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ORKUS: Interview mit Dod und Christian

01.01.1970 | 01:00

Der Anfrage von Dod nach einem Mailinterview konnte ich nicht nachgeben. Vor allem angesichts der Tatsache, dass das Quartett mit ihrem aktuellen Album "Worms Of Tomorrow" ein Meisterwerk des Death/Blackmetall hingelegt hat, war ein weiteres Argument um ihn auf den Zahn zu fühlen. Angefangen vom klassischen und genialen Opener 'Heretic' bis hin zur herzergreifenden Ballade 'Phantoms Of Past Days' wird auf den übrigen Songs absolut eingängiger Death/Blackmetall zelebriert. Das ich nicht der Einzige bin, der diese Meinung vertritt, könnt ihr ganz gut auf der Homepage der Jungs http://www.orkusband.de nachlesen. Bandgründer Christian (g.,v.) und Dod (v.,g.) standen mir in dem Mailinterview zu allerhand Fragen Rede und Antwort, u.a. warum die Band mit den großen Metal-Magazinen auf Kriegsfuß steht, weshalb die Jungs mit dem SUBWAY TO SALLY-Vergleich nichts anfangen können, wieso ich die Black-Metal-Regeln nachbeten muss und demnächst wahrscheinlich noch für die Tourplanung zuständig bin.

Tolga:
Christian, beschreib mal bitte in kurzen Worten eure Gründungsgeschichte und Discography bis zu eurem aktuellen Werk "Worms Of Tomorrow".

Christian:
Gegründet haben wir uns im Winter 1996. Damals bestand die Band noch aus Mirco, Jan, Maik und Christoph. Ich bin im Dezember 1997 eingestiegen, weil Mirco das mit dem Singen und Gitarrespielen nicht hinbekommen hat. Ich war aber sowieso schon vorher bei jeder Bandprobe dabei und habe auch vor meinem Einstieg schon einige Texte geschrieben. Im September '98 haben wir dann das Demo "The Gate" aufgenommen, welches uns einen Plattenvertrag bei Undercover Records eingebrockt hat. Das Album "Thorns" wurde dann im Dezember 1999 im Gernhart-Studio aufgenommen und bekam recht positive Resonanzen. Leider hat Undercover nicht viel für das Album gemacht und es gab auch einige heftige Probleme vor, während und nach der Veröffentlichung, aber Einzelheiten spare ich mir. Das Album erschien dann mit einem Jahr Verspätung im Februar 2001. Jan wurde im März '01 gekickt, weil einfach das nötige Engagement fehlte. Mirco übernahm dann wieder die zweite Gitarre. Unser Drummer Christoph verließ im September '01 wegen seines Studiums die Band. Ihn ersetzte Stephan. Im August '01 entließ uns Undercover aus dem Vertrag, weil wir dem Alex "zu melodisch und kommerziell" waren. Er meinte, wir wären bei Nuclear Blast gut aufgehoben ... Wirklich traurig waren wir nicht gerade darüber.
Durch die ganzen Probleme verging viel Zeit und schlussendlich verließen im Januar '03 Mirco und Maik die Band. Dod stieß dann sofort dazu und wir begannen wieder mal das Set neu zu proben. Wie die zwei Jahre davor halt auch ...
Nachdem wir dann zwei weitere Bassisten verschlissen hatten, beschlossen wir zu dritt erstmal ins Studio zu gehen und uns dann um einen neuen Bassisten zu kümmern. Ab August '03 haben wir dann das neue Album "Worms Of Tomorrow" im Big Easy Studio von Freio Haas aufgenommen. Freio ist der Sänger meiner Ex-Band NEKTRA, aus der ich im April ausgestiegen bin. Während der Aufnahmen stieß dann unser neuer Bassist Jens dazu, der aber auf dem Album noch nicht zu hören ist, da dies zu kurzfristig war. Da ich schon länger Bass als Gitarre spiele, habe ich diesen Part im Studio dann auch übernommen. Da wir die Platte immer nur nach der Arbeit aufgenommen haben, zogen sich die Sessions bis April '04.
Danach haben wir das Album dann mit Martin Buchwalter (PERZONAL WAR) im Gernhart-Studio in Siegburg gemischt und gemastert. Zum Glück sind wir dann auch beim Twilight-Vertrieb untergekommen, wo wir uns endlich wohl fühlen und wir auch endlich ordentlich arbeiten können. Ich bin sehr froh, dass wir das Album nun endlich veröffentlicht haben, denn es war ein harter und steiniger Weg bis dahin, aber mit dem Endergebnis sind wir sehr zufrieden!

