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OHL: Interview mit Deutscher W.

02.02.2007 | 21:07

Die OHL hat ein neues Album. "Feindkontakt" heißt es und ist eine klare Ansage gegen den organsierten Islamismus. Dem Sänger der 1980 in Leverkusen gegründeten Band schickte Henri Kramer daher einige Fragen über den Sinn solcher radikalen Aussagen. Und darüber, wie es sich als Punkband anfühlt, ständig anzuecken. Frontmann Deutscher W. antwortete...

Henri:
Hiho OHL, was ja in ausgeschriebener Form "Oberste Heeresleitung" bedeutet. Ein schwieriger Name. Trotzdem habt ihr euch immer als Punkband verstanden. Gibt es da nicht Anfeindungen aus der linken Szene?

Deutscher W.:
Es gibt von allen Seiten Anfeindungen und genau das zeichnet eine wahre Punkband aus...

Henri:
Betrachten wir einmal eure aktuelle CD "Feindkontakt". Ihr habt dort sehr eindeutige Texte, die sich explizit gegen den Islam richten, aber auch gegen Nazis. Warum findet ihr, kann man diese beiden Phänomene, also Rechtsextremismus und islamischer Fundamentalismus, gleichsetzen?

Deutscher W.:
Die Texte richten sich nicht gegen den Islam, sondern gegen alle radikalen Moslems, die meine Freiheit bedrohen und mir vorschreiben wollen, was gut und böse ist. Dass, was das Christentum längst hinter sich gelassen hat, kommt jetzt wie eine Sintflut über uns und überschwemmt die freie Welt mit mittelalterlichem Gedankengut und terroristischem Handeln.

Henri:
Doch ist diese Gleichsetzung nicht angesichts der Probleme in diesem Land obsolet, weil ja laut Statistik definitiv derzeit vielfach mehr rechtsextrem motivierte Straftaten begangen werden als solche mit islamistischen Hintergrund - und dies schon seit Jahren? Habt ihr euch gerade auf "Feindkontakt" den falschen, weil schwächeren Feind ausgesucht?

Deutscher W.:
Wir haben unzählige Texte, Interviews und Statements zur rechten Gewalt abgegeben. Aber den rechten Abschaum sehe ich wesentlich bedeutungsloser und harmloser, als den Terror aus den kranken Köpfen der Koranfantiker. Wer auch immer schwächer oder stärker sein mag, ist mir absolut egal, ich bekämpfe das was mich stört, wann, wie und wo ich will.

Henri:
Ihr nutzt zudem Bezeichnungen wie "Achse des Bösen" - Sorge, dass ihr mit George W. Bush gleichgesetzt werdet?

Deutscher W.:
Nein, warum. Du benutzt ja bestimmt auch das Wort "Gott" oder "Deutschland" und hast doch auch keine Angst, dass man dich mit dem Papst oder der rechten Szene gleichsetzt?!?

Henri:
Welche Lösung habt ihr, dass etwa gewalttätige türkische Jugendliche, die in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, friedlich werden? Wollt ihr sie einfach ausweisen in die "Heimat", die sie nicht haben?!

Deutscher W.:
Falls es wirklich, wie du es so schön nennst, gewalttätige türkische Jugendliche gibt, die nicht friedlich werden, sollten eigentlich die gleichen Gesetze, Regeln und Vorschriften zur Geltung kommen, wie dies bei deutschen gewalttätigen Jugendlichen geschieht. Aber selbstverständlich halte ich in letzter Konsequenz eine Ausweisung für absolut legitim.

Henri:
Ihr hebt euch zudem als Punkband dahingehend ab, dass ihr das System BRD nicht radikal ablehnt. Sehe ich das richtig?

Deutscher W.:
Das siehst du richtig, wir haben zwar eine ganze Menge an Deutschland auszusetzten und auch diverse Stücke gegen unseren Staat: 'Deutschland', 'Deutschland 2003', 'Falsche Demokratie' usw. Aber ich kenne keine andere Staatsform, die mit gewissen Abstrichen in der Praxis so gut funktioniert wie die soziale Marktwirtschaft hier in Deutschland.

Henri:
Eure Einstellungen habt ihr ja jetzt beschrieben. Doch rufen solche Texte, etwa radikal den Islam abzulehnen, nicht auch wieder Anfeindungen hervor? Was sagt zum Beispiel der Döner-Verkäufer eures Vertrauens zu solchen Gedanken?

