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PYRACANDA: Interview mit Dieter Wittbecker

15.06.2020 | 22:32

PYRACANDA ist wieder am Start. Zu Beginn der 1990er Jahre haben die Koblenzer mit "Two Sides Of A Coin" und "Thorns" zwei brillante, astreine Thrash-Metal-Perlen an die hungrige Meute gebracht. Doch irgendwann kam es zum Split und die Band löste sich auf. Doch nun - mehr als 20 Jahre später - sind Dieter Wittbecker und seine Mannen wieder am Start und haben viel vor. Was genau? Nun, das kann euch der Bassist der Band wohl am besten selbst mitteilen.

Hi Dieter! Schön, dass es mit dem Interview klappt. Dir vielen Dank hierfür. Allem voran: Wie geht es dir? Wie ist die Stimmung bei PYRACANDA?

Hallo Marcel, stimmt. Ja, das ist auch das erste Interview nach der PYRACANDA-Reunion Show im Februar. Die Stimmung in der Band ist eigentlich ganz gut. Schade natürlich, dass aufgrund von Corona so viele Shows verschoben werden. Das kann aber leider aktuell niemand beeinflussen. Das geschieht halt gerade und jeder versucht sich mit seinen Möglichkeiten damit zu arrangieren und das Beste daraus zu machen. Ist leider nicht immer so einfach und gerade für viele Musiker eine echt kritische Situation.

Im vergangenen Jahr kam für viele die überraschende Mitteilung: PYRACANDA gibt es wieder! Was war der Grund für die Reunion und wie wurde diese in Gang gebracht? Kläre uns doch einmal auf...

Ja, PYRACANDA gibt es wieder. Und wir waren von der Menge der positiven Reaktionen sehr überrascht und begeistert. Danke nochmals an alle dafür. Der Grund für die Reunion ist recht schnell erklärt. PYRACANDA ist wie eine Familie. Da gehören alle dazu. Wir treffen uns immer wieder und haben in Vergangenheit oft gemeinsam zwei, drei, fünfzehn Bierchen den rechten Weg gezeigt und Spaß gehabt. Und das war auch der Grund. Die unter euch, die uns persönlich kennen, wissen das. Wir machen das, weil uns PYRACANDA einen wahnsinnigen Spaß macht. Ja und nach dem, was alles vor der Reunion stattfand - die gute Präsenz auf Spotify, Deezer, Amazon und Apple Music, der Re-Release der "Two Sides Of A Coin" durch Divebomb Records USA, die Neuauflage der "Thorns" in Russland durch Blacksmith Productions, und und und - wurden die Stimmen der Fans lauter und wir bekamen wieder richtig Lust die alten PYRACANDA-Songs von der Bühne zu brüllen.

1997 war ich zarte neun Jahre alt. Damals wurde die Band vorläufig zu Grabe getragen. Magst du mir und unseren Lesern einen kleinen Reminder geben, wie es zur damaligen Entscheidung kam und wie ihr die Zeit zwischen 1997 und 2019 verbracht habt?

Klar. Nach dem zweiten Album hat Elmar die Drum-Sticks an Patrick Grün übergeben. Patrick war damals 19 Jahre alt und hat uns schon damals förmlich weggepustet. Wir haben dann noch ungefähr anderthalb Jahre zusammen in der Formation PYRACANDA gelebt, bis dann Sven das Angebot von RAGE annahm. Das war damals so ein Wendepunkt und hat uns veranlasst, einfach mal was Neues zu machen. Der Rest der Band hat dann unter anderem Namen einen neuen Plattenvertrag unterschrieben und ein deutschsprachiges Album mit modernen Klängen auf den Markt gebracht. Wir haben einfach rumprobiert. Uns war halt danach. Und deshalb war das für uns in dem Moment auch richtig. Natürlich hat jeder dann irgendwie auch sein eigenes Ding gemacht und wir haben auch mit anderen Musikern rumexperimentiert und unser Leben gelebt. Das alles war aber fernab von PYRACANDA.

Konntet ihr über all die Jahre den Kontakt aufrecht erhalten oder wie lief das ab? Waren alle Mitglieder ob der Wiederzusammenkunft direkt Feuer und Flamme?

Alte Liebe rostet nicht. Wir waren immer noch beste Kumpels. Irgendwann nach der wahnsinnigen Resonanz auf die digitalen Releases und die CD-Re-Releases kam dann ja die Idee zur Reunion. Wir haben das offen miteinander beim Abendessen diskutiert und raus kam ein einstimmiges "Das machen wir - das wird geil!" Die erste Probe ist dann zufällig im Proberaum einer befreundeten Band entstanden. Ich glaube sogar, da gibt es Videomaterial von. Dann kam irgendwann als neuer Mann noch Denis an der Gitarre hinzu. Patrick hat ihn einfach von CALIBAN mitgebracht, ein toller Mensch und ein fantastischer Musiker. Danach fühlten wir uns komplett, es ging los und das alte PYRACANDA-Gefühl war sofort wieder da. Der Proberaum wurde ungeplant zum Treffpunkt unserer alten Gang und man konnte so manche Träne der Freude und Begeisterung in den Augen dieser alten Recken sehen. Da wussten wir, dass wir alles richtig gemacht haben.

Im Februar fand im JUZ in Andernach eure Reunion-Show statt. Berichte doch einmal, wie es war, mit den alten Weggefährten wieder auf der Bühne zu stehen und Songs der "Two Sides Of A Coin" und "Thorns" live zu spielen?

