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MANTAR: Interview mit Hanno

20.05.2014 | 06:36

Auch ein Hobby kann harte Arbeit sein

Mit "Death By Burning" hat das Hamburger Duo MANTAR einen fiesen Brocken doomig-schwarzmetallischen Lärms auf die Menschheit losgelassen und eine Menge Staub aufgewirbelt. Höchste Zeit, dass Gitarrist und Sänger Hanno (im Bild links - RP) uns etwas seiner wertvollen Zeit für ein paar Fragen und Antworten opfert.

Hallo Hanno, schön dass du dir die Zeit genommen hast. Sag mal, bist du gerade unterwegs?

Ja, ist der Wind etwa zu laut? Ich habe momentan sehr viel zu tun und nutze die Zeit zwischen Arbeit und Bandproben für solche Gespräche. Wir proben jeden Tag und da ich kein Fahrrad habe, laufe ich immer etwa 20 Minuten zum Studio, die ich dann mit Interviews zubringe.

Nein, kein Problem, lass uns also erst mal etwas über MANTAR sprechen. Euch gibt es ja noch nicht so lange, erzähl doch mal, wer ihr seid und warum ihr seid:

Also MANTAR, das sind wir zwei, Hanno, ich spiele Gitarre und singe und mein Kumpel Erinc, der singt etwas weniger und spielt Schlagzeug. Wir kennen uns schon ziemlich lange, so seit 16 Jahren und wollten schon immer eine Band zusammen gründen, das hat aber nie geklappt. Vor ein paar Jahren sind wir dann beide aus Bremen nach Hamburg gezogen und vor etwa anderthalb Jahren haben wir es dann endlich geschafft, zusammen Musik zu machen. Wir haben dann ein Album in Eigenregie aufgenommen, das offenbar vielen Leuten sehr gut gefällt, was uns dann doch etwas überrascht hat.


Ihr seid also nur zu zweit und da stellt sich natürlich die Frage, warum das so ist. Wolltet ihr keinen Bassisten, oder habt ihr keinen gefunden?

Also das war keine dogmatische Entscheidung, wir hätten durchaus noch mehr Leute in die Band genommen, wenn sich das ergeben hätte. Uns war nur wichtig, dass die Leute unsere musikalische Vision teilen und mit uns auf einer Wellenlänge liegen. Wenn es da jemanden in unserem Bekanntenkreis gegeben hätte, wäre auch ein Bassist oder sogar noch ein zweiter Gitarrist für MANTAR denkbar gewesen. Aber als wir dann angefangen haben, zu zweit zu jammen, hat sich das sehr schnell richtig angefühlt und eine ganz besondere Energie entwickelt und so haben wir uns gesagt, das passt so, wir spielen einfach so kraftvoll und hart wie möglich und machen das zu zweit. Auf dem Album klingt das gut und auch live hat sich noch niemand beschwert. Da müssen wir uns ja auch mit anderen Bands messen, die fünf oder sechs Leute auf der Bühne haben, aber das war bisher nie ein Problem. Insofern glaube ich nicht, dass sich das in der näheren Zukunft ändern wird.

Ist es ein großer Vorteil, dass ihr beide euch schon lange kennt und es so keine Egoprobleme in der Band gibt?


Ja, das ist natürlich super, wir beide kennen uns schon ewig und verstehen uns auch ohne zu reden, wir mussten uns noch nie darüber unterhalten, wo wir mit MANTAR hinwollen, das klappt einfach so. Das hätte man in einer Band mit drei oder vier Leuten nicht mehr unbedingt,  wo man Entscheidungen mit mehr Leuten abstimmen muss.

Ihr hattet ja auch das Glück, mit Svart bei einem Label zu landen, das einen sehr guten Ruf hat, wie lief das?

