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MOTORJESUS: He Man rockt!

12.07.2018 | 13:45

Nachdem die derzeit beste deutsche Heavy-Rock-Band mit "Race To Resurrection" einen gnadenlos grandiosen Nachfolger zu "Electric Revelation" abgeliefert hat, musste natürlich dringend ein Gespräch her. Glücklicherweise hatte Sänger Chris am Tag 1 nach dem wunderbaren deutschen WM-Spiel gegen Südkorea Zeit genug, um sich meinen Fragen zu stellen, dabei ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und mit mir u.a. über Nerdkram und den Meister des Schweden-Death zu quatschen.

Moin Chris, hast du das glorreiche Fußballspiel von gestern schon verdaut?

Oh weia, das war ja nun echt nicht gerade der Burner. War lustigerweise aber auch das erste Spiel, das ich mir angeschaut habe, da ich normalerweise nicht so der Fußballmensch bin. Mein Verein ist der 1. FC ANTHRAX!

Mit wem als Trainer? Turbin, Belladonna oder Bush?

Das wäre bei mir definitiv John Bush. Aber da er als Trainer bereits seinen Hut genommen hat, werde ich das verständlicherweise wohl nicht mehr erleben. Was sehr schade ist, denn ich mochte die 90er- und 2000er-ANTHRAX sehr, und gerade diese Phase ist auch ein wichtiger Bestandteil der musikalischen Sozialisation von MOTORJUPP.

Dabei haben doch etliche ANTHRAX-Fans mit Bush so ihre Probleme. Als Anhänger der alten ARMORED SAINT war ich damals schon gespannt, wie das funktionieren wird und finde auch heute noch "Sound Of White Noise" ziemlich großartig. Aber jetzt, wo du es ansprichst, fallen mir diese Einflüsse im Sound von MOTORJESUS tatsächlich auf.

Ich bin ein großer Fan von "Stomp 442" und "Volume 8". Beides Alben, die damals in den USA wohl nicht so gut ankamen. "Raising Fear" von ARMORED SAINT ist eine Killerplatte, und ja, John Bush ist neben Phil Anselmo und Chris Cornell ein wichtiger Sänger für mich. ANTHRAX, ebenso wie COC, ENTOMBED, PANTERA und MOTÖRHEAD sind in etwa die Grundsäulen bei MOTORJESUS. Und natürlich noch ganz viele andere Bands.

Nebenbei bist du aber auch großer Death-Metal-Fan. Kannst du diese Einflüsse ebenfalls in die Band einbringen? Vom Song 'Casket Days' mal abgesehen...

Ja, bei 'Casket Days', der ja etwas von meiner Death-Metal-Vergangenheit handelt und Textbrocken bekannter Death-Metal-Songs aufgreift, ist dieses Mal schon ein bisschen was in das Album eingeflossen. Wir denken auch schon länger über ein Projekt nach, bei dem wir ein rumpeliges 4-Song-Demo im Stile von ENTOMBED machen wollen. Ich mag die Mucke noch immer und glaube auch, dass z.B. durch die Art der Phrasierung bei den Vocals der Death Metal indirekt etwas Einfluss auf MOTORJESUS hatte. Und ich weiß beispielsweise auch, was ich bringen und wie weit ich gehen kann. Der Jupp ist halt nun mal keine Death-Metal-Band, aber ein bisschen Worshipping darf auch mal drin sein.

Wo du gerade die Textbrocken der Death-Metal-Songs bei 'Casket Days' ansprichst: Ich selber habe 9 oder 10 Querverweise gezählt. Wie viele sind es denn tatsächlich?

Hmm... Ehrlich gesagt habe ich das noch gar nicht gezählt. Bei "Unhallowed be thy name..." bezieht sich das "unhallowed" auf einen Song von DISSECTIONs "Storm Of The Lights Bane". Oder "eternal death is alright...", das sich auf ein cooles Album der Schweden von THE CROWN ("Eternal Death") bezieht.

Mir ist unter anderem ASPHYX, SIX FEET UNDER und jeweils zweimal EDGE OF SANITY und DISSECTION aufgefallen. Und natürlich ENTOMBED.

