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MOONSORROW: Interview mit Ville Seponpoika Sorvali

02.02.2005 | 23:54

MOONSORROW aus Finnland wandeln auf ihrem neuen Album "Verisäkeet" geschickt zwischen den Pfaden Viking und Black Metal, erschaffen dabei eine düstere Stimmung, wie sie zum Beispiel BATHORY zu "Blood, Fire, Death"-Zeiten kreierten und stecken mit der Scheibe die gesamte Heimat-Hummpa-Konkurrenz à la FINNTROLL und ENSIFERUM mit machtvoller Dunkelheit und erhaben langen Kompositionen in die linke Hosentasche. Sänger und Bandgründer Ville Seponpoika Sorvali hat eine Menge zu erzählen...

Henri:
Hallo MOONSORROW-Jungs, hallo Ville. Erst einmal Glückwunsch zu eurem neuen Meisterwerk. Meine ersten Fragen werden sich gleich darum drehen, doch zuvor: Erzählt bitte, wie ihr euch selbst nach den Aufnahmen fühlt?

Ville:
Guten Morgen und danke dir für das Kompliment. Das Album ist jetzt erst drei Monate alt, deshalb kann ich noch nicht den nötigen Abstand dazu entwickeln. Aber ich denke, dass es bisher unser bestes Album ist, zumindest haben wir so etwas noch nie gemacht. Es ist, als ob die Band noch einmal geboren worden wäre.

Henri:
OK, dann lass uns gleich weiter über "Verisäkeet" reden. Was bedeutet denn der Titel?

Ville:
Die direkte Übersetzung lautet "Blutverse". Blut im Sinne von Blut, das durch unsere Venen fließt und Blut, das im Tod fließt.

Henri:
Und warum habt ihr euch für diesen Namen entschieden?

Ville:
Wir kamen einfach drauf, als wir nach einem passenden Titel für die Scheibe suchten. Ich denke, er fügt sich perfekt in unser Konzept ein. Wenn "Kivenkantaja" heftig war, ist "Verisäkeet" nun unversöhnlich.

Henri:
Unversöhnlich - gegen wen oder was?

Ville:
Gegen alles. Der Titel ist sehr rau, primitiv und lässt wenig Platz für Spekulationen. Dieses Mal wird das Blut wie nie zuvor fließen.

Henri:
Ok, dann ordne bitte "Verisäkeet" in die Geschichte von MOONSORROW ein. Wie wichtig war das Album für euch? Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede zu den älteren Alben?

Ville:
Zur Zeit ist es das Wichtigste, weil es das Neueste ist. Mit der Zeit wird es genauso wichtig wie jedes andere Album werden, weil sie nicht in ihrer Bedeutung miteinander verglichen werden können - oder würdest du unter deinen Kindern einen Favoriten auswählen? Ich denke, die neue Platte hat etwas von jeder unsere bisherigen Werke. Doch haben wir nicht einen direkten Nachfolger von "Kivenkantaja" gemacht, sondern uns dafür entschieden zu unseren alten Tagen zurückzukehren und zu schauen, was wir dort finden. Ich denke, dass das Album in seinem Stil mehr mit unserem ersten Demo "Metsä" gemeinsam hat als mit zum Beispiel "Voimista ja Kunniasta".

Henri:
Euer Stil auf "Verisäkeet" unterscheidet sich auch ein Stück weit von dem Material des Debüts, was ja noch etwas folkiger klang. Jetzt klingt ihr für mich wie eine finnische Ausgabe von BATHORY. Wie siehst du diese Entwicklung?

Ville:
Eine Menge Leute haben sogar festgestellt, dass wir schon immer so klingen. Aber ich weiß, was du meinst. Die Entwicklung geht in eine rauere Richtung mit weniger überproduziertem Kram und simpleren Arrangements. Es ist vielleicht nicht von uns so beabsichtigt, aber es ist eben die andere Seite von unseren Einflüssen.

Henri:
Von welcher anderen Seite sprichst du?

Ville:
Die andere Seite: Das sind einmal die deutlichen BATHORY-Einflüsse, also das epische Zeug. Aber die andere Seite sind auch die Black-Metal-Einflüsse, also die rohen Parts. Du kannst beide auf dem Album hören.

Henri:
In diesem Zusammenhang soll es kurz um BATHORY gehen. Habt ihr noch an "Verisäkeet" gearbeitet, als ihr von Quorthons Tod gehört habt? Hat das euch in irgendeiner Weise beeinflusst?

Ville:
Ja, wir hatten noch nicht sehr viel Material fertig, als wir davon hörten. Aber sein Tod könnte uns höchsten unterbewusst beeinflusst haben, nicht mehr. Wir fühlen uns nicht verantwortlich, einen "Tribute" oder so etwas für Quorthon aufzunehmen.