Tolga:
Dod, du hattest mir schon geschrieben, dass du beim Bund bist. Was machen die anderen Bandmitglieder so? Sind sie schon im Berufsleben voll verankert oder studieren sie bzw. absolvieren eine Ausbildung?

Dod:
Also Christian macht derzeit eine zweite Ausbildung, genauso wie Stephan. Der Jens "arbeitet" beim Arbeitsamt und ich bin halt gerade mit Ausbildung fertig und werde jetzt erst einmal meinen Wehrdienst absolvieren. Black Metal ist ja auch Krieg und so. *g*

Tolga:
Wie heißt ihr denn mit bürgerlichen Namen und wieso hattet ihr euch die Spitznamen zugelegt? Hat es damit irgendeine Bewandnis?

Dod:
Na ja, sagen wir es mal so: Ich bin ja der Einzige, der einen Spitznamen hat. Da mein Bürgerlicher Name Dominic lautet, dachte ich, ein Kürzel auf Dod ist besser. Dod bedeutet Tod auf norwegisch und umschreibt wunderbar meinen Körpergeruch. Okay, Spaß beiseite. Das Pseudonym hab ich halt noch von meinem anderen Projekt BELTEZ (The True).

Christian:
Die Pseudonyme vom ersten Album haben wir abgelegt, weil ich mich nicht dahinter verstecken möchte und das auch nicht mehr so zur Musik passt. Von True Black Metal sind wir ja schon weit entfernt mittlerweile. Das sollte schon zusammenpassen.

Tolga:
Euer aktuelles Album ist meiner Meinung nach echt stark geworden. Die Meinung wird aber z. B. im aktuellen Rock Hard absolut nicht geteilt. Wie sehen denn die Resonanzen in anderen Print- und Onlinemedien aus und wie seid ihr generell auf die Presse zu sprechen?

Dod:
Also die Resonanzen sind bis dato eigentlich nur positiv bis fantastisch. Da der Rock Hard aber nicht unbedingt für kompetente Reviews bekannt ist und das Review zur Debüt-Scheibe damals auch nicht von Objektivität zeugte, hatten wir mit so etwas auch schon gerechnet. Um deine Meinung über unser Album bestätigt zu sehen, kann sich der geneigte Leser ja auf unserer Homepage die Reviews der anderen Magazine mal durchlesen.

Christian:
Ich bin sehr zufrieden mit den Reaktionen bis jetzt. Die meisten Reviews waren ziemlich gut und die Platte wurde schon ein wenig abgefeiert, was mich sehr freut, da viel Arbeit drin steckt. Manche Reviews sind zwar schon manchmal seltsam, was Vergleiche und Wortwahl betrifft, aber immerhin positiv. Bei großen Magazinen habe ich schon das Gefühl, dass kleineren Bands nicht soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bei dem von dir genannten habe ich das Gefühl, der gute Mensch, der 'ne Frei-CD abgestaubt hat, hätte sich das Scheibchen ruhig auch zweimal zu Gemüte führen können! Aber die neue RHAPSODY gab's ja auch umsonst ... Die haben auch mehr Tiefe ...
Ich lese Magazine regelmäßig, leider erkennt man bei den Großen mittlerweile auch die Tendenz, dass im Metalbereich genauso gewirtschaftet wird wie in allen anderen Bereichen auch. Geld regiert die Welt ... Nicht bei allen und immer, aber sehr oft.

