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PURID: Interview mit Nico Luttenberg

07.02.2008 | 14:19

Vor kurzen haben PURID aus Osnabrück ihre zweite EP "My Own Worst Enemy" veröffentlicht. Die Scheibe bietet einen gelungenen Stilmix aus Rock, Nu Metal und Metal. Ich sprach mit Gitarrist Nico Luttenberg alias Nick über die neue Scheibe, anstehende Konzerte und einiges mehr.



Martin:
Hi Nick! Habt ihr schon einiges an Feedback zu eurer neuen EP "My Own Worst Enemy" bekommen?

Nick:
Hallo, Martin! Ja, mittlerweile sind die ersten Reviews angelaufen und die waren bislang eigentlich alle positiv. Dabei ist es auch egal, ob so eine Kritik positiv oder negativ ausfällt. Natürlich freuen wir uns über positives Feedback, ganz klar. Aber andererseits kann ein Verriss auch hilfreicher sein um sich weiter zu entwickeln als die x-te aus dem Ärmel geschüttelte Lobhudelei. Sowohl beim Einen, als auch beim Anderen ist es meiner Ansicht nach sehr wichtig, zu merken, dass der Rezensent sich mit uns als Band und unserer Musik auseinandersetzt und ich beim Lesen nicht das Gefühl bekomme, dass man sich unser Werk allenfalls zwei Mal zwischen Tür und Angel angehört hat. Wir erwarten schon so etwas wie "fachliche Kompetenz" um eine Kritik auch als solche anzunehmen. Wenn diese Grundvoraussetzungen gegeben sind, sind wir alle so professionell eingestellt auch einem Verriss etwas Positives abzugewinnen. Kritik sollte immer konstruktiv und kompetent formuliert sein. "Find ich scheiße" oder "Find ich total geil" bringt niemandem etwas. Uns als Band nicht und am wenigstem dem Leser, der vielleicht den Kauf einer Veröffentlichung von so einer Kritik abhängig macht.

Martin:
PURID existieren seit 2001. Erzähl mir doch bitte etwas über die Anfänge der Band.

Nick:
Ich habe früher mit unserem Schlagzeuger Marc (und unserem ehemaligen Bassisten Christian) bei ENOLA GAY gespielt. Als die sich 2001 auflösten wollten wir zusammen weitermachen und haben Leute gesucht um etwas "modernere" Musik als bei ENOLA GAY zu machen und von diesem reinen "Metal-Publikum" etwas wegzukommen. Und so haben wir bis 2005 (noch unter dem Namen MORPH) diverse Besetzungen durchlaufen, Shows gespielt und so weiter. Aber erst Anfang 2005 haben wir mit Kai/Bass, Jörg/Gitarre und Pascal/Vocals eine Besetzung gefunden, mit der wir zufrieden waren. Ja, und seitdem sind wir eigentlich erst richtig am Start.

Martin:
Wie seid ihr auf den Bandnamen PURID gekommen und was bedeutet dieser Name für dich? Habt ihr ihn von "pure" abgeleitet?

Nick:
Das hat was damit zu tun, ja. Wie gesagt, früher liefen wir unter MORPH, aber da gab es zum einen eine andere Band mit dem Namen und anderseits wollten wir 2005 mit der neuen Besetzung auch mit dem neuen Namen ausdrücken, dass jetzt quasi alles neu ist. PURID leitet sich aus "pure-identifiable" ab, was für uns ausdrücken soll, dass wir musikalisch klar zu erkennen sind und es uns nur um die reine Musik geht und nicht um irgendwelche "Nebenschauplätze".

Martin:
Weshalb liegt denn eine so große Zeitspanne zwischen eurer ersten selbstbetitelten Demo-EP (2003) und der neuen "My Own Worst Enemy", die nun erst 2008 erschien?

Nick:
Es gab zwischendurch auch noch zwei andere EPs, aber die waren eigentlich mehr für Booking und so, weniger zum Verkaufen. Wir haben sie also nicht so groß aufgezogen wie unsere aktuelle EP. Deswegen weiß auch niemand was davon.

Martin:
Habt ihr schon weitere Stücke für eine künftige Veröffentlichung komponiert?

Nick:
Ja, wir arbeiten schon an neuem Material. Es sind bislang zwei komplette Songs fertig, außerdem gibt es da noch drei weitere, aber da sind wir noch nicht mit zufrieden, da werden wir wohl noch einiges umschmeißen, ändern oder ganz weglassen.

Martin:
Welche Themen sind Gegenstand der Texte von PURID und welchen Stellenwert räumst du beziehungsweise euer Sänger Pascal der Botschaft der Texte ein?