Richtig, 'Nights Blood' ‚'Victims Of War' von UNLEASHED, DISMEMBERs 'Casket Garden' und 'Whatever That Hurts' von TIAMAT. Und klar, 'Left Hand Path'. Zu der Sache bin ich eigentlich gekommen, weil ich tatsächlich keine Ideen mehr für die typischen R'n'R-Autofahr-Vocals hatte und ziemlich leer im Kopf war. Da kam der Gedanke mit dem Death-Metal-Tribut. Die Mucke hat mir halt immer sehr viel bedeutet, auch wenn ich da heute nicht mehr so aktiv bin und mir diese neuen Retrobands nicht wirklich anhöre. Aber von meinen alten Heroes hole ich mir noch fast immer die Veröffentlichungen.

Dann kommen wir doch einfach mal von einem großartigen Song auf ein großartiges Album zu sprechen: Ich habe dir ja bereits auf dem diesjährigen Rock Hard-Festival erzählt, dass meiner Meinung nach dieses Mal etwas die "Hits" fehlen. Nach ein paar Durchläufen der Platte hatte sich das dann aber erledigt und ich musste meine Meinung revidieren. Man merkt, dass die Hits dieses Mal eben etwas subtiler wirken, dafür ist das Album aber ein paar Prozentpunkte härter ausgefallen. War dieses Mehr an Härte geplant? Hatte es vielleicht auch etwas mit Dan Swanö zu tun?

Freut mich, dass sich das Album bei dir doch weiterentwickelt hat. Ich meine, die besten Alben in meiner Sammlung haben sich auch erst nach ein paar Mal Hören erschlossen, und das sind meiner Meinung nach auch oft die besten. Das mit den "Hits" kann ich selber nicht so beurteilen, da ich da wohl zu nah dran bin. Aber ich glaube, dass die Platte zumindest abwechslungsreich ist und wir wohl ein paar Sachen richtig gemacht haben. Wir wollten auch von vorne herein einen etwas krachigeren Grundsound. Wir waren mit der "Electric Revelation" nicht ganz so zufrieden, da die Gitarren etwas zu zahm, fast Classic-Rock-mäßig ausgefallen waren. Ich fand das damals ok, aber es darf dann doch schon etwas mehr im Karton rappeln, und das wollten wir bei der neuen Scheibe besser machen.
Ich finde es übrigens interessant, dass du 'Re-Ignite' so strange findest. Lustigerweise haben wir für diesen Song viel positive Kritik erhalten. Der Track ist halt sehr dunkel und emotional im Chorus, was natürlich nicht so rock'n'rollig ist, aber dieses melancholische Element war beispielsweise auf frühen MOTORJESUS-Alben sehr häufig Bestandteil der Songs. Eigentlich ist 'Re-Ignite' wieder eine Rückkehr zu dem etwas melancholisch düsteren Element. Aber Musik ist eben auch eine harte Geschmacksache.

Auch ich habe über 'Re-Ignite' eigentlich nur Positives gelesen und bin wohl tatsächlich der Einzige, der mit diesem "Bruch" zwischen Vers und Refrain nicht so ganz klarkommt. Aber wie gesagt, Geschmäcker halt…!
Wir hatten vorhin bezüglich 'Casket Days' kurz das Thema "Lyrics": Ich finde, dass deine Texte ziemlich metaphorisch und streckenweise auch recht persönlich ausgefallen sind. Kannst du über die Texte etwas erzählen? Und welcher liegt dir besonders am Herzen?

'Re-Ignite' ist tatsächlich ein bisschen "anders", das stimmt schon. Nun, zu den Texten: Die Lyrics verarbeiten natürlich ein bisschen die ziemlich wackelige und düstere Phase der letzten zwei Jahre. Das war ziemlich schwierig für die Band, und wir hatten auch mit ein paar persönlichen Hürden zu kämpfen. Das alles ist natürlich dementsprechend in die Texte eingeflossen. So etwas verpacke ich immer sehr metaphorisch in Texten rund um Dinge wie "Rennen", "Autofahren" etc. Während 'Running Out Of Time' oder 'The Chase' eher deutlich geschrieben sind, ist die Bedeutung anderer Texte halt sehr versteckt. In 'The Infernal' geht es beispielsweise um Beziehungsscheiße, die unser Gitarrist Andreas durchmachen musste. Ihm ging es zwischenzeitlich nicht besonders gut, und es tat mir sehr leid, ihn so leiden zu sehen. Genau das hat mich dann zum Text zu 'The Infernal' inspiriert. Ja, es ist diesmal schon etwas persönlicher...

