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OPETH: Interview mit Fredrik Åkesson

20.08.2014 | 18:56

Klingt OPETH jetzt nach DIO? Wieso alle über "Holy Diver" reden, wenn es eigentlich um "Pale Communion" geht, erklärt uns Gitarrist Fredrik Åkesson.

Es ist Ende April, als mein Handy in der Mittagspause klingelt und Fredrik Åkesson sich aus dem sonnigen Berlin meldet. Dass Promo-Tage keine Ferien sind, weiß der sympathische Schwede aber gut zu verstecken. Schließlich geht es um "Pale Communion", das in Prog- und Metal-Kreisen sehnsüchtig erwartete Album nach dem eher flauen "Heritage".

Nils: Ich habe "Pale Communion" jetzt seit ein paar Tagen und anfangs fiel es mir schwer, das Album in eurer Diskografie einzuordnen. Es klingt eindeutig nach OPETH, hat aber weder mit "Watershed" noch mit "Heritage" allzu viel gemeinsam. Gab es ein bestimmtes Ziel, das ihr damit verfolgen wollt?

Fredrik: "Heritage" war ein sehr 70er-lastiges Album, deswegen gibt es nicht besonders viele Verbindungen zur neuen Platte. Hier denke ich mehr an DIOs "Holy Diver", zumindest was den Sound betrifft. Wir wollten dieses Mal einen Sound fahren, der mehr "in your face" ist und nicht so zurückhaltend. Ansonsten gab es nicht wirklich eine Marschroute, sondern wir haben es so gemacht wie immer: Mikael gibt uns seine Ideen und der Rest der Band gibt sein Bestes, um daraus ein Album zu machen.

Mit dem Material sind wir schließlich in die berühmten Rockfield Studios nach Wales gegangen, um uns dort zu verschanzen. Die Atmosphäre hat dann ihren Beitrag zu "Pale Communion" geleistet (in den Rockfield Studios entstanden u.a. Alben von RUSH, QUEEN und VAN DER GRAAF GENERATOR - NM).

Stimmt es, dass ihr - im Gegensatz zu früheren Sessions - nur zwei Wochen im Studio wart? Waren das nicht früher mal mehrere Monate?

Unsere Vorbereitungen waren sehr gründlich, Demos haben wir schon vorher in Stockholm aufgenommen, sodass wir in Wales ganz genau wussten, was wir zu tun hatten. Als Basis dienten die Bass- und Schlagzeug-Spuren, die unsere beiden Martins quasi live aufgenommen haben. Gitarren und Keyboards haben wir dann mithilfe der Rhythmus-Tracks, aber ohne Klick aufgenommen. Ich mag es mehr, wenn eine Band zusammen tight ist und man nicht auf den Klick angewiesen ist, damit es nicht auseinanderfällt.

Um aber auf deine Frage zurückzukommen: Es war geplant, die Aufnahmen in Stockholm zu beenden. Wir merkten allerdings schnell, dass wir in den Rockfield Studios sehr gut vorankommen und es nicht nötig sein würde, in Schweden weiterzuarbeiten. Die Studios sind nämlich auf einer Farm, die quasi im Niemandsland liegt. Ablenkung gab es faktisch nicht, sodass wir jeden Tag ohne Probleme 14 Stunden im Studio verbracht haben.

Hat sich denn an eurer Arbeitsweise innerhalb der Band seit "Watershed" etwas geändert?

"Watershed" war ja mein erstes Album mit OPETH, seit ich in der Band bin, kenne ich also das Arbeiten mit Demos. Mikael hält sie für unverzichtbar. Die Akkorde und Gesangslinien geben mir persönlich unheimlich viele Anhaltspunkte, an denen ich mein Gitarrenspiel anschließend ausrichte.In dieser Hinsicht hat sich an der Arbeitsweise nichts geändert. Dass wir aber Bass und Drums live zusammen aufnehmen, gab es zu Zeiten von "Watershed" nicht. Aber ich muss sagen, es gefällt mir so sehr gut. Leider lässt sich nicht die gesamte Band so aufnehmen, denn bei vielen Songs wechseln wir zwischen Akustik- und E-Gitarren, das wäre einfach nicht machbar.

Und dein Gitarrenspiel? Kommt dir der Richtungswechsel entgegen oder war es eine große Herausforderung, sich im neuen OPETH-Klangkosmos zurecht zu finden?