Tolga:
In meinem Review hab ich ja geschrieben, dass Black-Metal-Fans mit einer Vorliebe für IRON MAIDEN und SUBWAY TO SALLY bei eurer CD auf ihre Kosten kommen. Was für andere Lieblingsbands habt ihr und inwiefern habt ihr euch bei eurem aktuellen Werk davon beeinflussen lassen?

Dod:
Also erst einmal muss ich dir da für deinen STS-Vergleich auf die Finger klopfen. Höchstens die Bratschen-Melodien (keine Violine ;-) ) erinnern ein bisschen daran. IRON MAIDEN schaut sicherlich stellenweise durch die Songs durch.
Also meine Lieblingsbands sind NAGELFAR (RIP), ULVER (alles), WOHL$TAND$KINDER, BURZUM und GATES OF ISHTAR. THE EARLY NOVEMBER können auch einiges.

Christian:
Hm, Lieblingsbands ... Das wechselt oft, da ich mir viele unterschiedliche Sachen reinziehe. Von Black, Death und Metalcore, Punk, Ska, Rock der 60er bis 90er ist da viel dabei.

Tolga:
Bei 'Shadowlife' und 'Galleries Of Velvet Fear' kommen auch Streicher zum Einsatz. Wie seid ihr denn dazu gekommen diese einzusetzen bzw. haben euch Mittelalterbands wie IN EXTREMO und SCHANDMAUL dahingehend beeinflusst?

Dod:
Wir wurden da definitiv nicht durch "Flokati-Mittelalter"-Bands beeinflusst, sondern der Mist ist auf Christians Kopf gewachsen.

Christian:
Ich hatte keinen Bock auf Keyboards, aber trotzdem wollte ich ein paar atmosphärische Flächen und Abwechslung bei den Melodien erzeugen. Da der Daniel von ALCHERA ein guter Kumpel ist, war es naheliegend, seine Bratsche dafür zu verwenden. Bei 'Phantoms Of Past Days' ist der Anfang übrigens absichtlich etwas schief, das gefiel uns besser als ein glatter, sauberer Ton und dient auch wieder der Atmosphäre. Reviewschreiber sehen das natürlich manchmal anders. ;o)
Beim ersten Mal fände ich das auch schief, aber wenn man das Album mehrmals aufmerksam hört, erkennt man den Sinn. Die meisten jedenfalls, haha.

Tolga:
Das ungewöhnlichste und meiner Meinung nach abgefahrenste Lied ist die Ballade 'Phantoms Of Past Days'. Hast du dabei eine persönliche Trennung verarbeitet oder umschreibst du einen ähnlichen Vorfall von einem Bandmitglied oder im näheren Familienkreis?

Dod:
Ich versuche in dem Song, die räumliche und körperliche Trennung zu meinem Astralkörper zu verarbeiten, denn wir alle brauchen Liebe ... Nee, Spaß beiseite. Ich empfehle euch einfach mal eine Seite mit Texten von irischen Folklore-Liedern zu suchen und dann diese mit dem Song zu vergleichen. Der Song ist halt wie die meisten keltischen Lieder, recht tragisch. Ich wurde aber schon öfters darauf angesprochen, ob ich da was verarbeite. Naja, um den Mythos mal was zu steigern, verbleibe ich einfach mal mit einem "Wer weiß?" ;-)

Christian:
Der Dod verarbeitet vieles ... im Darm ...

Tolga:
Kann man auf dem nächsten Album mit einem ähnlichen Stück rechnen oder war das eine einmalige Sache?

