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MACHINE HEAD: Interview mit Dave McClain

10.12.2011 | 10:08

MACHINE HEAD machen auf ihrer "The Eight Plague-Tour" Halt in Hamburg. Ein Interview mit Dave McClain über die Tour, das neue Album "Unto The Locust" und das Schlagzeugspielen.

Hi Dave, wie geht’s dir heute?

Mir geht es sehr gut, ich kann mich nicht beschweren. Wir sind seit einer Woche auf Tour, es läuft sehr gut!

MACHINE HEAD waren bisher in Schweden, Norwegen, Finnland and Dänemark. Wie waren die Shows?

Es war fantastisch! Wir starteten in Oslo, was großartig war. Schweden war unglaublich, dann ging es weiter nach Finnland - klasse! - gestern waren wir in Kopenhagen, Hamburg ist also unsere erste Show in Deutschland. Wir freuen uns sehr drauf.

Ihr habt bereits öfters in Hamburg gespielt. Was gefällt euch besonders an der Stadt?

Ja, das stimmt. Wir haben sehr oft in Hamburg und dieser Umgebung mit der Reeperbahn gespielt. Hamburg ist eine dieser Städte, in der die Shows immer toll sind, die Leute scheinen sehr bodenständig zu sein. Wenn man eine tolle Show bietet, drehen sie total durch. Es war immer toll in Hamburg.

Heute hören wir BRING ME THE HORIZON, DARKEST HOUR und DEVIL DRIVER als Support Acts. Habt ihr die Bands selbst ausgewählt?

Ja, absolut, das versuchen wir immer zu machen. Wir haben eine Bookingagentur, die uns zwar sagt, welche Bands zur Verfügung stehen, aber wir versuchen immer ein Package zusammen zu suchen, das wir als Band auch gerne sehen würden. DARKEST HOUR kennen wir noch nicht sehr lange, aber wir wollten schon immer mal gemeinsam auf Tour gehen, was bisher noch nie zustande kam. Wir spielen nun gemeinsam in Europa und dann in Amerika. DEVIL DRIVER kennen wir durch COAL CHAMBER seit 2003, wir sind also alles Freunde. Mit BRING ME THE HORIZON wollten wir etwas anderes zum Package einbringen, da wir bereits drei Metalbands zusammen hatten.

Wofür steht MACHINE HEAD in 2011?

Ich glaube, dass wir nie für etwas gestanden haben. Wir sind nur eine Metalband, die gute Musik machen und eine gute Zeit gemeinsam als Band verbringen möchte. Das ist alles sehr frei und personenbezogen. Metal man, just Metal!

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album "Unto The Locust". Kannst du den Songwritingprozess erläutern? Und was war deine Rolle als Drummer ?

Wir haben mit dem Schreiben einige Monate nachdem wir die dreijährige Tour für "The Blackening" beendet haben, angefangen. Wir wussten nicht wirklich, wo uns das Songwriting hinführen würde, was passieren könnte. Rob und ich kamen als erstes zusammen und er hatte bereits für den Song 'This Is The End' fast alles fertig. Der Song ist super schnell und sehr thrashig und setzte in gewisser Weise den Maßstab für die anderen Tracks. Von dort aus machten wir dann weiter. Wir schreiben nie unterwegs, wir warten immer bis zum Ende der Tour. Wir schreiben zwar hier und da mal was auf, setzen die Songs aber erst zusammen, wenn wir zu Hause sind. Ich, Rob und Phil schreiben die Musik gemeinsam. Ich komme mit 30 bis 40 Parts zu Rob, der sich dann alles anhört und Phil bringt sich genauso ein. Wir schreiben also im Übungsraum, was im Vergleich zu anderen Bands, die auf ihrem Laptop schreiben, sehr "old school" sein mag. Wir kommen im Übungsraum zusammen und bringen die Puzzleteile in Verbindung.

Was unterscheidet "Unto The Locust" zum vorherigen Release "The Blackening"?

Wir sind definitiv an "Unto The Locust" mit dem Anspruch rangegangen, dass wir nicht ein weiteres "The Blackening" machen wollten. Den Fortschritt, den wir von "Through The Ashes" über "The Blackening" bis zu diesem Album gemacht haben, ist ganz natürlich für uns. Wir haben uns noch mehr auf das Songwriting fokussiert, um die Songs in verschiedene Richtungen zu bringen. Wir wollen nicht die gleiche Scheibe zweimal machen und wie ich schon sagte, wir haben keine Vorgaben wie unsere Musik klingen muss. Wir fangen an zu schreiben und das ist, was rauskommt. Jemand, der die letzten drei Alben anhört, wird definitiv hören, welches davon älter ist und welches fortschrittlicher.

