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PSYCHOTIC WALTZ: Interview mit Devon Graves

14.07.2011 | 07:51

Der Sänger der Ausnahmeband PSYCHOTIC WALTZ quatscht aus dem Nähkästchen.

 

Die offensichtliche Einstiegsfrage: Was hat Euch dazu bewegt, nach all' den Jahren nun doch eine Reunion zu starten? Ich habe gehört, dass Ward, Norm und Brian schon eine Weile gejammt haben. War das eventuell sogar schon vor dem CAGE-Auftritt an Norms Geburtstag im letzten Jahr, an dem man dann 'I Of The Storm' gespielt hat?

Ja, das war tatsächlich schon vor diesem Auftritt. In der zeitlichen Abfolge liegst Du ansonsten völlig richtig. Ich war allerdings von Beginn an involviert, bat die Jungs aber um Stillschweigen bis ich THE SHADOW THEORY fertig gestellt hatte. Als ich das Youtube-Video von 'I Of The Storm'  sah, dachte ich, die Leute könnten den Eindruck bekommen, dass Sean Peck nun der neue Sänge von PSYCHOTIC WALTZ wäre. Übrigens denke ich, dass er einen ganz ausgezeichneten Job abgeliefert hat.

Ja, das war schon eine beeindruckende Angelegenheit. Da war ja dann noch Steve Cox (gt.) anstelle von Dan Rock mit von der Partie. Wie habt ihr denn Dan dazu überreden können, wieder mitzuwirken?

Steve war zuerst dabei, damit wir den richtigen Gesamtsound hatten. Wäre Dan nicht bereit gewesen, wäre Steve auch dabei geblieben, aber für uns war es von Beginn an wichtig, dass die Originalbesetzung wieder zusammen kommen würde. Wir alle lieben Steve, aber wir wollen den Fans die Vollbedienung bieten und so wenige Kompromisse wie möglich eingehen. Ich habe sehr viel daran gesetzt, dass Dan mit an Bord kommt.

Ein Umstand, der uns alle natürlich sehr freut. Wenden wir nun aber für einen Augenblick unsere Konzentration auf eine andere Wirkungsstätte von Dir, THE SHADOW THEORY. Wie wird es dort weiter gehen? Du hast ja nun einige Zeit in dieses "Projekt" gesteckt. Wird es da also eventuell auch eine Fortsetzung geben?



Natürlich ist es schade, dass ich das jetzt erst einmal auf Eis legen muss, da ich sehr hohe Erwartungen in THE SHADOW THEORY hatte. Der Plan ist, weitere Alben folgen zu lassen und wir würden natürlich auch gern live auftreten, um das erste Album zu promoten. Allerdings kollidieren diese Absichten mit den momentanen Plänen für PSYCHOTIC WALTZ. Insofern denke ich nicht, dass wir in nächster Zeit auf Tour mit THE SHADOW THEORY gehen werden. Sehr schade, denn die Reaktionen von der Presse, wie auch von den Fans waren und sind sehr euphorisch.

Ja, ihr wart ja auch bei uns Sieger im Soundcheck. Schwenken wir den Fokus zurück zu PSYCHOTIC WALTZ. Ich denke, dass nicht nur ich darüber überrascht bin, dass Ward Evans als Bassist wieder mit am Start ist. Er war damals der erste der "A Social Grace"-Besetzung, der nicht mehr dabei war. Ich hatte nach der "Mosquito" das Vergnügen, mit ihm ein Interview zu führen, bei welchem ich das Gefühl hatte, es wäre alles in Butter. Insofern kam der Ausstieg sehr überraschend für mich. Vielleicht kannst Du mal erklären, was da passiert ist.

