n Scheiß mach ich nicht." So waren ungefähr vier von fünf Kommentaren. Das habe ich ein wenig unterschätzt. Zu Beginn sollte es ja nur ein Song werden. Dafür eine CD pressen lassen, was mit sehr hohen Kosten verbunden ist, schien mir übertrieben. Zumal Singles und EPs in der heutigen Zeit völlig chancenlos auf dem Markt sind. Alan und ich waren uns einig, den digitalen Vertriebsweg zu wählen. Das hat auch große Vorteile. Man ist nicht an ein Album-Konzept gebunden. Für jeden Song kann der passende Sound gefunden werden. Man kann den Sound mit jedem Song verbessern, indem man aus den Fehlern des letzten lernt. Sobald ein Song fertig ist, kann er veröffentlicht werden und man muss nicht warten, bis das ganze Album fertig ist. So gibt es also ständig neues Futter.
Klar, eine Produktion auf einer analogen Bandmaschine, direkt auf Vinyl gepresst klingt natürlich besser. Das kann sich aber kein normal sterblicher Musiker mehr leisten. Aufgenommen wird mit ProTools oder anderen digitalen Plattformen. Damit ist schon alles digital und der Soundverlust zu einer hochwertigen MP3 ist kaum noch hörbar. Durch die modernen Aufnahmemöglichkeiten wie mit Cubase oder sogar Garage Band hat jeder die Möglichkeit Musik in guter Qualität zu produzieren. Und sollte ich mir die Möglichkeit, mit Alan Tecchio Musik zu machen entgehen lassen, nur weil die digitale Kiste nicht ganz "true" ist? Ich glaube nicht. Daher sehe ich die "Verteufelung" der digitalen Produktionsweise etwas skeptisch.
Außerdem ist man völlig unabhängig von irgendwelchen Terminen. Die Rechte am Lied bleiben zu 100% bei uns. LEVEL FIELDS vertreibt seine Songs durch recordJet. Das ist ein digitaler Verlag, der dafür sorgt, dass es die Songs bei allen gängigen Plattformen gibt. Dafür zahle ich eine kleine Gebühr und erhalte 100% z.B. der iTunes-Einnahmen. Das sind ungefähr 50 - 70 Cent pro verkauftem Song. Allerdings gehen die Verkäufe nicht gerade durch die Decke. Da fehlt einfach die Live-Präsenz und die Marketing-Maschinerie einer Plattenfirma. So schön es auch ist, alles selber in der Hand zu haben, nur durch das Pflegen einer Facebook-Seite kann man sich am Markt schwer etablieren. Deswegen wäre ein Plattenvertrag natürlich sehr von Vorteil. Das wäre dann der nächste Schritt.
Geographische Schwerpunkte gibt es: Deutschland, USA, Österreich. Geld verdienen wir damit allerdings nicht. Wie so oft heutzutage buttern wir da Geld rein. Mixen und Mastern kostet leider Geld. Es ist also ein reines Minusgeschäft, aber das ist mir die Sache wert! Die "Verdienste" über spotify sind, nebenbei bemerkt, natürlich auch lächerlich.

Soll die Musik auch auf einem physischen Datenträger erscheinen? Label oder Eigenproduktion?

Eine "richtige" Veröffentlichung wäre großartig. Bis jetzt hat sich aber noch niemand gemeldet, bzw. ich habe in diese Richtung noch nicht besonders viel Energie gesteckt, da wir noch keine vollständige CD-Produktion vorliegen haben. Allerdings wird demnächst das vierte Lied erscheinen. Ein weiteres ist in Arbeit und als Überraschung sitzen wir an einer Cover-Version. Alan hat große Lust an LEVEL FIELDS weiterzuarbeiten und sieht das jetzt auch eher als Band. Diese Aussage hat mich natürlich besonders gefreut. Das bedeutet also, dass die Weichen für eine "richtige" CD mit Cover und Texten und allem Schnick und Schnuck zumindest schon mal in die richtige Richtung gestellt sind. Jetzt muss sich nur noch jemand finden, der die Songs auch so klasse findet wie wir und bereit ist, das zu veröffentlichen. Da wären Labels gerade das Richtige, da diese einfach über mehr Kontakte verfügen und für eine professionelle Pressearbeit sorgen können.

Da ihr mit Theo (dr., ebenfalls POVERTY'S NO CRIME) und Clint (bs., AUTUMN HOUR) jetzt auch eine Rhythmussektion habt, stellt sich natürlich die Frage, ob LEVEL FIELDS als Band geplant ist? Sind überhaupt Liveoptionen möglich?

Wie oben erwähnt, sehen Alan und ich uns bereits als Band. Clint hatte einfach Lust, mitzumachen, nachdem er mit Alan gesprochen hatte. Theo hat immer Lust zu spielen und war gerne bereit, die Drums beizusteuern. Wir müssen mal sehen, wohin die Reise geht, da wir ja alle auch noch andere Projekte am Start haben, insbesondere Theo.
LEVEL FIELDS ist für mich gerade eine sehr spannende Geschichte, zumal Alan ja auch ein Held meiner Jugend ist. Besonders NON FICTION hat mich sehr inspiriert. Ich hoffe, dass wir so als komplette Band zusammenbleiben können.
Auftritte sind logischerweise sehr schwer zu realisieren. Die Entfernung ist einfach zu groß. Ich habe allerdings Hoffnung. Kein Land ist so Metal-begeistert wie Deutschland. Auf dem nächsten KIT spielt HEATHENS RAGE (mit Alan am Gesang). Die haben eine EP 1986 veröffentlicht. Da findet sich vielleicht auch jemand, der einen LEVEL FIELDS-Gig realisieren möchte. Das wäre ein Traum!

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Redakteur:
Holger Andrae

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