Gerade 'The Infernal' ist als Song bei mir sehr gewachsen und gehört mittlerweile zu meinen Faves auf dem Album.

Siehst du, den finden beispielsweise viele recht strange, und das bleibt bei denen wohl auch so.

Was ist denn in der von dir angesprochenen wackeligen Phase alles so passiert?

Nun, zum einen gab es 2016 diese Besetzungswechsel, als Roman und Guido aus der Band ausgeschieden sind. Aber auch die ganzen zwei Jahre danach, in denen wir echt Schwierigkeiten hatten, die passenden Leute für MOTORJESUS zu finden. Bei einigen Kandidaten passte es einfach nicht und hat auf menschlicher oder musikalischer Ebene nicht funktioniert. Dazu gab es noch Konzerte mit wechselnder Besetzung, die eigenen stressigen Zeiten obendrauf ... das war echt schwierig, da vernünftig ein Album zu machen. Aber eventuell erwächst auch aus solchen Phasen eine gesteigerte Kreativität, denn trotz herber Rückschläge wollten wir dieses verdammte Album fertig machen und waren zum Schluss hin richtig grällig und haben da echt gebissen. Irgendwie hat das einen auch gestärkt aus der düsteren Phase hervorgehen lassen. Man muss einfach weitergehen, irgendwann gibt es Licht am Ende des Tunnels.

Durch den Ausstieg von Guido ist nun auch kein Gründungsmitglied der Band mehr dabei.

Nun ja, das ist wohl so. Aber die Leute, die Songs geschrieben haben, sind nach wie vor dabei.

Hat nun eigentlich Dan Swanö die Platte und auch den Vorgänger produziert oder nur gemischt? Irgendwie bin und war ich diesbezüglich etwas verwirrt.

Nee, der hatte dieses Mal und auch damals die "Electric Revelation" gemischt und gemastert. Aufgenommen wurde von Christian Boche und IGNITION-Sänger Dennis "Schalli" Marschallik. Teilweise wurde in einem lokalen Studio in Viersen aufgenommen, teilweise auch in Schallis kleinem Studio. Danach hat Dan das alles zum Mischen und Mastern bekommen. Alle drei haben einen super Job hingelegt; Christian war eher für die Instrumente, Schalli für Soli und Gesang zuständig. Der Swanö hat sich beim Mix ebenfalls richtig viel Mühe gemacht, und wir haben viel rumprobiert, um den passenden Sound zu finden. Der Mann gibt sich da echt viel Mühe...

Dan Swanö ist ja auch für seinen Perfektionismus bekannt, und die Qualität seiner Arbeiten gibt ihm recht. Ich könnte mir übrigens gut vorstellen, dass es deine Idee war, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Klar, die Idee zur Zusammenarbeit mit Dan kam natürlich von mir. Ich bin ja Fanboy seiner Projekte und hab ihm sogar ein Riesenpaket mit all meinen Swanö-bezogenen CDs zum Signieren geschickt. Selbst die Dinger, für die er nur Gastvocals gemacht hat, wie beispielsweise die FERMENTING INNARDS von 1995.

Und wahrscheinlich die kompletten INFESTDEAD-Sachen...

Eigentlich ja voll beknackt, aber er hat alles signiert. Dan ist einfach ein super Typ und kommt auch immer mal bei unseren Konzerten vorbei, da wir ja nicht so weit auseinander wohnen. Was INFESTDEAD angeht... Das Projekt war mir immer zu sehr Drumcomputer. Aber ich hab die "JesuSatan". Ach, der macht schon geile Sachen... NIGHTINGALE und WITHERSCAPE sind ebenfalls top.

Ich selber bin ja ein großer Fan der zweiten PAN.THY.MONIUM.

PAN.THY.MONIUM war teilweise schon ziemlich schräg.

Teilweise? Aber da spielt natürlich auch mit rein, dass er sehr open-minded ist, was Musikstile angeht. Was natürlich auch wieder eine Brücke zu MOTORJESUS schlägt, deren verschiedene Einflüsse du ja vorhin bereits angesprochen hast.