Ja, Svart ist wirklich eines der wenigen Label, bei dem die Leute auch blind die Sachen kaufen, einfach weil sie wissen, dass es eben bei einer Plattenfirma rauskommt, der sie vertrauen, dass es keine Scheiße ist und glücklicherweise merken sie dann bei uns, dass es auch tatsächlich keine Scheiße ist. Wir haben direkt mit mehreren Labeln geredet, auch größeren Firmen aus den Staaten und so, aber letztendlich sind wir froh, uns für Svart entschieden zu haben, da uns das viele Türen öffnet und die uns auch überhaupt nicht reinreden und wir einen sehr fairen Deal haben. Allein die Tatsache, dass wir als erste deutsche Band dort sind und das direkt mit unserem Debütalbum, das lässt viele Leute aufhorchen und macht unseren Namen auf jeden Fall bekannt.


Okay, kommen wir mal zur Musik. Ihr spielt ja einen sehr brutalen Sound und scheint gerade auch auf den Klang Wert zu legen, andererseits wirkt es, als würde vieles eher aus dem Bauch heraus entstehen, hattet ihr von vornherein einen Plan, oder wie hat sich der Stil bei euch entwickelt?

Also wir hatten keinen Masterplan, wir sind einfach in den Proberaum gegangen und haben gesagt, wir spielen einfach so hart, wie wir können, dass es für uns noch erträglich ist. Ich steh ja auf Doom und Black-Metal-Sachen, aber es war von Anfang an klar, dass wir keinen Drone und Elfminüter machen wollen. Die Songs sollten in sich eine gewisse Härte haben, aber eben auch nicht ausufern.
Vieles hat sich dann auch einfach von selbst ergeben, gerade auch, weil wir nur zu zweit sind. Da hat man ja keine zweite Gitarre, die eine Melodie spielen kann, oder einen Bass, der Druck macht, wenn man ein Solo spielt, sondern da muss die Gitarre einfach die ganze Zeit Alarm machen.

Im Vergleich zu ähnlich gelagerten Bands habt ihr aber eine recht große stilistische Bandbreite auf dem Album, von Doom über rockige Sachen hin zu Black Metal ist da vieles drauf, wie kam das?

Ja, das kam eigentlich auch recht spontan, vielleicht auch, weil wir unterschiedliche Sachen hören, gerade Erinc hört wesentlich weniger Metal als ich. Er bringt das rockige ein und macht die Songs in sich greifbarer. Ansonsten wird halt gespielt, was Spaß macht. Wir reden im Proberaum nicht, sondern jammen eigentlich nur, da fließt dann natürlich auch ein, was man gerade so privat hört. Das ist auch das erste Mal, dass ich das erlebe, dass man tatsächlich alle Songs aus Jams heraus entwickelt und nicht reden muss. Wenn wir einen Part einfach eine Stunde spielen, dann merken wir halt, der ist gut und dann kommt der eben aufs Album.

Ihr jammt also viel, wie entstehen daraus dann die einzelnen Songs, nehmt ihr die ganzen Proben auf und schneidet danach zusammen?


Ja, wir schneiden sehr viel mit und ansonsten, wenn wir merken, wir haben da ein besonderes Riff, einen Beat oder eine Melodie, dann wird das halt schnell aufgenommen, mit dem Handy oder so und wenn wir das Gefühl haben, wir haben genug Material, dann setzen wir die einzelnen Parts zu einem Stück zusammen, das ist relativ unglamourös.

Wie macht ihr das dann mit den Texten, wann schreibt ihr die?

Die Texte entstehen erst am Ende. Ich meine, ich bin selbst kein Native-Speaker, auch wenn ich recht gut Englisch spreche, denke ich ja nicht auf Englisch. Deshalb arbeite ich viel mit Slogans, Wörtern und Sätzen, die einfach gut klingen und die ich so im Kopf habe. Um die baue ich dann Sachen drum herum. Vor den Aufnahmen habe ich dann mein großes schwarzes Buch genommen und die einzelnen Fragmente zu Texten zusammengesetzt. Wir haben ja keine politische Agenda oder Message, also geht das recht gut.

Wie habt ihr dann aufgenommen? Die Platte klingt ja sehr rau und direkt, habt ihr das live eingespielt?

