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PHILOSOPHER: Interview mit Alex

19.03.2005 | 08:30

PHILOSOPHER stammen aus dem sächsischen Chemnitz, dass früher einmal Karl-Marx-Stadt hieß. Jedoch liegt es wohl nicht daran, dass die Band sowohl musikalisch als auch textlich in die Vergangenheit schaut. Denn PHILOSOPHER funktionieren auf ihrem Debüt "Thoughts" als schleppend-düstere Old-School-Death-Maschine, textlich geht es dagegen um das literarische Vermächtnis des Horror-Autors H.P.Lovecraft. Zusammen ergibt dies den Terminus 'Lovecraftian Death Metal'. Was es damit auf sich hat, verrät POHILOSOPHER Gitarrist Alex 'Snakes'.

Henri:
Hallo PHILOSOPHER. Lange Vorreden liegen mir gerade nicht, deshalb möchte ich einfach mit der Bezeichnung anfangen, die ihr eurer Musik gegeben habt: Lovecraftian Death Metal. Warum gerade H.P. Lovecraft?

Alex:
Hallo Henri, warum wir nun ausgerechnet für diesen großartigen Schriftsteller so eine Faszination empfinden, kann ich dir auch nicht so genau sagen. Sicher hängt es aber nicht unwesentlich mit der Komplexität und Einzigartigkeit der von ihm geschaffenen Werke bzw. Mythen zusammen. Letztere reizen halt immer wieder zu interessanten Spekulationen, da Lovecraft hier oft real existierende Bezüge aus dem Okkulten mit seinen eigenen "Erfindungen" mischt.

Henri:
Wer von euch hatte die Idee, Lovecraft in den Mittelpunkt eures Schaffens zu stellen?

Alex:
Der eigentliche Stein des Anstoßes für das musikalische Konzept geht wohl auf meine Kappe, wir waren irgendwann an einem Punkt, wo wir beschlossen haben, der Band eine Identifikation zu verschaffen, und da wir alle von Lovecraft begeistert waren, haben wir ihn auserkoren. Außerdem hätte Poe-ian Death Metal wohl etwas blöd geklungen, haha.

Henri:
Wann habt ihr euch zum ersten Mal mit Lovecraft beschäftigt?

Alex:
Unterschiedlich. Ich bin wohl 1996 oder so dazu gekommen, meine erste Geschichte war "Die Ratten im Gemäuer" und seitdem hat Lovecraft für mich nichts an Faszination verloren. Erstaunlicherweise hatten auch die anderen Bandmitglieder schon einen gewissen Hintergrund in dieser Richtung, so dass Lovecraft wohl auch irgendwie den kleinsten gemeinsamen Nenner in dieser Richtung darstellt.

Henri:
Welches ist für euch der größte Verdienst, dass Lovecraft zugeschrieben werden kann?

Alex:
Also für mich steht zweifellos fest, dass er das Genre neu definiert hat. Er hat einen bis heute vieldiskutierten Mythos geschaffen, und seine Art, grauenhafte Dinge jenseits des Vorstellbaren heraufzubeschwören ist einzigartig. Seine Werke sind der Brennpunkt des kosmischen Grauens.

Henri:
Warum muss die Musik zu dem Werk von Lovecraft genau so klingen, wie sie es bei PHILOSOPHER tut?

Alex:
Muss sie nicht! Auch andere Bands wie MORBID ANGEL, NILE oder KING DIAMOND haben sich mit dem Thema auf ihre Weise auseinandergesetzt und ob man da nun einen Zusammenhang sehen möchte, ist wohl jedem selbst überlassen. PHILOSOPHER bedeutet ja, Lovecraft-Atmosphäre mit dem musikalischen "Werkzeug" PHILOSOPHER umgesetzt, also unsere eigene Sichtweise und Interpretation.

Henri:
Wie würdest du denn eure Musik generell beschreiben?

Alex:
Unsere Stücke sind vor allem unter dem Standpunkt der adäquaten Umsetzung der besagten Atmosphäre zu sehen, und da der Mythos selbst recht komplex und vielfältig ist, ist das auch unsere Musik. Man findet auf "Thoughts" Stücke von behäbiger "Schleimigkeit", genauso wie schnellere Parts oder atmosphärische Interludes. Unser Sound unterscheidet sich dank Mario Dahmen, dem Worldsend-Studio-Chef, von der ultrabrutalen Gitarrenbreitwand, er ist differenzierter und somit kann man "die Uhr getrost zehn Jahre zurückdrehen", um mal ein aktuelles Review zu zitieren. Unsere Haupteinflüsse sind da (was den Sound betrifft) vor allem MORBID ANGEL, DEATH und ähnliche Sachen. Bei alledem verstehen wir unsere Stücke aber eindeutig als Songs und nicht als "Frickel-Kunstwerke".

Henri:
Wie genau verarbeitet ihr nun das Werk von Lovecraft in euren Texten? Beschreibe dies doch einmal an zwei ausgewählten Songs.

