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PHAZM: Interview mit Pierhryck

01.01.1970 | 01:00

Woher PHAZM jetzt tatsächlich kommen, wer genau hinter dieser Band steckt und vor allem, was hinter dem Konzept von "Hate At First Seed" steht, wollte ich von meinem Gesprächspartner Pierhryck wissen. Leider wollte dieser mir nur die letzte Frage ausführlich beantworten, über den Rest hüllte er indes den Mantel des Schweigens. Doch dieses Mysterium ist es auch, welches PHAZM so interessant macht und die Band zurecht zur neuen Hoffnung des Extrem-Metal-Sektors aufsteigen lässt. Warum das so ist, erzählt euch Pierhryck in den folgenden Zeilen selbst:

Björn:
Hallo, wie geht's?

Pierhryck:
Ich habe einen fürchterlichen Kater und erhole mich gerade. Mahx, unser Bassist, sitzt neben mir und wird momentan tätowiert, und ich habe die ganze Zeit diese komische Surren in meinem verdammten Kopf. Alles klar?

Björn:
Hm, hört sich nicht gerade angenehm an. Aber es gibt ja auch etwas Positives zu vermelden, nämlich die Veröffentlichung eures neuen Albums. Wie sind die Reaktionen bislang?

Pierhryck:
Nun, wir sind recht glücklich. Jeder scheint die Scheibe zu mögen. Aber um die Wahrheit zu sagen, ich bin von den Reaktionen aus Europa auch gar nicht überrascht. Ich wusste, dass die Leute uns dort mögen werden. Außerdem haben wir einen sehr guten Kontakt zu den Vereinigten Staaten, und verdammt, es fühlt sich gut an! Das habe ich wiederum nicht erwartet, ich führe so viele Interviews, das ist schon fast seltsam.

Björn:
Das ist euer erstes Album, und ich finde es schon verwunderlich, dass ihr seit eurer Bandgründung im Jahre 2003 so schnell solch hochkarätiges Material zu schreiben im Stande wart. Wie habt ihr das gemacht?

Pierhryck:
Ich weiß es nicht! Alles ging sehr schnell! Ich vermute mal, dass wir ziemlich talentiert sind, hart an uns arbeiten und außerdem eine Menge Glück haben. PHAZM wurden mit dem Ziel gegründet, den organischsten und groovigsten Black Metal zu kreieren. Wir haben die Musik aufgenommen und wurden glücklicherweise sofort unter Vertrag genommen. So einfach ist das.

Björn:
Habt ihr denn vorher schon in anderen Bands musiziert?

Pierhryck:
Eigentlich sind wir alle in bekannteren Bands aktiv - aber darüber möchte ich an dieser Stelle nicht zu viele Worte verlieren.

Björn:
Der Name der Band ist ziemlich ungewöhnlich. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Pierhryck:
PHAZM stammt von 'phasma', also dem Insekt. Im Griechischen heißt es soviel wie 'Erscheinung' oder 'Geist'. Dieses Insekt sieht aus wie eine Brombeere und ist in der Lage, das Aussehen von Holz anzunehmen und sich dahinter zu verstecken. Da es außerdem nachtaktiv ist, schien es das perfekte Symbol für uns zu sein.

Björn:
Auch das Konzept eures Albums scheint davon beeinflusst zu sein. In meinem Infoblatt habe ich etwas von der Rebellion der Bäume gelesen. Was hat es damit auf sich?

Pierhryck:
Die Natur wird ihre Rache an der Menschheit haben. Wir sind das Gangrän unserer Welt und somit unsere eigene Zerstörung. Ich würde die Bäume gerne in den Krieg ziehen sehen, um jedes einzelne Stück von nutzlosem Fleisch zu zerstören. Stell dir nur mal eine Welt ohne Menschen vor, nur Bäume und Holz. Es gäbe nur einen einzigen Klang, nämlich das Bellen des Holzes, und das tief und guttural. Ich hasse diese moderne Welt.

Björn:
Was fasziniert dich denn so an Bäumen?

Pierhryck:
Ich kann ihren Klang hören. Ich höre sie, glaube mir! Wenn ich in den Wald gehe, fühle ich mich niemals alleine. Alles, was lebendig ist, erschafft Vibrationen, und ich bin in der Lage sie wahrzunehmen. Deswegen sind Bäume etwas ganz Besonderes für mich.

Björn:
Inspiriert dich die Natur beim Schreiben der Musik?

Pierhryck:
Definitiv ja. Meine Musik ist ein Geschenk der Natur.

Björn:
Und warum hasst du die moderne Welt von heute?

Pierhryck:
Ich hasse es, ein Teil einer sterbenden Welt zu sein, wo der Traum schon vorbei ist. Alles ist so übertrieben dargestellt, so langweilig. Es ist schwer, heute noch etwas zu kreieren und seine Träume zu bewahren. Ich möchte auch weiterhin an das Ungewöhnliche glauben; ich möchte mir weiterhin den Mond ansehen ohne glauben zu müssen, dass es sich dabei lediglich um einen fliegenden Stein, der die Erde umkreist, handelt. Diese moderne Welt beschäftigt sich lediglich mit nutzloser Glücklichkeit, Heuchelei und Tod. Die Vorzüge von Ehre, Respekt und Harmonie sind von der neuen Technologie vollkommen zerstört worden.

