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PROJECT 13-5: Interview mit Benjamin Haarhaus, Philipp Maike

07.08.2007 | 15:27

Danksagungen an große Namen der Szene sind nicht nur ein Ausdruck von Höflichkeit, sondern zugleich auch ein erster Querverweis für den Hörer, was ihn auf dem Tonträger erwarten wird. Das als Duo agierende Projekt PROJECT 13-5 sagt im Booklet ihres Debüts "Protect Me" ganz speziell TEXTURES, TOOL, PORCUPINE TREE und MESHUGGAH herzlichen Dank, und zwar dafür, dass diese Formationen auf gängige Viervierteltake verzichten. Unschwer zu erkennen, dass auch PROJECT 13-5 abseits aller gängigen Taktvorgaben aufspielen. Die beiden Protagonisten Benjamin Haarhaus und Philipp Maike ließen auch beim Interview Einigkeit erkennen, in dem sie sämtliche Fragen im Duett beantworteten.

Walter:
Nachträglich nochmals Gratulation zu eurem gelungenen Debüt!

PROJECT 13-5:
Danke.

Walter:
Was gibt es denn zum Ursprung von PROJECT 13-5 und den Anfangstagen zu berichten?

PROJECT 13-5:
Angefangen haben wir in normaler Viererbesetzung und mit konventionell strukturierten Songs, bis dann nach einer Weile der Sänger und der Bassist ausgestiegen sind. Das war natürlich am Anfang frustrierend, aber so hatten wir auf einmal die Möglichkeit, unser eigenes Ding durchzuziehen, ohne dass uns jemand reinreden kann. Daraus ist dann die Idee entstanden, zu zweit eine Platte aufzunehmen, die in erster Linie uns selbst gefallen sollte.

Walter:
Wie seid ihr auf den bemerkenswerten Bandnamen gekommen, und was steckt eigentlich dahinter?

PROJECT 13-5:
Da wir uns selbst nicht als Band, sondern als reines Projekt gesehen haben, wollten wir auch einen entsprechenden Namen mit einer Art Projektnummer haben. "13-5" hängt direkt mit dem Thema des Songs zusammen. Um unser Konzept kurz anzureißen: Der Song beschäftigt sich mit Konfliktlösungsstrategien, im Zentrum steht also das Ich, bzw. "Me". "13" und "5" symbolisieren das zum einen durch die Buchstabennummern im Alphabet, zum anderen durch ihre Unteilbarkeit als Primzahlen, also als "Individuen". Wir haben den Song in achtzehn Parts unterteilt, mit dem Titeltrack auf der Nummer acht.

Walter:
Gemäß eurer MySpace-Seite habt ihr das Line-up mittlerweile vervollständigt. Könntet Ihr bitte die aktuelle Besetzung der Band (?) näher vorstellen?

PROJECT 13-5:
PROJECT 13-5 besteht nach wie vor nur aus uns beiden. Benny ist für die Drums und die Vocals zuständig, Phil kümmert sich um die Sounds, die er allesamt aus seiner Zwei-Saiter-Klampfe quält, und um das visuelle Erscheinungsbild. Marc Heghmanns und Kai Siegel haben ihre eigene Band und sind bei uns "nur" Live-Support. Marc steuert live die Overdubs bei, die Phil auf der CD drübergesetzt hat, und Kai shoutet, was das Zeug hält. Wer bei dem Projekt einen Bassisten sucht, wird enttäuscht werden. Phil hat zwei Basssaiten auf der Gitarre und steuert ein ganzes Arsenal an Amps an, u. a. auch einen Bass-Amp.

Walter:
Sehr außergewöhnlich. Welche Bands sind denn zu nennen, wenn wir über Inspirationsquellen sprechen?

PROJECT 13-5:
Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis, dass wir beide große MESHUGGAH-Fans sind. Überhaupt haben wir großen Respekt vor Bands, die außergewöhnliche, komplexe und künstlerisch wertvolle Musik machen. Dazu gehören TEXTURES und RAM-ZET genauso wie RADIOHEAD und PORCUPINE TREE.

Walter:
Wie sind denn die Kritiken auf das Demo bislang ausgefallen?

PROJECT 13-5:
Wir haben viel Positives gehört und gelesen, manche Leute können aber auch gar nichts damit anfangen. Verständlich.

Walter:
Seid ihr mit einer bestimmten Erwartungshaltung an die Veröffentlichung von "Protect Me" herangegangen?

PROJECT 13-5:
Uns war von Anfang an klar, dass unsere Musik den Leuten entweder gut gefällt oder eben überhaupt nicht. Genauso war uns klar, dass es da kein Zwischending geben kann. Insofern haben wir auch nicht erwartet, mit Angeboten von Plattenlabels und Bookingagenturen überhäuft zu werden, da "Protect Me" schon ziemlich speziell ist.

Walter:
Gibt es denn schon Angebote für Plattenverträge oder zumindest für Vertriebsdeals?

PROJECT 13-5:
Nein.

Walter:
Schade. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sehr interessant finde ich an "Protect Me" nicht nur die Musik an sich, sondern sehr wohl auch die lyrische Komponente. Könnt Ihr die Texte bzw. die Hintergründe zu den Songs kommentieren?