Erst einmal muss ich sagen, dass es toll ist, mit den alten Freunden erneut zusammen spielen zu können. Die Reaktionen während der Tour bestätigen mich in diesem Gefühl. Das ist die Band, in die ich wirklich gehöre. Ward hat die Band damals verlassen, weil er und Dan nicht mehr miteinander auskamen. Die beiden kamen einfach nicht mehr klar und Dan hat ihn dann gefeuert. Das liegt aber alles so lange zurück, da sind alle Wunden geheilt und sogar Dan hat sich für Ward entschieden. Nicht nur, weil Ward so ein toller Bassist ist. Das geht nicht gegen Phil, sondern für die Band. Und Phil versteht das auch.

Wie wäre es denn gelaufen, wenn einer der aktuellen Besetzung nicht gewollt hätte? Es gab ja nicht wenige Stimmen, die skeptisch über die Nachricht waren, dass sich PSYCHOTIC WALTZ reformiert haben. "Eine weitere "Kult"-Band, die versucht ihren Glanztaten von früher nachzulaufen", das ist eine Äußerung, die man lesen und hören konnte.


Ich verstehe diese Meinung und teile sie sogar. Wir hätten es mit Steve an Stelle von Dan versucht. Uns allen ist aber klar, dass es in erster Linie um die Qualität der Musik geht. Und da war und ist Dan ein extrem wichtiger Bestandteil. Sobald ich gespürt hätte, dass wir mit Steve den eigenen Anforderungen gerade in Hinsicht auf unsere Vergangenheit nicht gerecht geworden wären, hätte ich die Notbremse gezogen. Ich möchte nicht unser Erbe beschmutzen. Natürlich gibt es niemals eine Sicherheit, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir Dan brauchen.

Ein gutes Bauchgefühl! Neben der Besetzungsfrage, musstet Ihr Euch auch für eine kurze Setlist entscheiden. Worauf habt Ihr bei der Auswahl geachtet? Gab es einen besonderen Grund, weshalb 'I Remember' fehlte?

Wir haben uns hingesetzt und überlegt, was für uns die wichtigsten Songs unserer Diskographie sind. Natürlich mussten wir aufgrund der Kürze unseres Auftrittes ein paar Songs außen vor lassen. Außerdem haben wir darauf geachtet, welche Nummern wir ohne all zu großen technischen Aufwand am Stück spielen können. Und aus diesem Grund fiel auch 'I Remember' aus der Liste. Bei einer 45-Minuten-Show ohne Soundcheck hielten wir es für wenig schlau mit akustischen Gitarren herum zu experimentieren. Mit der Qualität der Nummer hatte das Weglassen natürlich nichts zu tun.

Wie schwierig war es denn zusammen zu proben? Bist du ein paar Mal rüber geflogen?


Sie haben als instrumentale Band zusammen geprobt und ich habe hier allein mit den Songs auf Itunes gearbeitet. Das funktioniert ganz ausgezeichnet. Beim Proben geht es mir nur um Fitness und Training. Es ist relativ egal, ob die Band auch dabei ist oder ich zu einer CD mitsinge. Ich benutze in-ear Monitore, wie ich es auch auf der Bühne mache und dann brülle ich in ein Mikrophon. Genau wie bei einem Auftritt. Für die Jungs ist es wichtiger mit den anderen zusammen zu spielen, um technische Probleme aus der Welt zu schaffen. Dabei spielt es für sie keine Rolle, ob ich dabei bin oder nicht. Es reicht, wenn wir beim Auftritt alle unsere Parts kennen. Dann fügt sich das wie ein Puzzle zusammen.

Was jetzt in der Theorie etwas seltsam klingt, bestätigt sich allerdings bei einem Livekonzert.  Das heißt, ihr werdet auch zukünftig so verfahren?

Abolut. Und es funktioniert ja ausgezeichnet. Es ist ganz einfach praktisch, weil wir so weit auseinander wohnen. Sie können eh nur zwei Mal in der Wochen proben. Ich mache das jeden Tag.