Deutscher W.:
Gerade hier in Köln gab es den "Kalifen von Köln", der bekannt war, für seine Hasspredigten und Mordaufrufe. Eine weitere Terrorzelle ist ja bekanntlich Hamburg, wo der Rest von OHL sitzt... Du siehst, wir sind mitten im Zentrum. Aber nochmal, wir lehnen nicht den Islam ab, sondern den islamistischen Terror. Im Übrigen ist der Automechinker meines Vetrauens ebenfalls Moslem, also wenn demnächst meine Bremsschläuche zerschnitten sind und ich tot im Graben liege, weißt du, wer es war...

Henri:
Wie lebt es sich generell, ständig in der Schusslinie der Kritik zu stehen?

Deutscher W.:
Sehr gut, für mich ist das ein Kompliment und der eigentliche Grundgedanke der Punkbewegung. Mich langweiligen all die angepassten, szenetauglichen Bands mit ihren noch langweiligeren Texten über Fussball, saufen und Bullen auf die Fresse hauen. Ich bin stolz darauf nicht jedermanns Freund zu sein. Viel Feind, viel Ehr.

Henri:
Kann man, wenn man als Band sich ständig politisch äußert, überhaupt noch privat leben?

Deutscher W.:
Mein Privatleben spiegelt sich in meiner Musik wider und nicht umgekehrt! Ich habe ja auch noch eine ganz andere Band, DER FLUCH, B-Movie Texte und Gruselmusik, mit der ich auch meine anderen "Gefühle" ausleben kann. Und ich lebe ein (für mich) ganz normales Leben. Allerdings bin ich auch privat alles andere als mainstream und nicht nur privat, sondern auch beruflich sehr klar und wenig kompromissbereit in meinen Gedanken und meinem Handeln.

Henri:
Also würdet ihr auch für die Zukunft meinen, dass OHL immer eine politische Band bleibt und nie über andere Dinge singen wird?

Deutscher W.:
OHL wird immer ein politische Band sein, so wie ich immer ein politischer Mensch sein werde. Ich finde es schlimm, wenn sich ein erwachsener Mensch als unpolitisch bezeichnet. Aber davon gibt es ja Dank solcher Bands wie DIE KASSIERER leider genug Menschen. Im Übrigen haben wir 1986 eine absolut unpolitische Scheibe "Jenseits von Gut und Böse" raus gebracht und wie gesagt ist DER FLUCH alles andere als eine politische Band.

Henri:
Wie seht ihr eure Zukunft: Was werden die Themen auf der nächsten Scheibe sein und warum werdet ihr genau diese Sachen aufgreifen?

Deutscher W.:
Unsere nächste Studioplatte erscheint erst 2009 und ich kann dir jetzt noch nicht genau sagen, was die Themen sein werden, aber ich glaube, dass, wer OHL kennt, schon in etwa weiß, was ihn da erwarten wird.

Henri:
Und generell: Eure Musik - eben sehr ruppiger Punk - werdet ihr wohl auch auf zukünftigen Alben beibehalten?

Deutscher W.:
Das siehst du sehr richtig.

Henri:
Werdet ihr vor der nächsten Scheibe noch einmal auf Tour gehen? Wann?

Deutscher W.:
Eine richtige Tour werden wir wohl nicht machen, aber wir spielen ja immer so um die 20 Shows im Jahr. Und das reicht dann ja auch.

Henri:
Was hört ihr privat für Musik?

Deutscher W.:
Meine Helden sind THE ADVERTS, ansonsten höre ich viel 77 PUNK, METEORS, MOTÖRHEAD, aber auch RAMMSTEIN und THE CLASH.

Henri:
Was haltet ihr von anderen deutschen Punkbands? Begründet dies jeweils in einem oder zwei Sätzen...

Deutscher W.:
DRITTE WAHL
Mit denen haben wir schon oft gespielt, ganz nette Jungs.

DIE ÄRZTE
Lang und weilig.

SLIME
Fand ich schon immer scheiße.

DIE TOTEN HOSEN
Gute Musiker, spielen nette Pop-Musik.

Henri:
Wollt ihr noch einige letzte Worte an die Leser von POWERMETAL.de richten?

Deutscher W.:
Nein. Danke für's Interview.

Redakteur:
Henri Kramer

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