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PRIMAL FEAR: Interview mit Ralf Scheepers

22.07.2020 | 23:56

13 Studioalben und kein bisschen leise! Das German Metal Commando meldet sich erfolgreich nach "Apocalypse" zurück und hat einen richtigen Bolzenschneider mit im Gepäck. "Metal Commando" macht seinem zwar etwas plakativen, aber direkten Titel alle Ehre und verspricht deutsches Schwermetall in Reinkultur. Goldkehlchen Ralf Scheepers stand uns in einem kurzen Plausch Rede und Antwort und gab uns einen kleinen Einblick in die neue Scheibe.

Ralf, euer 13. Studioalbum - keine Zeit abergläubisch zu werden, oder?

Absolut nicht, also das macht uns gar nichts aus.

Wie geht's dir und wie könnt ihr als German Metal Commando diesem Virus trotzen?

Alles gut, wenn man mal von der Live-Situation absieht. Aber da stecken wir momentan ja alle drin. Hinsichtlich des Albums war es nur am Ende schwierig, als es um die Videos ging. Da von Schweden aus gar nix ging, konnte Magnus (Karlsson, git. - Anm. d. Red.) nicht mitwirken und beim Lyrics-Video sind situationsbedingt auch nur Tom und ich im Hintergrund etwas mit dabei. Das erste Promo-Bild ist auch eher zusammengewurschtelt entstanden, aber man muss eben das Beste aus der Situation machen. Jeder hat von sich zu Hause Fotos gemacht und am Ende haben wir die dann quasi zusammengeschnitten. Zum Glück war die Produktionsgeschichte nicht von Corona betroffen. Im Januar waren wir auch schon mit dem Mix fertig, da hatten wir allerdings aufgrund eines Sturms einige Probleme und mussten uns in Dänemark noch ein Mietauto holen. Aber solche Dinge passieren eben.

Was war denn euer Grund, nach der VÖ von "Apocalypse" wieder zu Nuclear Blast zu wechseln?

Ein Teamwechsel war einfach mal wieder nötig. Als wir damals von Nuclear Blast weggingen, war der Wunsch ähnlich. Frontiers Records hat auch einen guten Job gemacht. Bei Blast haben wir wieder sehr gute Ansprechpartner an unserer Seite und die sind sehr motiviert, wieder neu mit uns zusammenzuarbeiten. Und wenn die Jungs eh nur 30 Kilometer entfernt wohnen, bietet es sich auch an, mal eben kurz dorthin zu fahren und persönlich mit ihnen zu sprechen. Das sind allesamt Metalheads und mittlerweile auch Freunde.

Hinter den Drums sitzt mit Michael Ehré auch ein sehr bekanntes Gesicht. Wie kam der Kontakt zustande und hattet ihr ihn schon länger im Auge als Nachfolger von Francesco?

Wir wollten bei der Auswahl nichts überstürzen, zumal Francesco doch länger schon für uns getrommelt hat. Aber die Zeit, jemand Neuen zu finden, wollten wir uns einfach nehmen. Bei den Proben, bei denen wir dann auch einige Drummer eingeladen hatten, war Michael wirklich herausragend. Es ist natürlich nicht nur vom Drumming, sondern auch vom Persönlichen her eine wichtige Sache. Und bei ihm stimmt das Gesamtpaket perfekt. Bei den Proben hat er uns einfach gegen die Wand geblasen. Das soll nicht heißen, dass die anderen schlecht waren, aber als wir demokratisch abstimmten, hat sich jeder für ihn ausgesprochen. Wenn jeder der gleichen Meinung ist, ist Demokratie einfach, hehe.

Das stimmt allerdings. Ohne Frage, euer neues Album ist in meinen Augen auch gleichzeitig euer bestes, weil abwechslungsreichstes - zumindest wenn man nur die Musik betrachtet. Am Titel und Artwork scheiden sich bekanntlich die Geister. Zumal ihr in der Vergangenheit im Hinblick auf die Cover wirklich sehr tolle hattet. Warum habt ihr euch für diesen Titel und dieses Artwork entschieden?

Wir wollten diesmal plakativer sein. Auf dem Adler liegt nach wie vor das Hauptaugenmerk und da du das Rad auch nicht neu erfinden kannst, haben wir das mit dem Totenkopf einfach kombiniert. Und den Titel "Metal Commando" haben wir schon etwas länger bei uns im Funnel und der geht auf unsere Anfangszeit zurück. Im Schwäbischen hat man uns gerne so genannt. Und da wir dachten, dass das auch mal ein geiler Albumtitel wäre, haben wir das gemeinsam mit dem plakativeren Artwork auch entsprechend umgesetzt.

Ich finde, dass du noch abwechslungsreicher und mehrdimensionaler singst als auf den vorherigen Alben. Bist du an die "Metal Commando"-Arbeiten anders herangetreten als die Jahre zuvor?

Eigentlich nicht. Das hat auch viel mit den Songs zu tun, da man als Sänger versucht, die Stimmung so gut es nur geht, entsprechend zu transportieren. Du musst dich in die entsprechende Emotion und den Song hineinfühlen. Und wenn du die Dynamik wie beispielsweise bei 'Hear Me Calling' richtig erkennst und wie dort ein wenig herunterdrehst oder dich bei 'Infinity' der Stimmung anpasst, dann stimmt auch das Gesamte. Aber mit einer anderen Zielsetzung oder Einstellung als in den Jahren zuvor bin ich an "Metal Commando" nicht herangetreten.