Alex:
Das könnte länger dauern, wenn wir das jetzt Zeile für Zeile durchgehen, möchte ich auch gar nicht. Es bleibt natürlich immer ein gewisser Spielraum für Interpretationen, im Allgemeinen ist auch da das Spektrum ziemlich weit gefasst. Das reicht von konkreten Bezügen auf einzelne Geschichten wie "Pickman's Model" (hier sei mal verraten: in 'Beyond Darkness') oder die mythologischen Hintergründe einzelner Geschöpfe ('Nephren-Kah') bis hin zu eigenen Interpretationen und Schöpfungen, dem geneigten Lovecraft-Fan sollte aber einiges bekannt vorkommen...
Wobei wir drauf verzichten, hier zum Beispiel seitenlang das NECRONOMICON zu zitieren, wir sehen uns da eher als die Erzähler, also Vermittler des Grauens, der Atmosphäre.

Henri:
Was könnt ihr über die Geschichte eurer Band erzählen?

Alex:
Diese ist noch relativ jung, will sagen in dieser Formation existieren wir erst seit 2004, PHILOSOPHER gibt's schon seit 2003, da allerdings noch ohne Lovecraft und unseren neuen Sänger Mike Seifert, der seit Februar 2004 dabei ist. Bisher gibt es ein frühes Demo (2003), eine EP "What Dwells Beyond" von 2004 und nun, seit Februar auch unsere Debüt-CD "Thoughts".

Henri:
Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Alex:
Schwierige Frage, dieser Name schien uns allen einfach geeignet. Er drückt für uns prägnant die Richtung aus, in die die musikalische Reise geht. Der Name deutet darauf hin, dass wir uns sowohl textlich als musikalisch im Death Metal ein wenig von der brutalen "Hau Drauf"-Ecke abheben möchten. Er soll dazu animieren, sich mit unserer Musik in vielfältiger Weise auseinanderzusetzen.

Henri:
"Thoughts" heißt euer Debüt – zu welchen Gedanken soll es denn anregen?

Alex:
Wie gesagt ist der Hörgenuss ein vielfältiger und obwohl ich persönlich meine, dass man gut zu der Mucke bangen kann, ist die Platte auch durchaus geeignet, sich mal mit dem Booklet in der Hand hinzusetzen und sie ein paar Durchläufe als Gesamtwerk wirken zu lassen – probiert's aus!

Henri:
Ihr scheint ziemlich von Bands wie DEATH beeinflusst – welche anderen Inspirationsquellen würdest du nennen?

Alex:
Uns faszinieren Bands, welche die scheinbaren Grenzen des Genres Death Metal ausloten, neu definieren oder schlicht ignorieren und dabei verdammt gute Songs schreiben. Ein Beispiel ist sicherlich DEATH, ein anderes die besagten MORBID ANGEL oder NILE, OPETH, BOLT THROWER, GOREFEST, PESTILENCE, CYNIC, ATHEIST etc.

Henri:
Eure Scheibe ist die erste CD, die auf eurem Label "Ruptured Silence Records" erscheint. Ist es nicht gefährlich, dass eigene Bandschicksal in die Hände eines so jungen Labels zu legen?

Alex:
Wir haben absolutes Vertrauen in unser Label, welches wir durch intensiven persönlichen Kontakt erhalten. Wir sind quasi täglich miteinander in Kontakt haben den Eindruck, dass man sich bei RUPTURED SILENCE wirklich intensiv um uns und unsere Musik kümmert, was bei einem größeren (übersättigten?) Label schon mal gar nicht mehr möglich wäre. Wir und das Label arbeiten hier absolut als Einheit und das ist uns lieber als eine unter vielen Bands auf einem größeren Label zu sein. Inzwischen haben wir auch Bandzuwachs auf dem Label bekommen und man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt!

Henri:
Wann können eure Fans euch live erleben? Ist eine Tour geplant?

Alex:
Eine Label-Promo-Tour mit den neuen Label-Bands ist gerade in Planung, dazu gibt's umgehend Neues auf unserer Homepage. Hier sind noch ein paar bestätigte Einzelgigs für 2005:

26.03.2005
im Rockkeller 500 in Amberg
mit: EXALTATION, BURNING BUTTHAIRS und EYE OF BETRAYER
09.04.2005
I-Park in Giebelstadt (bei Würzburg)
mit: FINNTROLL, NAGLFAR,
AMORAL, DEBAUCHERY
16.7.2005
"Young and Hungry" Festival
in Chemnitz

Henri:
Welche Ziele für 2005 habt ihr euch ansonsten gesetzt?

Alex:
In 2005 wollen wir vor allem zwei Dinge, nämlich unseren Bekanntheitsgrad durch viele Gigs zu steigern und das Album möglichst vielen Menschen zu Gehör zu bringen! Ansonsten hoffen wir natürlich, dass es weiter so positiv wie bisher für die Band unter dem Elder Sign läuft.

Henri:
Die letzten Worte gehören euch...

Alex:
Dann möchte ich die nutzen, um dir im Namen von PHILOSOPHER für das Interview und den Support zu danken und euch zu erinnern: "CTHULHU CALLS!"

Redakteur:
Henri Kramer

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