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PROTOTYPE: Interview mit Vince Levalois

01.01.1970 | 01:00

Mit „Trinity“ haben die amerikanischen Newcomer von PROTOTYPE ein astreines Progressive-Metal-Album eingespielt, welches sich bereits jetzt mit Bands wie FATES WARNING, DREAM THEATER und NEVERMORE messen kann. Grund genug also, einmal mit Gitarrist Vince Levalois in Kontakt zu treten, der bereitwillig Auskunft über die bisherige Geschichte seiner Band gab:



Björn:
Hallo Vince, alles klar bei Dir?

Vince:
Ja, alles bestens!

Björn:
Was machst Du gerade?

Vince:
Haha, ich arbeite meinen täglichen Job...das heißt, ich arbeite nicht wirklich!

Björn:
Deine Band PROTOTYPE ist für die europäischen Fans ein Newcomer. Könntest Du uns daher die Gruppe einmal näher vorstellen?

Vince:
PROTOTYPE wurden 1994 von mir und Kragen Lum (drums) gegründet. Wir hatten vorher jahrelang zusammen in PSYCHOSIS gespielt, die mehr auf flotten Thrash spezialisiert waren, aber unsere musikalische Ausrichtung änderte sich in Richtung progressivere Sounds. Wir beschlossen, den Bandnamen zu ändern und entwickelten uns weiter. Seitdem haben wir mehrere Besetzungswechsel durchlebt haben aber trotz allem Material für zwei EP`s und ein Album, nämlich "Trinity", veröffentlicht.

Björn:
Ja, und über "Trinity" wollen wir auch in diesem Interview reden. Wir würdest Du diese Platte beschreiben?

Vince:
Wir sind wirklich stolz auf "Trinity". Es fasst in vielerlei Hinscith zusammen, worum es bei PROTOTYPE geht. Wir fühlten, dass die Songs sehr abwechslungsreich waren und sammelten die verschiedenen Stilistiken, um die Essenz der Band festzulegen. "Trinity" ist unsere Grußkarte an alle diejenigen, die noch gar nichts von uns wissen und es zeigt, dass wir uns nicht von einem einzigen Stil gefangen nehmen lassen. Wir bewegen uns von Thrash über Progressive hin zu Jazz und Death Metal. Gesanglich geht es schon einheitlicher zur Sache, aber die Musik ist einfach so geschrieben worden, wie wir sie für gut befanden ohne dabei einen anderen Hintergedanken im Kopf gehabt zu haben, als dass es fantastisch klingt.

Björn:
Bevor Ihr "Trinity" herausgebracht habt gab es ja diese beiden Demo-EP`s "Seed" und "Cloned". Wie klingen diese beiden Veröffentlichungen? Unterscheiden sie sich von dem Material auf "Trinity"?

Vince:
"Seed" war unser erstes Demo mit PROTOTYPE und wurde mit unserem heutigen Line-Up aufgenommen. Es enthielt drein Songs und stammt aus dem Jahre 1995. Das war zu der Zeit, als wir begannen verschiedene Stile zu vermischen. Der Sound war ziemlich gut und wir waren glücklich mit den Songs – so glücklich, dass sich zwei der drei Songs auch auf "Trinity" befinden.
"Cloned" wurde 1998 herausgebracht, allerdings mit einem anderen Line-Up. Es bestand aus dem "Seed"-Demo plus drei neuen Songs, jedoch diesmal auf CD. "Seed" war damals nur als Kassette erhältlich. Die neuen Songs von "Cloned" waren einerseits aggressiver, andererseits aber auch progressiver. Vor diesem Demos hatten wir mit PSYCHOSIS bereits eine EP namens "Lifeforce", die 1992 herauskam und eine geradlinige Thrash-Attacke war.

Björn:
"Trinity" ist zum ersten Mal Ende 2002 veröffentlicht worden. Im Anschluss habt Ihr einige sehr positive Kritiken zu dieser CD bekommen, die im Deal mit Massacre Records endeten.Wie seid Ihr mit diesem Label in Kontakt gekommen?

Vince:
Den gesamte Massacre-Deal haben wir unserem großartigen Team von Intromental Management in Dänemark zu verdanken. Wir wussten die ganze Zeit, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ein europäisches Label sich "Trinity" annehmen würde. Wir mussten halt nur warten und geduldig sein.

Björn:
Seid Ihr denn zufrieden mit der bisherigen Arbeit des Labels?

Vince:
Bisher haben Massacre alles getan, was sie uns versprochen hatten und das heißt schon einiges. Hoffentlich ist der Release erfolgreich, so dass wir auch in Zukunft mit Massacre zusammenarbeiten können.

Björn:
Was ist der größte Unterschied zwischen dem Dasein als Demo-Band und einem Deal mit einem renommierten Label? Was habt Ihr so alles erlebt seid Ihr den Deal in der Tasche habt?