Generell gehst du an ein neues Album mit dem Entschluss, die Messlatte noch einmal höherzulegen. Aber wir machen uns da keinen Druck, weil wir fünf wirklich sehr gute Songwriter in unseren Reihen haben, die eine entsprechende Anzahl an Songs kreieren, aus denen wir dann schöpfen können. Und die letztendliche Entscheidung, welcher Song auf das Album kommt, wird auch demokratisch entschieden. Mat hat dann als Produzent natürlich noch den finalen Entscheid, aber wir profitieren eben vom Umstand, am Ende aus 15 bis 20 Songs die besten auswählen zu können.

Jetzt habt ihr nach 'We Walk Without Fear' mit 'Infinity' einen neuen Longtrack und mit knapp 13 Minuten auch direkt den längsten Song eurer Historie auf CD gebannt. Worin liegen speziell für dich als Sänger die Reize eines solchen Longtracks?

Du kannst einfach die verschiedensten Emotionen in einen einzigen Song packen. An 'Infinity' haben wir auch ziemlich lange gearbeitet. Aber nachdem jeder seinen Part dazu beigesteuert hat und wir dieses Puzzle zusammenfügten, wussten wir, dass der Song ziemliche Gänsehaut verursachen würde. Und diese dann als Sänger auch herüberzubringen, ist noch einmal ein zusätzlicher Ansporn.

'I Will Be Gone' ist speziell aufgrund seiner Einfachheit eine ziemlich herausragende Ballade. Warum gab es diesmal eine Ballade der etwas ungewöhnlicheren Sorte?

Wir wollen nicht immer das gleiche machen, hehe. Trotzdem möchten wir natürlich an unserem Trend festhalten: Du hörst, dass es PRIMAL FEAR ist. An einigen Stellen ist schon ein Hauch von Bombast zu spüren und ein programmierter Streicher ist auch mit dabei. Aber wir wollten den Song so einfach wie möglich halten, um die Gesangsmelodie am besten transportieren zu können.

PRIMAL FEAR besticht durch schnelle, rasante Songs, Stampfer im mittleren Tempo und ab und an auch geschmackvolle Power-Balladen. Welche Sorte an Songs singst du persönlich am liebsten? Was fordert dich am meisten heraus?

Speziell die balladesken Sachen sind für mich am anspruchsvollsten. Deine Stimme steht im Mittelpunkt, den Ausdruck musst du mitliefern können. Und da muss man auch den einen oder anderen Take zusätzlich nehmen, weil wir auch nicht mehr so häufig im Proberaum sind wie damals beispielsweise. Klar sind die schnelleren, höheren Songs auch nicht ohne, aber speziell bei ruhigeren Balladen ist die Atmosphäre unheimlich wichtig. Und die muss einfach stimmen. Mal singst du etwas smoother, mal ein wenig härter. Und aus den bisherigen PRIMAL FEAR-Alben gefällt mir nach wie vor 'Fighting The Darkness' am besten.

Mir persönlich ging von der neuen Platte 'Halo' einfach nicht aus dem Kopf. Ein ziemlich toller Song für eine Single-Auskopplung, oder?

Die ist für diesen Song leider nicht geplant, aber ich schließe weitere Videos definitiv nicht aus. Wenn seitens Nuclear Blast noch der eine oder andere Vorschlag kommt, dann lässt sich das mit Sicherheit auch umsetzen. Aber an für sich ist 'Halo' schon ein geiler, melodiöser Power-Metal-Song, der mir auch sehr gut gefällt.

Seit 2012 in fanfreundlichen 2-Jahres-Abständen neue Alben. Ist das eure interne Zielsetzung oder hat es sich schlicht und ergreifend so ergeben, dass ihr wieder genügend Hochklasse-Material für ein neues Album am Start hattet?

Im Prinzip beides, wenn du es so siehst. Natürlich möchten wir unseren Fans nur das Beste geben, allerdings machen wir uns eben keinen Druck, sondern gehen ob des Umstands, dass wir eben von der Anzahl der Songs her aus dem Vollen schöpfen können, recht entspannt an die Sache heran.

Gibt es schon genauere Pläne hinsichtlich eurer "Metal Commando Over Europe"-Tour, die eigentlich im September hätte stattfinden sollen?

Unser Booking-Management arbeitet momentan auf Hochtouren, die ganzen Shows auf das Jahr 2021 umzuplanen. Sagen kann ich in diesem Moment nichts, da ich nichts vorliegen habe. Aber wir sind optimistisch und hoffen, dass es 2021 wieder voll losgehen kann.

Wie sehen denn darüber hinaus die nächsten Wochen im Hause PRIMAL FEAR aus? Zum jetzigen Zeitpunkt hättet ihr euch wahrscheinlich auf die Tour vorbereitet.

Normalerweise hätten wir schon eine Handvoll Sommerfestivals gespielt und wären auch schon in Amerika aufgetreten, aber das fiel ja leider dem Corona-Virus zum Opfer. Insofern stürzen wir uns wie in den vergangenen Wochen auch in die Promotion zu "Metal Commando" und harren der Dinge, die da kommen. Da es auch in den kommenden Monaten zu keiner Live-Show kommen wird, konzentrieren wir uns komplett auf den Platten-Release. Vielleicht überlegen wir uns noch das eine oder andere Bonbon, das wir dann um die Weihnachtszeit herausschmeißen. Aber in Sachen Release starten wir noch die eine oder andere Aktion bis Ende des Jahres.

Man darf sich also freuen, was in diesem Jahr seitens PRIMAL FEAR noch kommt. Ralf, vielen Dank für das Gespräch!

Ich danke dir, alles Gute!

Redakteur:
Marcel Rapp

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