PROJECT 13-5:
Es geht, wie gesagt, um innere Konflikte und verschiedene Möglichkeiten, sie zu lösen. Wir haben uns einige Anregungen bei Freud geholt, haben aber auch eigene Erfahrungen und Alltagsbeobachtungen einfließen lassen. Unser Protagonist versucht z. B. seinem Problem durch Verdrängung, Isolation und Regression zu entkommen. Weil es uns wichtig war, dass der Hörer viel Freiraum bei der Interpretation hat, haben wir den Text relativ offen gelassen und fast ausschließlich Bilder verwendet. Es ist schön, wenn man irgendwie seine eigene Geschichte in die Musik reininterpretieren kann. Texte, die zu explizit sind, lassen das oft nicht zu.

Walter:
Woher kamen (und kommen) denn die Inspirationen für derlei Texte?

PROJECT 13-5:
Ein Großteil der Texte ist tatsächlich in einer Psychiatrie entstanden, während Phils Nachtwache. Bennys Psychologie-Studium ist da bestimmt auch nicht unbeteiligt gewesen.

Walter:
Kann ich mir vorstellen, dass da so einiges hängen bleibt. Gibt es denn Nebenprojekte, in die ihr involviert seid, oder seid ihr mit PROJECT 13-5 ausgelastet?

PROJECT 13-5:
Ursprünglich waren wir selbst das Nebenprojekt. Unsere Hauptbands haben sich aber leider vor einigen Wochen aufgelöst. Die Zeit, die uns jetzt neben dem Studium bleibt, können wir voll und ganz dem Projekt widmen.

Walter:
Gut so, denn dann könnt ihr wohl amtlich durchstarten. Was gibt es zum Thema "Live-Erfahrung" zu sagen?

PROJECT 13-5:
Leider noch nicht viel. Ursprünglich war "Protect Me" als Studio-Projekt geplant. Wir wollten eigentlich nur die CD produzieren und dann das Buch wieder zuklappen. Dann bekamen wir Ende 2006 die Möglichkeit, als unbekannter Act bei einem kleinen Festival mitzuspielen. Wir waren quasi gezwungen, das Ganze innerhalb kurzer Zeit live-fähig zu machen. Glücklicherweise sind Marc und Kai spontan eingesprungen und haben sich verdammt gut eingepasst. Außerdem hatten wir vor und hinter der Bühne Verstärkung bei der Licht- und Video-Show. Unser Ziel ist es, bei einer Show alles aufzufahren, was möglich ist. Für eine unbekannte Band mit nur zwanzig Minuten Programm, mit nicht gerade partytauglicher Musik und einer Video-Show, die sich nur in großen Räumen lohnt, ist es nicht ganz so einfach, die Veranstalter davon zu überzeugen, sich auf dieses unbekannte Etwas einzulassen. Außerdem wohnen wir mittlerweile 250 Kilometer auseinander, was spontane Probe-Etappen oder Gigs schwierig macht.

Walter:
Verständlich, dass die Studiotätigkeit da einfacher fällt. Gibt es denn bereits ausreichend Material, um in Bälde mit einem Full-Length-Album nachsetzen zu können?

PROJECT 13-5:
Wir haben schon einige Ideen, die aber tendenziell in eine andere Richtung gehen als "Protect Me". Wir werden uns nicht mehr auf die Zwei-Saiter-Gitarre beschränken, sondern ein paar neue Experimente wagen. Eines davon wird sicherlich das Arbeiten an neuem Material über das Internet sein. Die Ideen für "Protect Me" entstanden alle im Proberaum. Die Zweierbesetzung bleibt in Zukunft aber natürlich die gleiche.

Walter:
Klingt ja schon recht verheißungsvoll. Kann man in etwa einen Termin absehen, wann es so weit sein wird, dass ein Nachfolger zu "Protect me" erhältlich sein wird?

PROJECT 13-5:
Genaue Termine können nur Bands mit Plattendeals und Deadlines rausgeben, haha. Obwohl: Der 13.5.2008 würde ins Konzept passen.

Walter:
Gute Idee, kann man so lassen. Die letzten Worte sollen nun die euren sein, aber natürlich nicht, ohne uns noch einen kurzen Ausblick in eure Zukunft zu geben.

PROJECT 13-5:
Wir finden es schade, dass man heutzutage fast nur noch Metalcore-Einheitsbrei vorgesetzt bekommt. Musiker und Hörer sollten sich auf was Neues einlassen können. Es gibt Unmengen an Bands mit unglaublich guten Musikern, die aber alle nur in einem großen Schwarm mitschwimmen und daraus nicht ausbrechen wollen. Die Hörer lassen sich aber genauso wenig auf andersartige Musik ein. Ein wirklich bescheuerter Kreislauf. Wir zwei haben keine Verpflichtungen gegenüber Trends, wir ziehen einfach das Ding durch – und das dann so ordentlich wie möglich.

Walter:
Und das hört man "Protect Me" auch ohne Frage an!

Redakteur:
Walter Scheurer

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