Ich habe Euch in Hamburg gesehen und kann es nur bestätigen. Die alte Magie war wieder da. Und das ist auch der Eindruck von allen, mit denen ich geredet habe. Ich hatte regelrecht Angst davor, dass es euch nicht gelingen würde, dieses Gefühl erneut aufkommen zu lassen, denn ihr ward und seid für mich die beste Liveband, die ich jemals sehen durfte. Ich habe euch circa 15 Mal erleben dürfen und es war immer etwas ganz Besonderes. Auch auf der aktuellen Tour.

Ich kann Dir gar nicht genug danken für diese Worte. Das hören wir momentan andauernd und können es selber gar nicht fassen. Wir sind völlig sprachlos über die ganze Euphorie.

War Euch denn bewusst, wie hoch die Erwartungen waren?


Um ehrlich zu sein, hatte ich eine Höllenangst vor den ersten Auftritten.

Hattest Du Angst, dass Ihr die alten Fans enttäuschen würdet?


Nein, davor hatte ich keine Angst. Ich hatte eher die Befürchtung, dass unsere alten Fans aufgrund persönlicher Veränderungen gar nicht auftauchen würden. Aber es war ja genau anders herum. Neben den ganzen alten Fans, kamen auch noch ihre jüngeren Brüder und Schwestern. Die waren damals acht Jahre alt und hatten nun erstmals die Chance uns liev zu erleben. Obendrein gab es auch noch eine ganze Menge Leute im Publikum, die uns gar nicht kannte und die nachdem Konzerte unsere Scheiben gekauft haben. Es war einfach überwältigend.   

Was waren denn Deine Erwartungen vor der Tour?


Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Ich war bereit, wie eine völlig unbekannte Vorband behandelt zu werden. Alles, was ich wollte, war, gut zu singen. Alles Weitere war außerhalb meiner Kontrolle.

Ich war erfreut und überrascht, wie viel Merchandise es bei Euch als Vorband gab. Das war zwar damals Standard, aber dieses Mal hatte ich das nicht erwartet. Wer kam denn auf die Idee mit dem LP-Boxset? Mit 100€ muss man a ganz schön tief in die Tasche greifen.

Wir wollten schon immer Vinyls machen, weil das nostalgisch ist und wir uns damit an unsere Jugend erinnert fühlen. Ula Gehret hat uns dabei geholfen, dass Century Media unseren kompletten Katalog heraus bringt. Und sie haben einen fantastischen Job abgeliefert. Klar, 100 Euro ist ein Batzen Geld, aber dafür bekommt man sieben LPs inklusive einer Doppel-LP von "A Social Grace". Im Laden werden LPs aktuell für knapp 30 Euro verkauft. Wir verkaufen unsere also für den halben Preis. Und die Tatsache, dass die Dinger so schnell ausverkauft waren, bestätigt meine Aussage ja auch.

Wie schwer ist es für Dich eigentlich, Texte zu singen, die Du vor 20 Jahren verfasst hast? Versuchst Du Dich beim Singen in die damalige Situation hinein zu versetzen, um die Emotionen neu zu fühlen?

Die Worte an sich stellen kein Problem dar. Es sind vielmehr einige Melodien, die ich heute nicht mehr so gern mag. So enthält zum Beispiel 'Spiral Tower' ein paar Passagen, mit denen ich aus heutiger Sicht nicht mehr zufrieden bin. Ich liebe die Gitarren- und Bassriffs, aber einige Gesangsmelodien erscheinen mir heute völlig unreif. Viel zu viele hohe Noten und viel zu wenig richtige Melodien. Aber wir haben die Nummer natürlich trotzdem ins Programm aufgenommen, weil es für uns ganz einfach ein sehr wichtiger Song ist. Aber es ist eine Qual, ihn heute zu singen. Nicht gut für meine Stimme. Ich denke beim nächsten Mal, werden wir ihn eventuell weglassen oder ganz zum Schluss spielen. Egal welchen Nummer danach kommt, sie wird unter 'Spiral Tower' leiden.

