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ONCE THERE WAS: Interview mit Jessica

22.09.2006 | 16:56

Dass es in der heutigen Musikwelt viele talentierte Künstler gibt, die dennoch ohne Plattenvertrag dastehen, braucht eigentlich nicht besonders erwähnt zu werden. Jessica Lehto gehört zu dieser Gruppe und hat mit ihrem Projekt ONCE THERE WAS bereits zwei Demos in Eigeninitiative veröffentlicht. Besonders "Demons", ihre zweite Veröffentlichung, wusste zu beeindrucken, und so war es höchste Zeit, ein wenig mehr über die hübsche Schwedin mit der glockenhellen Stimme zu erfahren. Ein Mail-Interview gibt Aufschluss.

Ricarda:
Kannst du bitte etwas über deinen musikalischen Hintergrund erzählen? Wann du angefangen hast zu singen usw.

Jessica:
Als ich zwei oder drei war, fing ich an, ein wenig für ein paar Schafe zu singen, die meine Oma draußen hielt. Bis ich neun war, habe ich sehr viel gesungen (zum Glück nicht nur für die Schafe...), dann dachte ich, ich könnte nicht singen und habe aufgehört. Mit sieben hatte ich angefangen, Klavier zu spielen, und als ich zehn war, nahm ich Klavierstunden, aber der Lehrer war echt böse und haute mir auf die Finger, wenn ich mich verspielte, also hörte ich mit dem Unterricht auf. Ich spielte dann auf keinem richtig ernsthaften Level bis ich 15 war, dann fing ich auch an ernsthaft zu singen. Zuerst habe ich immer bei der Musik von SPICE GIRLS und so miserablem Kram mitgesungen. Aber als ich 16 war, fing ich an, Bands wie BLIND GUARDIAN, EDGUY und WITHIN TEMPTATION zu hören, und dann wurde ich tief involviert in diese Musik. Ich begann mit 17 eigene Musik zu schreiben und seitdem bin ich daran kleben geblieben. Ich hatte Gesangsunterricht für eineinhalb Jahre, aber das war es dann auch schon. Ich kann nicht mal Noten lesen, aber das ist mir egal.

Ricarda:
Was bedeutet der Name deines Projektes? Wie kamst du auf den Namen?

Jessica:
Es bedeutet nicht wirklich etwas. Ich kam darauf, als ich mein erstes Demo aufnahm, und ich dachte der Name reflektiert in etwa das, was ich mit meiner Musik aussagen möchte: Melancholie und eine Art Sehnsucht.

Ricarda:
Es wäre auch nett, etwas mehr über dich als Person zu erfahren.

Jessica:
Ich bin 23 und lebe mit meinem Freund in einer Wohnung, die wir uns mit meinem süßen Hasen und verrücktem Hamster teilen. Ich sammle "My Little Ponies", mag es, Filme zu gucken, spazieren zu gehen und in Briefen und Emails herumzulabern und damit Leuten auf die Nerven zu gehen, denn ich schicke die Mails und Briefe ja auch.

Ricarda:
Welche Bands würdest du sagen, beeinflussen deinen Stil?

Jessica:
Ich glaube, alle Bands, die ich höre, beeinflussen mich irgendwie, und meine meistgespielten Bands sind THE GATHERING, WITHIN TEMPTATION, NIGHTWISH, ENYA, Soundtracks, MUSE, OPETH, OMD und seit kurzem auch AFTER FOREVER. Ich glaube, zwischen einigen Bands und meiner Musik kann man keine wirklichen Gemeinsamkeiten entdecken, aber ich bin dennoch überzeugt, dass ich eine Sachen von ihnen ab und zu herausgegriffen habe.

Ricarda:
Du hast bereits zwei Demos veröffentlicht. Kannst du ein wenig über die Produktion, das Artwork usw. erzählen?

Jessica:
Es gibt eine große Lücke zwischen den zwei Demos, weil ich wirklich sehr viel Arbeit in das erste gesteckt habe. Danach habe ich gedacht "Nie wieder", aber das hat sich natürlich geändert, und das letzte Demo ist viel besser produziert als das erste. Ich haue Songs recht leicht raus, so lange ich nicht gezwungen bin zur Schule oder arbeiten zu gehen. Also habe ich für jedes Demo die Lieder gesammelt, die mir am besten gefielen, und dann an diesen weiter gearbeitet. Auf "Demons" habe ich so gut wie alles alleine in dem Heimstudio, dass ich mir mit meinem Freund teile, gemacht. Außer Mixing and Mastering, und ich habe auch ein Piano-Intro geborgt, das ein Freund geschrieben hatte. Auf "Painusjärvi", dem ersten Demo, hatte ich die Gitarren und Bass von meinem Kumpel Mikael und meinem Freund Marcus aufnehmen lassen, und die endgültigen Aufnahmen fanden in Mikaels Heimstudio statt. Ich glaube, es ging ihm tierisch auf die Nerven, dass ich ständig bei ihm auftauchte, Sachen ins Mikrophon brüllte oder ihn dazu zwang, Zeug aufzunehmen, haha.
Zum Artwork: Ein paar Freunde halfen mir bei "Painusjärvi", aber bei "Demons" entschloss ich mich, diesen Teil selbst zu übernehmen, weil ich bei dem ersten Demo vergessen hatte, die Leute, die das Cover gestaltet hatten, zu erwähnen. So habe ich realisiert, dass es am besten ist, wenn ich mich selbst um soviel wie möglich kümmere, so dass ich solche Leute nicht mehr vergesse.

Ricarda:
Hat bereits ein Label Interesse gezeigt?

Jessica:
Interesse schon, aber bisher ist noch kein Plattenvertrag zustande gekommen.