Vince:
Es gibt eine Menge Unterschiede, obwohl die Arbeit die gleiche ist oder noch mehr wird. "Trinity" wurde ursprünglich von WWIII Music in den Staaten und Kanada herausgebracht aber unglücklicherweise haben sie außer dem Verschicken von Promo-CD`s nicht viel in Sachen Promotion getan. Wir sind glücklich diesen Distributions-Vertrag überhaupt bekommen zu haben, da er uns verhalf, unseren Namen zu verbreiten und die Presse auf uns aufmerksam zu machen. So haben wir viele neue Fans hinzugewonnen. Das selbe passiert nun mit Massacre Records in Europa. Die Erfahrungen als Demo-Band haben gezeigt, dass man niemals vergessen sollte, selbständig Promotion zu betreiben und prinzipiell so weiterzuarbeiten, als hätten wir niemals einen Plattenvertrag unterschrieben.

Björn:
OK, zurück zur Musik von PROTOTYPE. In meinem Review habe ich geschrieben, dass Ihr progressiven Metal mit einigen Thrash-Einflüssen spielt. Nachdem, was ich nun gehört habe, scheint diese Beschreibung ja ziemlich genau zuzutreffen, oder?

Vince:
Ich stimme Dir in gewisser Weise zu. Falls wir etwas spielen, dann ist es aggressive Musik mit progressiven Tendenzen. Wir sind nicht als Prog-Band gestartet. Wir sind als Thrash-Band gestartet und haben das Songwriting und den Sound verfeinert. Am Ende sind es Einflüsse von RUSH, DREAM THEATER, CYNIC, etc., die uns proggy machen.

Björn:
Das passt ja, da ich Euch mit Bands wie FATES WARNING, NEVERMORE (wegen der heavy Riffs) und DREAM THEATER (vocals) verglichen habe und am Ende geschrieben habe, Ihr wäret eine heavy Version von RUSH. Davon mal abgesehen, was hältst Du von all diesen Bands.

Vince:
Erst einmal ist es fantastisch, uns als heavy Version von RUSH zu beschreiben, obwohl sie von Niemandem je erreicht worden sind und auch nie werden. Sie sind ein großer von Einfluss von Kirk und mir. Was den Rest angeht würde ich sagen, Du bist nah dran. Ich würde von mir selber behaupten gesanglich in die Nähe von LaBrie zu kommen. Wir mögen NEVERMORE hauptsächlich wegen der großartigen Riffs und der melodischen Gemeinheit. FATES WARNING sind kein allzu großer Einfluss; höchstens ihr alter Stoff.

Björn:
Welche Bands waren die ersten Inspirationen, als Ihr begonnen habt, gemeinsam Musik zu machen?

Vince:
Natürlich die Klassiker: METALLICA, MEGADETH, IRON MAIDEN, EXODUS, etc. Diese Bands haben den Metal meiner Meinung nach gegründet. Alles andere wird vom individuellen Geschmack bestimmt. Ich z.B. liebe RUSH, MESHUGGAH und DEVIN TOWNSEND und das sind völlig andere Sounds, aber am Ende mixen wir dies alles zusammen. Keagen ist ein großer Fan von CYNIC und FORBIDDEN. Kirk steht mehr auf klassischen Metal, obwohl wir ihm Bands wie MESHUGGAH auch schon schmackhaft gemacht haben.

Björn:
Wie muss denn ein PROTOTYPE unter Berücksichtigung dessen am Ende klingen?

Vince:
Er muss einfach nur gut für uns klingen. Wir treffen keine Vorentscheidungen bevor wir einen Song schreiben.

Björn:
Und wie sieht`s bei den Texten aus. Sie handeln ja nicht gerade von typischen Heavy-Metal-Themen wie Schwerter und Drachen. Wovon handeln Eure Texte genau?

Vince:
Ich bin sehr stark von Science-Fiction-Themen, Religion und epischen Geschichten aus Filmden oder der Geschichte beeinflusst. Yeah, hier haben Drachen und Schwerter nichts zu suchen!

Björn:
Haben die Texte denn irgendeine spezielle Bedeutung für Euch?

Vince:
Keine andere als die Faszination an einem bestimmten Thema, welches hinter den einzelnen Stücken steht. Der einzige Song, der eine persönliche Bedeutung hat ist `I Know You´, der von meinem Sohn handelt.

Björn:
Wie wichtig sind die Lyrics dann im Gesamtkontext der Musik? Würdest Du behaupten sie sind gleichsam bedeutend wie die Musik selbst?

Vince:
Die Texte müssen einen Großteil des Gefühls transportieren, welches die Musik ausstrahlt, daher sind sie schon sehr wichtig, aber eben nicht so bedeutsam wie die Musik. Wir versuchen aus der Musik und den Texten das Beste herauszuholen.

Björn:
Die Musik auf "Trinity" ist ja alles andere als Easy Listening. Es braucht schon seine Zeit, bis man sich in Nummern wie `Trinity´ oder `Shine´ hineingefunden hat. War es im Vorfeld wichtig, komplexe und anspruchsvolle Musik zu komponieren?

