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MEGADETH: Interview mit David Ellefson

19.02.2016 | 15:02

"Dystopia", so heißt also nun der neuste MEGADETH-Streich, der nicht nur um einiges knackiger und effektiver ausgefallen ist als "Super Collider", sondern sicherlich auch zu den besseren Alben der jüngsten MEGADETH-Geschichte gehört. Dave ist gut bei Stimme, der Sound ist hervorragend und die Songs machen Lust und Laune auf die im Juni anstehende Tour. So stand uns niemand Geringeres als Mr. David Ellefson Rede und Antwort rund um die neue Scheibe, den direkten Vergleich zum Vorgänger sowie jene Tour, die die Urgesteine auch durch Deutschland führt.

Und gleich zu Beginn des Gesprächs kann David seine Freude über "Dystopia" nicht verbergen. "Nun, wir haben ziemlich viel und hart an dem Album gearbeitet und das für uns wirklich Aufregende dabei ist, wie es unsere Fans aufnehmen und sich dazu äußern. Aber normalerweise war es bisher immer so, dass wenn wir das Album mögen, unsere Fans es uns gleichtun. Und "Dystopia" ist ein wunderbares Beispiel für eine Platte, die wir unheimlich mögen."

Es dürfte auch keinem Fan entgangen sein, dass sich mit Chris Adler von LAMB OF GOD und Kiko Loureiro zwei neue Namen im MEGADETH-Line-up wiederfinden. David verrät uns die Hintergründe, wie sich die Beiden ins Bandgefüge integrieren konnten und warum eine mögliche Zusammenkunft mit Menza und Friedman wahrscheinlich nicht sonderlich sinnvoll geworden wäre. "Vor knapp einem Jahr kamen wir von einer Show in Anaheim wieder und diskutierten über eine mögliche Reunion des "Rust In Peace"-Line-ups mit Marty Friedman und Nick Menza. Aber in gewisser Weise wollten wir uns auch weiterentwickeln und vorwärts kommen. Ironischerweise kam Dave vorher an und meinte, dass Chris Adler von LAMB OF GOD die neue Scheibe für uns eintrommeln würde. Und anstatt den Fokus jetzt auf eine mögliche Reunion zu lenken, wollten wir in erster Linie schlicht und ergreifend ein neues MEGADETH-Album machen. Als dann Chris die Drums einspielte, spürten wir sofort die Vitalität und Euphorie innerhalb der Band. Kurze Zeit später warf Dave dann auch den Namen Kiko Loureiro in den Raum. Das Lustige war, dass ich Kiko bereits vorher kannte, wir haben sogar schon einige Shows zusammen gespielt. Also rief ich ihn an und fragte, ob er für den Posten des zweiten Gitarristen bei MEGADETH verfügbar wäre. Und als wir mit ihm dann die ersten Male zusammenspielten, war wieder dieses frische Blut, diese Vitalität am Start. Als wir dann zu viert, zusammen mit Chris, das Album einspielten, fühlte es sich an, als hätten wir eine komplett neue Band gegründet. Das war schon ziemlich aufregend. In den Folgemonaten hatten wir bei den Gigs eine tolle Zeit, hingen miteinander rum, haben uns angefreundet. Da ist ein enorm cooler Vibe innerhalb der Band."

Und das hört man dem neuen Album auch an, es sprudelt vor guten Ideen, sozialkritischen Themen und messerscharfen Riffs, an die beispielsweise Neu-Gitarrist Kiko nicht ganz unbeteiligt war. "Eigentlich war der Großteil der Songs bereits geschrieben, als die Beiden in die Band stießen. Es mussten nur hier und dort einige Arrangements hinzugefügt werden. Aber Kiko brachte noch einen leicht intuitiven Touch in die Band: Hier ein paar Bridges, dort ein kleiner Piano-Einsatz. Er ist nicht nur ein wunderbarer Gitarrist, sondern Musiker im Allgemeinen inklusive entsprechendem Know-How. Sein Skill-Level ist einfach unglaublich. Er ist auch nicht gerade ein schüchterner Typ und das ist etwas, was MEGADETH braucht: Jemanden, der ein paar Schritte vorwärts anstatt rückwärts geht."