Ricarda:
Was würdest du dir von einem Label, das dir einen Plattenvertrag anbietet, wünschen?

Jessica:
Nun ja, also Musiker für den Background wären toll, denn das einzige Instrument, dass ich wirklich spielen kann, ist das Keyboard/Klavier. Es wäre also etwas schwer, Konzerte nur mit mir zu machen, huh. Ansonsten habe ich nicht viele Erwartungen, ich müsste mehr darüber nachdenken, wenn ich wirklich einen Vertrag vorliegen hätte.

Ricarda:
Glaubst du, es ist schwerer für dich, einen Plattenvertrag zu bekommen, weil du nicht in einer Großstadt lebst?

Jessica:
Ich hoffe, das ist nicht so. Aber natürlich wäre es für ein Label günstiger, wenn ich etwas näher wohnen würde.

Ricarda:
Was war bisher dein größter musikalischer Erfolg?

Jessica:
Ich würde sagen, die letzten Monate waren wirklich toll für meinen musikalischen Erfolg und auch für mein musikalisches Selbstbewusstsein. Viele Leute aus den verschiedensten Winkeln der Welt waren sehr unterstützend und ermunternd, und es bedeutet mir sehr viel, dass die Leute das, was ich tue, schätzen. Letztendlich denke ich - oder vielleicht eher hoffe - dass jeder Musiker nur für sich selbst schreibt, aber natürlich ist es auch von Bedeutung, was andere Leute denken. Es ist ein Schritt näher daran, Träume zu realisieren.

Ricarda:
Wie ist dein Singwriting-Prozess? Fängst du normalerweise mit der Musik oder den Texten an?

Jessica:
Es kommt darauf an, manchmal schreibe ich monatelang keine Texte, und dann habe ich einen Haufen Songs, die noch Texte brauchen und manchmal schreibe ich Texte, zu denen ich noch gar keine Musik habe. Beide Möglichkeiten sind okay für mich, und es ist in etwa 50/50.

Ricarda:
Woher nimmst du deine Inspiration? Nur aus deinem persönlichen Leben oder auch von Filmen, Büchern usw.?

Jessica:
Hauptsächlich kommt die Inspiration aus meinem eigenen Leben oder aus dem Leben von Leuten, die ich kenne und die mir entweder sehr wichtig sind oder die ich nicht leiden kann. Zum Bespiel habe ich 'For You' für meinen Freund geschrieben, und 'Nights' ist für meine beste Freundin Katjah. Natürlich beeinflusst alles in meiner Umgebung, was ich schreibe - Musik, Bücher, Natur usw. - aber ich glaube hauptsächlich, was ich oder jemand anderes durchmacht.

Ricarda:
Über welches Thema würdest du nie einen Song schreiben?

Jessica:
Sag niemals nie, aber ich denke, ich würde nie etwas schreiben, dass Drogen verherrlichen würde, wenn ich nicht ironisch bin. Das würde auch nicht zu meiner Musik passen.

Ricarda:
Schreibst du auch Texte in deiner Muttersprache? Wenn nicht, warum?

Jessica:
Ich habe das einfach gemacht, aber es ist einige Jahre her, und seitdem ist es auch nicht mehr passiert. Ich denke, es ist einfacher, eine fremde Sprache poetischer zu finden, zumindest ist es so bei mir.

Ricarda:
Was unterscheidet ONCE THERE WAS von den anderen Bands des Genres? Warum sollten sich Leute, die Musik anhören?

Jessica:
Ich denke, ich habe einen ziemlich einzigartigen Stil, Musikrichtungen wie Klassik, Rock und Metal zusammenzumixen, und viele Leute haben mir gesagt, meine Songs hätten sehr viel Atmosphäre und viele Emotionen. Orchestrale Sounds mit elektrischen Sythesizern zu mischen hat mir geholfen, aus der Menge herauszustechen, genauso wie mein Gesang.

Ricarda:
Hast du bereits Pläne für ein drittes Demo?

Jessica:
Es gibt viele Pläne und viele Aufnahmen sind bereits fertig. Ich habe vier Lieder zum Mixen und Mastern fertig, und es gibt einige Gitarren- und Gesangs-Parts genauso wie einige Bass-Lines, die noch für sieben Songs aufgenommen werden müssen. Ich hoffe, dass ich alles spätestens zu Weihnachten fertig haben werde, hoffentlich früher, aber mal sehen. Ich glaube, das Demo wird sich ein wenig von "Demons" unterscheiden, ich habe verzerrte Gitarren bei einigen Liedern hinzugefügt, und ich denke, die Lieder sind generell sehr unterschiedlich. Ich versuche auch einige andere Stilrichtungen. Also mal schauen, wie es euch gefallen wird.

Ricarda:
Wie stellst du dir deine musikalische Zukunft vor?

Jessica:
Ich werde immer Songs schreiben, abgesehen davon lasse ich es einfach auf mich zu kommen. Das Tolle ist, dass ich durch die enorme Unterstützung, die ich in der letzten Zeit von Leuten erhalten habe, das Gefühl habe, bereits viel erreicht zu haben. Leute kaufen meine Demos, auch wenn es keine professionelle Studioqualität ist, das ist so cool. Aber ja, ich werde immer Musik machen.

Ricarda:
Hast du ein paar Worte an die Leute, die deine Musik gerne hören?

Jessica:
Ich möchte mich ganz stark bei all den netten Seelen, die sich mit meiner Musik und meinem Gesang beschäftigt haben und die mich weiterhin ermuntern, bedanken. Ich rockt alle sehr hart, und ich wünsche euch nur das Beste. Keep listening!

Ricarda:
Vielen Dank für deine Zeit!

Jessica:
Nein, ich danke dir!

Redakteur:
Ricarda Schwoebel

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