Henri:
Zu den Texten. Leider kann ich kein finnisch. Bitte erklärt deshalb eure Lyrics. Ich habe in meinem Review geschrieben, dass mich eure Musik an heroische Kämpfe in eurer Heimat erinnert - ist dies auch ein Aspekt in den Texten?

Ville:
Früher war dies ein Teil unserer Texte, doch diesmal haben unsere Lyrics mit nichts zu tun, das einen spezifisch historischen Hintergrund besitzt. Sie sind sehr abstrakt in jedem Sinne. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, drehen sich um Heidentum, unser Erbe und die Allgegenwart des Todes. Die Texte sind kälter, dunkler und unsanfter als vorher.

Henri:
Inwiefern ist das "Erbe", von dem du sprichst, in dem Album verankert? Was meinst du eigentlich damit?

Ville:
Wir meinen damit unser Erbe als finnisches heidnisches Volk. Das ist immer da, überall und wenn auch nur zwischen den Zeilen. Es kommt mit uns, wo immer wir auch hingehen.

Henri:
My Lieblingstrack ist 'Haaska' - um was dreht sich dieser Song?

Ville:
Es ist der Song, der sich am deutlichsten mit dem Tod beschäftigt. Die Quintessenz ist, sich zu vergegenwärtigen, dass die Existenz auf Erden doch begrenzt, sogar sehr kurz ist. Der Tod holt uns letztendlich alle, egal was wir denken, wer wir sind. Ich weiß, dass dies irgendwie nach Klischee klingt, vielleicht ist es das sogar. Aber die Texte sind wegen ihres poetischen Untertons viel unbestimmter als diese Aussage.

Henri:
Es gibt ja gleichzeitig auch viel optimistische Stellen auf "Verisäkeet". Ist das auch euer Blick auf das Leben: Melancholisch zu sein, aber trotzdem immer zu kämpfen und dabei zu denken, dass es irgendwann eine bessere Welt gibt?!

Ville:
Auf jeden Fall. Wir sind betrübt über das, was unserem Volk passiert ist, unserer Natur und allem, dass unsere Ahnen verschlossen hielten. Aber wir können nicht aufhören zu kämpfen, im Gegenteil. Wenn wir aufgeben, ändern sich die Dinge nie.

Henri:
Was ist denn eurem Volk passiert - was genau meinst du damit?

Ville:
Die 850 Jahre alten Schäden, die das Christentum hinterlassen hat.

Henri:
Du schreibt über "kämpfen": Was wollt ihr denn genau ändern oder ist das nur ein mentaler, geistiger Kampf?

Ville:
Definitiv ein mentaler Kampf. Es gibt keinen Grund die Waffen gegen jemand zu erheben. Unsere Leute haben heidnisches Blut in ihren Venen. Wir hoffen, dass sie dies nie vergessen.

Henri:
Inwiefern habt ihr euch beim Schreiben der Songs für "Verisäkeet" von klassischen Filmsoundtracks wie "Braveheart" oder "Der Herr der Ringe" inspirieren lassen? Manche Stellen des Albums klingen wie große Hollywood-Schlachten...

Ville:
In der Tat haben wir das. Wir sind Epic-Movie-Freaks, besonders mein Bruder Henri, der auch den größten Teil der Musik schreibt.

Henri:
Welcher davon ist dein Lieblingsfilm?

Ville:
Braveheart. Ich habe den öfter als jeden anderen Film gesehen. Er ist wunderbar episch und berührend.

Henri:
Wo habt ihr denn das Album aufgenommen? Hattet ihr dabei eine gute Zeit - erzähl doch einfach mal ein paar Geschichten, wenn du magst.

Ville:
Wir haben das Album im Tico Tico Studio in Kemi aufgenommen. Dort nahmen wir schon all unsere Vorgänger-Alben auf. Wir haben dort immer Spaß mit dem Techniker Ahti "Es ist nicht mein Album" Kortelainen und mit den Thyrane-Burschen, die einfach nicht aus diesem Scheißloch rauskommen - das ist natürlich keine Beleidigung, das Städtchen ist wundervoll. Deshalb kommen wir ja am Ende immer hierhin. Die Tage verfliegen mit vielen Getränken, vielen Computerspielen und Touren zu Sehenswürdigkeiten - die sich natürlich nur auf die örtliche Bar beschränken. Der Höhepunkt ist natürlich der jährliche Speerwurf-Wettbewerb mit der Plastik-Pflanze im Hotel-Flur. Irgendwie haben wir dann, wenn wir dort weg sind, immer ein aufgenommenes Album bei uns - obwohl wir nicht wissen, wie das passiert ist.

Henri:
Zum Album-Cover: Das Motiv sieht gar nicht so episch aus wie der Sound der CD - warum habt ihr euch grade für solch ein Artwork entschieden?

