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MYSTIC PROPHECY: Interview mit Markus Pohl

27.01.2012 | 08:24

"Ravenlord" ist aber auch ein ganz ordentliches Pfund in Punkto Power Metal geworden. Klampfenmann Markus Pohl stand uns Rede und Antwort und beantwortete uns sämtliche Fragen rund um "Ravenlord" und spricht auch über kommende Aktivitäten. Aber lest selbst…

Hallo Markus. Marcel von POWERMETAL.de hier. Schön, dass ihr euch Zeit für meine Fragen nehmt, vielen Dank dafür. Wie geht’s euch denn? Alles im Lot im MYSTIC PROPHECY-Lager?

"In Ordnung" ist gar kein Ausdruck. Gerade kommen wir zurück von den Release-Shows und die neuen Songs fühlen sich auf der Bühne richtig gut an. Da weiß man wieder, warum man sich das alles antut.

Ihr habt vor kurzem mit "Ravenlord" ein wirklich schmackhaftes Werk für jeden Fan härterer Power-Metal-Klänge auf den Markt geschmissen. Seid ihr mit dem Gesamtkunstwerk vollends zufrieden oder hättet ihr im Nachhinein die eine oder andere Sache gerne noch verändert? Besitzt das Album ein Konzept?

Wenn man sich mitten in der Arbeit zu einem Album befindet, vor allem im Mix, geht man immer wieder die Songs durch. Hier noch was verändern, das Instrument dort lauter, die Stimme da noch ein wenig runter, jenes Solo nochmal überarbeiten... man wird fast verrückt.

Nach Abschluss haben wir dann aber angefangen, nicht mehr nachzudenken. Ich höre mir die Platte oft an, achte aber überhaupt nicht mehr auf mögliche Änderungen, nur noch darauf, was der Song in mir erzeugt. Da haben wir eine ziemliche Rock'n'Roll-Einstellung: Arschlecken!

Es ist doch so: Jede Platte ist die Momentaufnahme einer Band zum Zeitpunkt der Aufnahmen. Sollten wir jetzt schon Änderungen vornehmen wollen, hätte sich ziemlich schnell etwas innerhalb der Band, ihren Vorlieben und ihrer Einstellung geändert. Das ist aber nicht der Fall. Wir verstehen uns total gut und fangen ja gerade erst an, die neuen Songs live zu spielen. Und wie ich schon sagte: Das ist ein geiles Gefühl.

Das ist der Grund, warum wir nichts verändern würden. Wenn Du ein Bild gemacht hast, willst Du in zehn Jahren doch auch genau dieses Bild wieder sehen. Natürlich gibt es neue Technik, mehr Farben, bessere Schärfe usw. Aber damals ist das Bild eben so entstanden, es ist authentisch. Und genau das sind alle unsere Platten: Authentisch, ehrlich. So wollen wir sie haben, so bleiben sie.



Zum Konzept: Es gibt kein musikalisches Konzept als solches, wie man es von z.B. KING DIAMOND her kennt. Jeder Song steht für sich alleine.
Textlich hängen die Songs allerdings tatsächlich zusammen. Es geht um eine Schlacht, angestiftet und am Leben erhalten durch den "Ravenlord". Jeder Song beschreibt die gleiche Schlacht und deren Vorbereitung aus der Sicht eines anderen Kriegers. Die Gründe, warum diese in den Krieg ziehen, sind allerdings unterschiedlich. Da geht es um Geldgier, Blutdurst, Macht, Ehre... der einzige, der an der Schlacht einen wirklichen Vorteil hat, ist der "Ravenlord". Er bekommt genau das, was er will: Tod, Elend und Verderben.
Leider spiegeln sich diese Fantasietexte in der Realität nur allzu gut wieder. Kriege werden immer auf dem Rücken der Untergeben ausgeführt. Kein Kriegsführer, Mitglied einer Regierung, steht selbst auf dem Schlachtfeld.

Könnt ihr uns einige Worte zur Produktion erzählen? Lief alles soweit im gewohnten Gang ab oder gab es einige lustige Annekdoten, die ihr uns preisgeben wollt?

Wenn ich ehrlich bin, sind wir da ziemlich diszipliniert. Wir konzentrieren uns auf die Arbeit im Studio, gut zu spielen, alles perfekt vorzubereiten. Wenn hier etwas nicht passt, kostet das einfach zu viel Geld.  Ich habe die Gitarren bei mir im Studio eingespielt, der Sound wurde dann wie gewohnt im Soundfacory-Studio gemacht. Als alles fertig war, ging das Soundpaket nach Schweden zu Fredrik Nordström, der den Stahl letztendlich in Form brachte.
Zeit für Chaos haben wir dann bei den Shows. Da wird kaum etwas geplant, die Show selber schon gar nicht. Drauf auf die Bühne und alles geben. Da gibt es dann schon öfter mal Dinge, die mit "Durchdrehen" als bestes bezeichnet werden. Vor und hinter der Bühne.

