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MEISEL, HUBI: Interview mit Hubi Meisel

01.01.1970 | 01:00

Mit "Cut" versucht sich der symphatische Bayer Hubi Meisel auf eigene Füsse zu stellen. Da mir "Cut" ziemlich gut gefällt, kam ich nicht umhin, mit Hubi ein Phoner auszumachen. Nachdem das Interview sich mehr und mehr zu einem Plausch entwickelte und über 2 Stunden ging, kam ich allerdings um diverse Kürzungen nicht vorbei :-). Hubi gehört jedenfalls zu dem Reigen der symphatischten Interviewpartner, die ich bisher am Telefon hatte. Doch lest selbst.

Georg:
Den meisten Lesern wird dein Namen wohl noch nicht so geläufig sein. Erzähl doch mal kurz was zu deinem musikalischen Werdegang.

Hubi:
Ich mach schon seit vielen Jahren Musik. Bisher habe ich in 5 unterschiedlichen Bands den Posten des Lead Sängers besetzt. Einige werden mich vielleicht von DREAMSCAPE her kennen. Mit DREAMSCAPE hatten wir 1999 die "Very" CD herausgebracht und waren auch mit AXEL RUDI PELL auf Tournee. Ansonsten habe ich jetzt mit der Solo Scheibe begonnen etwas Eigenes aufzubauen. Wobei ich mir schon vorstellen kann, auch in Zukunft andere Bands stimmlich zu unterstützen. Aber ich wollte jetzt eine Solo Karriere beginnen.

Georg:
Warum bist du bei DREAMSCAPE ausgestiegen?

Hubi:
Nun, wir hatten eigentlich mit der CD ziemlich Erfolg gehabt, die Scheibe kam saumäßig gut an. Aber wir haben irgendwie nicht mehr in die selbe Richtung gearbeitet und gedacht. Von da her war es wohl besser, daß wir uns getrennt haben.

Georg:
Deine Solo Scheibe "Cut" ist ja nun nicht wirklich proggig. Aber an sich wirst du schon im Prog Bereich bleiben?

Hubi:
Ich bin eigentlich nach wie vor ein Prog-begeisterter Musiker, aber ich wollte auf dieser CD den Leuten zeigen, daß ich nicht nur in dieser engen Schiene unterwegs bin. Ich mag eigentlich jede Art von Rock und Metal und wollte auf dieser CD andere Töne anschlagen.

Georg:
Wie kamst du dazu, wenn du dich schon selbst präsentieren willst, bestehende Songs zu covern, anstelle eigene Songs zu schreiben?

Hubi:
Ich habe vor, noch mehr CDs unter meinem Namen herauszubringen. Und ich hätte es wohl leichter haben können, wenn ich eigene Songs gemacht hätte. Diese Frage wurde mir jetzt schon sehr oft gestellt. Viele Leute unterstellen mir jetzt, daß ich unkreativ bin. Wie kann ein Solo Künstler covern, anstelle etwas Eigenes zu machen... Ich kann da nur sagen, daß ich schon immer diese Pop Hits in ein Metal Gewand packen wollte. Als ich in den 80ern mit den Songs in Berührung kam, dachte ich mir schon, daß diese Pop Songs eigentlich ziemlich cool waren, aber mir fehlten einfach die Klampfen. Und nachdem ich jetzt endlich beschlossen habe, Solo Wege zu gehen, war es naheliegend, mir zuerst diesen Jugendtraum zu erfüllen. Ich werde auch künftig nicht mehr covern. Aber es war ein Traum, den ich schon ewig habe und den ich jetzt abhaken kann.

Georg:
Wie kam die Songauswahl zustande?

Hubi:
Ich habe da über die Jahre mir Songs aufgeschrieben, die ich gerne machen würde. Am Ende waren es 15 Titel und davon habe ich mir 10 Songs rausgepickt. Und den RUSH Song habe ich gewählt, weil ich damit RUSH eine Hommage setzten wollte.

Georg:
Die CD hat aber nur 7 Titel.