Ja, bei "Electric Revelation" fand er das auch mal super, etwas in der hardrockigen Richtung zu machen. Bei zu abgedrehten Sachen bin ich übrigens recht schnell raus. Ich brauche Refrains und Songs mit Struktur. Wenn's um proggigen Death geht, kann ich mir ein bisschen DEATH, PESTILENCE und CYNIC durchaus mal anhören, aber das war's dann auch schon. Für mich muss es eher grooven und rollen.

Aber wieder back to JUPP: Wie entsteht ein MOTORJESUS-Song eigentlich? Die Songs des neuen Albums klingen sehr spontan, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass da recht viel im Proberaum gearbeitet wird.

Nee, die Songs entstehen zu 89% zwischen Andy und mir in Andys Keller. Das war eigentlich schon immer so. Ich habe oft einen Groove oder eine Idee, in welche Richtung der Song gehen soll, und damit probieren wir dann eben rum. Wir haben früher auch mal mit der kompletten Band einen Song geschrieben, aber die Riffs und das grobe Gerüst kamen immer von uns beiden. Manchmal entstehen Songs ganz spontan, und witzigerweise sind unsere besten Songs oft die, die an einem oder zwei Abenden fertig gestellt werden. 'Casket Days' ist übrigens mein erster komplett alleine geschriebener Song, bei dem ich alle Soli, Melodien, Riffs und Texte beigesteuert habe. Das war mal eine interessante Erfahrung.

Die These, dass die besten Songs oftmals die sind, die spontan entstanden sind, hört man ja des Öfteren. Vielleicht liegt das auch daran, dass sehr viel verloren geht bzw. verloren gehen kann, wenn man zu viel daran herumdoktert.

Ich denke, es kommt immer darauf an. Die schweren Geburten, die sich lange ziehen, empfand ich bei MOTORJESUS aber tatsächlich häufig als die, die schlussendlich am schwächsten waren.

Kannst du diesbezüglich Beispiele nennen?

Hmm... Das ist ja auch alles wieder Geschmacksache. Aber 'The Storm' war eine recht schwere Geburt, die auch schon fast im Mülleimer gelandet wäre. Nun ist der Song jetzt auch kein Überhit oder eine Single geworden, ist aber zumindest solide ausgefallen.

Ich muss sagen, mir gefällt der Song verdammt gut.

Klar, er ist ja auch ganz cool. Ein Video zu ihm hätte ich trotzdem nicht gedreht.

Du hast gesagt, dass 'Casket Days' von dir alleine geschrieben wurde, auch die Riffs und Soli. Bist du Gitarrist?

Ich spiele ganz passabel Schlagzeug und kann am Bass so viel, dass ich Andy zumindest zeigen kann, was ich meine. Ansonsten wird auch mal ein Demo von einem Riff aufs Handy geflötet oder gesummt.

Reden wir mal über die Live-Termine, von denen es dieses Jahr ja einige gibt. Wenn man sich die Dates anschaut, habt ihr ja einiges vor.

Ja, die Tourdates sind aber ab Oktober bis in den Februar auf Wochenenden verteilt. Da gibts mal Freitags- und Samstags-Termine, oder mal von Donnerstags bis Samstags. Das lässt sich somit für uns besser mit unseren Jobs koordinieren als jetzt einen ganzen Monat kontinuierlich am Stück zu fahren. Wir hoffen, dass das alles entspannt laufen wird, weil es eben doch über mehrere Monate geht.

Ich freue mich natürlich, dass auch endlich Saarbrücken mal am Start ist.

Ja, das musste echt mal wieder sein. Das wurde auch mehrfach von Leuten aus der Ecke gewünscht, und so habe ich mich direkt mal darum gekümmert. Früher hatten wir durch unsere Konzerte beim Holzstock Open Air (ganz kleines familiäres Open Air im saarländischen Sankt Ingbert, wo auch schon POWERWOLF ihre ersten Gehversuche gemacht haben - Anm. d. Verf.) eine richtige kleine Fanbase dort. Leider brach der Kontakt zu Veranstaltern und Bands aus der Gegend ein bisschen ab, aber nun freuen wir uns darauf, mal wieder dort zu spielen.

Mit der Tour und dem Album weit vorne in den Charts dürfte es für MOTORJESUS wohl jetzt eh noch etwas mehr vorangehen als bisher.