(Grinst über's ganze Gesicht) Jawoll. Im Februar war es dann so weit. Die Hütte war voll, und wir waren natürlich alle komplett aufgeregt. Im Vorprogramm heizten METAL INQUISITOR, ANGEL DUST und ADDICT kräftig ein und dann ging es für uns auf die Bühne. Wir haben sofort mit 'Challenge Cup' angefangen. Es musste gleich krachen. Das war uns wichtig. Und genau so ging es dann auch weiter. Elmar setzte sich dann noch einmal für 'Dreamworld' hinters Schlagzeug. Das war toll für uns. Denn wie schon gesagt, wir sind alle eine Familie.

Wie war daraufhin die Resonanz der Fans? Speziell einige ältere Semester dürftet ihr mit der Reunion und dem entsprechenden Gig ziemlich glücklich gemacht haben, oder?

Die Resonanz war bombig. Sowohl das direkte Feedback der Fans als auch die Konzertberichte der einzelnen Magazine waren durchweg positiv. Schau dir gerne mal die Videos auf YouTube an. Für viele Fans war es außerdem das letzte Konzert vor Corona. Wir hoffen, dass es bald weitergehen darf. Denn wir haben ja noch viel vor.

Ich habe vorhin die beiden PYRACANDA-Alben erwähnt. Welche Gedanken und Gefühle kommen in dir hoch, wenn du die Artworks oder Tracklisten der Scheiben siehst?

Naja, das ist einfach. Das Cover der "Two Sides Of A Coin" ist Kult. Was auch immer wir mit diesem Bild anbieten, die Fans wollen es haben, verrückt. Wir haben neues Merchandise gemacht. Auch andere Motive. Ja, die werden auch gekauft, aber die Lady mit den schönen Augen und der Messerfresse ist immer noch der absolute Bestseller. Das Cover der "Thorns" passt gut zum Inhalt. Nicht so direkt eingängig wie die "Two Sides Of A Coin", doch beim zweiten oder dritten Sehen bzw. Hören geht es dann richtig rein. Mit all den versteckten und zuerst wirr erscheinenden Aspekten. Die "Two Sides Of A Coin" hingegen siehst du, hörst du und es ist sofort alles klar.

Eine Frage brennt sicherlich vielen Fans auf der Seele: Wie sieht es mit neuem Material aus? Darf man - und wenn ja, wann - mit neuen Songs rechnen? Wie solch ein Comeback funktioniert, haben ja eure Genre-Kollegen von DARKNESS vor einigen Jahren sehr gut unter Beweis gestellt.

Wir haben nicht geplant nur auf der Bühne zu stehen und die alten Klopper zu spielen. Ja, wir arbeiten bereits an neuen Songs. Das haben wir bereits vor Corona angefangen und wurden dann wie bei einem Coitus Interruptus ausgebremst. Aber dadurch lassen wir uns natürlich nicht runterziehen. Ja, der Proberaum verstaubt gerade ein wenig, aber wir schicken uns das Material hin und her und so entstehen gute Ideen. Obwohl das nach all der Zeit nicht so einfach ist, bin ich wie immer optimistisch. Es soll erst mal uns gefallen, soll nach PYRACANDA klingen und es soll genauso auf die Schnute hauen wie früher. Das ist uns wichtig. Ich freue mich schon jetzt wieder auf die ersten richtigen Proben. Da werden wir anfangen das Material zusammen zu schweißen und auszuarbeiten. Wir sind sehr gespannt.

Ende dieses (für Live-Musik doch sehr schwierigen) Jahres steht das Ragers Elite Festival auf dem Programm, das ihr headlinen werdet. Wie kam der Kontakt zum Veranstalter Frank Wittenborg zustande?

So viele Möglichkeiten gibt es ja bei uns nicht. Entweder kommen die Gigs über unsere Bookerin Nadine rein oder die Veranstalter melden sich direkt bei mir über Facebook oder so. Mit Frank habe ich schon ewig Kontakt. Er hat uns bereits früher auf Konzerten besucht. Ich glaube, wir haben uns im Mai 1990 auf einer unserer Shows im alten Cult in Werl kennengelernt. Und Frank war in der Neuzeit einer der Ersten, die von der Reunion wussten. Irgendwann fragte er, ob wir nicht Bock auf das Ragers Elite Festival hätten. Natürlich hatten wir das. Ist ja auch immer geil, was der Frank da macht.

Sind für kommendes Jahr schon weitere Auftritte geplant oder wollt ihr erst einmal schauen, wie es im Dezember läuft?

Wie gesagt, PYRACANDA ist wieder da. Und das nicht nur für ein oder zwei Konzerte. Klar, 2021 geht es weiter. Wir haben noch Platz auf dem Kalender - also sprecht uns an. Homepage, Facebook, über Nadine, mich direkt...

Dieter, vielen Dank für Rede und Antwort, ich freue mich sehr, dass PYRACANDA wieder am Start ist. Was möchtest du euren Fans und unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Wir haben fest damit gerechnet, dass die alten Fans wieder voll abfahren, die Musik hören, unsere Shows besuchen und sich interessieren. Und das ist auch so. Alte Liebe rostet nicht. Doch umso mehr sind wir positiv davon überrascht, wie viele junge Metaller auf unsere Mucke abgehen, und auf Facebook liken und uns live sehen wollen. Leute, wie geil, viele von euch waren damals noch gar nicht in Planung, als diese Musik entstand. Danke dafür.

Redakteur:
Marcel Rapp

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