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MORTIFICATION: Interview mit Steve Rowe

17.09.2006 | 20:57

MORTIFICATION haben vor kurzem die zwei Videos "Grind Planets" - http://www.powermetal.de/cdreview/review-6930.html - und "Live Planetarium" - http://www.powermetal.de/cdreview/review-8140.html - auf DVD herausgebracht und ihre neue CD "Erasing The Goblin" - http://www.powermetal.de/cdreview/review-7964.html - veröffentlicht. Nach drei Jahren (seit dem letzten Interview) war es nun also an der Zeit, Steve Rowe mal wieder ein paar Fragen zu stellen..


Stefan:
Hallo Steve! Es freut mich, dir ein paar Fragen stellen zu können. Zunächst interessiert mich, wie es dir gesundheitlich geht?

Steve:
Entsprechend dem Schaden, den der Krebs an mir verursacht hat, der Chemotherapie, Strahlung und Knochenmarktransplantation, geht es mir sehr gut. Mir wurden sogar zweimal nur noch zwei Stunden zu leben vorausgesagt. Im Endeffekt bin ich stellenweise querschnittsgelähmt und ich gehe an Krücken, aber durch ein Wunder kann ich immer noch auf der Bühne stehen. Ich bleibe in Form, indem ich ins Fitness-Studio gehe und an Sitz-Diskus, Speerwerfen und Schießen als F57-Querschnittsgelähmter teilnehme. Das macht mir Spaß und ich werde in kürze an den 'National Transplant Games' teilnehmen.

Stefan:
Ich möchte dir zum aktuellen Album "Erasing The Goblin" gratulieren. Es geht wieder mehr 'back to the roots' und es gefällt mir (besonders 'Razorback'). Ich denke, dass die Stilrichtung Death Metal am besten zu MORTIFICATION passt und mir gefällt es auch besser, wenn du growlst. Wie kam es dazu, dass ihr wieder mehr in diese Richtung gegangen seid? Ist das möglicherweise der Einfluss der neuen Bandmitglieder und wie zufrieden bist du persönlich damit, da du selbst ja Power- und Thrash Metal bevorzugst?

Steve:
Die Growls waren immer da und auch der Death Metal, aber ich mag diese Thrash- und Power-Metal-Elemente. MAIDEN-Melodien, basierend auf SODOM-artigem Thrash Metal. In den vergangenen Jahren habe ich mit sehr jungen Musikern gearbeitet, daher hat die Band auch einen jugendlicheren Sound gehabt. Nun, mit Mick und Damien, die beide etwa meinem Alter entsprechen, können wir wieder mehr die alte Schule von Power Thrash Death Metal fahren. Ich bin 41 Jahre alt, Mick 40 und Damien 34. Wir wollten ein Album herausbringen in der Richtung des 93er Albums "Post Momentary Affliction", aber auf jeden Fall möchte ich jedes Mal auch etwas verändern, damit die Band für die Fans und uns selbst auch interessant bleibt.

Stefan:
Der Sound auf der neuen CD ist gut und ich bin sicher, dass Mick Jelinic sehr hart daran gearbeitet hat. In der Vergangenheit habe ich mich jedoch des Öfteren gefragt, warum ihr nie wieder mit Doug Sanders gearbeitet habt? Für meinen Geschmack hat er auf "Scrolls Of The Megilloth" und "Post Momentary Affliction" einen super Sound produziert.

Steve:
Doug Sanders hat 1994 Selbstmord begangen. Er war verwirrt, depressiv und homosexuell. Sehr traurige Geschichte, weil er eine großartige Person und Produzent war. Außerdem hatte er eine nette Ehefrau mit zwei Mädchen hinterlassen, die seine Situation verstanden haben. Leider fühlte er, dass er dem Leben alles gegeben hatte, das er konnte und sein Partner hatte ihn kurze Zeit zuvor verlassen.

Stefan:
Ist "Erasing The Goblin" möglicherweise ein Startsignal für eine neue Ära von MORTIFICATION, weil ihr musikalisch wieder eine etwas andere Richtung eingeschlagen und einen neuen Schlagzeuger habt, oder denkst du eher, dass ihr einfach einen weiteren Punkt in deiner musikalischen Karriere erreicht habt?

Steve:
Ich habe nicht sehr darüber nachgedacht, was wir als nächstes tun werden. Das nächste Projekt ist eine Live-DVD, darüber gilt es nachzudenken. Ich bin sicher, dass wir in Zukunft in erster Linie Old-School-lastig weitermachen werden.

Stefan:
Erzähle mal bitte, wie Damien Percy zur Band gekommen ist. Was hat er vor MORTIFICATION musikalisch so gemacht (Ich denke mal, dass er nicht euer Roadie war)? ;-)

Steve:
Damien hat vor zwölf Jahren zusammen mit Mick in einer Band gespielt. Seither hat er jedoch in keiner Band mehr gespielt. Er hat jeden Tag als Hobby Schlagzeug gespielt und er ist unglaublich hinter der Schießbude. Er ist ein sehr kompetenter Drummer.