Dafür klang die Nummer aber wieder grandios. Wenn wir bei der letzten Tour bleiben, glaubst Du, dass ihr damit viele neue Fans gewonnen habt?

Definitiv. Jeden Abend kamen Leute zu uns, die gerade alle vier Alben neu gekauft hatten und uns sagten, wie toll sie uns fanden. Das schönste Kompliment kam von einem Fan, der alle Vinyls in Händen hielt und sagte, dass er eigentlich ein Black-Metal-Fan wäre, aber dass unsere Musik viel dunkler wäre als es Black Metal jemals sein könnte. Das war wirklich schön zu hören. Vielleicht ist unsere Zeit ja endlich gekommen.

Ja, es wäre Euch zu wünschen. Blicken wir doch dazu einmal ein bisschen in die Zukunft. Wann werdet ihr denn mit Arbeiten zu einem neuen Album beginnen?

Ich schreibe schon neue Songs. Wenn sie den Jungs gefallen, landen sie auf dem nächsten Album. Ich weiß allerdings nicht, was der Rest bisher so komponiert hat, weil wir uns in erster Linie auf ein paar deutlich längere Konzerte vorbereiten.

Werdet ihr denn die Songs, die ihr auf der letzten Tour vor dem Split schon live gespielt habt verwenden? Ich denke da an solche Sachen wie 'Beyond' oder 'Medication'.

Ich denke, wir werden keinen der alten Überbleibsel aufnehmen, sondern einen kompletten Neustart hinlegen. Das bedeutet auch, dass wir ausschließlich wirklich neues Material verwenden werden.

Ich weiß, Du hasst diese Frage, aber stellen muss ich sie doch: PSYCHOTIC WALTZ stand immer für musikalische Weiterentwicklung und Überraschung, was können wir also beim nächsten Mal erwarten? Einen etwas "moderneren" Anstrich?


Hahaha, die Leute fragen die ganze Zeit: "Wird das neue Album, wie die ersten beiden klingen oder eher wie das vierte?" Ich antworte darauf immer: "Es wird wie das fünfte PSYCHOTIC WALTZ Album klingen." Jedes Album hat seinen besonderen Klang, seine besonderen Gefühle und Schwingungen. Unsere eigene Definition von "Progression" ist, sich weiter zu entwickeln. Und um ehrlich zu sein: Auch ich weiß nicht, wie wir in Zukunft klingen werden. Aber ich bin sehr gespannt darauf, es heraus zu finden.


Alter Geheimniskrämer. Mal was ganz anderes. Du hattest mir irgendwann mal erzählt, dass Du Lust hättest, der nächsten CD eine DVD bei
zufügen  Wenn ihr der ganzen Chose ein "Making of", sowie eine "Comedy Hour with Devon" und "The Aslan Years" beilegen würdet, würde ich das kaufen.

Man weiß nie, was kommen wird. Ich bin aber grundsätzlich mehr daran interessiert, nach vorne zu schauen als alten Krempel auszubuddeln. Aber, wir werden sehen, was wir in den Archiven noch so alles finden. Vielleicht ist da ja doch noch etwas Brauchbares dabei. Ich befürchte nur, dass die technischen Ansprüche von damals der heutigen Zeit nicht gerecht werden. Da gibt es lediglich Aufnahmen auf VHS und Walkman–Bootlegs. Ich glaube, dass das heute keiner mehr anhören möchte.

Als Bonus zu einem regulären Album wäre das trotzdem nett. Gibt es denn überhaupt schon Labelinteresse?

Ja, gibt es, aber momentan lehnen wir noch alles ab. Wir möchten keinen Deal bevor das Album nicht steht. Um ehrlich zu sein, überlege ich manchmal, ob ich überhaupt einen Deal möchte. So wie das Musikbusiness heutzutage läuft, muss man sich ernsthaft Gedanken machen, ob man nicht alles selbst in die Hand nimmt und das fertige Produkt dann über Amazon und auf Konzerten selbst verkauft.

