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POWERMETAL.de - The Essentials: Platz 2

04.09.2018 | 07:35

Die Silbertrophäe geht an das blaue Album von Metallica, welches am 30.07.1984 erschien und mit Sechsfachplatin sehr hoch dotiert ist. Ein Beweis, dass populäre Musik nicht zwingend poppig klingen muss.

METALLICA waren einst das Nonplusultra des Heavy Metals. In dieser Zeit und auf diesem Album haben sie das auch deutlich unter Beweis gestellt. Fast jeder Song auf "Ride The Lightning" ist heute noch ein Hit und mit 'Creeping Death' ist es METALLICA sogar gelungen, eine Geschichte aus der Bibel exzellent zu vertonen.
[Stefan Lang]

Als METALLICA-Fan, der mit dem "Black Album" zur Musik der Bay-Area-Truppe gekommen ist, war diese Scheibe für mich wie ein Augenöffner, vielleicht sogar der musikalische Urknall. Sobald ich einmal das halsbrecherische 'Fight Fire With Fire' oder die majestätischen Glocken von 'For Whom The Bell Tolls' gehört hatte, war es um mich geschehen und vergessen waren die groovigen Langweiler der Marke 'Enter Sandman'. Gerade wegen dieser prägenden Wirkung rangiert die Scheibe bis heute in meinem persönlichen Ranking noch immer vor dem erfolgreicheren Nachfolger "Master Of Puppets", auch wenn dieser sicher das komplettere Album ist.
[Tobias Dahs]

Ich habe mir lange die Frage gestellt, wie ich folgende Zeilen beginnen soll. Die Antwort war jedoch einfach: 'For Whom The Bell Tolls'! Ein Song, der wie kein Zweiter meine Emotionen hochkochen, der mir wie kein Zweiter eine unvergleichbare Gänsehaut bereiten kann, der mich wie kein Zweiter voller Ehrfurcht erstarren und mir das Blut in den Adern erfrieren lässt. Doch mit dieser einen Göttergabe ist es nicht getan, das gesamte "Ride The Lightning"-Album ist einfach nur perfekt. Obgleich dieses Wort in seiner Bedeutung so unbedeutend klingt, stimmt bei METALLICAs Zweitwerk alles: Das schockierende Artwork, der anfängliche Feuersturm und der Ritt auf dem Blitz. Dann kommt der bereits erwähnte Glockenschlag, ehe alles schwarz verblasst. Man fühlt sich wie unter einer dicken Eisdecke gefangen, will fliehen, der schleichende Tod legt behutsam aber bestimmend seine bitterkalte Hand auf die Schulter. Zum Schluss darf man zum großen Ktulu beten, dass METALLICA am 30. Juli 1984 mit "Ride The Lightning" die Musikwelt nachhaltig veränderte, verbesserte und ihr eine zusätzliche Dimension schaffte. Zwei Jahre später sollte die Band noch einmal die Puppen spielen lassen, doch "Master Of Puppets" wäre niemals DAS "Master Of Puppets" geworden, wenn nicht "Ride The Lightning" in all seiner Härte, Emotionalität, Vielfalt, Raffinesse und Genie die Strippen gezogen hätte.
[Marcel Rapp]

Für mich ist "Ride The Lightning" die beste METALLICA. Noch ganz knapp vor "Master Of Puppets" und schon recht deutlich vor "...And Justice For All". Auf "Ride The Lightning" funktioniert die Symbiose aus unbekümmerter Frische und trockener Riff-Präzision am besten. Außerdem sind die geilsten Songs der Bandgeschichte drauf: 'Ride the Lightning', 'Creeping Death', 'Fade to Black' und 'For Whom the Bell Tolls'. Sensationell! Meine heilige "Ride the Lightning"-LP ist so abgenudelt, dass es kaum noch aus dem Schrein genommen wird. Allerdings gehören METALLICA zu den Bands, deren Sound auf Vinyl einfach besser klingt.  
[Martin Van Der Laan]

Diese Kombination aus Härte und Melodien war für mich der Einstieg, der Dosenöffner in die härtere Metal-Welt. Musikalisch ein Tick rudimentärer als der Nachfolger, ist das Album aber bei mir persönlich aus emotionaler Sicht beim Fotofinish vorne.
[Chris Staubach]

Lasst uns noch einmal eine Reise in die Vergangenheit machen, in eine Zeit, in der der Rezensent dieser Scheibe gerade mal 12 oder 13 Jahre alt war. Eine Zeit, in der ich mit dem METALLICA-Werk „Master Of Puppets“ in Berührung kam und so gar nichts mit der Scheibe anfangen konnte. Während der komplette Freundeskreis auf das Album steil ging, war mir - der gerade HELLOWEEN, W.A.S.P., KING DIAMOND, OVERKILL und "Reign In Blood" kennenlernte - das Zeug zu verkopft. Klar sind die Songs gut, das steht völlig außer Frage, aber der Funke wollte eben nie so richtig überspringen. Als dann ein guter Freund mit "Ride The Lightning" und den Worten "Hör dir das mal an!" um die Ecke kam, tendierte meine Motivation natürlich eher gegen Null, nur um kurze Zeit später völlig aus der Hose katapultiert zu werden.