Das hoffen wir natürlich. Wir wollten das Ding nochmal vernünftig machen, so wie es eine Band mit 20 Jahren und mehr auf dem Buckel halt auch eben machen sollte. Jetzt läuft einiges runder, es wird wieder mehr live gespielt, und ich hoffe, das Ding rollt jetzt wieder vernünftig.

Im Review zur Scheibe habe ich ja bereits angemerkt, dass ich es schade finde, dass eine Band wie VOLBEAT mittlerweile dermaßen groß ist, während ihr noch einer geregelten Arbeit nachgehen müsst, sprich: von der Musik wohl (noch) nicht leben könnt.

Nun, ich glaube, das ist aber einfach unserer Richtung geschuldet. Dieses Heavy/Hard-Rock-Ding ist in der Metal-Szene doch eher so eine Nische, in der vielleicht VOLBEAT das Aushängeschild ist. Aber ich glaube, gerade als deutsche Band so relativ amerikanisch zu klingen, ist schon ziemlich schwierig. Ich denke ja immer, wenn ich auf der Bühne mit rheinländischem Akzent dummes Zeug erzähle, kapieren die Leute sofort, wo wir herkommen. Aber der normale deutsche Metal-Fan ist nicht blöd und durchschaut sämtliche aufgesetzten Klischees. Ich mag beispielsweise keine Bands, die einen auf BLACK LABEL AMI BAD ASS mit Strohhütchen und dergleichen machen und sich die Südstaaten-Flagge an den Amp hängen. BLS darf das, aber Zakk Wylde hat halt auch einen guten Humor und nimmt sich auch gern mal selbst auf die Schippe. Auch wenn wir eventuell etwas amerikanisch angehaucht klingen mögen, ist mir Authentizität total wichtig und ich habe keine Lust auf Schauspielerei. Das merken die Fans sofort, und ich denke, das kommt einfach albern rüber.

Authentizität finde ich ebenfalls sehr wichtig, denn gerade auf der Bühne wirkt eine nicht-authentische Band halt doch etwas verloren. Es bringt ja nix, sich hinter einem Image und irgendwelchen Gimmicks zu verstecken, wenn ansonsten nichts funktioniert.

Das kommt immer sehr stark auf die Band und ihre konzeptionelle Ausrichtung an. Aber das kann gerade für deutsche Bands sehr schnell ziemlich albern werden, wenn man etwas darstellen möchte, was man eigentlich gar nicht ist.

Kommen wir mal zu etwas anderem: Wenn ich ein Gespräch führe, ist es mir auch immer ziemlich wichtig etwas über meinen Gesprächspartner herauszufinden, auch mal abseits der Band. Wann und wo ist Chris Birx aufgewachsen?

Ich komme eigentlich aus der Region Erkelenz und bin in einem kleinen Kuhdorf namens Katzem aufgewachsen. Dort bin ich aber bereits mit 18 weg und habe in meinen ersten Punk- und Metal-Bands angeheuert.

Und wo bist du jetzt beheimatet?

Ich wohne jetzt im Schwalmtal, das fast an der holländischen Grenze liegt. Zum einen wegen meiner Arbeitsstelle, aber auch, weil der Proberaum und die Familie in der Nähe sind.

Kurz vor dem Interview hast du erzählt, dass du im Schichtdienst arbeitest. Was machst du eigentlich beruflich?

Ich bin Erzieher in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung, in dem ich teilweise in Spät-, Früh- und Nachtschichten arbeite. Das mache ich auch bereits seit Ewigkeiten. Unser Gitarrist Andy, den ich in der Berufsschule während der Ausbildung kennengelernt und in die Band geholt habe, macht übrigens das gleiche.

Du hast gerade gesagt, dass du bereits mit 18 in Bands aktiv warst. Welche Stationen waren das und wie bist du schlussendlich bei MOTORJESUS gelandet?