Nick:
Er befasst sich textlich viel mit der Psyche von Menschen und verarbeitet das in seinen Lyrics. Also irgendwelche Depressionen, Ängste, Psychosen und was es da sonst noch so alles gibt. Dann versucht er sich in die Gedanken dieser Leute zu versetzen und schildert die Dinge aus deren Sicht. Mir persönlich bedeuten Texte im Allgemeinen nicht so viel, aber ihm geht es schon darum, dass der Text zur Musik passt und umgekehrt.

Martin:
Laut eurer Website habt ihr in den letzten drei Jahren nur ein knappes Dutzend an Liveauftritten absolviert. Ich denke, dass gerade für aufstrebende Bands die Live-Präsenz ungemein wichtig ist. Werdet ihr in Zukunft mehr Konzerte spielen oder seid ihr hauptberuflich zu stark eingespannt?

Nick:
Es waren schon einige Gigs mehr, aber sie sind nicht alle aufgeführt. Fakt ist definitiv, dass wir besonders in 2005/2006 stark eingeschränkt waren, da unser Drummer beruflich überwiegend in München war und wir nicht so viel arbeiten konnten wie wir wollten. Aber das ist nun vorbei und wir geben Gas, die ersten Shows sind für dieses Jahr schon fest, und aufgrund der Live-Reviews unserer Shows im letzten Jahr kommen jetzt auch einige Booker auf uns zu und bieten uns was an. Aber im Allgemeinen ist es nicht so einfach, was Passendes zu halbwegs vernünftigen Konditionen zu bekommen, wo man nicht selbst derbe draufzahlen muss.

Martin:
Welche Musik hörst du privat (Subgenres/Bands)?

Nick:
Ich höre eigentlich fast alles (außer Schlager und Volksmusik): Screamo, Metalcore, Alternative, Prog, auch sehr viel Jazz. Groß geworden bin ich mit Bay Area Thrash. Derzeitige Lieblingsbands sind LAMB OF GOD, KILLSWITCH ENGANGE, AS I LAY DYING und so. Und natürlich "Gitarristen-Musik" wie Steve Vai oder Al di Meola. Alltime Faves werden für mich aber immer DREAM THEATER sein, weil ich kaum eine andere Band kenne, die eine so große musikalische Bandbreite hat und sie auch glaubhaft rüberbringen kann. Ich war übrigens letztens mal wieder auf einem Konzert der CHRIS BARBER BIGBAND. Unglaublich, was 10 Herren um die 70 auf der Bühne für einen Spaß haben können...

Martin:
Mit PURID limitiert ihr euch stilistisch nicht. Ihr kombiniert vielmehr musikalische Einflüsse aus den verschiedensten Bereichen (Rock/Nu Metal/Metal). Was denkst du, wäre der Anklang eurer Musik bei Fans oder bei Schreiberlingen für Musikmagazine geringer, wenn ihr beispielsweise lupenreinen Nu Metal spielen würdet?

Nick:
Weiß nicht, wahrscheinlich schon. Es gibt halt sehr viele Bands in dieser Richtung, die ja teilweise auch recht ähnlich klingen. Da kann es nicht schaden, wenn man ein wenig anders klingt. Aber wir planen diesen Stilmix ja eigentlich gar nicht. So was kommt halt raus, wenn zwei Rentner mit so jungen Bengels musizieren und ihre Roots sich vermischen.

Martin:
Es soll Musiker im klassischen Metalbereich beziehungsweise im Melodic-Metal-Genre geben, die sich fast schon persönlich angegriffen fühlen, wenn man bei ihrem Schaffen musikalische Parallelen zu BON JOVI zieht - ich nenne hier jetzt keine Namen. Welcher musikalische Vergleich von PURID mit einer anderen Band würde dich auf die Palme bringen?

Nick:
Wolfgang Petry!?! Manowar!? Ansonsten sind wir da recht entspannt!

Martin:
Willst du noch irgend etwas loswerden? Eine Nachricht an die PURID-Fans oder an die Leser unseres Magazins richten?

Nick:
Support the underground! Bestellt unsere Platte und checkt unsere Homepage für Termine und News. Außerdem möchte ich mich auch mal bei allen "ehrenamtlichen" Roadies, Helfern, Magazinen und Veranstaltern bedanken, die uns bislang unterstützt haben.

Martin:
Ich wünsche dir und deinen PURID-Mitstreitern alles Gute und viel Glück bei der Suche nach einer fairen, engagierten Plattenfirma!

Nick:
Jau, Dankeschön, wir werden euch informieren, wenn es da was Neues zu berichten gibt.

Redakteur:
Martin Loga

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