Björn:
Du redest in deinen Texten über die Rückkehr zu den Wurzeln. Was meinst du damit im Speziellen?

Pierhryck:
Ich denke, dass die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten meiner Vorstellung eines harmonischen Lebens näher gekommen sind, als dies heute der Fall ist.

Björn:
Was hat dich denn abgesehen von der Natur noch beeinflusst?

Pierhryck:
Ich mag Musik, hinter der eine organische Lebenseinstellung steht. Deshalb gefallen mir DARKTHRONE genauso wie die BLACK LABEL SOCIETY. Wenn wir neue Songs komponieren, lassen wir die Riffs von selber entstehen, es muss alles natürlich sein.

Björn:
Ich habe euch in meinem Review mit MOTÖRHEAD und TURBONEGRO auf der einen und mit SATYRICON und IMPALED NAZARENE auf der anderen Seite verglichen. Kannst du dich damit anfreunden?

Pierhryck:
Ja, sicher, darum geht es ja auch bei PHAZM. Black 'n' Roll!

Björn:
Was bedeutet dir Black Metal denn persönlich?

Pierhryck:
Wenn ich mir Black Metal anhöre, dann möchte ich nicht an Musiker denken, die ihre Zeit im Studio totschlagen, sondern an die Dinge, die sich in meinen makabersten Gedanken abspielen. Black Metal ist Musik, die eine spezielle Aura ausbrütet, eine totale Finsternis in den Ohren des Hörers. Eine gute Black-Metal-Band lässt dich vergessen, dass man zum Spielen eine Gitarre und einen Verstärker braucht.

Björn:
Mir gefällt ganz besonders der Sound, den ihr euch von Jacob Hansen habt zurechtzimmern lassen. Er hat es perfekt hinbekommen, diese spezielle Old-School-Atmosphäre zu erschaffen. Wir seid ihr mit ihm in Kontakt gekommen, und was hat schließlich den Ausschlag dafür gegeben, ihn als Produzenten auszuwählen?

Pierhryck:
PHAZM sind schon immer eine Band gewesen, die ihre Musik live aufnimmt, und daran wird sich sicher auch nichts ändern. Ich hasse diese neuen Produktionen und diesen ganzen Pro-Tools-Schwachsinn. It sucks! Ich möchte, dass die Musik sich echt anfühlt, so wie sie gespielt wurde und ohne Korrekturen. Heutzutage spielen Computer anstatt von Musikern. Was zur Hölle soll das? Was du auf "Hate At First Seed" hörst, ist echt, nichts ist ausgebessert worden. Darauf bin ich sehr stolz. Das muss ja nicht bedeuten, einen schlechten Sound zu haben. Außerdem bewahrt man sich durch Live-Aufnahmen den Groove. Das Studio von Hansen war perfekt für uns. Jacob hat sehr gut verstanden, was wir von ihm haben wollten.

Björn:
Er war aber sicher nicht die billigste Lösung. Habt ihr das Album denn eigentlich vor der Unterzeichnung des Plattenvertrags eingespielt oder hattet ihr da schon die finanzielle Unterstützung seitens des Labels?

Pierhryck:
Wir sind ohne einen Deal ins Studio. Wir mussten dieses Album sowieso machen, und ich habe hart für das dafür benötigte Geld gearbeitet. Natürlich hofften wir, direkt danach unter Vertrag genommen zu werden, und glücklich, wie wir sind, hat das auch geklappt.

Björn:
Ich kann dem Promo-Info so einiges entnehmen, habe aber weiterhin keine Ahnung, wo PHAZM eigentlich herkommen. Kannst du mal Licht ins Dunkel bringen?

Pierhryck:
Wir stammen von der Erde.

Björn:
Oh, sehr aufschlussreich! Kannst du mir denn wenigstens etwas über die Mitglieder von PHAZM erzählen?

Pierhryck:
Ich bin der Sänger und Gitarrist, Pathryck spielt Gitarre, Mahx ist unser Bassist und Drykh verhaut die Felle. Wir sind die Versammlung von vier abgefuckten Verrückten, die mit Gras und Pilzen vollgepumpt sind. Wir mögen Wein und Fleisch und wir lassen die Dunkelheit erwachen, wie keine zweiten.

Björn:
Welche Ziele hattet ihr mit der Band?

Pierhryck:
Nichts anderes als großartige Musik zu komponieren!

Björn:
Was muss denn jetzt so alles passieren, damit ihr in der Szene eine gute Stellung einnehmen könnt?

Pierhryck:
Touren, touren, touren! Wir müssen Platten verkaufen und dann reich und berühmt werden! Aber ich glaube, wir werden gar nichts von dem erreichen, denn das Ende der Welt ist nahe!

Björn:
Irgendwelche letzten Worte?

Pierhryck:
Vielen Dank für dieses Interview. Sieh zu, dass du dich im Wald verlierst und spiele dort "Hate At First Seed" so laut du kannst. Betrinke dich, sorge dafür, dass du stoned wirst und erwarte den Aufmarsch der Bäume. Lass das Zeitalter der Bäume beginnen!

Redakteur:
Björn Backes

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