Nun, ich war zunächst mit 15 oder 16 in einer regionalen Punkband namens BUTTWEISER (lustiges Wortspiel, oder!?) aktiv, und wir haben Sachen von OFFSPRING, NIRVANA, BAD RELIGION etc. gecovert, aber auch ein paar eigene Songs gemacht. Für einen Metaller war das aber irgendwie nicht die Erfüllung, und dann war da nach zwei Jahren die Luft auch schon wieder raus. Immerhin haben wir Gigs mit BAP und BRINGS gespielt, da der Vater des Gitarristen Konzertveranstalter für irgendwelche lokalen Rock-Feten war.
Weiter ging es mit einer Melodic-Black-Metal-Band namens AZRAELS TEARS, mit der wir etwas in die DISSECTION- und DIMMU BORGIR-Richtung mit ganz viel Keyboard gingen. 1998 haben wir es sogar geschafft, im Legacy Demo des Monats zu werden, dazu gab es einige Gigs und auch Line-Up-Wechsel. Letztere führten dazu, dass die Mucke immer mehr Richtung Melo Death tendierte, weshalb sich die Band dann 1999 auch in DIVINE ZERO umbenannte. Die Band gibt's übrigens sogar heute noch. Ich bin dann 2004 ausgestiegen, weil ich mit den damaligen SHITHEADZ angefangen hatte eher Rock'n'Roll-lastige Mucke zu machen. Zwar war ich in beiden Bands von 2001 bis 2004 parallel aktiv, hatte aber irgendwann den Spaß an Melo Death verloren. Nun ja, aus den SHITHEADZ wurde nach zwei Demo-CDs und einem Debüt-Album dann 2006 MOTORJESUS. Die Besetzung und der Stil blieben gleich, nur der Name änderte sich, weil Chris Boltendahl (GRAVE DIGGER) als unser damaliger A&R der Plattenfirma den Namen zu beschissen fand.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich damals das SHITHEADZ-Album reviewt habe. Ich wollte das Review eigentlich gar nicht machen, da ich annahm, es mit einer drittklassigen Punk-Band zu tun zu haben. Und dann gab es von mir auf einmal 9 Punkte und den Wunsch, doch bitte den Namen zu ändern. Von daher: alles richtig gemacht!

Ja, SHITHEADZ klang wirklich nicht cool. Ich war damals aber echt gegen eine Namensänderung, wurde aber letztendlich überstimmt. 'Motorjesus' war ja ein Song vom ersten Album, somit war der Bezug zur Vergangenheit da. Und nach wie vor ist das SHITHEADZ-Debüt "Dirty Pounding Gasoline" auch das erste MOTORJESUS-Album, da gibt es keine Trennung, da wir ja nur den Namen geändert hatten. Somit zählt es zum Backkatalog dazu.

Und zwar völlig zu recht! Hast du abseits der Musik irgendwelche Hobbys bzw. bleibt dafür eigentlich noch genug Zeit?

Ja, relativ wenig, aber ich mache, was viele so machen und beschäftige mich viel mit Nerd-Kram: Videospiele, Filme, Hörspielkassetten sammeln, und ich spiele mit ein paar Leuten noch ganz oldschool einmal im Monat Pen & Paper-Rollenspiele. Seit einem Jahr bin ich auch dabei, Tabletop-Kram zu basteln. Und bei mir ist auch ganz klar Masters Of The Universe viel weiter vorn als "dat olle Star Wars"!

Yeah, bei Videospielen bin ich natürlich ganz Ohr! Welches ist dein bevorzugtes System? Oder bist du eher der PC-Zocker? Und vor allem: welche Spiele? Und zu Masters Of The Universe kommen wird dann später auch noch!

Das Motiv von Castle Grayskull (für Nichtkenner: Googelt selbst! - Anm. d. Verf.) ziert meinen Innenarm. Was Videospiele angeht: Ich zocke auf einer XBox One, wobei ich auch gerne eine PS4 hätte, weil es für dieses Teil doch einfach mehr und bessere Spiele gibt. Ich bin aber seit der XBox 360 ein XBox-Kind und zocke am liebsten tatsächlich alleine und dann so langatmige Fantasy-Sachen wie Skyrim, The Witcher und so Zeug, das einen stundenlang beschäftigt.

Ich selber bin ja nicht gerade als Rollenspiel-Fan bekannt und spiele lieber eine Runde Resident Evil und irgendwelche Shooter...

Klar, von Resident Evil habe ich neulich nochmals den vierten Teil gezockt, und ab und an ist auch ein Shooter sehr cool. Ich bin ein Fan von Halo und finde auch Sachen wie Borderlands sehr cool.