Ville:
Es ist so beabsichtigt. Der Sound ist kälter, also sollte der Rest auch kälter wirken, die Texte wie auch das Cover des Albums. Es ist nicht mehr als nötig in dem Artwork zu finden und ich denke, das passt gut zum Konzept der Scheibe.

Henri:
Eure Songs auf "Verisäkeet" sind allesamt mindestens zwölf Minuten lang - mögt ihr keine kurzen Stücke?

Ville:
Es ist nicht so, dass wir kurze Songs nicht mögen - das ist einfach so passiert. Unsere Lieder brauchen Zeit um ihre Story ohne Unterbrechung zu erzählen. Diese Zeit wollen wir ihnen geben. Wenn wir merken, dass ein Stück schon sechs Minuten läuft und immer noch mehr braucht, gut, dann braucht es eben mehr.

Henri:
Aber ich denke, es könnte bei diesen epischen Längen schwer sein, ein Video eines Songs von "Verisäkeet" zu produzieren. Gibt es dafür schon Pläne für einen Film?

Ville:
Natürlich planen wir kein Video von einem dieser Songs. Es ist zu teuer verglichen mit dem Nutzen, denn niemand schaut hier wirklich Musik-Videos und erst recht niemand 14-Minuten-Dinger. Ein Film wäre zwar cool, aber ernsthaft, ich denke nie, dass wir so etwas je bezahlt bekämen. Aber wir haben immerhin schon eine Regisseur, haha.

Henri:
Wer ist der glückliche Bursche?

Ville:
Mitja Harvilahti, unser zuverlässiger Camp-Leiter.

Henri:
Eure Homepage ist inzwischen schon ganz schön alt - wann wird eine neue Seite kommen?

Ville:
Die neue Homepage wird online gehen, wenn das neue Album herauskommt. Sie wird umwerfend cool, also passt auf!

Henri:
Sind eigentlich Leute von MOONSORROW mit bei anderen Bands drin?

Ville:
Mehr oder weniger. Henri spielt bei FINNTROLL, Marko hat CHAOSBREED und Mitja ist bei SHADOW CUT. Ich bin glückerlicher zur Zeit keine andere Bands zu haben.

Henri:
Was macht ihr eigentlich, wenn ihr nicht gerade als Musiker arbeitet. Geht ihr normalen Jobs nach?

Ville:
Es kommt darauf an, was man unter normal versteht. Henri, Marko und Markus haben aber alle reguläre Jobs, genau wie ich - ich schreibe mit beim "Inferno Magazine". Mitja macht nichts und hat deswegen nie Geld, haha.

Henri:
Ich denke mal, dass ihr nach dem Album-Release eine Tour spielt, oder?

Ville:
Ich hoffe, dass es klappt. Aber bis jetzt ist kein Vertrag unterzeichnet. Die Zeit wird es zeigen - und unser Live-Kalender auf der Website.

Henri:
Werdet ihr nach Deutschland kommen, abgesehen von dem Gig beim Party.San Open Air?!

Ville:
Hoffentlich ja, es wäre nämlich sehr cool ein paar Gigs in Deutschland zu spielen. Aber wie ich bereits sagte, es ist noch nichts auf dem Papier bestätigt außer dem Party.San-Gig. Das ist zur Zeit das einzige bestätigte Konzert bisher. {Zumindest die Live-Release-Party in Deutschland steht inzwischen fest: 25. Februar im Headbangers Ballroom, Hamburg - Anm. d. Verf.}

Henri:
Hat denn einer von euch schon auf dem Party.San gespielt? Vielleicht Henri zusammen mit FINNTROLL?

Ville:
Nein, wir haben dort noch nicht gespielt, aber wir freuen uns drauf. Henri reist nicht sehr gern, deshalb ist es sinnlos ihn zu fragen, hehe.

Henri:
Jetzt noch ein bisschen Länderkunde: Erzähle unseren Leser ein wenig von der finnischen Metalszene. Was ist euer größtes Metal-Festival im Sommer. Und auf welchen davon werdet ihr spielen?

Ville:
Das größte Metal Festival ist das Tuska Open Air Metal Festival in Helsinki, wo wir auch schon zweimal gespielt haben. Hoffentlich können wir dort dieses Jahr noch einmal auf die Bühne. Andere große Festivals mit Metal-Bands sind das Nummirock in Kauhajoki und das Ilosaarirock in Joensuu. Auch auf diesen beiden Open Airs haben wir schon gespielt. Ich hoffe, wir können so viele Sommer Festivals wie möglich mitmachen, aber noch einmal, die Bookings für die Festivals sind erst im März und April.

Henri:
Any last words?

Ville:
Cheerz an alle Leser von Powermetal.de, keep the flame burning!

Redakteur:
Henri Kramer

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