Kannst du das CD-Cover-Koncept erklären?

Der Song 'Locust' ist eine Metapher für einen bestimmten Persönlichkeitscharakter. Jeder trifft vielleicht auf so einen Persönlichkeit in seinem Leben, vielleicht die Freundin, die einen wieder verlässt und alles auf einmal zerbricht. Wir hatten die Idee, dass die Heuschrecke sich in so eine Person verwandelt.

Was ist der wichtigste Aspekt bezüglich des Schlagzeugspielens in MACHINE HEAD?

Dicke Haut (Dave zeigt mir seine aufgespielten Hände)! Rob und ich schreiben viel zusammen, wobei er eine andere Perspektive auf das Schlagzeuspiel hat, die unter Umständen nicht sehr technisch ist, da er viele Ideen nur im Kopf hat und darum oft einfacher zu spielen sind. Andererseits kommt er auf Sachen, die mir niemals in den Kopf kommen würden. Ich denke oft wie ein Schlagzeuger spielen würde und er gibt mir eine andere Perspektive. Über all die Jahre mit MACHINE HEAD versuchte ich die Parts wie bei "The Burning Red" ziemlich basisch zu halten und nicht zu viel zu spielen. Wenn du an die letzten drei Alben denkst, spiele ich wieder mehr und gehe damit eher in die Richtung von Keith Moon oder Neil Peart. Was das neue Album betrifft, entstand vor allem ganz viel spontan. Wenn wir bisher ins Studio gegangen sind, hatte ich einen genauen Plan, was ich spiele, dieses Mal lief das Recording etwas anders. Wir haben ca. 25 verschiedene Versionen von einem Song aufgenommen, jedoch nicht mit unterschiedlichem Arrangements, ich habe den Song 25 Mal gleich eingespielt, um so die besten Parts von jeder Aufnahme zur Verfügung zu haben.

Wie bereitest du dich auf MACHINE HEAD-Show vor? Was sind deine Aufwärmübungen?

Ich wärme mich eigentlich gar nicht wirklich auf. Manchmal nehme ich mir die Sticks und spiele zum Beispiel Paradiddles, aber nur um nervöse Energie los zu werden. Ich habe ein elektronisches Schlagzeug Backstage, aber ich benutze es nicht um mich aufzuwärmen, ich sehe es eher als Spielzeug. Ich setze meinen Ipod auf und spiele zu den Songs. Aber ich wärme mich eigentlich nicht richtig auf. Ich hatte mal eine gewisse Routine, wo ich dann eine Stunde Sachen gespielt habe, aber ich finde, dass es eigentlich Zeitverschwendung ist. Ich gehe oft vor den Shows laufen, mindestens eine Meile, das Laufband steht auch Backstage.

Deine Double Bass Drums stehen im Vergleich zu anderen Drumsets sehr weit auseinander. Wie kam es dazu und wie kannst du sie beide bespielen?

Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht. Von vorne sehen sie weiter auseinander aus, als von hinter dem Set. Ich setze auch die Toms runter, aber nur für das Aussehen. Ich betrachte das Schlagzeug wie ein cooles Auto, das du gut aussehen lassen möchtest, aber auch funktionieren soll. Neil Peart hat dieses unglaubliche Drumset, auch Mike Portnoy hat ein riesiges Set - ich mag Schlagzeuger, die die Leute über ihr Schlagzeug Anteil haben lassen. Selbst wenn es ein fünfteiliges Kit ist, kann das cool aussehen. Mache etwas, das einzigartig und deins ist.

Was denkst du vom Metal-Genre heutzutage? Stagniert es oder ist es immer noch innovativ und am Wachsen?

Ich finde, dass es momentan sehr gut läuft. Es gibt viele tolle und unterschiedliche Bands da draußen, wie die Band GHOST zum Beispiel, die sehr abwechslungsreich, klar und melodisch sind und andererseits gibt es Bands wie ALL SHALL PERISH, die einfach verdammt verrückt sind: verrücktes Gitarrenspielen, verrücktes Drumming, tödliche Vocals. Es gibt viel Tolles und so viel unterschiedliche Sparten, die ich auch nicht alle verstehe und wo ich auch nicht immer mithalten kann. Es wird alles etwas organischer, auch was das Recording betrifft: die Bands nehmen wieder Sachen auf, die sie auch spielen können.

Redakteur:
Jakob Ehmke
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