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Neil Peart - ein Nachruf

10.01.2020 | 23:54

Neil Peart, Schlagzeuger und Texter der kanadischen Prog-Rock-Giganten RUSH, ist am 07. Januar an den Folgen eines Hirntumors, mit dem er seit über drei Jahren kämpfte, verstorben.

Es ist ein schmerzlicher Satz, doch er sagt unglaublich viel über Neil Peart aus. Neil Peart nahm sich nie wichtig und das obwohl er einer der besten und wichtigsten Schlagzeuger der Rock-Geschichte war, ein famoser Texter dazu. Es passt zu ihm, dass die Erkrankung an einem Hirntumor erst jetzt bekannt wurde. Auch, dass es drei Tage dauerte, bis sein Tod überhaupt publik wurde. Im Mittelpunkt stand er nur verdeckt von seinem Schlagzeug.

neil peart rush


Und das spielte er so lange mit voller Hingabe wie es eben ging. Wer die RUSH-Dokumentation "Time Stand Still" gesehen hat, der weiß, dass Neil am Ende trotz größter Schmerzen in Händen und Füßen immer noch unglaubliche Shows spielte. Diese waren seit vielen Jahren gekrönt von seinem Schlagzeugsolo, das nicht nur mich als Laien immer mit runtergeklapptem Kinn dastehen ließ. Man musste wahrlich kein Experte sein, um zu sehen und zu hören, dass sein Spiel besonders war.

Doch nicht nur sein Schlagzeugspiel war besonders, auch seine Gabe Texte zu verfassen war schlicht fantastisch. Songs wie 'The Trees', 'Marathon', 'Nobody's Hero', 'Animate' oder 'Red Sector A' sind auch wegen ihren Lyriks Ausnahmelieder. Wie 'Red Sector A' mit den Erlebnissen von Geddy Lee's Mutter im Holocaust umgeht oder wie 'Nobody's Hero' den einfachen Menschen Respekt zollt, sind nur zwei von zahllosen Beispielen, was für ein Künstler Neil Peart auch mit dem Stift war.

Was mich aber immer am meisten an Neil Peart beeindruckt hat, war der Mensch selbst. Und das, ohne ihn je persönlich begegnet zu sein. Doch wie er sich nach den so schockierenden Verlusten seiner Tochter und ihrer Mutter innerhalb von nur zehn Monaten in 1997/1998 eine unbestimmte Auszeit nahm, nur um dann 2001 stärker denn je zu RUSH zurückzukehren, ist nur ein Faktor davon. Er hat sich vor der Presse rar gemacht und nur mit engen Vertrauten gesprochen, die die Band schon viele Jahre begleitet haben, weil er nicht angehimmelt werden, sondern Gespräche auf Augenhöhe führen wollte. Ein sehr angenehmer Anti-Rockstar-Wesenszug. Er zeugt davon, dass Neil Peart trotz allem Erfolg und vielen Millionen verkauften Platten ein bescheidener, normaler Mensch geblieben ist.

Zum Glück müssen wir Neil Peart nicht vermissen, denn er hinterlässt ein überlebensgroßes Vermächtnis in Form von 18 RUSH-Alben, diversen Live-Erinnerungen und -Mitschnitten, seinen Texten und Büchern. Die Rockwelt wäre ohne ihn nicht das, was sie heute ist. Auch wenn Neil das nicht hören wollen würde.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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