Oha. Interessante Herangehensweise.  Was muss ein Label Euch denn bieten?


Ich fände es schön, wenn man das Album ganz einfach in jedem Plattenladen finden würde. Eine Veröffentlichungskampagne wäre auch ganz nett.

Wen werdet Ihr denn ans Artwork lassen? Mike Clift?


Ich denke, wir werden mit Travis Smith arbeiten.

Ihr redet von einer kommenden Headliner-Tour nach dem Album. Mit welchen Bands würdet ihr denn gern zusammen spielen?

Eine Headliner-Tour wäre natürlich großartig. Wir würden gern einen langen Set spielen und auch eine Bühnenshow mitbringen. Das könnte natürlich auch als Vorband für eine richtig große Band funktionieren. Ich denke dabei an OZZY OSBOURNE oder METALLICA. Äh, zurück zur Realität: Mir fällt jetzt keine Band konkret ein, aber KATATONIA wäre schon mal eine Idee. Nicht allein, weil ich sie selbst sehr gern mag.

Werdet ihr eventuell den "A Social Grace"-Background noch einmal auspacken?


Ich habe keine Ahnung, wo der Kram ist. Persönlich würde ich auch lieber wieder mit Filmleinwänden und Projektoren arbeiten, so wie wir es während der "Mosquito" und Teilen der "Everflow"-Shows schon einmal gemacht haben. Das war bevor TOOL damit angefangen hat, aber, wenn wir das heute noch einmal machen, wirft man uns vielleicht Abkupferei vor.

Werdet ihr euch auf den europäischen Markt konzentrieren?

Den amerikanischen Markt habe ich mehr oder weniger komplett abgeschrieben. Da geht es nur noch um Trends. Bevor nicht wirklich coole, dunkle und psychedelische Musik der letzte Schrei wird, haben wir dort keine Chancen. Und so wie die politische Lage dort ausschaut, werde ich auch nicht wieder zurück ziehen. Da gibt es momentan ja nur die "Du bist für oder gegen uns"-Attotüde. Mit anderen Worten heißt das: Wenn man gegen Krieg, für Freiheit, für freies Reden und für eine Konstitution bist, bist du ein Unruhestifter und ein potentieller Terrorist. Ich bin jemand, an dem man in solchen Zeiten sicher gern ein Exempel statuieren würde. Bevor sie den Patriot Act und die TSA (Transportation Security Administration) nicht aufheben, verspüre ich kein Verlangen zurückzukehren. Das ist sehr schade, denn ich möchte, dass meine Kinder ihre Großeltern treffen. Aber ich bin nicht gewillt zuzulassen, dass ein TSA Agent zu nahe kommt, bloß weil sie ein Flugzeug besteigen möchten.

Zurück zur Musik.  Eure Einflüsse damals waren JETHRO TULL, HENDRIX, BEATLES, KING CRIMSON und BLACK SABBATH. Gibt es denn auch neuere Bands, die euch beeinflussen?


Es gibt neue Bands, die ich sehr mag, aber ich suche Inspiration in erster Linie in mir selbst. Früher habe ich häufig Ideen bei anderen Bands geliehen oder mich von ihnen offensichtlich beeinflussen lassen. Je älter ich werde, desto mehr versuche ich, auf mich selbst zu hören. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass andere mich nicht beeinflussen, aber es ist nicht mehr so offensichtlich als es früher der Fall war.