Zugegeben, obwohl "Super Collider" 2013 schon einige brauchbare Songs im Repertoire hatte, konnte man die leichte Enttäuschung der Fans retrospektiv ein wenig verstehen, wenn sie monierten, das Album sei zu melodisch, nicht catchy genug. Gingen die Mannen um Dave Mustaine denn an die Arbeiten von "Dystopia" anders heran als noch vor drei Jahren? "Zunächst haben wir uns die Zeit genommen, um wirklich in Ruhe an dem Material zu arbeiten. Die Songs auf "Th1rt3en" beispielsweise entstanden, als wir auf Tour waren. Und nach dem "Super Collider"-Album brauchten wir einfach einen kleinen Break, um dann anschließend unsere Köpfe für neues Material zusammenzustecken. Und du schreibst einfach andere Songs, wenn du dich nur auf die neue Platte konzentrieren kannst und eben nicht noch parallel tourst. Und bei "Dystopia" war das eben der Fall: Keine Tour, wir haben für die Platte alles zurückgeschraubt und unsere Live-Aktivitäten arg reduziert. Und Kiko und Chris brauchten natürlich auch ein wenig Eingewöhnungszeit. Und die Zeit nahmen wir uns und sie sich auch. Von daher denke ich, dass es ein wirklich gutes MEGADETH-Album geworden ist. Und ich denke, dass es uns die Fans auch verzeihen werden, wenn wir lieber sechs Monate mehr für ein Album brauchen, als alles etwas zu überstürzen. Zudem ist meiner Meinung nach auf "Dystopia" das drauf, was die Fans hören wollen. Die Fans wollen eben Kick-Ass-Songs wie beispielsweise 'Fatal Illusion'. Versteh mich nicht falsch, auch auf "Super Collider" waren tolle Stücke wie 'Burn!', 'Built For War' oder 'Dance In The Rain' drauf. Aber die Tatsache, die als erstes auffällt, ist eben, dass der Vorgänger etwas melodischer und simpler gestrickt war."

Besucher einiger rarer MEGADETH-Shows in den letzten Wochen konnten bereits vorab Songs wie 'The Threat Is Real' oder das knackige 'Fatal Illusion' hören. Wir fragten David nach den Reaktionen der Fans. "Die Reaktionen waren natürlich toll. Speziell für mich als Bassist ist 'Fatal Illusion' ein echt cooler Song, zumal wir innerhalb einer MEGADETH-Live-Show per se schon viele Stücke haben, wie beispielsweise 'Peace Sells', bei denen der Bass eine etwas signifikantere Rolle einnimmt. Und da wir generell in vielen Songs entsprechende Bass-, Gitarren- oder Drum-Features haben, brauchen wir bei den Shows auch keine 20-minütigen Soli mit einzubauen."

Aufmerksamen Hörern dürfte auch das FEAR-Cover aufgefallen sein, ein Song, der nicht nur vom Song-Arrangement, sondern auch der konzeptionellen Neigung her gut zu "Dystopia" passt, oder David? "Von den Lyrics und der Thematik her passt 'Foreign Policy' natürlich ziemlich gut in die Struktur von "Dystopia" als ein Teil der "Dystopia"-Erzählung. Musikalisch sind wir seit Jahren große FEAR-Fans. Ich kann mich dran erinnern, als wir während der "Peace Sells"-Tour so rumhingen, Bier tranken und dabei ziemlich viel FEAR hörten."

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, welche Wege MEGADETH nach "Dystopia" einschlagen wird. Zumindest macht uns David Ellefson schon den Mund wässrig, wenn wir ihn zu den Live-Aktivitäten in den kommenden Wochen und Monaten fragen. "Momentan arbeiten wir noch an der Bühnenaufmachung. Und natürlich gibt es auf "Dystopia" viele Stücke, die wir spielen könnten und auf die wir uns auch entsprechend freuen. Das neue Material brennt einfach darauf, auch live ausprobiert zu werden. Und Fans können auf jeden Fall davon ausgehen, dass es noch nie dagewesene MEGADETH-Shows dieses Jahr gibt."

Na, das hört sich doch fabelhaft an. Gute Laune also beim Bassisten, die in Anbetracht des wirklich coolen "Dystopia"-Albums und der neuen Energie im MEGADETH-Gefüge auch nicht verwunderlich ist. Wir wünschen der Mannschaft an dieser Stelle jedenfalls viel Erfolg bei den kommenden Shows und erfreuen uns, bis es soweit ist, am neuen Album samt Krachern wie eben 'The Threat Is Real' oder 'Fatal Illusion'.

Redakteur:
Marcel Rapp

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