Dod:
Das wissen wir noch nicht, obwohl der Plan eigentlich da liegt, das nächste Album ein bisschen heftiger zu machen. Aber das ist ja noch ein ganz schönes Stück bis dahin. Wenn die Verkaufszahlen nicht gut werden, machen wir sicherlich noch eine Ballade. (lacht)

Christian:
Dann auch mit Keyboards und Frauengesang, versprochen!

Tolga:
Ihr seid mit SUIDAKRA ja ganz gut befreundet, denk ich mal, da ja Marcel auf '7 Edges' mitgesungen hat. Wieso seid ihr nicht auch auf dem UP FROM THE GROUND aufgetreten? Wäre doch ein super Support für eure neue CD gewesen! Der Auftritt von SUIDAKRA war übrigens echt klasse und auf ihre neue CD bin ich auch total gespannt.

Dod:
Also der Marcel ist der Arbeitskollege vom Christian. Somit kann der dazu mehr sagen, hehehe. Was das UP FROM THE GROUND betrifft, weiß ich nicht, warum wir da nicht aufgetreten sind. Wusste wohl keiner von uns etwas und gefragt hat uns auch keiner *g*. Nächstes Jahr nach meiner Grundausbildung wird dann erstmal wieder live gespielt.

Christian:
Marcel hat auf 'Among The Faceless' gesungen! Banause ... dafür musst du fünfzehnmal die hundert Black-Metal-Regeln beten!!! (Hoch lebe IMMORTAL, hoch lebe IMMORTAL ... Anm. d. Verf)
Marcel ist ein Arbeitskollege und Kumpel von mir. Den Rest von SUIDAKRA trifft man ab und zu mal irgendwo in Deutschland, sodass ich von Bekanntschaft sprechen würde.

Tolga:
Du hattest mir ja schon mal in einer Mail geschrieben, dass ihr im Herbst auf Tour seid. Wo werdet ihr denn überall gastieren und wie sieht's mit Festivals im nächsten Sommer aus?

Dod:
Ich habe dir nie geschrieben, dass wir im Herbst auf Tour sind (oder ich war betrunken...). Wir haben jetzt noch ein einziges Konzert bei uns in Troisdorf (nähe Bonn) mit MYSTIC CIRCLE, SKUM und COR am 20.11.2004. Wir würden sicherlich mehr spielen, leider gibt meine beschränkte Freizeit bis Januar nicht mehr her. Eventuell gibt es noch ein Konzert in Norddeutschland Ende des Jahres.

Christian:
Cool, wir gehen auf Tour, mit wem denn? Festivals nächstes Jahr wären super, aber bis jetzt sind wir noch nicht gebucht, mal sehen, was sich noch tut!

Tolga:
Was erwartet ihr von der neuen CD und wie sehen eure Zukunftspläne, abgesehen von Tourplänen, denn so aus? Denkt ihr, dass ihr langfristig von den Bandeinnahmen leben könnt?

Dod:
Also was ich mir davon erwarte, ist erst einmal, dass wir ein Werk geschaffen haben, an das sich ein paar Leute wenigstens in ein paar Jahren noch erinnern können. Also, dass die Leute sagen: "Hey, die Jungs von ORKUS, die haben das damals schon ganz ordentlich hinbekommen". Geldlich wäre es schön, wenn wir von der Scheibe die Unkosten für die Band decken könnten. Ich denke, dass ich eher langfristig weiter arbeiten gehen möchte. Ich müsste Pop machen um vom Geld leben zu können und dazu habe ich persönlich nun überhaupt keine Lust.

Christian:
Also, mein Porsche ist bestellt und ich verbringe meine Zeit nur noch mit Black Jack, Nutten und Koks! Wie jeder, der in 'ner ordentlichen Metalband spielt!

Tolga:
Gibt's irgendwelche Weisheiten, die in dem Interview noch nicht angesprochen wurden und die ihr euren Fans noch mitteilen möchtet?

Dod:
"Gema" hat genauso viele Buchstaben wie "Nazi" ...

Christian:
Unser Album ist gut!

Redakteur:
Tolga Karabagli

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