Stefan:
Denkst du, dass ihr drei jetzt länger zusammenbleiben werdet, weil es bei MORTIFICATION ja öfters Besetzungswechsel gegeben hat?

Steve:
Ich hoffe, dass wir in dieser Besetzung weitermachen können, weil sie gut funktioniert. Damien ist der Manager für eine Region in einer großen Firma, also ist seine Zeit zum Touren limitiert. Wie auch immer, wir werden im November/Dezember in Zentral-, Süd- und Lateinamerika spielen.

Stefan:
Da MORTIFICATION einen Stellenwert in der christlichen Musikgeschichte hat, möchte ich dich fragen, was du von den vielen White-Metal-Bands hältst, die heute wieder zurückkommen? SAINT haben wieder zwei großartige Alben veröffentlicht, WHITECROSS ihr Debüt neu eingespielt und auch BLOODGOOD planen ein Comeback. Außerdem haben DELIVERANCE vor kurzem wieder gespielt und ONCE DEAD (ex-VENGEANCE RISING) veröffentlichen bald eine neue CD. Die Liste geht noch weiter und manche Reunions machen für mich Sinn, während ich andere eher kritisch sehe. Wie denkst du darüber, warum manche Bands jetzt wiederkehren?

Steve:
Es ist an der Zeit für Old-School-Christian-Metal, damit einmal mehr eine große Wirkung in der Welt erreicht wird. Die ONCE DEAD-Live-DVD mit ihrem neuen Sänger finde ich sehr stark.

Stefan:
Ihr habt auf einem Festival in Mexiko zusammen mit NARNIA und SAVIOUR MACHINE gespielt. STRYPER war auch auf der Liste, aber sie haben nicht gespielt und es gab ein paar Diskussionen über ihren Vertrag mit den Organisatoren im Internet. Welche Erfahrungen hast du mit der größten christlichen Heavy-Metal-Band gesammelt und bist du ein Fan von STRYPER?

Steve:
Ich liebe die Musik von STRYPER und ich werde sie auch immer lieben. Aber meine persönlichen Erfahrungen mit ihnen als Menschen waren nicht gut. Meine alte Band LIGHTFORCE hat sie einmal im Jahre 1989 supportet und wir wurden nicht gut behandelt. Ich bin kein großer Anhänger der 'L.A. Ego Mania'. Die Bands aus L.A. machen es manchmal so, dass sie ganz toll aussehen und die Vorgruppen furchtbar. Ich bin eher der Typ von der Straße und möchte, dass alle Bands die besten Möglichkeiten für ihre Show bekommen. Ich möchte einfach auf derselben Stufe mit den Fans stehen - keine Egos oder Rockstars.

Stefan:
Du hast vor kurzem verkündet, dass die Leute die MORTIFICATION-CDs kaufen sollen und nicht stehlen oder kopieren. Ich persönlich denke, dass Heavy-Metal-Fans und gerade MORTIFICATION-Fans die CDs kaufen und die Band unterstützen wollen. Denkst du wirklich, dass es heutzutage ein so großes Problem ist?

Steve:
Es ist ein sehr großes Problem! Tausende Leute stehlen unsere Musik und ich mag es überhaupt nicht, wie das Internet dazu beigetragen hat, die Kunst Musik zu zerstören.

Stefan:
Ich besitze die Wiederveröffentlichung der "Live Planetarium"-DVD und finde sie echt gelungen. Wegen der damaligen Trennung von Jayson Sherlock (Schlagzeug) hast du nun gesagt, dass musikalische Differenzen vorlagen. Du wolltest (noch) mehr Power Metal und Thrash Metal in eueren Sound einfließen lassen, während Jayson mit extremer Musik weitermachen wollte. Jetzt geht ihr doch wieder mehr zurück in die Death-Metal-Richtung. Hatte demnach Jayson damals Recht?

Steve:
Jayson verließ die Bands damals, weil er dachte, dass "Post Momentary Affliction" ein Schritt in die falsche Richtung sei. Ich denke, dass "Post Momentary Affliction" unser bestes Album ist und uns am besten beschreibt. Jayson wollte auch Doom Metal spielen und deshalb hat er auch die Band verlassen, um bei PARAMAECIUM einzusteigen. Er ist jetzt auch wieder dort eingestiegen, also wird ihr neues Album ein Kracher!

Stefan:
Hast du jemals Pläne gehabt, LIGHTFORCE noch einmal zusammen zu bringen (Steve's erste Band, sie spielten richtig guten Power/Speed Metal)?

Steve:
Nein. Ich weiß nicht einmal, wo die Jungs heute sind. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was bei MORTIFICATION passiert. Ich habe wunderbare Erinnerungen an die 80er mit LIGHTFORCE.

Stefan:
Wie steht's mit Tourplänen für MORTIFICATION? Es ist bereits fünf Jahre her, als ich euch zum letzten Mal in Deutschland gesehen habe. Ist es wahr, dass ihr in Südamerika touren werdet und erlaubt es dir dein Gesundheitszustand, dass du dich mit diesem Stress auseinandersetzt?

