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MERCENARY: Interview mit Mikkel Sandager

29.08.2006 | 15:03

MERCENARY haben soeben mit "The Hours That Remain" einen würdigen Nachfolger für "11 Dreams" in die Läden gestellt. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit Mikkel Sandager über die Platte und die besondere Herausforderung, für alle Vocals verantwortlich zu sein, zu sprechen.


Peter:
Mikkel, als erstes einmal meinen herzlichen Glückwunsch zu der tollen, neuen Platte. Wie sind die Reaktionen bisher?

Mikkel:
Vielen Dank! Na ja, bisher haben wir noch gar nicht so viele Reviews gelesen. Aber die, die wir gelesen haben, waren sehr positiv und das ist natürlich großartig. Aber wir wollen abwarten wie die generellen Reaktionen ausfallen, bevor wir vor Begeisterung vom Stuhl fallen.

Peter:
"The Hours That Remain" ist das erste Album ohne Gründungsmitglied Kral. Wie sehr unterschied sich die Produktion dadurch von den vorigen? Nicht nur in Bezug auf die Technik, da du ja alle Parts alleine einsingen musstest, sondern auch in Bezug auf das Gefühl, während der Proben und der Zeit im Studio.

Mikkel:
Wir haben im Dezember des letzten Jahres angefangen neues Material zu komponieren. Da war Kral offiziell auch noch in der Band. Doch Kral steuerte nicht sehr viel zu den Songs bei, so dass wir sie quasi ohne ihn geschrieben haben. Als klar wurde, dass er nicht mehr Teil der Band sein wollte, musste ich meine Rolle in der Band neu definieren. Da ich vorher noch nicht so viele Texte geschrieben hatte, war es für mich eine ziemlich große Aufgabe jetzt auf einmal die Lyriks für ein ganzes Album zu schreiben. Aber ich nahm mir einen Songs nach dem anderen vor und ich merkte, wie ich an der Aufgabe wuchs.
Die Bonus-DVD wird zeigen, dass das Gefühl während der Proben sehr optimistisch war, da wir uns sehr nah kamen in der harten Zeit als wir zehn Songs in drei Monaten aufnehmen mussten. Ich kann ganz ehrlich sagen, dass wir uns noch nie so sehr als Einheit gefühlt haben wie jetzt.

Peter:
Kral hat die Band ja als Freund verlassen. Hast du eine Ahnung wie seine Pläne für die Zukunft aussehen?

Mikkel:
Nein, nicht wirklich. Ich denke, er möchte sich auf seine Familie konzentrieren.

Peter:
Wie bist du mit Rene Pedersen in Kontakt gekommen und warum ist er der richtige für den Job?

Mikkel:
Wenn du ihn hörst und siehst, wirst du wissen, warum er der richtige für den Job ist. Er ist ein wirklich cooler und talentierter Typ, den wir durch eine lokale Band, die im Studio meines Bruders ein Demo produziert hat, kennen lernten. Wir haben ihn einfach gefragt, ob er mit uns jammen möchte und das war es eigentlich auch schon. Er überzeugte uns sofort.

Peter:
Wie hart war es denn für dich, die cleanen Vocals und die Screams/Growls für das Album einzusingen?

Mikkel:
Es war ein Albtraum. Schlicht ein Albtraum. Ich musste noch nie durch eine so schwierige Situation. Die cleanen Passagen habe ich zuerst gemacht. Das hat etwa sieben Tage gedauert und dann kamen die Screams, die mich zwei Tage gekostet haben. Das war auch beides nicht das Problem, da ich das ja schon auf "11 Dreams" und auf Tour zu großen Teilen gemacht habe. Aber dann kam das Shouting. Es war das erste Mal für mich und als ich die Parts nach zwei Tagen fertig hatte, verlor ich meine Stimme für 10-12 Tage. Ich konnte kaum noch sprechen. Ich denke, man kann sagen, dass dies das härteste war, was ich jemals gesanglich leisten musste. 30 Tage auf Tour sind nichts im Vergleich dazu.

Peter:
Ist das auch der Grund, warum "The Hours That Remain" noch melodischer ist als alle Platten zuvor?

Mikkel:
Ja. Dadurch, dass ich alle Texte und alle Melodien (mit Hilfe meines Bruders) geschrieben habe, waren die cleanen Vocals und die Screams die logische Variante, da ich diese Stile beherrschte. Natürlich war mir klar, dass wir keine MERCENARY-Platte ohne Shouts machen konnten, aber ich habe sie auf eine Minimum reduziert.

Peter:
Kannst du mir eine grobe Zusammenfassung der Texte geben? Und woher nimmst du die Inspiration für sie?

Mikkel:
Ich bin nicht der Typ, der seine Texte interpretiert und sagt, was dies und das bedeuten soll. Ich möchte, dass die Menschen sich ihre eigenen Gedanken über die Texte machen. Ich denke, ein Song ist dann am Stärksten, wenn der Hörer ihn mit seinem Leben in Verbindung setzen kann und nicht mit meinen persönlichen Gefühlen an einem bestimmten Punkt meines Lebens. Ich habe die Texte in meiner schwierigsten Zeit als Sänger geschrieben, da ich mit den Vocalparts ganz alleine da stand, was absolut neu für mich ist.

'Redefine Me' handelt ganz genau von diesen Problemen und der Tatsache, dass ich meine Rolle in der Band neu definieren musste. Es gibt einige Songs auf dem Album, die von Krals Ausstieg aus der Band handeln, aber ich überlasse es den Hörern herauszufinden, welche das sind.