Es war schon eine tolle Herausforderung, dieses Album aufzunehmen. Vor allem die Solos, mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Einige Ideen kamen mir spontan beim Improvisieren zu den Demotapes, andere hingegen habe ich detailverliebt ausgearbeitet. 'Moon Above, Sun Below' war so ein Song, bei dem es wirklich wirklich lange gedauert hat. In den letzten sieben Jahren habe ich aber viel dazugelernt und kenne Michaels Art zu spielen viel besser als damals. Es gibt eben diesen typischen OPETH-Sound, vor allem bei den Akustikgitarren.

Apropos Akustikgitarren: Seit "Heritage" veröffentlicht wurde, müsst ihr live immer wieder zwischen Death Metal und Akustiksound wechseln, wie fühlt sich der Spagat für euch an? Ich habe euch auf der Tour in einer Kirche hier in Deutschland gesehen … das war sehr überzeugend.

Ja es ist schon nicht so ganz einfach, die leiseren Nummern auch live gut rüberzubringen. Als Musiker muss man sich dabei mehr konzentrieren, als wenn es nur auf die Zwölf geht. Auf der besagten Tour haben wir dann versucht, ein sehr gemischtes Programm zu spielen. Als Band hat uns das auf jeden Fall weitergebracht, was das Zusammenspiel anbelangt.

 

 

Kommen wir noch einmal auf "Pale Communion" zurück, das von Steven Wilson gemixt wurde. Hatte er darüber hinaus konkreten Einfluss auf die Songs?

Nein, wir haben ihm das fertige Album geschickt und er hat es veredelt. Ich finde, dass er da einen großartigen Job gemacht hat. Besonders bei den Drums, die wesentlich lebendiger klingen als auf "Heritage".

Mir gefällt allgemein die Rhythmusgruppe sehr gut, einen so prägnanten Bass hört man leider nicht so oft.

Da stimme ich dir zu. Es liegt aber auch daran, dass die beiden mehr Freiheit hatten, was die Ausgestaltung der Songs angeht. Auf unserem letzten Album war vieles noch vorgegeben, jetzt konnten sie sich endlich richtig austoben. Die Experimente tun unserem Sound gut, vor allem die tollen Basslinien.

Lass uns über den Titel des Albums und vielleicht über ein paar Songs sprechen. Was kannst du mir denn zum Albumtitel sagen? Steckt ein Konzept hinter "Pale Communion", was ist euere Botschaft für den Leser?

Zu den Songs bzw. zu deren Bedeutung kann und möchte ich nicht viel sagen, denn die Texte schreibt wie immer Mikael und er mag es nicht sonderlich, wenn jemand anders darüber redet. Zu "Pale Communion" muss ich dir leider die Klischee-Antwort schlechthin geben: Der Hörer sollte sich selbst ein Bild machen.

Interessant, dass ihr so wenig über die Songs an sich redet. Da hätte ich gerne mehr erfahren.

Nun, wir reden schon darüber aber Mikael hat mich explizit gebeten, nicht über Songtexte zu sprechen und ich möchte nicht mutmaßen, was er für ein Konzept zwischen den Zeilen hat.

Alles klar, dann quatschen wir noch ein bisschen über die Musik. Ist da was dran, dass der Kurswechsel, der zu "Heritage" führte, gar nicht von Mikael (so wie es jeder vermuten würde) kam, sondern von eurem Bassisten Martin Mendez? Und wie sah es dieses Mal mit Unstimmigkeiten aus?

Wenn, dann geschah das damals vor den Aufnahmen bzw. den Demos, denn nach den richten wir uns schon sehr. Bei diesem Album haben wir Mikael ehrlich gesagt ganz in Ruhe gelassen, ich möchte ihn in seinem kreativen Prozess auch nicht stören. Es funktioniert so ja ziemlich gut.

Vermisst du es manchmal, nicht mit der gesamten Band in einem Raum zu sitzen und die Songs gemeinsam zu schreiben?

Welcher Musiker mag das nicht? Nicht, dass du mich da falsch verstehst: Ich bin nicht unzufrieden mit der Art und Weise, wie wir es handhaben. Und klar, ich hatte einige Ideen. Aber Mikael kam mit 66 Minuten voll Musik, und das war richtig guter Kram. Wieso es also über den Haufen werfen? Eventuell werden wir einige Ideen als Bonusmaterial verwenden, wenn das Album dann erscheint.

Wie sieht es denn mit der anschließenden Tour aus, wie viel müsst ihr zusammen proben?

Jeder macht seine Hausaufgaben gründlich, das würde auch gar nicht anders funktionieren. Wenn wir - wie bei der nächsten Tour - ein Set mit vielen alten Nummern einstudieren, müssen wir in etwa eine Woche proben.

Redakteur:
Nils Macher
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