Steve:
Ich habe einen persönlichen Mitarbeiter, der ein Mediziner ist. Also habe ich seine Hilfe und Medikamente während der Tour. Diese weiten Flüge könnten mir Stress bereiten, weil ich auch nicht alles ins Flugzeug mitnehmen kann. Aber hoffentlich können diese Einschränkungen noch aufgehoben werden.

Stefan:
Wie steht's mit der Familie während du auf Tour bist? Unterstützt deine Frau deine Pläne und wie sieht es mit deinem Sohn aus, wie alt ist er und übt er schon fleißig Schlagzeug spielen? ;-)

Steve:
Meine Frau ist meine beste Unterstützung. Sie hat einen großen Anteil daran, dass ich noch lebe. Mein Sohn Leighton ist jetzt elf Jahre alt und hat ein Schlagzeug und eine Gitarre, aber er interessiert sich mehr für Tennis. Letzte Woche stand er in einem Finale.

Stefan:
Welche Lieder werdet ihr auf den Konzerten spielen? Ich erinnere mich an eine fantastische Setlist auf dem letzten Konzert in Deutschland. Für mich gehören Lieder wie 'Scrolls Of The Megilloth' oder 'Brutal Warfare' einfach zum Pflichtprogramm auf einem MORTIFICATION-Konzert. Es gibt so viele weitere Lieder der ersten drei Veröffentlichungen, welche die Fans gerne hören würden (wie z. B. 'Noctornal' oder 'From The Valley Of The Shadows'). Wirst du diese Wünsche erfüllen, oder hast du andere Pläne für die Setlist (ich habe im Internet gesehen, was ihr auf eurem letzten Konzert gespielt habt und war ehrlich gesagt etwas geschockt darüber, da ihr ausschließlich neuere und unbekanntere Lieder gespielt habt)?

Steve:
Wir spielen ein Medley aus den alten Liedern, wo auch echte Klassiker dabei sind. Wir müssen wieder mit neuen Bandmitgliedern arbeiten, was jedes Mal ein Problem ist. Den Liedern gerecht zu werden, die von anderen Musikern eingespielt wurden, ist leider unmöglich. Ich arbeite mit jeder Besetzung zusammen und möchte das spielen, was mit diesen Leuten am meisten knallt. Es bringt nichts, etwas zu spielen, das nicht einwandfrei funktioniert. Wir haben tausende jüngere Fans, die total auf das, was wir in den letzten zehn oder sogar fünf Jahren gemacht haben, abfahren. In Perth, Australien, hatten wir eine große Anzahl jüngerer Fans zwischen zwölf und 15 Jahren auf einem Konzert, wo alle Altersgruppen anzufinden waren. Diese jungen Fans fahren total auf 'Standing At The Door Of Death' vom "Silver Chord Is Severed"-Album und 'Priest Of The Underground' vom "Relentless"-Album ab.

Stefan:
Okay, das macht Sinn, aber ich persönlich muss mir zweimal überlegen, ob ich wegen einem Medley ein Konzert besuchen werde. Welche Bands hörst du derzeit am liebsten, machst du einen Unterschied zwischen christlicher und 'säkularer' Musik?

Steve:
Meine Lieblingsbands waren schon immer MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN, SODOM, BOLT THROWER und die 80er ANTHRAX. Ich freue mich, dass die alten ANTHRAX jetzt wieder Konzerte geben. ANTHRAX versuchten seriös zu sein und das war genauso falsch, wie MÖTLEY CRÜE das versuchten. Die Alben mit John Bush sind einfach verkehrt. "Among The Living" rules. Vielleicht hätte John Bush gepasst, wenn sie den Spaß beibehalten hätten. Lieblingsbands im christlichen Bereich sind NARNIA, PARAMAECIUM, GRAVE FORSAKEN & SCOURGED FLESH. Ich freue mich sehr auf das ONCE DEAD-Album, das werde ich ganz sicher lieben. Besonders mag ich BLOODGOOD und JERUSALEM. Außerdem höre ich viel 70er-Jahre-Musik, wie z. B. DEEP PURPLE und STATUS QUO. Ihr neues Material ist auch richtig gut und das ist toll. Beide Bands kommen vorbei und spielen lange, was sich jedes Mal lohnt anzusehen. Außerdem liebe ich SUZI QUATRO und JOHNNY CASH. Die CASH-Veröffentlichungen auf American Records aus den 90ern sind Killer. Einfach nur CASH mit seiner akustischen Gitarre - das ist herausragend.

Stefan:
Welche Ziele hast du persönlich und mit MORTIFICATION für die Zukunft?

Steve:
Für Australien im Sitz-Weitwurf an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Ein tolles Familienleben zu haben. Keine Armut in der Welt mehr zu sehen. Zu sehen, wie reiche Menschen auf der Welt mit den armen teilen. Mit MORTIFICATION einfach weiter machen, so lange bis ich irgendwann heim in den Himmel kehre.

Stefan:
Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

Redakteur:
Stefan Lang

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