Gerade das erste Halo war ja auch der Hammer!

Auf jeden Fall! Ich zock das Spiel immer mit einem Kumpel und wir machen immer einen Halo-Abend wie bei "Big Bang Theory".

Gehen wir mal rüber nach Eternia und widmen uns den Masters Of The Universe: Es gibt da ja einen Film mit Dolph Lundgren, den ich in meiner Jugend abgöttisch geliebt habe.

Den Film besitze als Original VHS mit Hologramm-Cover. Ich fand ihn auch immer geil, viele andere hassen den ja.

Bist du Filmsammler?

Eigentlich nicht mehr so. Ich habe einfach viel zu viel Zeug. Aber irgendwie habe ich gerade Horrorfilme der Achziger für mich wiederentdeckt, bei denen man noch mit Gummipuppen gearbeitet hat. Die haben irgendwie so einen eigenen Charme. Eigentlich habe ich Horror lange abgelehnt, aber inzwischen bin ich da total schmerzfrei geworden.

Nenn mal bitte ein paar Beispiele! Und hoffentlich ist auch was Italienisches dabei! Und, wo du gerade davon gesprochen hast, dass du Horror abgelehnt hast: Was war der Grund für die Ablehnung?

Ich hab irgendwie nicht den Sinn darin gesehen, dass Leute auf brutalste Weise umgebracht werden. Das fand ich irgendwie eher scheiße. Hmm... Beispiele: Ich habe neulich mal die Achziger-Version von "Der Blob" gesehen, ganz groß ist auch "The Thing" mit Kurt Russel oder "Re-Animator". Mit den Italienern kenne ich mich nicht so gut aus, aber einer meiner besten Kumpels ist in diesem Segment Spezialist. Daher kenne ich halt zumindest die großen Namen. Was ich sehr gerne mag, ist, wenn ein Film handgemachte Effekte hat und nicht einfach nur CGI.

In Sachen CGI gebe ich dir recht. Vieles sieht heute einfach total leblos aus. Und das schlägt auch wieder eine gute Brücke zur Musik, denn auch da gibt es heutzutage viel lebloses Zeug, das natürlich großartig eingespielt und produziert ist, aber einen nicht mitreißen kann.

Ja, da gibt es viele unterirdische Sachen. Ich glaube, KATAKLYSM haben wieder eine ziemlich leblose Platte gemacht, wie ich gehört habe. Ehrlich gesagt bin ich da aber auch nicht so dermaßen anspruchsvoll, es darf gerne echt und erdig klingen, aber es darf auch wie PARKWAY DRIVE oder FIVE FINGER DEATH PUNCH nach "alles aus dem Computer" klingen. Wenn es fett ist und zu der Band passt, ist das für mich ok. Kommt halt auf die Band an, beispielsweise fand ich FEAR FACTORY immer top. Aber ebenso mag ich DOWN mit ihrer sumpfigen Louisiana-Produktion. Es muss halt eben zur Band passen. Andererseits sind die Mittel, um Musik am Computer zu erstellen, mittlerweile auch so fortschrittlich geworden, dass man ein echtes Schlagzeug kaum mehr von einem programmierten unterscheiden kann.
Aber mal kurz zurück zu Masters Of The Universe: Sammelst du Figuren oder bist du nur Fan aus früheren Zeiten? Im September findet übrigens eine "Grayskull"-Convention statt, die ich mit Jens von NIGHT IN GALES besuchen will. Der Typ ist auch ein Masters-Nerd.

Ich hatte in meiner Kindheit alles mögliche von dem Zeug, wurde aber wahrscheinlich irgendwann mal von meinen Eltern verkauft oder verschenkt. Dass ich darüber heutzutage alles andere als glücklich bin, kann man sich wohl vorstellen!

Ein paar Figuren von der ersten Welle habe ich noch auf dem Schrank stehen, die Hörspiele stehen aber alle im Original hier rum. Eigentlich sammele ich auch nur das Zeug drumherum, wie Cartoons etc. Bei Amazon gibt es ein superfettes, interessantes Buch namens "The Art Of He Man And The Masters Of The Universe" über die ganze Entstehung, das sich wirklich lohnt. Ultrageiles Buch mit frühen Konzeptzeichnungen, allen Artworks, Comics und Stories. Kann man sich als Fan blind kaufen!