Vince:
Wir betrachten das Ganze nicht als so komplex, wenn man es z.B. mit einer Band wie SPIRAL ARHCITECT vergleicht. Klar, da sind einige Instrumental-Parts, die ziemlich verrückt ausgefallen sind, doch alles in allem sind die Strophen und Refrains größtenteils melodisch und einprägsam. Wir wollen aber in jedem Fall einen Kontrast zwischen den eher simplen Sounds und komplexeren Parts kreieren.

Björn:
Was mir bei "Trinity" sehr gut gefällt ist die Schlagzeugarbeit von Pat Magrath, der mittlerweile die Band verlassen hat. Warum ist er nach den Aufnahmen von "Trinity" ausgestiegen?

Vince:
Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen aus professionellen und persönlichen Gründen getrennt.

Björn:
Habt Ihr denn schon einen neuen Drummer gefunden?

Vince:
Ja, der Australier Sam Aliano ist unser neuer Schlagzeuger und er ist fest in die Band eingestiegen. Wir sind froh ihn bei PROTOTYPE zu haben und sehen mit dieser Zusammenarbeit Großes auf uns zukommen.

Björn:
Der Re-Release von "Trinity" enthält zwei Bonus-Tracks, die auf dem gleichen hohen Level wie die regulären Album-Tracks angesiedelt sind. Warum sind sie nicht auf dem Original-Release gelandet?

Vince:
Die Songs wurden nach den ersten Release von "Trinity" aufgenommen und sollten nicht Teil dieses Albums werden. Sie befanden sich erst im Demo-Stadium und wir wollten sie erst ein wenig für die europäische Veröffentlichung aufpolieren.

Björn:
Jetzt, wo Euer Album auf dem Markt ist, besteht natürlich auch einige Nachfrage nach Live-Konzerten hier in Europa. Seid Ihr denn überhaupt eine Live-Band oder konzentrieren sich PROTOTYPE lediglich auf die Arbeit im Studio?

Vince:
Wir spielen live, wenn wir können. Wir müssen uns erst einmal absichern, bevor wir auf Tour können und das ist nicht nur unsere Aufgabe, sondern wir brauchen auf jeden Fall auch den Support des Labels oder einer Booking-Agentur. Wir wollen auf jeden Fall dieses Jahr in Europa spielen. Im letzten Jahr hatten wir die Gelegenheit in den Niederlanden auf dem ersten Headway Festival in Amsterdam zu spielen. Wir hatten eine gute Zeit und freuen uns schon darauf, bald wieder nach Europa zurückzukommen.

Björn:
Gibt es denn bei Euch in der Gegend Clubs, in denen Heavy-Metal-Bands wie PROTOTYPE auftreten können?

Vince:
Wir sind hier in Los Angeles und wie Du Dir vorstellen kannst, gibt es hier eine Menge Clubs. Wir haben sogar schon im berühmten Whiskey-A-Go-Go (auf unserer Homepage kann man ein Video von diesem Gig bestellen),im Roxy, Coconut, Teazser (mittlerweile geschlossen), im Palace, etc. gespielt.

Björn:
Besteht denn ein Markt für derart progressive Musik in Amerika?

Vince:
Kein großer. Das meiste was hier passiert ist in irgendwelchen Trends verwurzelt. Es gibt eine großartige Progressive-Szene hier in den Staaten aber nur ganz wenige Labels interessieren sich dafür.

Björn:
Dabei streuen sich hier die Gerüchte, dass auch in den USA traditioneller Metal ein Comeback feiert...

Vince:
Das sind so lange Gerüchte, bis die Labels beginnen, derartige Bands unter Vertrag zu nehmen und ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken. Ich höre dieses Gerücht jetzt schon seit einigen Jahren

Björn:
Welcher Markt ist im Endeffekt wichtiger für PROTOTYPE: Amerika oder Europa?

Vince:
Sie sind beide gleichwichtig, da wir auf beiden Kontinenten Fans haben. Obwohl Europa dem Metal freundlicher gesonnen ist können wir die US-Fans nicht vernachlässigen. Vom ersten tag an, wollten wir unsere Scheiben in der ganzen Welt herausbringen. Daher gilt es auch noch Südamerika, Japan und Australien zu erobern!

Björn:
Gibt es denn schon konkrete Pläne, wann ihr diese Märkte oder aber Europa live erobert?

Vince:
Wir wollen zwar, haben aber noch keine konkreten Angebote. Wir arbeiten dran.

Björn:
Was ist der nächste Schritt in der Karriere von PROTOTYPE?

Vince:
Der nächste Schritt ist das Songwriting für das neue Album, was schon zur Hälfte beendet und in Demo-Form aufgenommen wurde. Falls wir Glück haben, wird sich ein Label dafür interessieren und uns dabei helfen es korrekt aufzunehmen und herauszubringen. Die Zeit wird zeigen was passieren wird. Bis dahin werden wir einige Arsch tretende Songs mit unserem neuen Drummer Sam schreiben.

Björn:
OK, dann sind wir mal gespannt, was da noch alles auf uns zukommt...


Redakteur:
Björn Backes

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