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MAJALIS: Bandvorstellung und Interview mit Jonas Martinsson

11.12.2013 | 07:48

Düster, getragen, bedeutungsschwer - MAJALIS und das Gegenteil der Göteborg-Schule

Es muss nicht zwangsläufig schneller Melodic Death sein, was aus dem Land der weiten Wälder, Elche und blau-gelben Möbelhäuser an musikalischen Schwergewichten auf den europäischen Kontinent herüber schwappt. MAJALIS heißt eine noch junge Formation aus dem kleinen Örtchen Falun und entstand aus einem Nebenprojekt der beiden IN MOURNING-Gitarristen Tobias Netzell und Björn Pettersson. Im Juni, quasi pünktlich zu Mittsommer – und somit im scharfen Kontrast zu den weißen Nächten –, erreichte uns heuer "Cathodic Black", die Debüt-EP der nun mehr vier skandinavischen Musiker. Obwohl die Kurzspielplatte nur drei Songs aufweist, hinterließen die elegisch-schwermütigen Nummern nachhaltigen Eindruck beim Autor dieser Zeilen. Diese bleierne, nachdenkliche Stimmung, die ebenso schlichten wie feierlichen Kompositionen sowie die urgewaltige Energie, welche 'Rusting Sun', 'Altar' und 'Tooth And Bone' ausatmen, suchen genreübergreifend Ihresgleichen.

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Von besagter EP und den Wurzeln der Bandmitglieder abgesehen war MAJALIS bislang allerdings noch ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Unser Interview mit Schlagzeuger Jonas Martinsson soll daher ein wenig Licht ins Dunkel bringen. "Nun, was soll ich sagen – genau genommen ist MAJALIS schon recht alt", beginnt Jonas unser Gespräch. "Vor fast sieben Jahren haben sich Björn und Tobias zusammen getan und einige langsame, doomig-dunkle Ideen aufgeschrieben. Das heutige Lineup allerdings gibt es erst seit etwas über einem Jahr. MAJALIS war schlicht und ergreifend ein eher unbedeutendes Nebenprojekt, bis wir uns entschlossen, mit "Cathodic Black" nun doch mal eine EP rauszubringen."

Aus meiner Sicht ist durchaus erwähnenswert, dass "Cathodic Black" etwas schlichter, eingängiger daherkommt als die zunächst nicht unähnlichen IN MOURNING-Veröffentlichungen. Nichtsdestotrotz ist die Platte verblüffend reich an dunklen, getragenen Melodien, tief verwurzelt im klassischen Metal und zugleich auf eine schlichte Art und Weise progressiv. "Es verhielt sich tatsächlich wie du sagst: Wir wollten etwas machen mit dunklen, getragenen Melodien, durch und durch metallisch, aber eben auch progressiv. Zudem war Doom im Grunde als Wegweiser vorgegeben, und mit dem Ergebnis sind wir wirklich zufrieden. Es freut uns sehr dass die Scheibe nun so gut ankommt. Das ist einfach die Art von Musik die uns gefällt, mit der wir uns beschäftigen wollen."

Fragen bezüglich des lyrischen Inhaltes von "Cathodic Black" weicht Jonas aus: "Was MAJALIS bedeutet? Die Deutung überlassen wir vollständig unseren Hörern. Und unsere Texte sind ausgelegt für jegliche Art von Interpretation." Mehr ist diesbezüglich von den Schweden also nicht in Erfahrung zu bringen. Etwas mehr Auskunft gibt Jonas zur Herkunft der vier Musiker: "Jeder von uns hat von Kindesbeinen an unzählige Stunden an Musikinstrumenten verbracht. Die anderen drei stammen aus einem Ort namens Dalecarlia, in der Mitte von Schweden, während ich im Süden groß geworden bin, bevor ich vor acht Jahren ebenfalls hierher kam. Neben MAJALIS spielen wir noch in diversen anderen Bands." Nämlich? "IN MOURNING, IKHON und ME THE TIGER. Für mich selbst waren IN MOURNING und IKHON schon über lange Jahre hinweg große Inspirationsquellen, und ich fühle  mich sehr geehrt, mit diesen großartigen Menschen aus beiden Bands spielen zu können. Aber davon abgesehen höre ich selbst eine große Bandbreite an Musik, vom dunkelsten Metal bis zum sanftesten Pop."

Musik als Beruf, als Berufung, als Lebensinhalt? "Wie pflegte einer meiner früheren Bandkollegen zu sagen? "Musik ist mein Atemgerät, zieh niemals den Stecker!" Musik bedeutet mir sehr viel, und Musik war schon immer da in meinem Leben, seit ich ein kleines Kind war. Darauf war immer Verlass." Auf einen Vergleich heutiger Musikgrößen mit den berühmten Komponisten der Klassik will sich Jonas allerdings nicht einlassen, weicht abermals aus, und so findet unser Gespräch schnell zurück in die Gegenwart und zu den aktuellen Plänen von MAJALIS: "Bislang haben wir nur eine einzige Show gespielt. Wir würden gerne ausgiebiger auf Tour gehen, aber das müssen wir natürlich mit unseren Familien sowie den anderen Bands in Einklang bringen." Und wäre das Leben ein Wunschkonzert... "...würden wir am liebsten mit CULT OF LUNA die Bühne teilen. Das wäre eine riesige Ehre für uns!"

Aber wie sieht es denn nun konkret aus, mit einem vollwertigen Nachfolger für "Cathodic Black"? Darf man da als Fan überhaupt etwas erwarten, oder bleibt MAJALIS für alle Zeiten ein Nebenprojekt? So richtig scheint die Band selbst noch nicht zu wissen, wohin die Reise gehen soll. "Wir wollen mittelfristig schon ein Album veröffentlichen. Es ist nur momentan unmöglich zu sagen wann das sein wird. Wir haben unsere Bands, einige von uns haben Nachwuchs daheim... Wir lieben es aufzutreten, Musik zu machen, sowohl mit MAJALIS als auch mit den anderen Bands. Eigentlich kann ich nur die langweiligste aller Antworten geben: Die Zukunft wird es zeigen." Unsere Leser möchte Jonas aber nichtsdestotrotz für MAJALIS erwärmen: "Wer auf dunkle, getragene, atmosphärische Musik mit Doom-Anleihen und Post-Rock-Elementen steht, sollte sich von und mit MAJALIS behandeln lassen, gerade jetzt wo die Nächte lang sind und es draußen kalt und finster wird. Ihr findet uns ganz einfach, indem ihr "majalismusic" googelt."

Ende November spielte MAJALIS auf dem Trondheim Metalfest, und die Stimmen derer, die mehr von den Post-Rockern hören wollen, mehren sich. Ob sie erhört werden, steht bislang aber noch auf einem anderen Blatt.

 

cover cathodic black

Redakteur:
Timon Krause

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