Mit Tyronne Sylva habt ihr seit mehr als anderthalb Jahren einen neuen Mann an der Schießbude. Was sind seine Einflüsse auf "Ravenlord"?

Letztendlich hat der Drummer bei MYSTIC PROPHECY die Aufgabe, die Songs nach vorne zu bringen. Beim Songwriting werden die Grooves schon festgelegt. So viel kann ein Drummer da gar nicht ausbrechen. Aber durch seine Breaks und durch sein Spiel hat Ty natürlich das Ganze zum Leben erweckt. Ich bin manchmal noch überrascht, wo und wie er seine Breaks setzt. Er bringt frischen Wind in die Sache, weil er eine sehr unbekümmerte Art hat, an die Songs ranzugehen. Und bei seinen Fähigkeiten kann er sich das auch leisten.

Was hat sich bei euch seit eurem 2009er "Fireangel" noch so verändert? Und welche Hauptunterschiede können Fans zwischen diesem und dem aktuellen Werk bemerken?

Als Nicht-Außenstehender klingt für mich die Platte so, wie die Band MYSTIC PROPHECY derzeit eben klingen muss. Wir haben viel auch an uns selber gearbeitet, um das Ergebnis zu erhalten. Dazu kommt, dass wir eine immer größere "Leck mich am Arsch"-Attitüde bekommen. Wir nehmen immer genau das auf, was wir wollen. Ohne nachzudenken, ob das einem anderen gefallen könnte.
Allerdings tut es uns gut, dass Connie ziemlich eingegriffen hat ins Songwriting. Die Hälfte der Songs kommt von Lia und ihm. Das bringt neue Ideen, andere Arten von Riffing und Melodien in die Band. Sachen, auf die ich selber nie gekommen wäre. Wir haben eine neue Balance gefunden.
Beim Einspielen kostet das natürlich mehr Zeit, da die Riffs manchmal für mich sperrig zu spielen waren. Wenn ich dann aber nach langem Fluchen merkte, auf was Connie zielte und den Flow begriffen hatte, war ich froh, so arbeiten zu können.

Mit dem stampfenden Titeltrack, dem hymnischen 'Die Now' und dem bärenstarken 'Damned Tonight' habt ihr einige Alltime-MYSTIC PROPHECY-Klassiker im Repertoire.
Was sind eure Lieblingsstücke auf "Ravenlord" und warum?


Ich habe kein Lieblingsstück. Ich denke, dass alle Songs es verdient haben, nicht von einem anderen übertroffen zu werden. Und nicht nur das: Wenn ich mir die Platte durchhöre, denke ich mir bei jedem Song: "Yeah, das ist der beste." Bis dann der nächste kommt usw. Wir haben verschiedenartige Songs, die sich extrem unterscheiden, aber die Qualität ist gleich bleibend auf hohem Niveau. Da kann ich bei bestem Willen keinen Favoriten rauspicken.
Es hat auch seinen Grund, warum Singles sich im Metal nicht so gut verkaufen: So eine Platte ist ein gesamtes Werk, ein Song alleine ist einfach nicht so aussagekräftig. Ich verstehe überhaupt nicht, aus welchem Grund man ständig Singles anbieten sollte. Das kann man schon mal machen als eine Art "Special-Edition" eines Songs, vielleicht noch mit einem unveröffentlichten Track zusätzlich. Aber dieses ständige Aufteilen von ganzen Alben in Singles, wie es im Popbereich üblich ist, ist meiner Meinung nach reine Abzocke am Fan.  



Einer meiner absoluten Lieblinge auf "Ravenlord" ist die OZZY-Coverversion 'Miracle Man'.  Warum habt ihr es ausgerechnet auf diesen Song abgesehen? Ein Lieblingssong eurer Jugend?

Nicht nur unserer Jugend. Ich denke, 'Miracle Man' ist ein Jahrhundertriff, so etwas schreibt man wahrscheinlich nur einmal im Leben.
Auf die Platte hat es der Song geschafft, weil ich neues Studioequipment hatte und irgendetwas zum Ausprobieren recorden wollte. 'Miracle Man' war mein erster Metal Song, den ich hörte, und bis heute einer der besten.
Das Ergebnis hab ich Lia bei der Arbeit am Album mal gezeigt und er wollte das Ding sofort auf Platte nehmen. Ich war anfangs gar nicht begeistert. Das Original ist mit einer solchen Brutalität auf der Gitarre eingespielt, dass nur ein Mensch auf der Welt das reproduzieren kann. (gemeint ist Zakk Wylde, der Gitarrist auf Ozzys "No Rest For The Wicked"-Album war - MR)
Letztendlich sollte es ja aber auch eine Coverversion sein, der Song gespielt von uns und in unserem Soundgewand. Ein wenig als Wertschätzung gegenüber denen, die so viel für den Metal getan haben. An das Original kommt man sowieso nicht ran.

