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ORDEN OGAN: Listening Session zu "Gunmen"

09.05.2017 | 11:04

Eine ganz besondere Veranstaltung versprach AFM Records mit der exklusiven Listening Session zum kommenden Album der Arnsberger Barden ORDEN OGAN. Und das Versprechen sollte gehalten werden.

Es ist bald wieder so weit. Eine der spannendsten deutschen Bands der letzten Jahre wuchtet ein neues Meisterwerk nicht nur in die Regale der sich immer weiter dezimierenden Plattenläden, sondern vermutlich auch in die deutschen Charts. Etwas mehr als zwei Jahre nach dem Zombie-Sumpf-Abenteuer "Ravenhead" entführt ORDEN OGAN die Hörerschaft mit "Gunmen" (VÖ: 07.07.2017) in den wilden Westen.

Wie die Faust aufs Auge passt dazu das heutige Ausflugsziel. Das "Fort Fun Abenteuerland" im sauerländischen Bestwig ist nicht nur ein thematisch passender Freizeitpark nach Westernart, der neben vielen Fahrattraktionen auch einen stilechten Saloon bietet, in dem sich die Meute aus Journalisten, Promotern und Band gegen Abend zum gemeinsamen Lauschen einfindet und in dem auch eine der vier Releaseshows zum Album stattfindet. In diesem Freizeitpark wurde außerdem der noch nicht veröffentlichte Videoclip zur ersten Singleauskopplung des Albums gedreht.

Doch natürlich wird zunächst der Freizeitpark erkundet, der sich Ende April mit typischem Aprilwetter (irgendwas zwischen Nieselregen und Hagel) erfrischend unüberlaufen zeigt. So wird, ohne lang anstehen zu müssen, auf besonderen Wunsch von Bandkopf Seeb, der sich trotz großer Übermüdung (bis nachts um vier wurde am Album weiter gebastelt) bester Laune zeigt, erst die Marienkäferbahn getestet, die jedes Versprechen, das der Name gibt, auch wirklich hält. Anschließend gibt es natürlich noch andere Achterbahnfahrten, eine Wildwasserbahn, eine wirklich schlechte Geisterbahn und schließlich ein hopfiges Kaltgetränk im die erfrorenen Glieder wieder erwärmenden Saloon.

Schließlich ist es dann so weit: "Gunmen" erwartet seine Uraufführung. Dabei bestehen schon vor dem ersten Ton unter den Versammelten durchaus Zweifel, wie diese Western-Geschichte zum Bandsound passen soll. Dabei befand man sich thematisch ja immer schon mit jedem neuen ORDEN OGAN-Album in einer völlig neuen Welt. Natürlich macht auch Album Nummer sechs, das heute zu etwa 95 % fertig gestellt ist, da keine Ausnahme. Doch lest selbst.

'Gunmen': Schon beim eröffnenden Titelsong, der auch als erste Single mit Videoclip versehen wird, ist in den Gesichtern der heutigen Gäste Erleichterung zu lesen. Das hier wird offensichtlich kein DEZPERADOZ-Abklatsch (den wirklich niemand braucht), sondern auch dieses Werk ist klar und deutlich ORDEN OGAN. Schon das epische Intro mit Fanfaren und Brimborium spricht die typische Sprache. Gleiches gilt für den Songaufbau mit vielen Baller-Parts, einer schmucken Galopp-Bridge und einem seither bei mir festsitzenden Hymnen-Refrain, der mit seiner leichte Melancholie punktet. Fantastische Gitarrenleads und das schnelle Drumming runden den Einstieg perfekt ab.

'Fields Of Sorrow': Modern-thrashige Gitarren ebnen den weiteren Weg. Im Zusammenspiel mit dem düsteren Gesang in den Strophen zeichnet sich ein dunkles Bild des oft glorifizierten Wilden Westens. Die harte und technische Instrumentierung bricht schließlich auf und der dieses Mal noch mehr Melancholie verströmende Refrain, den Seeb unnachahmlich gefühlvoll in die Wüstensonne schmettert, lässt das Stück schon jetzt zu einem Favoriten werden. Das Songwriting und die modernen Riffs erinnern an den "Easton Hope"-Abgesang 'Of Downfall And Decline', der zu meinen absoluten Lieblingen zählt. Hier funktioniert es sogar mit Western-Melodien!

'Forlorn And Forsaken': Auch Song Nummer drei setzt wieder auf moderne Rhythmik und sehr harte Gitarrenriffs, die die Szenekonkurrenz auf Abstand halten. Doch auch 'Forlorn And Forsaken' besteht auf einen großen Refrain. Diesen kann ich mir bestens als künftigen Livehit vorstellen. Die Mischung aus Headbang-Parts und Mitsingkompatibilität schreit förmlich nach Open Air! Ein Banjo-Zwischenspiel setzt dem Ganzen noch seine Krone auf.

'Vampire In Ghost Town': Ob hier das gemeinsame Touren mit POWERWOLF seine Spuren hinterlassen hat? Nicht nur textlich findet man hier Spuren der Wölfe, auch die mitreißenden Gangshouts und ein hübscher Mitklatsch-Teil rufen nach Atillas Armee. Aber wie dem auch sei, durch die zurückhaltende Gesangsmelodie in den Strophen knallt der Ohrwurm-Refrain umso mehr, während die Gitarrenleads eine starke Brücke zu dem Vorgängerwerk "Ravenhead" schlagen.