Ja, wir haben das recht entspannt gemacht. Wir haben bei einem Kumpel aufgenommen, in dessen Studio wir auch proben, der hat die Knöpfchendreherei übernommen und produziert habe ich das ganze. Wir wollten das es so klingt, wie wir auch live und im Proberaum klingen, haben deshalb auch das gleiche Equipment genommen und uns nicht extra tolle Sachen für die Aufnahme geliehen. Dann haben wir die Sachen einfach ohne Netz und doppelten Boden eingespielt, haben sehr wenige Dopplungen und ähnliches genutzt und ich finde, dass hört man der Platte auch an.


Es scheint euch sehr wichtig zu sein, alles in der eigenen Hand zu haben.

Ich meine, machen wir uns nichts vor, das ist ja keine radiotaugliche Musik mit der man Millionen Platten verkauft und dann will ich auch alles so haben, wie ich das will und keine Kompromisse mit Produzenten oder so eingehen. Das kostet auch alles Geld und Geld haben wir nicht. Da haben wir auch ein bisschen die Not zur Tugend gemacht. Aber ich habe auch den Eindruck, dass die Leute das schätzen. Diese Do-It-Yourself-Ethik ist uns sehr wichtig und wenn uns Leute schreiben, lese ich da oft, dass sie das gut finden, dass wir das so ohne Masterplan, aus dem Bauch raus und alles selbst gemacht haben.

Das Album ist jetzt erschienen, habt ihr schon konkrete Pläne für eine Tour und wie es weitergehen soll?

Ja, zuerst standen ein paar einzelne Festivals an, "Hell Over Hammaburg" und "Droneburg" hier in Hamburg und Roadburn, was natürlich ein echter Killer war. Im Sommer kommen dann noch einige Sommerfestivals und Konzerte, über die ich noch nicht so viel sagen, kann, aber momentan ist echt viel los. Natürlich arbeiten wir auch schon an neuem Material und würden, wenn alles klappt, gerne dieses Jahr noch neue Musik aufnehmen. Wir treffen uns ja nicht nur einmal in der Woche zum Proben, sondern hängen echt viel im Proberaum ab und haben deshalb einen großen Output. Da muss man natürlich auch aufpassen, dass man nicht ausbrennt. Momentan läuft es halt super, aber nur weil ein paar Leute sagen, du hast eine geile Platte gemacht, darf man sich da nicht zu viel Druck machen. Es wird auch wieder eine Zeit kommen, in der weniger los ist und da will ich mir den Spaß an der Sache erhalten. Wir sind ja auch keine 18 mehr und mit über 30 gründe ich keine Band mehr, um Rockstar zu werden. Gerade am Anfang spielt man viele Konzerte, bei denen man kein Geld kriegt, fährt lange Strecken und steckt einfach eine Menge Arbeit rein, da soll der Spaß halt nicht verloren gehen.

Wie geht ihr mit der momentanen Aufmerksamkeit so um?

Das ist auch gar nicht so einfach, muss man sagen. Momentan geht das ja echt groß ab, die Platte wird weltweit besprochen und kommt sehr gut weg. Wenn man dann in England und in den Staaten so dick stattfindet und die Leute von überall schreiben und du viel Merchandise verkaufst, dann dauert es nur ein paar Tage und dann glaubst du, das sei normal. Ich möchte halt nicht, dass ich dann in ein paar Jahren die Lust verliere, nur weil mir mal niemand Zucker in den Arsch bläst, da muss man echt aufpassen. Ich meine, wir dachten, wir nehmen das für uns auf, machen eine Platte, stellen die als Download ins Netz und machen 50 Tapes für ein paar Freunde. Dass es jetzt doch etwas mehr geworden ist, darüber sind wir sehr glücklich, aber man darf auch nicht vergessen, dass wir da viel Arbeit reingesteckt haben. Das ist zwar ein Hobby, aber wir gehen da schon sehr - ekliges Wort - professionell ran und haben sehr viel Arbeit und Zeit reingesteckt. Dass es jetzt so gekommen ist, ist natürlich umso schöner und wir grinsen momentan eigentlich die ganze Zeit.

Dann hoffen wir mal, dass die gute Laune bei MANTAR anhält und wünschen weiter viel Erfolg.

Redakteur:
Raphael Päbst
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