Das Akustikintro von 'Fight Fire With Fire' konnte mich gleich in den Bann ziehen, und ab dem einsetzenden Riffgewitter gabs kein Halten mehr für den jungen Micha. Das hier war viel wilder als der recht kantenlose Nachfolger, viel ungezügelter, aber immer mit diesen Melodien versehen, die nie mehr das Ohr verlassen wollten. Über die Hits muss man wohl keine Worte verlieren, die kann jeder, der nicht über Jahrzehnte unter einer Kellertreppe gehaust hat, im Schlaf mitsingen. Mir persönlich haben es dagegen immer die Songs aus der zweiten Reihe angetan, allen voran das absolut göttliche 'Trapped Under Ice', das im Ranking der besten METALLICA-Songs immer zu kurz kommt, oder aber das folgende, mit einem großartigen Refrain (der sich keinesfalls hinter dem von 'Creeping Death' oder 'For Whom The Bell Tolls' verstecken muss) versehene Midtempo-Monster 'Escape'. Und dann gibts ja auch noch die überirdische Halbballade 'Fade To Black', die dem Hörer eine Verschnaufpause gönnt, dabei aber wie der Arsch auf den Eimer zwischen all die Geilerei passt.

Genauso überrascht wie ich werden damals aber auch diejenigen gewesen sein, die die Band mit dem Debüt "Kill 'Em All" kennengelernt haben. Leider - oder vielleicht eher zum Glück? habe ich das Jahrhundertdebüt (das trotzdem für mich knapp gegen "Ride The Lightning" verliert) erst später entdeckt, konnte aber schon damals die Entwicklung gut nachvollziehen. Für das Zweitwerk schaffte es die Band, die Wildheit des Debüts einzufangen, und diese mit besserer instrumentalen Fähigkeiten zu verbinden. Alleine die Soli, die auf "Kill 'Em All" eher auf Geschwindigkeit getrimmt waren, wurden viel besser ausgearbeitet und fungieren oftmals als Song im Song. Heißt: man kann einzelne Parts tatsächlich mitsingen, und sie machen den Song komplett, anstatt nur schmückendes Beiwerk zu sein. Oder drücken wir es ganz kurz aus: die Band ist songschreiberisch gereift, ohne ihren Spirit zu verlieren, aber auch ohne zuviel in die einzelnen Tracks zu packen, anders als eben im nachfolgenden "Master Of Puppets".

Und während ich nun noch beim abschließenden Instrumental 'The Call Of Ktulu' in Erinnerungen schwelge, frage ich mich, warum zum Teufel sich die Band zwei Alben später auflösen musste. Was hätte nur aus dieser Band werden können?
[Michael Meyer]

Man könnte meinen, unsere Redaktion hätte eine sehr große Vorliebe für Thrash aus der Bay Area, denn die Hälfte der ersten zehn Plätze stammt von Bands, die in dieser Region gestartet sind: MEGADETH, EXODUS, DEATH ANGEL und METALLICA. Letztere landen gleich zwei Mal in den heiligen Hallen, was einfach nur belegt, wie wichtig die Band generationsübergreifend war und ist. Nachdem wir bereits den Meister der Puppen gehuldigt habe, gibt es auf Platz Zwei nun seinen Vorgänger. Passenderweise mit einem in blau gehaltenen Cover, ist es doch die Blaupause für fast alle Thrashalben danach. "Ride The Lightning" war eines dieser Alben, denen wir alle gierig entgegen gefiebert haben. Beinahe täglich ging es zum Plattendealer des Vertrauens, um endlich den Nachfolger zum damals immer noch wöchentlich laufenden "Kill 'Em All"-Nachfolger abernten zu können. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen. Als wir das Teil endlich hatten, saßen wir zu dritt gebannt vor der Anlage und waren völlig erschüttert als das akustische Intro zu 'Fight Fire WIth Fire' erklang. Gut, wir alle wissen, wie es danach weiter geht, aber wir waren erst einmal erschüttert. Dann gab es aber kein Halten mehr! Das Album wanderte sofort auf ein Tape für den anstehenden Italien-Urlaub, auf dessen B-Seite DIOs "Last In Line" war. Das beste Tape der Welt.  Selbst die heute gern schlecht geredeten Nummern fanden wir damals (und heute) toll. Gut 'Escape' wurde erst im Studio geschrieben, aber macht dieser Umstand diesen Song allein schon schlecht? Wir haben das gesamte Album abgefeiert als gäbe es kein Morgen und es verging keine Feier ohne diese Scheibe. Als die Jungs dann im Herbst mit "Creeping Death" noch eine - mit einer sensationellen B-Seite  bespielten – Maxi-Single nachlegen und sogar auf Tour kommen, schwebe ich auf Wolke Sieben. Auch wenn ich meine Lieblinge TANK im Vorprogramm noch stärker fand, war das schon ganz großes Kino.
[Holger Andrae]

Ohne große Übertreibung kann ich wohl behaupten, dass mein Leben ohne METALLICA ein wenig anders verlaufen wäre. In meinem Zimmer hingen diverse Poster der Herren Hetfield, Ulrich, Hammett und Burton, mein erstes Konzert war METALLICA im Düsseldorfer Rheinstadion und "Ride The Lightning" gehört zu den ersten 10-20 Metal-Alben, die ich in meinem Leben gehört habe. Von daher sind Songs wie 'For Whom The Bell Tolls', 'Fade To Black' oder 'Creeping Death' auch immer mit sentimentalen Erinnerungen verbunden, von denen ich ja auch schon einige in der Rezension zum Album preisgab. "Ride The Lightning" ist seit über 30 Jahren ein steter Wegbegleiter und kein "St. Anger" oder "Lulu" wird je an diesem Vermächtnis rütteln können.
[Peter Kubaschk]

Redakteur:
Holger Andrae

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