Hubi:
Ja, ich hatte 10 Songs geplant und habe sie auch alle 10 aufgenommen. Ich habe mich vor der Produktion eingehend bei der GEMA informiert. Die Leute sollen selbstverständlich ihre Tantiemen bekommen, wenn ich ihre Lieder covere. Und man sagte mir es würde ausreichen, wenn ich die Urheber draufschreibe und die Songs anmelde. Ich habe dann munter drauf losproduziert und als ich fertig war wurde mir gesagt, daß dem eben doch nicht so sei. Ich habe jedem der Künstler bzw Manager die CD schicken müssen und 7 Wochen auf Antworten warten müssen. Letztendlich hat man mir 3 Songs untersagt. Ich find das sehr schade. Das Problem ist, daß ich die Songs nicht nachgespielt habe, sondern die Gesangsmelodien und Arrangements verändert habe. Dadurch habe ich die Songs bearbeitet und muß mir nun die Erlaubnis einholen.
Die 3 Songs waren nun leider auch mit die härtesten, grad KIM WILDE und DURAN DURAN haben richtig geschoben. Das Problem dabei ist halt auch noch, daß es egal ist ob du 7 oder 10 Songs auf der CD hast, die Unkosten sind die gleichen, aber du kannst für 7 Songs einfach nicht so viel verlangen und ich will die Leute ja auch nicht abzocken. Die Scheibe kommt jetzt halt für 10 oder 11 Euro in die Läden. Es war sehr schwer überhaupt einen Label zu finden. Den habe ich dann in MIEZ-Records mit Point als Vertrieb gefunden.

Georg:
Das ist dann natürlich schon ärgerlich.

Hubi:
Nun, es ist ja auch ganz verständlich. Wenn ich die Songs covere, dann verkauf ich die Scheibe maximal ein paar tausend mal. Wenn ein Pop-Fuzzi auf Viva den gleichen Song covert, dann verkauft er sich 50.000 mal. Also lassen sie doch lieber den Pop-Typen den Song covern, weil das mehr Kohle bringt.

Georg:
Und dann haste dir den Stress gemacht, jeden Künstler anzuschreiben.

Hubi:
Nun, ich habe halt zuerst den deutschen Subverleger angeschrieben und die haben es dann weitergeleitet. Oft ist es ja auch so, daß die Rechte gar nicht beim Künstler liegen. Z.B: der KIM WILDE Song gehört EMI. Und dann habe ich halt dort mit den Leuten von EMI reden müssen. Deswegen habe ich mich ja extra vorher bei der GEMA erkundigt. Bloß bekam ich leider die falsche Auskunft. Dabei hab ich 3 mal bei der GEMA angerufen. Zwei mal bekam ich von unterschiedlichen Leuten die Auskunft, daß es kein Problem sei und ich die Songs covern soll. Und der dritte sagte mir dann, daß dem doch nicht so sei.

Georg:
Und warum haste dann nicht noch 3 weitere Songs gecovert und dir vorher die Erlaubnis gesichert?

Hubi:
Nun, irgendwann hat man die Schnauze voll, ich habe eine Menge Geld in die Produktion gesteckt und dann kommt so was. Ausserdem bin ich ja kein Cover Sänger, ich wollte das einmal machen. Da hatte ich dann auch keinen Bock mehr auf noch mehr Songs. Auch wäre es schwierig geworden, die Besetzung nochmal aufzutreiben und nochmal ins Studio zu gehen. Da hab ich das halt gelassen. Eigentlich war die CD im September schon fertig. Und es hat dann nochmal 2 Monate wegen der Rechte gedauert und dann nochmal versucht Labels aufzutreiben. Aber mit 7 Songs haste da keine Chance. Mit 10 Songs hatte ich ja schon ein paar Angebote. Und einfach alle 10 rausbringen wollte ich auch nicht. Dazu bin ich dann doch zu ehrlich.

Georg:
Hast du vor mit "Cut" auf Tour zu gehen?

Hubi:
Nein, definitiv nicht. Zum einen sind es ja nur 7 Stücke und zum anderen möchte ich, wenn ich auf Tour gehe, auch Sachen von mir präsentieren. Songs die meinen Stil wiederspiegeln. Ich möchte eigentlich lieber mein nächstes Solo Album angehen. Es wird auf jeden Fall deutlich progressiver werden. Ich werde dann auch sicher wieder andere Bands gesanglich unterstützen, wenn sie es wollen, aber "Cut" ist jetzt für mich abgehakt.
Ich bin dann auch noch an ein paar internationalen Projekten dran, wie der Prog-Rockoper "Orfeo", da macht auch Gary Wehrkamp von SHADOW GALLERY mit, aber zu den meisten Sachen kann ich grad noch nichts konkretes sagen, weil es dazu zu früh ist.

