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OPETH: Interview mit Mikael Akerfeldt

28.05.2008 | 07:50

Mit "Watershed" melden sich OPETH nach etwas längerer Pause endlich mit einem neuen Album zurück. Und was für einem! Es ist nur logisch, dass man sich da die Chance ausführlich mit Mikael Akerfeldt über das neue Album und die anstehenden Aktivitäten zu sprechen, nicht entgehen lässt. Auch diesmal war der sympathische Schwede wieder sehr relaxt und durchaus mitteilungsbedürftig.


Peter:
Hallo Mikael, zu erst einmal herzlichen Glückwunsch zu einem weiteren großartigen Album.

Mikael:
Oh, vielen Dank. Es freut mich, dass es Dir gefällt.

Peter:
Ja, das tut es außerordentlich gut. Nach dem ersten Durchgang war ich sicher, dass "Watershed" euer härtestes Album ist, ein paar Spins später, war es plötzlich das harmonischste Album und mittlerweile finde ich, dass es einfach die perfekte Mischung aus beiden Extremen ist.

Mikael:
Ja, das ist schon richtig. Das Album hat sicher die härtesten Passagen, die wir jemals aufgenommen haben und es hat auch wieder die eher harmonischen Songs mit vielen cleanen Vocals. Dazu gibt es wieder ein paar neue Facetten….

Peter:
Ja, vor allem die tollen Hammondorgeln und die angejazzten Einschübe.

Mikael:
Ganz genau. Wir haben uns diesmal ganz bewusst keine Grenzen mehr gesetzt und einfach gemacht, was wir machen wollten.

Peter:
Eines dieser neuen Elemente sind die weiblichen Vocals in 'Coil', die sehr toll sind. Eigentlich hätte ich mir das schon auf "Damnation" zur Auflockerung gewünscht.

Mikael:
Die Stimme gehört Axe' Frau. Ich habe sie gehört und mich sofort in ihre Stimme verliebt und für 'Coil' war es einfach das Richtige. Ich hatte vorher noch nie wirklich darüber nachgedacht weibliche Vocals in unsere Songs zu integrieren und ich denke auch nicht, dass ich das jetzt ständig machen werde. Aber es ist beileibe nicht ausgeschlossen, dass wir es nicht wieder einmal machen, wenn es gut passt.

Peter:
Wie groß war denn der Einfluss von Per Wiberg (k.) gerade bei den Hammondparts?

Mikael:
Grundsätzlich habe ich die Stücke zu Hause am Klavier komponiert und habe dann der Band meine Ideen vorgestellt. Jeder hat dann die Freiheit seine Parts so zu spielen, wie er es möchte und eigene Ideen einzubringen. Das läuft dann ganz demokratisch ab, wie es immer bei uns war. Und so hat Per dann zum Beispiel dieses großartige Orgelsolo in 'Burden' eingebaut.

Peter:
Für Fredrik Akesson (gt.) und Axe (dr.) war es das erste Studioalbum. Wie groß war denn ihr Input?

Mikael:
Fredrik hat mit mir zusammen den Song 'Porcelain Heart' und noch einen der Bonussongs von der Special Edition, die zeitgleich mit der normalen Version erscheinen wird, geschrieben. Und auch er war natürlich absolut frei in dem, wie er seine Parts interpretiert. Ich finde, er hat einen fantastischen Job gemacht. Axe hingegen musste ja knapp drei Jahre warten bis er endlich mit uns ein Album einspielen konnte und war sehr aufgeregt als wir ins Studio gingen. Er hat jetzt erst mal mehr versucht gut zu spielen und war fast ein bisschen schüchtern. Er wollte jetzt noch nicht die ganz wilden Sachen machen. Aber schon so ist er beeindruckend.

Peter:
Axe hat ja bekanntlich Martin Lopez ersetzt, der aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Weißt Du, wie es ihm geht?

Mikael:
Es geht Martin wieder sehr, sehr gut. Ich habe vor etwa einem Monat sehr lange mit ihm telefoniert. Er ist wieder gesund und hat sogar wieder eine Band. Er klang wirklich gesund, zufrieden, ja glücklich.

Peter:
Das sind sehr gute Nachrichten.
Kommen wir zum anderen Neuzugang Fredrik Akesson. Wann hast Du Dich für ihn entschieden?