Früher. Ein gutes Stichwort. Auch wenn du nicht gern zurück blickst, muss ich dich jetzt doch mit der Vergangenheit belästigen. Eine Sache, die ich damals überhaupt nicht verstanden habe, war die Tatsache, dass euer Manager Ray Woodbury  der Ansicht war, dass eine "echte" Rockband nicht länger als 75 Minuten inklusive Zugabe auftreten dürfe. Daraufhin habt ihr dann tatsächlich ziemlich kurze Shows gespielt. Das muss während der "Mosquito"-Tour gewesen sein. Für uns Fans war das seltsam, denn  Zwei-Stunden-Konzerte waren ja keine Seltenheit gewesen. Später auf der "Bleeding"-Tour habt ihr dann wieder länger gespielt. Habt ihr selbst gespürt, dass die kurzen Gigs nicht so schlau waren?

Die Auftrittzeit zu kürzen, war nicht klug. Wir wussten das. Trotzdem versuchten wir es, während Ray unser Manager war. Es war ein Versuch. Es gab einige Dinge zwischen Ray und uns, bei denen wir uns nicht einigen konnten, rückblickend hat er uns auch zu Auftritten und Möglichkeiten verholfen, die ohne ihn niemals möglich gewesen wären. Zum Beispiel konnten wir in Hollywood bei einer MTV-Veranstaltung mit WHITE ZOMBIE, PANTERA (mit Rob Halford als Gast), BODY COUNT und EXODUS auftreten. Das war extrem cool. Außerdem konnten wir für Warner Brothers einen Showcase spielen. Leider fanden sie uns nur "gut", aber nicht "toll". Eventuell hätten wir es länger mit Ray Woodbury versuchen sollen, aber wir waren ungeduldig.

Wie war es eigentlich als "Kult" angesehen zu werden? Ich erinnere mich zum Beispiel an den Gig beim Waldrock-Festival in Belgien, wo plötzlich alle Mitglieder von DEATH zum Merchandise-Stand kamen und völlig enthusiastisch über euch geredet haben. Das ging sogar so weit, dass sie sich nicht nur im Fan-Club-Buch eintrugen, sondern auch noch ihren Set kürzen wollten, damit ihr länger spielen konntet.


Oh ja, an den Auftritt erinnere ich mich auch noch.  Es war sogar so, dass die DEATH-Jungs wollten, dass wir nach ihrem Headliner-Auftritt noch einmal auftreten sollten. Ray war dagegen und sagte:" Ihr habt bereits gespielt und es sieht nicht cool aus, wenn ihr jetzt noch einmal auf der Bühne steht." Vielleicht hatte er Recht, wer weiß. Es wäre heute eine tolle Geschichte zum Erzählen:"Hey, wir haben an einem Tag zwei Mal auf dem gleichen Festival gespielt, weil wir so beliebt waren!! Ha. Wir hätten auf jeden Fall noch ein paar Songs gehabt.

Auch wenn wir eingangs schon mal kurz darüber gesprochen haben, muss ich doch noch einmal über den Ausstieg von Ward und später auch den von Brian reden.


Über Ward haben wir ja bereits geredet. Brian ist ausgestiegen, weil mit dem Tourleben nicht mehr klar kam.  Für ihn als Rollstuhlfahrer waren die Umstände meist wirklich unzumutbar. Ich wäre der nächste gewesen, der ausgestiegen wäre, da ich mit der Richtung der neuen Songs, die nach Brians' Weggang entstanden waren, absolut nicht einverstanden war. Außerdem hatte ich meine Meinungsverschiedenheiten mit Dan. Ich war bereit, zu gehen. Zu der Zeit schrieb ich gerade 'Into The Spiral Cathedral', ' Black Smoke And Mirrors' und eine frühe Version von 'The Haunted'. Ich bereue den Split nicht. Ich hatte eine wundervolle Zeit mit DEADSOUL TRIBE und Zufriedenheit mich selbst darzustellen. Nach zehn Jahren war ich aber auch froh, wieder in einer richtigen Band spielen zu können. Darum ging es mir bei THE SHADOW CONSPIRACY. Jetzt aber sehe ich, wo mein Herz wirklich hängt und ich freue mich wahnsinnig auf  die schönsten Jahre mit PSYCHOTIC WALTZ.

Redakteur:
Holger Andrae

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