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PAIN: Interview mit Peter Tägtgren

10.05.2007 | 10:42

Irgendwie stylisch, die neue Roadrunner Records-Zentrale in Köln. Glaswände und so. Im direkten Vergleich zur alten RR-Bude schon fast professionell und gediegen. Naja, man kann sich sicher sein, dass die Jungs und Mädels von Roadrunner es binnen kürzester Zeit schaffen, aus den sterilen Tagungsräumen eine vor Postern und Stickern nur so wimmelnde PR-Hölle zu machen.

Dennoch ist es irgendwie passend, dass man ausgerechnet in dieser neuen Straßenrennerbutze den Mann hinter PAIN trifft, Peter Tägtgren. Anlässlich des neuen Albums "Psalms Of Extinction" wurde zum Interview geladen, und nach einer Weile kommt auch ein relativ entspannt wirkender Skandinave aus dem Nebenraum und reicht einem die Hand. Relativ entspannt deshalb, weil man dem Mann und dem dazugehörenden Gesicht eigentlich immer eine gewisse Müdigkeit unterstellen kann.

Als es aber um sein neues Album geht, wird er hellwach. Ja, Spaß gemacht hätte die Arbeit daran. Und er hätte das getan, was er in den letzten Jahren nach "Dancing With The Dead" gelernt hatte. Sich in einem Raum einzuschließen, mit dem Computer rumzuspielen und dabei immer neue Soundeffekte zu arrangieren, das wäre verdammt cool gewesen.

Aber nun nichts wirklich Neues, was also ist die bahnbrechende Neuerung bei "Psalms Of Extinction"?

Bahnbrechend sei eigentlich gar nichts, er hat das getan, was er am besten konnte, und wie es ihm selbst gefiel. Eine neue Stufe der künstlerischen Arbeit sei erreicht, und er sei verdammt stolz darauf, was er da fabriziert hat. Ach ja, und straighter sei die Platte, melodischer zudem, und mehr "straight into your face".

Etwas expliziter vielleicht?

Naja, nach der alten Platte hat er sich gedacht, dass man das Ganze vielleicht besser arrangieren könnte, und schließlich wollte er wieder was Eingängiges machen, was ihm ja schließlich mit dem neuen Album auch gelungen sei.

Deswegen die ganze Epik?

Unter anderem. Dieses "Epische" sei halt ein Teil der Spannung, die er mit seiner Musik aufbauen wollte, und Spannung verliert sich zu schnell, wenn man versucht rumzufrickeln. Also hat er es dabei belassen, und sich auf alte Tugenden besonnen, was im Endeffekt zum besten PAIN-Album überhaupt geführt hat.

Das BJÖRK-Cover 'Play Dead'?

Großartige Musikerin, großartiger Song und es hat einfach gepasst. Genauso wie 'Eleanor Rigby' damals. Es seien Songs, deren Struktur einfach prima auf das Elektronische passen würde, und gleichzeitig genug Vibe hätte um mit Metal nach vorne getrieben zu werden. Könnten Peters Augen leuchten, würden sie das jetzt wahrscheinlich tun, so warm wird seine Stimme, wenn er von dem Song spricht. Das ganze Album liegt ihm am Herzen, wenn man mal davon absieht, dass er damit seine Brötchen bezahlen will, so scheint es doch was Besonderes zu sein. Woran man dann auch festmachen kann, dass Peter Tägtgren laut Promoinfo nichts anderem im Sinn hat, als PAIN weltweit bekannt zu machen.

Weltweit? Weltweit.

Und das will er erreichen, in dem er von einem Majorlabel zu Roadrunner Records wechselt? Scheint irgendwie widersinnig, einem Label mit weltweiten Möglichkeiten den Rücken zu kehren und zu einem kleineren Label mit begrenzteren Mitteln zu wechseln.

Da werden seine Lippen schmal. Das leuchtet definitiv ein, aber es sei nun mal ganz anders als man es erwartet. Roadrunner hätten mehr Ahnung davon eine Band in einer Szene wie der Metalszene groß rauszubringen, dies hätten sie ja auch schon mit anderen Bands geschafft, und von daher sei er zuversichtlich bei den richtigen Leuten gelandet zu sein. Die Zusammenarbeit mit seinem vorherigen Label hatte sich etwas schwieriger gestaltet, da die Leute einfach nicht gewusst hätten, wie man seine Musik an die richtigen Leute bringt.

Die richtigen Leute? Bei einem Bastard aus Metal und Elektronika bin ich gespannt die Definition für den perfekten Fan zu hören. Ein Grinsen schleicht sich in seine Miene, und er kann nicht anders als zu lachen. In der Tat wäre es ziemlich schwierig die perfekte Zielgruppe für die Musik von PAIN auszumachen, aber er habe die Erfahrung gehabt, dass es gewisse Menschen gibt, die sich einfach grenzübergreifend mit seiner Band zufrieden geben. Zum Beispiel Metalheads, die PAIN mögen, HYPOCRISY aber schrecklich finden. Oder nicht einmal kennen. Oder Leute, die sonst nur elektronische Musik hören, und mit Metal eigentlich gar nichts anfangen können.

Die Präferenz von PAIN? Schließlich ist HYPOCRISY immer noch sein Hauptprojekt.

Naja, HYPOCRISY seien definitiv immer noch seine Hauptband, aber mit PAIN hat er halt die Möglichkeit auszuprobieren, was mit HYPOCRISY halt nicht möglich sei.

Als vielbeschäftigter Mann hat Peter eigentlich dauernd irgendwelche Projekte am Laufen, was wäre denn das nächste?

Die anstehende PAIN-Tour natürlich, dann würde er noch mit DIE KRUPPS ins Studio gehen, um ihr neues Album aufzunehmen.

Moment, DIE KRUPPS? Die deutschen Industrial-Pioniere? Waren die denn auch maßgeblicher Einfluss auf seine Arbeit mit PAIN?

Naja, eher weniger. Er hat erst von ihnen erfahren, nachdem das erste PAIN-Album schon raus war. Spezielle Einflüsse seien sowieso nicht festzumachen, denn PAIN war schon immer eine eigenständige Band, die er sich so zusammen gezimmert habe, wie er sie wollte, und alleine darauf käme es an.

So wie er es haben wollte? Und dann die Zusammenarbeit mit Musikern wie Mickey Dee?

Ja, er habe mit den Musikern guten Kontakt, und Mickey Dee habe ihm schon vor einer Weile angeboten mit ihm zusammen zu arbeiten. Als es dann schließlich so weit war, dass Peter sich selbst dachte, dass er diesen Drumpart nicht gut genug selbst spielen konnte, hat er schließlich Mickey angerufen. Mit Laiho und Iwers wäre es ähnlich verlaufen, sie brächten frisches Blut in das Projekt, ohne gleich komplett die Richtung zu ändern.

Und dabei bleibt es? PAIN als Peter Tägtgren-Alleingangs-Projekt?

Ziemlich, warum auch nicht? Das Ding sei schließlich sein Baby. Und das neue Album sehe er als Bestätigung dessen, dass er das auch gut genug alleine deichselt.

Keine Frage. Zum Schluss noch irgendwas an unsere Leser?

Da fängt er an zu überlegen, und gibt sich dann ganz zuletzt noch ein wenig unkreativ: "Well, listen to my album! And rock on!"

Redakteur:
Michael Kulueke

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