Mikael:
Als sich langsam andeutete, dass Peter (Lindgren – d. Verf.) über kurz und lang bei OPETH aussteigen würde, wusste ich schon, dass ich unbedingt Fredrik als seinen Nachfolger haben wollte. Allerdings spielte Fredrik zu dieser Zeit noch bei ARCH ENEMY, was natürlich schwierig geworden wäre. Aber als Peter dann ausstieg, war Fredrik gerade bei ARCH ENEMY vor die Tür gesetzt worden. Also rief ich ihn an und fragte, ob er bei OPETH einsteigen wollte und er sagte ja. Fredrik war also tatsächlich der Einzige, den ich überhaupt angesprochen habe. Ich hatte vorher auch darüber nachgedacht, wen ich noch ansprechen könnte, jemanden wie Jeff Loomis zum Beispiel. Aber ich verehre NEVERMORE zu sehr, um das zu tun. Zumal ich ein festes Bandmitglied haben wollte und niemanden, der nur temporär zur Verfügung steht.

Peter:
Du hast vorhin auch schon die Special Edition erwähnt, die diesmal zum Release von "Watershed" erscheinen wird. Ist das etwas, was ihr gelernt habt aus der Kritik, die es stellenweise wegen der späten Veröffentlichung von der Special Edition von "Ghost Reveries" gab?

Mikael:
Es ist eher etwas, was unsere Plattenfirma gelernt hat. Und ich kann die Fans schon verstehen, dass sie etwas irritiert sind, wenn nach so langer Zeit noch eine solch spezielle Edition veröffentlicht wird. Andererseits ist es so, dass es ein wirklich hochwertiges Produkt ist, wo wir als Band auch immer involviert waren und keines dieser lieblosen Re-Releases mit irgendeinem Demo als Bonus. Von daher ist das sicherlich keine Fanabzocke. Wer es kaufen möchte, investiert die 15 EUR oder was eine CD heute so kostet. Wer das nicht möchte, wird auch eine andere Quelle finden, um das Bonusmaterial zu bekommen. Wir sorgen lediglich dafür, dass die Musik für unsere Fans auch verfügbar ist.

Peter:
Was können wir denn auf der Special Edition von "Watershed" erwarten?

Mikael:
Oh, das ist wirklich ein tolles Paket geworden. Es hat eine ganz spezielle Verpackung, die aussieht wie ein Briefumschlag, ein dickes Booklet, dazu noch eine Audio-DVD im 5.1.-Mix, eine 55-minütige Dokumentation über die Entstehung von "Watershed" und drei Bonustracks. Das ist also ein wirklich hochwertiges und sehr lohnenswertes Paket geworden.

Peter:
Alles klar, die ist gekauft.
Es ist ja gerade auch die ultimative Wiederveröffentlichung von "Still Life" erschienen. Ich glaube, es ist schon die dritte. Ist das jetzt wirklich die ultimative Version?

Mikael:
Ach, ich glaube es ist sogar schon die fünfte Wiederveröffentlichung. Peaceville, die Plattenfirma, melkt das ziemlich. Es gab eine Neuauflage, nur um das Album wieder in den Läden zu haben, dann eine im Schuber mit Bonussong, noch eine LP-Version und noch eine. Aber ja, das ist die definitive Version, da wir diesmal auch von Anfang an involviert waren. So gibt es diesmal eine DVD im 5.1.-Mix, auf der zudem ein Ausschnitt von der demnächst erscheinenden "The Roundhouse Tapes" DVD zu sehen ist. Zudem haben wir den Sound remastered. Der 5.1.-Mix ist echt unglaublich. Ich habe auf einmal Sachen auf dem Album gehört, von denen ich nicht wusste, dass wir sie überhaupt aufgenommen haben. So klingt "Still Life" wirklich noch besser. Zudem haben Travis Smith und ich Artworks für jeden einzelnen Song erarbeitet und so das Booklet extrem aufgewertet und Linernotes gibt es auch noch. Das ist diesmal also ein wirklich tolles Paket geworden.

Peter:
Ihr macht mich arm!

Mikael:
Haha, das tut mir leid, aber Peaceville bieten das Paket, so weit ich weiß, zu einem fairen Preis an.

Peter:
Wie sieht es denn mit einer Tour aus? Kommt ihr im Herbst nach den Open Airs?

Mikael:
Ja, wir haben den November für Europa im Visier.