Einen Song möchte ich aber doch etwas erläutern. 'My World Is Ending' habe ich geschrieben mit dem Irak-Krieg im Kopf. Es handelt davon, wie ein unschuldiges, irakisches Kind den Krieg sieht und erlebt. Wie es ist, dass die Welt, die sie kannten und der sie angehörten – unabhängig davon, ob sie richtig oder falsch ist - ihnen unter den Füßen weg gezogen wird.

Peter:
Mit Speed (SOILWORK) und Marcus (HEAVEN SHALL BURN) habt ihr zwei prominente Gäste auf dem Album. Wie seid ihr mit ihnen in Kontakt gekommen?

Mikkel:
Wir sind sehr glücklich mit beiden. Wir wollten Speed auf dem Album, da wir alle große SOILWORK-Fans sind. Wir kontaktierten ihn über unser Management. Er ist wirklich ein unglaublicher Sänger und ich bin so stolz, dass ich mit ihm singen konnte. Es ist einfach unglaublich!
Marcus hat eine sehr aggressive Stimme und wir wollten, dass er wirklich böse auf dem Album klingt. Da wir beim selben Label (Century Media – PK) sind, haben wir ihn gefragt und er hat sofort zugestimmt.

Peter:
Was können wir auf der Bonus-DVD erwarten?

Mikkel:
Auf der DVD sind 95 Minuten cooler Kram drauf. Wir haben zwei Live-Gigs draufgepackt. Eine vom Dynamo Festival im Mai 2005 und eine von der Tour mit BRAINSTORM. Dazu kommen noch 45 Minuten "Behind The Scenery" mit MERCENARY aus der Zeit als wir "The Hours That Remain" im Proberaum geschrieben und es im Studio fertig gestellt haben. Es ist wirklich cool.

Peter:
Was erwartet ihr vom neuen Album? Denkst du, ihr könnt damit die nächste Stufe erklimmen?

Mikkel:
Hell yeah, das hoffe ich doch. Wir wollen immer weiter touren, touren und noch mehr touren, so dass wir all die Leute, die uns unterstützen, treffen können. Ich denke, die Zeit wird es zeigen.

Peter:
Wenn du auf "11 Dreams" zurück blickst, hat das Album alle Hoffnungen und Ziele erfüllt?

Mikkel:
Ja, würde ich schon sagen. Okay, wir wollten auch noch in den USA touren, aber wir werden die Chance hoffentlich diesmal bekommen. Insgesamt glaube ich, dass wir aber mehr erreicht haben als wir jemals zu hoffen wagten.

Peter:
Ihr seid einer der Headliner auf dem ProgPower Europe. Was erwartet ihr dort?

Mikkel:
In erster Linie erwarten wir einen unglaublichen Abend. Es ist wirklich toll für uns vor einer eher proggigen Menge zu spielen. Davon abgesehen, wollen wir mit den Leuten dort auch Party machen.

Peter:
Wie waren eure Eindrücke beim Rock-Hard-Festival? Die Fans sind ja wirklich abgegangen...

Mikkel:
Allerdings! Das war völlig unglaublich. Wir wissen nie genau, was man bei so Festivalpublikum erwarten kann. Von daher waren wir offensichtlich sehr, sehr glücklich damit, wie die Show beim Rock Hard lief. Fucking awesome show!

Peter:
Sind schon weitere Tourdaten für Deutschland bestätigt?

Mikkel:
Nein, noch nicht. Aber es werden bald welche kommen. Wir wollen definitiv durch Europa touren, nachdem "The Hours That Remain" veröffentlicht wurde.

Peter:
Was denkst du über die neue Welle des dänischen Dynamits mit Band wie ILLDISPOSED, RAUNCHY, VOLBEAT etc.? Was ist der Unterschied zu den 80ern und 90ern, als die dänische Metal-Szene nur aus den PRETTY MAIDS bestand?

Mikkel:
Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, was jetzt der Unterschied ist. Vielleicht ist einer der Gründe, dass dänische Bands sich jetzt sehr viel ernster nehmen als zuvor und so auch selbst ernster genommen werden.

Peter:
Okay, lass uns ein bisschen vom ernsten Business-Kram weg kommen. Was war denn die peinlichste Situation auf Tour/der Bühne bislang?

Mikkel:
Für mich persönlich ganz klar, als ich in Frankfurt vor 800 Leuten stand und schrie "How are you Munich"... Mein Gott, fürchterlich.

Peter:
Und wen würdest du zu deiner persönlichen All-Star-Band einladen?

Mikkel:
Jeff Poccaro (TOTO) am Schlagzeug, Joey Vera (FATES WARNING, ARMORED SAINT etc.) am Bass, Ray Alder (FATES WARNING) als Sänger, Adrian Smith (IRON MAIDEN) und Stevie Ray Vaughan als Gitarristen.

Peter:
Coole Mischung! Und wen würdest du zu deinem eigenen Open-Air-Festival einladen?

Mikkel:
FATES WARNING, QUEENSRYCHE, IRON MAIDEN, Reunion von SAN VOISEN, NEVERMORE, SYMPHONY X, Reunion von PSYCHOTIC WALTZ, SOILWORK, EVERGREY.

Peter:
Hammer! Da komme ich hin.
Und zu guter letzt die Lieblingsfrage von Kollege Rouven. Wenn MERCENARY eine Pizza wären, was für eine wäre es dann?

Mikkel:
Oh, sie wäre scharf und mit einer Menge Fleisch, haha.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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