Ihr habt nun innerhalb von nur zehn Jahren sage und schreibe sieben Alben auf dem Buckel, ohne dass auch nur ansatzweise die Qualität der Songs schwand. Auf seine Pappenheimer kann man sich eben verlassen. Wo nehmt ihr all die Inspiration und Motivation her?

Jeder Musiker und jede Band hat wohl einen anderen Antrieb und Durchhänger hat man immer wieder. Gerade ich muss mich in Zeiten, in denen wir aufnehmen, immer wieder neu motivieren. Aber wenn man dann unterwegs Fans trifft, sich zu Ihnen auf ein Bier gesellt, die Shows spielt, auf der Bühne steht, die Musik anfängt zu leben, die Energie spürt.... da weiß man ganz genau, warum man nicht loslassen will. Das ist die ganze Mühe und den Ärger wert.


Steht derweil im kommenden Jahr eine etwaige Tour oder einige Festival-Termine in eurem Terminkalender?

Wir gehen mit POWERWOLF, STORMWARRIOR und LONEWOLF auf Tour im April. Wir freuen uns darauf. Ich denke, das Package ist für einen Power-Metal-Fan schon fast ein Optimum.

Natürlich ist auch das ein oder andere Open Air im Gespräch, aber derzeit befindet sich das alles noch nicht in trockenen Tüchern. Wir freuen uns aber, dass wir das erste Mal in Amerika spielen werden auf dem "ProgPower Atlanta". Es ist ein ganz spezielles Indoorfestival mit einer Menge Flair.

30.03.   DE    Lindau - Club Vaudeville
31.03.   AT    Wörgl - Komma
01.04.   DE    Ludwigsburg - RockFabrik
05.04.   DE    Hannover- Musikzentrum
06.04.   NL      Kerkrade - Rock Temple
07.04.   CH    Zizers - Eventstage
08.04.   BE    Mons - PPM festival
09.04.   DE    Augsburg  - Spectrum
13.04.   DE    Langen  - Stadthalle
14.04.   DE    Berlin  - C club
27.04.   DE    Speyer - Halle 101
28.04.   DE    Geiselwind - Musichall
29.04.   DE    Hamburg - Markthalle
30.04.   DE    Bochum - Matrix



Meine letzte Frage bezieht sich auf den baldigen Jahreswechsel. Habt ihr irgendwelche guten Vorsätze für 2012? Worauf freut ihr euch im kommenden Jahr am meisten und welche Pläne stehen sonst bei euch an?

Mehr Shows, mehr abgehen auf der Bühne, noch weitere Strecken fahren, noch besseren Sound erzeugen, noch weiter ans Limit gehen und die Grenzen noch weiter verschieben... achja, mehr Bier trinken, hahahaha.
Eigentlich wollen wir von allem mehr und besser. Wir lernen immer dazu und nehmen uns immer vor, nicht damit aufzuhören. Wir lassen nicht nach, egal was passiert, und halten fest an dem, was wir machen wollen: Heavy Metal, mit allem, was dazugehört.
Das ist unser Ding, das wollen wir haben und das wollen wir auch in Zukunft machen!

Dann wäre ich mit meinen löchernden Fragen auch am Ende und bedanke mich vielmals bei euch für deine Geduld und Zeit. Ich wünsche euch wunderbare Feiertage, einen guten Rutsch ins neue Jahr, sowie ein erfolgreiches und rundum glückliches Jahr 2012. Habt ihr derweil noch einige Worte, die ihr unseren Lesern und euren Fans mit auf den Weg geben wollt? Vielen dank nochmal! Cheers!

Ich selber bin als Gitarrist eher der man der dicken Noten als der Worte und überhaupt nicht gut darin, schnell mal was zu sagen und sich aus dem Ärmel zu schütteln. Trotzdem ist es doch so, dass ich mir es nicht nehmen lassen möchte, Musik zu machen und sie auch als Besucher zu genießen.
Wir alle sollten uns das nicht nehmen lassen. Egal, ob vor oder auf der Bühne. Metal ist nun mal auch eine Lebenseinstellung, das merke ich immer wieder ganz deutlich. Wir alle sind nun mal kein Mainstream, und ich persönlich mag das auch so.
Ich hoffe, möglichst viele von Euch auf Tour zu treffen. Wir sind keine Band, die sich nach der Show verschanzt. Kommt, trinkt Bier mit uns und lasst uns eine geile Zeit haben!

Cheers
Markus Pohl

Redakteur:
Marcel Rapp

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