Peter:
Wird das dann wieder ein solcher Tourmarathon?

Mikael:
Wir möchten es gerne vermeiden, aber es sieht danach aus. Wir überlegen in etwas weniger Städten zu spielen und dafür dann größere Hallen zu buchen, aber das ist noch nicht ganz sicher.

Peter:
Als ihr zuletzt in Deutschland nur die zwei Konzerte in Köln und Berlin gespielt habt, sind die Fans mehrere hundert Kilometer gereist, um Euch zu sehen. Meine Wohnung war voll mit OPETH-Fans, haha. Und so lange ihr nach Berlin kommt, ist mir das auch alles sehr recht.

Mikael:
Oh, das ist gut zu wissen. Und nach Berlin kommen wir ja sowieso immer gerne. Ja, wenn es möglich ist, spielen wir nur in den wichtigen Städten und buchen dafür größere Hallen.

Peter:
Hast Du denn schon eine Vorband im Auge? Da hattet ihr mit KATATONIA, EXTOL oder AMPLIFIER bisher immer ein gutes Händchen für.

Mikael:
Nein, da habe ich mich noch nicht mit beschäftigt, aber ich würde schon gerne mal wieder mit KATATONIA touren. Jonas (Renkse, v. – d. Verf.) ist mein bester Freund und es würde einfach Spaß machen mit ihnen unterwegs zu sein. Zumal es bei der letzten Tour auch eine Art Konkurrenzsituation gab. Wir waren beide beim gleichen Label damals, unser Status war ähnlich und dann kam man nach dem Gig in den Bus und es hieß "wir haben heute 100 Shirts verkauft und ihr?!". Das wäre heute sicher entspannter, weil das einfach wegfällt.

Peter:
Da das letzte KATATONIA-Album auch schon fast zwei Jahre alt ist, könnte da ja auch langsam mal wieder was kommen und mit einem neuen Album wäre der Weg dann ja geebnet.

Mikael:
Stimmt. Und Jonas hat auch gerade angefangen Songs zu schreiben, aber die gehen eher in die Death-Metal-Richtung, so dass es wohl erst mal etwas für BLOODBATH ist.

Peter:
Vor dem letzten Konzert in Berlin im Dezember 2006, hast Du meiner Kollegin Elke erzählt, dass Steven Wilson im Januar zu Dir kommen würde, um mit Dir Songs für das Projekt mit Mike Portnoy und ihm zu schreiben. Was ist denn daraus geworden?

Mikael:
Leider nichts. Steven konnte mich leider nicht besuchen kommen und es ist wirklich sehr, sehr schwierig, dass wir alle drei - oder wenigstens zwei von uns - mal zusammen Zeit haben. Hätten wir gewusst, dass es in der Presse so hohe Wellen schlägt, hätten wir es vielleicht auch gar nicht erzählt. Aber so werden wir natürlich immer wieder nach dem Stand der Dinge gefragt. Im Augenblick kann ich nur sagen, dass ich Steven bei seinem Soloalbum unterstütze, es aber völlig unklar ist, wann und wie wir das Projekt mit Mike in Angriff nehmen werden. Wir wollen es aber unbedingt machen.

Peter:
Der Verlauf der Erfolgskurven von PORCUPINE TREE und OPETH ist eng miteinander verknüpft. Wie siehst Du den Zusammenhang des Erfolgs der beiden Bands?

Mikael:
Ja, da gibt es definitiv einen Zusammenhang. Wir haben natürlich gegenseitig die Bands des anderen für unsere Fans interessant gemacht, weil Steven "Blackwater Park" und danach noch "Deliverance" und "Damnation" für uns produziert hat. Zwar ist unsere Musik auf den ersten Blick überhaupt nicht ähnlich, aber dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. So sind PORCUPINE TREE vom eher klassischen Progressive Rock aus in immer metallischere Gefilde unterwegs und sind mittlerweile auch sehr düster, während wir den progressiven Teil immer mehr Platz gegeben haben. Die Gemeinsamkeiten sind zwar nicht so offensichtlich, aber sie gibt es und dass beide Bands erfolgreicher geworden sind, hat auch ganz gewiss damit zu tun.

Peter:
Vielen Dank, Mikael, dass Du dir die Zeit für POWERMETAL.de genommen hast!

Redakteur:
Peter Kubaschk

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