'Come With Me To The Other Side': Währenddessen hätte Song Nummer 5 mit seiner romantischen Weltuntergangsstimmung eher auf "The End" gepasst. Ein Akustik-Gitarren-Intro und der engelsgleiche Gesang von Liv Kristine (ex-LEAVES EYES) lassen eine Ballade erahnen. Doch glücklicherweise bricht sich auch hier nach einiger Zeit der Metal Bahn. Der ansonsten nicht wirklich herausragende Song erhält durch den modernen Sound und die stimmigen Duettparts seine Ecken und Kanten.

'The Face Of Silence': Auch das folgende Stück geht gegenüber seinen Vorgängern etwas unter. Wenngleich der mit ORDEN OGAN-Melancholie durchsetzte Refrain wirklich hübsch ist, wirklich hängen bleibt er heute Abend nicht. Punkten kann 'The Face Of Silence' dafür mit dem bombastisch abgemischten und abwechslungsreichen Schlagzeugspiel von Dirk Meyer-Berhorn und den an DORO erinnernden "We are"-Chorgesängen zum Abschluss, die live sicher für Stimmung sorgen.

'Down Here': Hier dürfte der Schwachpunkt des Albums erreicht sein. Und das liegt nicht unbedingt am Songwriting, denn die Strophen, die Instrumentierung, das spaßige Keyboard-Gitarren-Duell am Ende, sind eigentlich sehr stimmig. Problematisch ist diese riesige Wand aus Chören, mit denen der komplette Chorus vollgekleistert wird. Seebs dunkles Organ, das in den Strophen so wunderbar zur Geltung kommt und wirklich in der Lage ist, einen ganzen Song auch alleine zu tragen, geht im Refrain leider komplett unter. Dies gilt teilweise auch für die anderen Stücke auf "Gunmen", nur hier zeigt es sich besonders eklatant.

'Ashen Rain': Und was folgt auf den Schwachpunkt? Natürlich das absolute Highlight! Der dramatische Song fasziniert mit leichtem SAVATAGE-Touch, dem die sehr harten und rhythmischen Riffs, die erneut Seebs Faible für modernen Progressive Metal erkennen lassen, entgegengesetzt werden. Die mit Akustik-Gitarren unterlegten, eher basischen Strophen lassen den Knaller-Refrain noch mehr knallen. Hier haben wir es, und das ist nach zweimaligem Hören schon klar, mit einem Höhepunkt im bisherigen Schaffen der Arnsberger zu tun.

'One Last Chance': Nach diesem Ohrwurm für die Ewigkeit macht ORDEN OGAN weiter, als wäre nichts gewesen. Der vorletzte Track begeistert mit beinahe coriger, sehr tiefer und rhythmischer Gitarrenarbeit, über die ein feines Lead gestreut wird. Dank Mitsingrefrain und tollem Mitgrölpart entpuppt sich hier eine tolle Power-Metal-Hymne mit mitreißendem Against-The-World-Gefühl.

'Finis Coronat Opus': Natürlich gehört ans Ende zur Kür noch ein epischer Longtrack. Und was für einer hier gebastelt wurde! Nach abgefahrenem Intro (ich möchte hier nicht zu viel verraten) knallen uns die Chartstürmer eine richtige High-Speed-Attacke um die Ohren, die sich gewaschen hat. Dadurch, dass in den Strophen die Gitarren verstummen, wirkt die Angelegenheit noch zackiger. Der Refrain hingegen bildet einen ruhigeren Gegenpol, in Latein, sakral. Das Stück mausert sich nach hinten heraus zu einem traurig-schönen und romantischen Schlussakkord, der mit einem guten Gefühl aus der Reise entlässt.

Auf "Gunmen" legt der Vierer seinen Fokus deutlicher als zuvor auf schön ausgearbeitete Gitarrensoli, die sich wirklich überall entdecken lassen und auf eine technischere Instrumentierung, die gerne moderne und harte Riffs zulässt. Das Westernthema kommt eher in den Zwischenspielen, in so mancher Melodie und natürlich den Texten zur Geltung, davon abgesehen ist auch Album Nummer 6 klar ein ORDEN OGAN-Werk. Auf Mundharmonika und Pferdewiehern wurde zum Glück verzichtet. Auch deshalb sollte "Gunmen" es seinen Vorgängern gleich tun und sowohl die Wohnzimmer, als auch sämtliche Konzerthallen und Festivalbühnen in Beschlag nehmen. Man darf sich als Fan metallischer Liedkunst sehr auf das freuen, was da noch kommt!

Wer es gar nicht mehr abwarten kann und die Songs direkt live abfeiern möchte, der sollte sich einen der folgenden Termine dick notieren. Die vier Album-Release-Shows finden hier statt:

 

  • 05.07.2017 - Rock Harz Festival, Ballenstedt
  • 07.07.2017 - MS Stubnitz (Schiff), Hamburg
  • 08.07.2017 - Fort Fun Abenteuerland (Saloon), Bestwig
  • 09.07.2017 - Backstage, München

 

Redakteur:
Marius Luehring

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