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PROTEST THE HERO: Interview mit Tim Millar

24.11.2013 | 09:31

"Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir nichts zu verlieren hattten.... Es war eine sehr interessante Erfahrung und wirklich sehr viel Arbeit, aber das war es absolut wert." PROTEST THE HERO-Gitarrist Tim Millar spricht über die Erfahrung mit Crowdfunding, das neue Werk "Volition" und den Status in Europa.

"Volition" nennt sich der vierte Streich der Kanadier PROTEST THE HERO, der erneut herrliches Gefrickel mit echten Melodien verknüpft und den Status der Truppe als einen der interessantesten modernen Progressive-Acts untermauert.


Zum Zeitpunkt des Interviews ist "Volition" gerade erschienen und Tim zeigt sich sehr glücklich damit, wie das Album aufgenommen wird: "Wir sind gerade in Kanada auf Tour und die Shows sind bisher fantastisch. Wir waren schon eine ganze Weile nicht mehr hier auf Headliner-Tour, von daher kann es sein, dass die Leute einfach wieder auf uns gewartet haben, aber sie singen auch die neuen Songs schon mit, was immer ein sehr gutes Zeichen ist. Und auch der hohe Charteinstieg in den USA (#20 - PK) freut uns natürlich sehr." Und das alles mit einem Album, das über Crowdfunding finanziert wurde. Eine Erfahrung, die Tim jederzeit wiederholen würde: "Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir nichts zu verlieren hattten. Es war neu und aufregend, es zu versuchen, also dachten wir uns, warum nicht? Wir hatten in der Vergangenheit mit diversen Labels zusammengearbeitet und haben damit auch nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht, aber hatten gleichzeitig das Gefühl, dass wir um eine Menge Geld im voraus bitten und dafür auch eine Menge an Selbstbestimmung abgeben würden. Es hat zehn Jahre gedauert, um aus einigen unserer allerersten Verträge herauszukommen und das war etwas, was wir nicht noch einmal machen wollten. Es war eine sehr interessante Erfahrung und wirklich sehr viel Arbeit, aber das war es absolut wert. Du hast eine große Verantwortung, weil du alle, die an der Kampagne partizipiert haben, glücklich machen willst und wir hoffen natürlich, dass jeder nun denkt, dass es das wert war. Ich würde es wirklich jedem empfehlen, der den Willen hat, es auch voll durchzuziehen, wenn die Kampagne dann ein Erfolg wird. Da muss man dann aufpassen, dass man auch alle seine Versprechen einhalten und alle Pflichten erledigen kann. Man sollte nicht die Welt versprechen, wenn du es dann später nicht hinbekommst."

Während der Autor "Volition" ziemlich eingängig findet, hören andere vor allem ein instrumentalen Overkill. Und beide Ansichten haben ihre Berechtigung, wie auch Tom findet: "Wir wollen immer die Balance finden zwischen der instrumentalen Komplexität und den eher hörerfreundlichen Parts. Ich denke, dass "Volition" tatsächlich sehr strukturiert und unser bisher eingängigstes Album ist, aber auf der anderen Seite haben wir uns auf der instrumentalen Seite auch nicht zurückgehalten. Rody schafft es eben immer ein paar tolle Hooks über einigen sehr komplexen Kram zu legen, aber wenn du genau hinhörst, dann gibt es so viele verschieden Schichten, dass du bei jedem Durchgang neue Details hören kannst. Und genau das ist auch unser Ziel, wenn wir ein Album aufnehmen."


Auffällig ist auch, dass auf "Volition" die Screams ein deutlich hörbares Comeback feiern. "Es ist nicht so, dass ich die Screams auf "Scurillous" vermisst hätte, aber Screams, Growls und all die anderen Geräusche, die man so mit dem Mund machen kann, haben einfach ihre Zeit und ihren Platz. Dafür den richtigen Spot zu finden, kann die Aggression eines Songs fördern und offensichtlich hat Randy dieses Mal wieder mehr solcher Spots gefunden. Es war weder auf dem letzten noch auf diesem Album eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Screams."

Mit "Kezia" und "Fortress" wurde PROTEST THE HERO als Mathcore-Band gefeiert, seit "Scurillous" wird plötzlich die Progressive-Metal-Schublade aufgemacht. Eine eigentlich unnötige Diskussion, wo man die Kanadier doch am ersten Ton erkennt. Eine Einschätzung, die auch Tom teilt: "Ja, über so etwas mache ich mir keine Gedanken. Ich mag es Wörter wie progressiv und aggressiv zu nutzen, um unseren Sound zu beschreiben, aber in welche Schublade wir gehören, ist mir im Grunde egal. Wie du schon richtig gesagt hast, haben wir einen eigenen Sound und auch wenn sich unsere Geschmäcker verändern und unser Sound erwachsen wird, ist es immer noch die selbe Band. Das kannst du mit einem Wein vergleichen, wo du die eine Flasche sofort trinkst, während du die andere Flasche zehn Jahre im Keller lagerst und erst dann herausholst. Er mag dann köstlicher sein und besser gereift, aber es sind immer noch die gleichen Zutaten."

Während PROTEST THE HERO seit "Fortress" in Kanada die Top10 knacken und "Volition" wie anfangs schon erwähnt auch in den USA hoch gechartet ist, gibt es aus Deutschland noch keinen Charteinstieg zu berichten. Dennoch ist Tim mit dem Status der Band in Europa und speziell in Deutschland sehr zufrieden: "Wir haben jetzt ein paar Headliner-Tourneen gespielt und die liefen ziemlich gut. Im Januar kommen wir wieder nach einer ganzen Weile und ich denke, das wird dann der ultimative Test für uns. Ich habe den Eindruck, dass die Europäer harter Musik offener gegenüber stehen und von daher sehe ich da natürlich viel Potenzial für uns. Wir haben uns mit stetem Touring eine solide Fanbase geschaffen und ich hoffen natürlich, dass sie weiter wächst." Im Januar werden wir sehen, wie gut dieses Vorhaben gelingt.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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