Georg:
Wie kommt man an "Cut" ran?

Hubi:
Auf meiner Homepage kann man die CD bestellen. Da ich mit Point Music zumindest einen Vertrieb gefunden habe, kann man sie auch in den meisten Geschäften bestellen (u.a. bei Amazon). Sie liegt halt nicht in jedem Laden drin, so viel haben wir auch gar nicht hergestellt. Wenn sie sich verkauft, kann ich die ja auch in einer Woche nachpressen lassen. In den Benelux Ländern hab ich sogar nen großen Partner gefunden (RockIMC), die machen z.b. EDGUY oder VANDEN PLASS.

Georg:
Deine nächste Solo CD wird auch unter Hubi Meisel vertrieben?

Hubi:
Ja, der Name ist so uncool, das er schon wieder cool ist. (lacht)

Georg:
Was begeistert dich eigentlich so sehr an Prog? Liegt es daran, daß die Musik nicht sofort zugänglich ist?

Hubi:
Das hast jetzt du gesagt.

Georg:
Ja, für mich ist es so.

Hubi:
Nun ich habe eine gewisse Affinität zur Prog Musik, weil man sich damit beschäftigen muß. Ich mag es wenn ich eine CD zum 10. mal anhöre und immer noch neue Facetten finden kann. Wenn es zu verschachtelt ist, dann finde ich es auch nicht mehr so toll.

Georg:
Deine Top 5 Prog Alben:

Hubi:
DREAM THEATER "Images And Words"
QUEENSRYCHE "Operation Mindcrime"
SYMPHONY X "Divine Wings Of Tragedy"
CONCEPTION "Flow"
Du hast nur nach Prog Alben gefragt?

Georg:
Nun, du kannst das gerne auch erweitern :-)

Hubi:
Dann sag ich noch
STEVE VAI "Passion On Warfare"

Georg:
Wie ist deine Einstellung zu MP3s? Wird es "Cut" Songs vollständig zum Download geben?

Hubi:
Ich find MP3s klasse. Ich geh z.B. oft auf http://www.metalexpress.no . Da kann man in alles mögliche reinhören. Zwar in lausiger Qualität, aber er hat eine tolle Vielfalt. Und auf http://www.hubimeisel.com habe ich 1 ½ Minuten Ausschnitte von den Songs. Was ich auch cool finde ist http://www.rocktracks.de . Der schreibt sehr strenge Kritiken und präsentiert jeden Monat ein paar neue CDs und stellt dann 5 Ausschnitte zu den Songs rein.
Ich find MP3 ne tolle Sache, weil man sich so weltweit mit seiner Musik präsentieren kann. Ich bin auch im Ausland angesehener als in Deutschland. Es ist irgendwie das alte Thema. Wenn du als Deutscher nach Italien oder Brasilien gehst, dann hast du einfach den Exotenbonus. Ich bin in Deutschland allerdings immer fair behandelt worden. Aber um auf die MP3s zurückzukommen. Wenn du heute ein Album machst, kannste davon ausgehen, daß die Songs noch vor VÖ im Internet stehen. Da hast du aber keine Lyrics, kein Cover und eben keine CD. Von daher nutze ich es auch nur um Bands kennenzulernen. Und wenn meine Songs drinstehen soll es mir auch recht sein. Und wenn ich mal reich und berühmt bin, dann habe ich hoffentlich auch die Größe darüber hinwegzusehen. Wenn man mal so groß ist, muß man doch nicht so kleinlich sein. Wenn die ihre Kohle gut anlegen würden, dann hätten sie doch genug. Sicher ist es für die Mittelschicht problematischer, weil sie die Verlierer sind, wenn dadurch weniger CDs verkauft werden, aber dafür haben die kleineren eine viel größere Chance, sich zu präsentieren. Wie kommst du sonst als kleiner Künstler nach Amerika oder Spanien. Da hattest du vor Jahren keine Chance. Über das Internet geht das alles.

Georg:
Schöner Abschlussatz für ein Webzine :-) Danke für das Interview.

Redakteur:
Georg Weihrauch

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