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OPETH: Interview mit Martin "Axe" Axenroth

11.09.2011 | 17:53

Das neue OPETH-Album "Heritage" ist eine Herausforderung für die Fans der Band. Der Death Metal ist verschwunden, stattdessen gibt es gepflegten, aber nicht gerade leicht zugänglichen Progressive Rock zu hören, der seine Wurzeln in den Siebzigern hat. Wir sprachen mit Schlagwerker Martin "Axe" Axenroth.

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte "Heritage" erst zwei bis drei Durchläufe hinter sich. Und schon da war klar, dass dies zu wenig ist, um sich wirklich eine Meinung zu bilden und "Heritage" mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigt. "Ja, das ist sicher richtig.", stimmt Axe zu und gibt auch gleich zu Protokoll, wie es zu "Heritage" gekommen ist: "Wir wohnen in der selben Gegend und sind auch auf Tour viel zusammen, so dass wir viel gemeinsam Musik hören und über Musik sprechen. Und wir alle haben eine gemeinsame Vorliebe für den progressiven Rock der Siebziger. Mikael hat dann mit 'The Lines In My Hand' einen ersten Song komponiert, der dieses schwerbe Erbe antritt und wir wussten gleich, dass es das ist, was wir machen wollten. Es war also im Grunde eine ganz natürliche Entwicklung hin zu unseren eigenen Vorlieben." Und damit auch eine Entscheidung der Band, auch wenn Mikael Akerfeldt deutlich der Bandleader ist. "Ja, absolut. Wir alle wollten in diese Richtung gehen und sind da nicht nur Mikaels Vorgaben gefolgt."


Dass das Lösen von bewährten Trademarks durchaus eine riskante Sache ist, bestreitet Axe nicht. "Schon möglich, dass diese Ausrichtung riskant ist, aber noch einmal "Watershed" zu schreiben und zu spielen, wäre auch langweilig gewesen. Wir sind Musiker, die immer etwas Neues machen wollen und sich entwickeln wollen, da können wir keine Rücksicht darauf nehmen, was andere vielleicht von uns erwarten. Ich finde, im Metal und vor allem im Death Metal kommen mittlerweile so viele Platten raus, die alle gleichförmig und langweilig klingen. Früher war das alles neu und aufregend, heute eben meist langweilig. Vielleicht ist "Heritage" damit sogar mehr Death Metal als viele andere Alben.", argumentiert Axe und hat damit sicher nicht ganz Unrecht. Vielleicht ist die Band auch einfach an einem Punkt in ihrer Karriere angekommen, wo sie sich dieses Risiko auch erlauben kann: "Das wird sich zeigen. Ich denke, unsere Fans sind offen genug, um diese Veränderung zu akzeptieren, aber im Grunde sind wir davon nicht abhängig. Wir wollten unbedingt dieses Album machen, also haben wir es gemacht."

Das bedeutet aber nicht, dass OPETH nie mehr mit Death-Metal-Vocals agieren werden. "Das kann ich heute noch nicht sagen. Wir wollten nicht noch einmal "Watershed" aufnehmen und wir wollen sicher nicht "Heritage 2" als nächstes machen, das kann ich mit Gewissheit sagen. Man kann wohl nicht behaupten, dass wir jemals ein Album zweimal aufgenommen hätten. Wir wollen immer auch etwas Neues in unsere Musik bringen."

Dennoch ist "Heritage" nicht nur neu, sondern auch ein Werk voller Referenzen an die Siebziger. Am offensichtlichsten ist dies bei der RAINBOW-Hommage 'Slither'. "Ja, das ist sicher richtig, dass der Song eine kleine Hommage an RAINBOW und Dio ist. Es ist vielleicht die Nummer, die einem am Härtesten vorkommt, aber ich finde, das Album ist sehr dynamisch. An manchen Stellen hätten vielleicht auch Death-Metal-Vocals gepasst, aber die wollten wir dieses Mal nicht verwenden. 'Slither' ist sicherlich der zugänglichste Song, während man für einige andere Songs mehr Aufmerksamkeit und wohl auch mehr Durchläufe braucht. Aber das lässt "Heritage" meiner Meinung auch so spannend und lebendig wirken.", ist Axe hörbar begeistert von "Heritage".

Auch für die Musiker selbst bedeutet "Heritage" eine gewisse Umstellung im Spiel: "Klar, an Songs wie 'Häxprocess' oder 'Folklore' geht man anders heran als an 'The Grand Conjuration'. Es gibt einige jazzige Elemente, mein Spiel ist nicht mehr ganz so heavy, dafür aber komplexer. "Heritage" war auch für mich als Musiker eine ungemeine Herausforderung.", gibt Axe zu.


Eine Herausforderung, der sie sich auch auf der Bühne stellen müssen. Auch Axe ist gespannt darauf, wie sich die neuen Songs im Livegewand darstellen. "Ja, ich weiß auch nicht, wie die neuen Nummern zwischen den harten Songs wirken und wie genau wir das angehen werden. Wir haben zwar im Sommer ein paar Festivals gespielt, aber dabei noch keine neuen Stücke vorgestellt. Vielleicht machen wir zwei Sets oder ein paar neue Songs am Stück mitten im Set oder wir integrieren sie einfach in die Show. Bei den Songs von "Damnation" war es einfacher. Die klangen wie OPETH ohne Death-Metal-Vocals und waren gut als Ruhepunkte zwischen all dem Headbanging. Das ist diesmal vielleicht anders. Spätestens, wenn wir auf der Bühne stehen und spielen, werden wir da alle schlauer sein.", lacht Axe.

Auffällig ist auch das feine Cover-Artwork, welches "Heritage" ziert. "Ja, das Cover ist toll, oder? Es ist voller Symbolik, wie Pers Kopf, der vom Baum fällt und so die Band verlässt. Oder die Wurzeln in der Hölle. Man kann sehr viel aus dem Cover interpretieren und es wird im Regal mit den Metal-CDs ganz sicher hervorstechen."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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