Werde ich definitiv mal anchecken, neues aus Eternia ist immer gerne gesehen! Aber mal wieder zurück zur Musik: Wann hast du gemerkt, dass du singen willst bzw. singen kannst? Hattest du Unterricht oder hast du dir das Singen selber beigebracht?

Ich habe tatsächlich als Kleinkind schon immer gerne die Leute vollgesungen. Auch meine Mutter hat immer viel mit mir zusammen gesungen, da ist wohl was abgefärbt. Ansonsten war ich als Grundschüler in einem Kinderchor, wo scheinbar ein paar Basics hängengeblieben sind. Gelernt habe ich das nie, aber ich habe immer viel geübt und versucht besser zu werden.

Was wieder zeigt, dass Unterricht nicht zwingend benötigt wird, sondern man es auch mit viel Eigeninitiative und Willen schaffen kann. Zum Schluss würde ich dir gerne noch ein paar Entscheidungsfragen stellen.

Vegetarier oder Fleischfresser?

Fleisch ist mein Gemüse, aber es darf auch gerne mal etwas Grünes dabei sein. Ich nehme dann also ein Steak mit einem geilen Salat.

McDonald's oder Burger King?

Schwierig, beide haben ihre Vor- und Nachteile. Die Burger beim King sind meiner Meinung nach besser, die Pommes aber definitiv vom Mäckes. Natürlich ist beides schlecht für die Cholesterinwerte.

Gas- oder Holzkohlegrill?

Ich bin kein Grill-Spezialist und esse alles, was heiß und fettig ist. Aber dann doch lieber ein Nackensteak als ein olles Würstchen, und dabei ist es mir egal, von welchem Grill die runterfallen.

SLAYER oder METALLICA?

Definitiv PANTERA!

DISMEMBER oder ENTOMBED?

Ich habe früher beide geliebt, aber länger kleben geblieben ist definitiv ENTOMBED, einfach wegen mehr Rock'n'Roll in der Musik. Ich mochte Death'n'Roll immer sehr, auch wenn viele in den Neunzigern die Musik wohl gehasst haben. Ich hatte mal ein cooles Gespräch mit Boudewijn Bonebakker, dem Gitarristen von GOREFEST, der mir erzählte, dass sie damals in den Neunzigern ordentlich auf den Sack bekommen haben für ihre Death'n'Roll-Scheibe. Ich dagegen fand die super!

Bier oder Jacky Cola?

Kann man beides trinken, aber ich war immer mehr der Biertrinker. Heute ist eher Radler angesagt, davon trinke ich mittlerweile drei Flaschen und muss dann schon lachen.

Öffentlich-rechtliches oder Privatfernsehen?

Ich schaue tatsächlich kein Fernehen, da meiner Meinung nach fast nur Scheiße läuft. Im Zeitalter von Youtube, Netflix und Amazon Prime ist das klassische Fernsehen auch nicht mehr so nötig. Ich schau mir also eher einen Film oder eine Serie an, auf die ich dann auch Bock hab.

Zum Schluss würden mich noch deine fünf Lieblingsfilme und Lieblingsalben interessieren. Gerne auch mit Erklärungen.

Bei den Filmen sieht es wie folgt aus:

Im Moment Deadpool 2: Ich habe im Kino lange nicht mehr so gelacht.
Oldboy: aber nur das koreanische Original, wirklich kranker Film. Das Hollywood-Remake ist aber nix, deshalb definitiv das Original anschauen!
Pusher-Trilogie: sehr empfehlenswerter Gangster-/Drogenfilm aus Dänemark.
Batman Begins: bester Batman-Film!
Ravenous: großartiger Psychothriller aus den Neunzigern.

Und bei den Alben sieht es so aus:

PANTERA - Vulgar Display Of Power
DISILLUSION - Back To Times Of Splendor
PARADISE LOST - Draconian Times
ENTOMBED - Wolverine Blues
ANTHRAX - Volume 8

Und nun die wichtigste Frage zum Schluss, bevor ich dich endlich in den verdienten Feierabend entlasse: Welches Auto fährst du?

Leider keine dicke Ami-Karre, aber zumindest ist es ein Ford.

Redakteur:
Michael Meyer
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